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KRACH AM BACH 2006

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Ort: Beelen

Datum: 28.07.2006 - 29.07.2006

Wieder ist ein Jahr vergangen und wieder einmal ruft das Krach am Bach Festival die Leute aus der Umgebung ins kleine Dörfchen Beelen. Wenn man abergläubisch wäre, könnte man meinen, dass dieses Jahr kein gutes Festival zu erwarten wäre, immerhin ist dieses Jahr die 13. Wiederholung. Das Wetter jedenfalls spielte erst mal nicht richtig mit. War es morgens noch sonnig und recht warm, zog nachmittags ein Gewitter übers Land und sorgte für Abkühlung, nasse Böden und einen kaputten Generator, so dass MONTREAL aus Hamburg zwar ihre Show pünktlich beginnen konnten, aber nach drei Liedern auch für zweieinhalb Stunden Pause war. Den Festivalbesuchern konnte die Pause nicht wirklich die Laune verderben, man frönte dem ausgiebigen Alkoholgenuss, spielte Spiele oder besuchte die zweite, kleinere Bühne.

Hatte letztes Jahr die kleinere Bühne noch am Freitag als Regenschutz gedient und war samstags eher schlecht frequentiert worden, hatte man die Organisation und Bandbestückung nun Soundpool.net überlassen. Bis auf zwei Durchgänge war die Bühne vom eigentlichen Festivalgelände nicht zu betreten, Blumenvorhänge und ein Bierstand schafften hier eine kleine, gemütliche Ecke. Mit Sesseln, Sonnenblumen und Lichterketten wurden die kleine Bühne und ihr Vorplatz in ein Wohnzimmer unter freiem Himmel verwandelt. So skurril die Deko war, so ungewöhnlich war auch das musikalische Programm. Den Anfang machte ein mexikanischer Gitarrenspieler, der Lieder aus seiner Heimat zum Besten gab. TRANSMITTER aus Hannover waren danach nicht weniger bemerkenswert. Mit ihrer Mischung aus Rap, Funk, Dub und Rock konnten sie bei ihren zwei jeweils 30-minütigen Gigs vom ersten Ton an die Leute zum Tanzen bringen.

MONTREAL kamen nach langer Pause dann doch wieder auf die Bühne und fingen dort an, wo sie aufgehört hatten, mitten im Refrain des dritten Liedes. Ihr intelligenter Deutschpunk kam bei den Festivalbesuchern sehr gut an. Einen besseren Opener hätten sich die Veranstalter nicht wünschen können.

Nach MONTREAL gaben sich LORD BISHOP die Ehre. Mit seiner Mischung aus Funk, Soul und Rock ’n’ Roll spielte sich der Sex-Rock-Missionar sofort in die Herzen der Hörer. Musikalischer Höhepunkt seiner Show war die eigene Version von „Purple Haze“, welche Hendrix nicht besser hätte spielen können. Sein Auftreten allerdings gab mir doch sehr zu denken. Nicht besonders gelungen fand ich, dass der 2-Meter-Hüne erst mal seinen Whiskey dem teilweise minderjährigen Publikum zu trinken anbot, was dann auch reichlich genutzt wurde. Der absolute Tiefpunkt war allerdings seine Feststellung, dass die Israelis scheiße seien und er das als schwarzer Amerikaner sagen dürfe. So etwas Unüberlegtes werde ich hier jetzt nicht weiter kommentieren.

Eigentlich sollten nach LORD BISHOP BOOZED aus Bramsche auf der Bühne stehen, leider mussten sie wegen eines Krankheitsfalles aber ihren Auftritt kurzfristig absagen. GODS OF BLITZ danach waren der eigentliche Headliner des Abends. Ihre Mischung aus Garagenrock und Neopunk holte auch die letzten Festivalgäste vom Zeltplatz vor die Bühne. Die vier Jungs hinterließen mit ihrer lockeren, straighten Rockshow einen mehr als positiven Eindruck. Man hatte von Anfang an das Gefühl, hier sieht man eine Band, die es in den nächsten Jahren bis ganz nach oben bringen wird.

Leider war nach GODS OF BLITZ der erste Festivaltag beendet. Der kurze, aber heftige Regen und die Kühle der Nacht zwangen mich dazu, nach Hause zu fahren und so einer Erkältung vorzubeugen. Schade eigentlich, hatte ich dadurch ABSYNTHE MINDED verpasst, die mit ihrem psychedelischen Rock für viele der absolute Höhepunkt waren. Jedenfalls sprach am Samstag jeder, den ich traf, von einem grandiosen Finale.

Der Samstag fing eigentlich an wie der Freitag: Erst Sonne und dann doch noch etwas Regen, allerdings nicht so viel und nicht so heftig. Da ich schon ziemlich früh auf dem Festivalgelände war, zog ich mich mit Kaffee und Frühstück in einen Sessel an der kleinen Bühne zurück. Das eigentliche Programm hier sollte zwar erst um 15.15 Uhr beginnen, allerdings hatten die Jungs von LOST YOUTH ziemliche Langeweile und konnten den Veranstalter überreden, eine Jamsession zu veranstalten. Gute 45 Minuten zeigten die vier Jungs, was sie so an den Instrumenten konnten – ein ordentlich rauer Jazz war das Resultat.

Da die Bühnen sich mit den Auftritten abwechselten, werde ich hier erst die kleinere Bühne und dann das komplette Programm der größeren Bühne aufschreiben. So sollte es zu weniger Verwirrung kommen.

Nach dem kleinen Jam war auch erst mal auf der kleinen Bühne lange Pause, bis BRANDTSTIFTER, ein Singer & Songwriter aus Münster, die Bühne betrat. Neben ein paar eigenen Stücken, coverte er eigentlich die ganze Zeit Songs, die JOHNNY CASH vor ihm gecovert hatte. Wen man bedenkt, was noch kommen sollte, war es musikalisch eine gute Einleitung in das ursprüngliche Programm.

Anderthalb Stunden später saß dann MAX STÜRMER vor dem Mikrophon, und gab aus seinem Buch “Where is my mind” Passagen zum Besten. Der Bielefelder hatte sich die nette Idee zu eigen gemacht, vor der Lesung und zwischen den Texten, die Lieder, um die es sich bei den Stücken handelt, durch die Anlage zu jagen. Leider waren die musikalischen Einlagen so extrem laut, dass sich der Raum vor den Boxen schnell leerte. Trotzdem konnte er durch seine nachdenklich witzigen Texte der Veranstaltung seinen Stempel aufdrücken. Ich persönlich war bis zu diesem Auftritt eigentlich kein Freund von Lesungen auf Festivalbühnen, Max Stürmer hat mich zu einem Freund dieser Abwechslung gemacht.

CALM WIZARDRY aus Bad Bad Salzuflen waren an diesem Nachmittag der absolute Tiefpunkt des Programms. Mit ihrem sektenartigen Auftritt (alle fast gleich in hellen Tönen gekleidet), ihrem Rockstar-Gehabe im Backstage-Bereich (man grüßt sich untereinander, wenn man sich über den Weg läuft) und ihrer absolut langweiligen Mischung aus Soul, Folk, Gospel und Rock schafften sie es innerhalb kürzester Zeit, die Leute von der kleinen Bühne weg aufs Festivalgelände zu treiben. Leider war durch eine Absage das Publikum gezwungen, sich CALM WIZARDRY zweimal jeweils eine halbe Stunde anzuhören.

THIRST, die zwischen den beiden Auftritten ihren eigenen hatten, konnte ich leider nur mit halbem Ohr verfolgen, da zur gleichen Zeit MUFF POTTER mir ein Interview gaben. So konnte ich immer nur Fragmente ihres Funkrocks hören.

Höhepunkt des Abends waren LOST YOUTH. Die fünf Jungs aus Beckum, die teilweise schon beim Jam positiv aufgefallen waren, konnten nun auch dem letzten Besucher ihr Können demonstrieren. MOJO JAZZ MOB hatten vorher von der großen Bühne aus aufgerufen, sich LOST YOUTH auf jeden Fall anzuschauen, dementsprechend wurde auch eine Trennwand abgebaut, da sonst zu wenig Platz vor der Bühne gewesen wäre. MOJO JAZZ MOB hatten Recht mit ihrer Aussage, dass die Beckumer gut seien. Mit einem sehr ruppigen und schnellen Stoner Rock brachten sie die Leute vom ersten Moment an zum Abgehen.

Zwar war der Sänger während der ersten beiden Lieder ziemlich nervös, was teilweise in seiner Stimme zu hören war, aber durch das frenetische Publikum wurde soviel Selbstvertrauen getankt, dass das Lampenfieber schnell vergessen wurde. Ich denke mal, da es erst ihr achter Auftritt war und sie alle noch sehr jung sind (Durchschnittsalter 17), werden wir in den nächsten Jahren wohl noch viel von ihnen hören.

Die große Bühne fing Punkt 13 Uhr mit SON an. Im Programmheft hieß es zwar „Metal zum Mittag“, aber von Metal kaum eine Spur. Eher progressiver Hardrock, den die fünf Jungs anboten. Zwar fanden sich ein paar, die schon wieder betrunken waren, um diese Band zu feiern, aber eigentlich war es jetzt nicht unbedingt so, dass etwas hängen blieb.

NICE BOY MUSIC aus Hamburg hatten da um 14.30 Uhr schon bessere Voraussetzungen. Es waren mehr Zuschauer da und mit ihrer Beat Interpretation liegen sie momentan einfach im Trend. Hätten sie etwas später gespielt, wären die Leute auch wesentlich aktiver gewesen. So aber haben sie, wie auch schon SON vor ihnen, keinen wirklichen Höhepunkt setzen können.

DANIEL BENJAMIN UND BAND brachten mich dazu, im Sessel sitzend einzuschlafen. Mit völlig gelangweilter Stimme wurde dem Publikum gesagt, dass sie ihre Sitzbänke bitte direkt vor die Bühne stellen sollen, damit es voller aussieht, sonst würde ein Ordner kommen und die Bänke umschubsen. Das war dann auch schon das Highlight des Auftritts. Mit ihrem langsamen, nölig gelangweilten Gesang und dem absolut ruhigen Gitarrenpop brachten sie viele Leute dazu, doch noch einen Mittagsschlaf zu halten.

Ganz anders klangen dann IN VEINS. Mit ihrem sehr SYSTEM OF A DOWN-ähnlichen Sound und Gesang wurden die Massen vom ersten Lied an mitgerissen. Zwar waren sie nicht ganz so hart wie die besagte Band, konnten aber durch intelligente und abwechslungsreiche Songstrukturen auch die Metaller von sich überzeugen. Zum ersten Mal an diesem Tag kam es vor der Hauptbühne zu einer richtigen Festivalstimmung.

In den letzten Jahren hatten MOJO JAZZ MOB es nicht geschafft, auf der Bühne des Krach am Bach zu spielen. Mal verloren sie den Nachwuchsband Contest, dann wurden sie einfach abgelehnt, diesmal allerdings hatten sie Glück und bekamen um 19 Uhr auf der Hauptbühne die Chance, zu zeigen, was sie können. Die Jungs aus Ahlen ließen es vom ersten Moment an krachen. Das Publikum war mittlerweile ziemlich zahlreich vertreten, bildete zu den Stoner Metal Klängen den ersten richtig großen Moshpit und belohnten so die Band für ihren grandiosen Auftritt. Besonders der abwechslungsreiche Gesang muss hier mal erwähnt werden. Zwischen melodiösem Singen und abgrundtiefem Gegrunze war wirklich jede Tonlage dabei.

Leider konnten BELASCO mit ihrem durchaus guten Indierock die Stimmung vor der Bühne nicht halten. Zwar kamen viele ältere Festivalbesucher, um etwas zu tanzen, aber der Elan, der Schwung der Jugend fehlte etwas. Trotzdem waren BELASCO eine Bereicherung des Festivals. Es kamen auch mal die zum Zuge, die eher die ruhigen Töne bevorzugen und zum anderen ist Abwechslung das, was vielen Festivals leider fehlt.

Mit MILLIONAIRE aus Belgien war einer der Höhepunkte des zweiten Abends erreicht. Viele der Zuschauer, die noch auf dem Zeltplatz waren, kamen jetzt vor die Bühne gelaufen, um zu sehen, warum QUEENS OF THE STONE AGE die Belgier unbedingt auf ihrer Europatour mitnehmen wollten. Allein MILLIONAIRE waren den Eintritt des Tages wert. Tim Vanhamel, der vielen noch von DEUS ein Begriff sein dürfte, zog mit seiner Stimme die Leute einfach in seinen Bann. Abwechslungsreicher Rock und eine eindringliche Stimme brachten wirklich auch den letzten Besucher zum Tanzen.

Mit kleiner Verspätung kamen so gegen 24 Uhr MUFF POTTER aus Münster auf die Bühne. Da sie der eigentliche Headliner des ganzen Festivals waren, hielten sich die Ansprüche dementsprechend hoch. MUFF POTTER konnten mit ihrem Alternative Punkrock und intelligenten, witzigen Ansagen auch den letzten Kritiker verstummen lassen. Eine gute Stunde holten sie das Letzte aus den feiernden Festivalbesuchern raus.

Krönender Abschluss eines gelungenen Festivals waren DA WHOLE ENCHILADA, welche ein paar Fans aus Spanien mitgebracht hatten. Nach reichlich Jack Daniels und zwei gelungenen Coverversionen von “Fight for your Right” und “Video killed the Radiostar” fand dieses Krach am Bach ein gutes Ende.

Nach dem verregneten Festival im Vorjahr haben die Leute um Klaus Hartmann es wieder einmal geschafft, ein richtig tolles Event auf die Beine zu stellen. Nicht nur, dass sie den gesamten Gewinn spenden, sie schaffen es auch Tausende friedliche Gesichter zu zaubern. Alt, jung, behindert, nichtbehindert, alle hatten wie jedes Jahr Spaß an dieser grandiosen Party. Ein kleiner Nachtrag: Die Spenden dieses Jahr gingen an Lebenshilfe e.V. und an das Frauenhaus in Warendorf, welches durch finanzielle Probleme arg gebeutelt ist. Wer mehr über beide Organisationen erfahren möchte, schaue bitte einmal auf die Homepage vom Krach am Bach.

Copyright Fotos: Nicolai Meyer

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