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KROKUS – CRYSTAL BALL

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Ort: Nürnberg - Hirsch

Datum: 18.05.2014

Anfang des Jahres tourten sie noch mit den POODLES durch Europa, jetzt unterstützen die Schweizer CRYSTAL BALL ihre Landsmannen KROKUS und hoffen natürlich auf weitere Abnehmer ihres 2013 erschienenen Comeback-Silberlings „Dawnbreaker“. So ganz abwegig scheint diese Strategie nicht, denn die 1995 als Coverband unter dem Namen CHERRY PIE gestartete Karriere der Rock-Lieder-Macher kreuzte seither den Weg von Genregrößen wie DOKKEN, U.D.O., DORO und eben– welch ein Wunder –auch KROKUS. Gerade um die Jahrtausendwende begeisterten CRYSTAL BALL mit „Hard Impact“ Musikredaktionen wie Liebhaber powervoller metallisch-rockiger Tonkunst, legten weitere Beweisstücke ihres Könnens im gutbesiedelten und ertragreichen Ödland von Melodic und Power Metal sowie Hard Rock nach und glänzen nach kreativer Schaffenspause aktuell mit erneuertem Frontend: Steven Mageney heißt das Klangwunder, das „Dawnbreaker“ zum Fliegen bringen soll. Leider nix neues, sondern eher altbekanntes tönt da jedoch um Punkt 20 Uhr aus den Boxen. Der Opener der aktuellen Scheibe „Zarathustra“ überrascht zwar, weil unerwartet, sorgt dennoch nicht gerade für Mörderandrang im begehrten Fan-Epizentrum direkt vor der Bühne des Geschehens. Doch handwerklich einwandfrei zupfen sich Klangmeister Scott Leach und Markus Flury durch das Set, und sehen dank Basser Chris Stone mitsamt grüner Saiten auch noch richtig giftig aus. CRYSTAL BALL geben sich alle Mühe, die inzwischen gewachsene Meute dauergewellter FoKuHiLa-Schnurrbart-80-Zeitreisender in Schwung zu rocken. Dabei helfen alte Nummern wie „Dance With The Devil“, „Powerflight“ oder „Hellvetia“ und neue Werke, unter anderem „Back For Good“, „Power Pack“ – ist das da etwa DANZIG? Oh ne doch nich – und die sehr powermelodische Single „Anyone Can Be A Hero“. Gut 40 Minuten, ein paar Klamottenwechsel (!) später und fahnenschwingend verabschieden sich die fünf Schweizer vom mittlerweile zumindest angewärmten, doch immer noch stoisch-sturen Metal-Anhänger. Ob‘s an der Sprache liegt?

Das Gegenteil beweisen darf nun ein weiteres Schweizer Original! KROKUS, das sind mehr als 40 Jahre Bühnenerfahrung inkl. diverser Frisch-Zellen-Zuführungen. Mit mehr als 17 Alben vorwiegend hart rockender Natur konnten KROKUS sogar jenseits schweizerischer Grenzen in Europa und auf der anderen Seite des Globus Herzen für sich gewinnen. Da darf man auch ein bisschen Diva spielen und die Fans vor der Bühne zu Geduld erziehen. Schließlich können die sich zur Vorbereitung auf das Musik-Ereignis des Abends ja noch schnell das jüngst erschienene Live-Album “Long Stick Goes Boom (Live From Da House Of Rust)” durch die Gehörgänge jagen. Eben genauso starten KROKUS nämlich gegen 21:15 nebelverhüllt, aber unüberhörbar laut ihr Set. Der Sound kann sich sehen lassen, die Klampferei von Fernando von Arb, Mandy Meyer sowie Mark Kohler und Basser (und Produzent) Chris von Rohr kommt sauber aus den Boxen, Marc Storaces Stimme ist hier und da noch ein Müh zu laut abgemischt, Trommler Flavio Mezzodi liefert das perfekte stampfende Rückgrat. Mit anderen Worten: Hier gibt’s hier ordentlich was auf die Ohren. Die Urgesteine fackeln nicht lange, grooven gekonnt von „Tokyo Nights“ über “Bedside Radio“ oder „Eat The Rich“ bis hin zum neueren „Dög Song“ Hit für Hit, die FoKuHiLas jubeln, schwingen die(steifen) Hüften und schwingen verzückt auch noch die letzten Haare. Endlich!

Schnell ist klar: So wie der aktuell erwerbbare Live-Mitschnitt fürs Wohnzimmer besteht auch die heutige Setlist fast ausnahmslos aus früheren Studiowerken von „Metal Rendez-Vous“ bis „Headhunter“ (1980 bis 1983), sowie neueren Ergüssen wie „Hellraiser“, „Hoodoo“ und „Dirty Dynamite“. Firlefanz? Fehlanzeige! Gekonnt schnörkelloser, bodenständiger, rifflastiger Auf die Fresse-Rock – KROKUS wissen, was ihre Fans von ihnen erwarten und liefern bedingungslos ab. Das bisweilen zwischen den Songs eingeworfene Schweizerdeutsch klingt zwar niedlich, sorgt jedoch für irritierte Gesichter hinter dem Bühnengraben. So was versteht der Ur-Franke leider nicht. Da steht Dialekt gegen Dialekt… Egal… guten Rock’n’Roll schließlich kapiert jeder und so gönnt Storace, der kleine Bruder von ACCEPT-Röhre Mark Tornillo (EHRLICH!!!!) der Meute ausgelassener Franken die erste Verschnaufpause erst beim balladesken „Screaming In The Night“, bevor zu „Hellraiser“ erneut der Boden wackelt und die Ohren dröhnen.

Nach einer guten Stunde sagen KROKUS zum ersten Mal Adieu, beweisen bei „Easy Rocker“ mit Leichtigkeit zockend, wieviel Power auch in vermeintlich wohlverstaubtem 80er-Material steckt und sind schnell auf die Bühne zurückgejubelt: „Hoodoo Woman“ geht in die Beine und auch der eigens für die Eishockey-WM 2009 in der Schweiz komponierte Song „Live for the Action“ sorgt für ordentlich rockige Stimmung. So sprüht auch Zugabe Nummer Zwei nur so vor Schulterpolster-Dauerwellen-Feeling: der Titelsong des gleichnamigen 1983-Silberlings „Headhunter“ sorgt für versonnenes bis peinlich berührtes Lächeln ob damaliger modischer wie partnerschaftlicher Fehltitte, bevor die versammelte Franken-Meute zu „The Mighty Quinn“ grölend das Ende dieser knapp 90 minütigen 80er-Zeitreise feiert.

Sound: Bombe mit Sternchen
Publikum: Zurück in die Zukunft Teil V
Vom Konzert gelernt: „Komm, wir gehen auf ein Ü-50 Konzert und lüften die Dauerwelle!“

Setlist KROKUS
Addio a Cheyenne (ENNIO MORRICONE)
Long Stick Goes Boom
Hallelujah Rock ‘n’ Roll
Go Baby Go
American Woman (THE GUESS WHO Cover)
Tokyo Nights
Fire
Rock City/ Better Than Sex/ Dög Song
Screaming in the Night
Hellraiser
Bedside Radio
Heatstrokes
Eat the Rich
Easy Rocker

Hoodoo Woman
Live for the Action

Headhunter
Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn) (BOB DYLAN Cover)
Always Look on the Bright Side of Life (MONTY PYTHON)

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