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KLEE – STANKOWSKI

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Ort: Münster - Jovel

Datum: 18.10.2011

Die KLEEblätter sind mir im Laufe der Jahre zu treuen Begleitern geworden, sowohl auf Konserve als auch live. Über 5 Alben hinweg begeistern mich Suzie Kerstgens und Co. nun schon mit ihren poetisch-melancholischen Liebesliedern, die oft berühren und nur sehr selten ins Kitschige abdriften, auch das neue Werk und Tour-Namensgeber „Aus lauter Liebe“ macht da keine Ausnahme. Geändert haben sich höchstens die Frisur der charmanten Chanteuse und mittlerweile auch das Line Up, denn Gitarrist Tom Deininger hat im Vorjahr leider das Handtuch geworfen. Natürlich hielt uns das dennoch nicht davon ab, an diesem tristen Oktober Abend in meine alte Heimat Münster aufzubrechen, wo man mit dem Jovel (2.0) gar einen Kultschuppen gebucht hatte, der mit ca. 250 Besuchern leider nicht sonderlich gut gefüllt war.

Bevor allerdings die Domstädter die Bühne unsicher machen sollten, war noch ein Support an der Reihe, der bei dieser Tour wechselte und heuer von Herrn STANKOWSKI gegeben wurde. Ebenfalls kein Unbekannter, war uns der Hüne doch als Teil des Kreativ-Duos WERLE & STANKOWSKI schon häufiger begegnet (u.a. als Support von 2RAUMWOHNUNG und BLACKMAIL). Mittlerweile hat er im April 2011 die Soloscheibe „Torres Vol. 01“ veröffentlicht, was ihn nicht davon abhielt, live wieder mit einem Partner-In-Crime aufzutreten. In diesem Falle Benedikt Filleböck von der Formation WOLKE, die 2005 ebenfalls schon mal als KLEE-Anheizer fungiert hatte, die Kreise schließen sich also. Nachdem Suzie wunderbar kollegial ihren Opener angepriesen hatte, betraten die beiden Herren nun also die Szenerie und mussten ein wenig ins Leere spielen. Schade eigentlich, denn der Songwriter Pop auf Gitarre und E-Piano hätte durchaus mehr Anklang verdient gehabt, doch Johannes gab sein Bestes und verzierte seine ausnehmend gute Gesangsleistung noch mit ein paar süffisanten Ansagen. Im Gepäck hatte er zudem Songmaterial des bereits erwähnten Longplayers wie „Down Below“, aber auch das EAST RIVER PIPE-Cover „Backroom Deals“ und mit „Everything Fails“ schon einen Ausblick auf das im November erscheinende Folgewerk. Musik, die ein Kollege „Kondens-Pop“ getauft hat und die im intimeren Rahmen sicher noch wirkungsvoller gewesen wäre.

Setlist STANKOWSKI
Lights out
Backroom deals
I like it
Borrowed wings
Out of time
She was love
Everything fails
Down below

Umzubauen gab es nicht viel, denn Sten Servaes benutzte das rechts positionierte Keyboard gleich weiter und das restliche Instrumentarium ward bereits aufgefahren, inklusive einiger „lustiger“ Nachttischlampen. Gegen 21 Uhr war es soweit und die KLEEs traten in 6-Personen-Stärke auf, die 3 „Saitenhexer“ dabei diagonal angeordnet, wobei man sich sicher etwas gedacht hat… Frau Kerstgens lässt die Haare anscheinend wieder wachsen, was ihr einige Möglichkeiten hinsichtlich schräger Frisureinfälle gibt, geblieben ist ihr ausladender und sehr unterhaltsamer Redeschwall, der mal wieder für Lachanfälle im Publikum sorgte. Scheinbar mühelos wechselte sie das Sujet, wobei der Laie ungeahnte Einblicke in ihr Leben gewinnen konnte. So erfuhren wir, dass eine ihrer Basen der Liebe wegen nach Neuseeland gezogen ist, dass sie in ihrer Teenagerzeit gerne nach Münster zu ihrer großen, studierenden Schwester abgeschoben wurde und dass die Band 2011 mit einem Delphinarischen Nightliner unterwegs ist. Nicht zu vergessen die Vorstellung ihrer beiden Katzen Miss Kubelik und Mister Baxter (Billy Wilder anyone?), die eine lieb und ausladend proportioniert, der andere traumatisch bzw. scheu, irgendwie hab ich 2 analoge Wesen hier in meinen 4 Wänden. Aber zurück zur Musik, die einen bunten Streifzug durch die KLEEsche Discographie bot. Da gab es Klassiker wie „Lichtstrahl“ mit der bekannten Lampeneinlage und einem heftigen Instrumental-Gewitter gegen Ende genauso wie aktuelles Material à la „Außer Atem“ oder „Natalie“, das 2 blinden Kindern gewidmet wurde, mit denen man zusammen gearbeitet hat. Mit „Fliegen“ performte man einen Song annähernd akustisch und setzte so zielsicher einen Ruhepunkt zwischen die doch meist treibenderen Stücke. Leider war das Münsteraner Auditorium ein wenig dröge, zumindest der Applaus verriet aber echte Begeisterung. Mit dem perfekten „Floorkiller-Doppel“ „Nicht immer aber jetzt“ sowie dem wunderschönen „Gold“ (hier wurde das Ende zugunsten der Goldglitter-Einlage ein wenig verlängert) verabschiedete man sich fürs Erste von den Zuschauern, unter denen sich auch Suzies Eltern, Patenonkel und -kind befanden.

Doch man hatte noch 7 weitere Songs im Gepäck, von zart bis hart, welche die gesamte emotionale Bandbreite der Rheinländer abdeckten, so etwa das bittersüsse „Adieu“, das eigentlich bestens für ein Konzert-Ende geeignet scheint. Mittlerweile hatte sich Suzie bereits in das dritte Outfit geworfen, vom kleinen Schwarzen bis hin zu Shirt und Jeans war alles dabei. Auch eine Bandvorstellung durfte natürlich nicht fehlen und wenngleich man als Sextett einen sehr wohlklingenden Sound fabrizierte, so fehlte doch ein wenig der Dialog mit Herrn Deininger, der früher einen guten Konterpart für die Albernheiten seiner Frontfrau abgab. Nichtsdestotrotz ein erwartungsgemäß sehr gelungener Abend mit einer gut gewählten Setlist, einer spiel- und teils auch redefreudigen Band sowie einer wirklich stimmungsvollen Lichtshow, die mit im Grunde recht einfachen Mitteln erzielt wurde. Nächstes Mal dürfen gerne doppelt so viele Besucher Eintritt bezahlen!

Setlist KLEE
Für Alle, die
Schmetterlingsflügelschlag
Außer Atem
Tausendfach
Natalie
2 Fragen
Die Stadt
Nimm dein Leben in die Hand
Lichtstrahl
Fliegen
Wir beide
Willst du bei mir bleiben
Unverwundbar
Nicht immer aber jetzt
Gold

2 Herzen
Wunschfrei
Weil es Liebe ist
Adieu

Ich will nicht gehen, wenn’s am schönsten ist
Erinner dich
Über mir die Sterne

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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