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KVELERTAK – TOXIC HOLOCAUST – THE SECRET – WOLVES LIKE US

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Ort: Münster - Sputnikhalle

Datum: 10.12.2011

Hoch im Norden produzieren sie seit geraumer Zeit wieder Bands ohne Ende, teils unverschämt deutlich abseits von urwüchsigen Black Metal-Tugenden. Dieser unvorhergesehene, unverhofft exotische Auswuchs Norwegischer Brachialkultur schlägt vielleicht gerade deshalb auch im zentraleuropäischen Raum so unaufhaltsam seine Wurzeln. Die Zeit war also reif, das wohl bislang effektivste Exportprodukt zur ersten Headliner-Kneipentour aufbrechen und wüten zu lassen. Den letzten Tropfen deutschen Bieres sollten KVELERTAK kurz vor Ende der großen Reise dabei in Münster verkosten – eine Ehre, für die sich das gesamte anwesende Volk, vom Holzfällerhemd bis zur ausgedienten Metalkutte, mit einer einheitlich stilecht bärtigen Abendgarderobe huldigend revanchierte.

WOLVES LIKE US‘ Kreationen konnte vor der Bühne jedoch wohl keiner das Barthaar reichen – ganz abgesehen davon, dass es dafür zahlenmäßig noch an Kontrahenten fehlte. Mehr noch als die Gesichter schmückende Haarpracht hätten die in den höchsten Tönen lobend pfeifenden Stimmen der Presse allerorts, die sich der Besprechung des kaum ein paar Monate alten Debüts „Late Love“ annahm, für die unglücklichen Ahnungslosen Anlass genug sein sollen, pünktlich am Ort des Geschehens zu erscheinen. So wurde die meines Erachtens in vergangener Zeit selten so authentisch erscheinende Klangchemie der aus Norwegen mitgereisten Veteranen – dahingeschiedene Bands wie J.R. EWING und AMULET gehen aus den Vitas der vier Mitglieder hervor – einer überschaubaren Hörerschaft zuteil. Die wurde von der auch live noch unverändert fesselnden Stimmung dieser „alten Liebe“ jedoch vollends vereinnahmt: vor ihren Effekten kniend füllen erst Helvig und Kristensen mit Distortion den Raum, bevor letzterer im durchstartenden Kollektiv auch seine traumhaft leidende Stimme im eröffnenden „Burns like a paper rose“ erhob. Gelassen wirkten sie, vermischt mit Anzeichen von nachvollziehbarer Müdigkeit, aber die Energie hinter der skandinavischen Präsenz ist eine verdammte Konstante, getragen von langjähriger Erfahrung im Osloer Dunstkreis. Dass sie es als WLU zu größerer Popularität bringen werden, scheint schon beschlossene Sache zu sein. Verdient haben sie es, die gutmütigen Norweger. Schöner Auftakt, leider viel zu kurz!

Ein Lob an dieser Stelle für das kulturell wie musikalisch attraktiv gemischte Lineup. THE SECRET nämlich sind Italiener und hatten mit der nordischen Vorhut überhaupt nichts gemeinsam. Dafür mit den Amis TRAP THEM, die sie auf dieser Tour schließlich ersetzten, umso mehr. Auf den Plakaten war diese Planänderung meist nicht einmal vermerkt, so dass der ein oder andere durchaus die fälschliche Annahme gehabt haben könnte, letztere tatsächlich anstatt der eigentlichen Musiker auf den Brettern zu erahnen. Denn die ebenfalls nur vierköpfige Mannschaft verhüllte sich komplett im Nebel, das kleine, vor die deutlich bespielbarere KVELERTAK-Variante gezwängte Schlagzeug war schon gar nicht mehr zu erkennen, und nur das Rot der Deckenspots ließ dunkle Silhouetten erkennen. Dermaßen verstörend brachte die geschaffene Atmosphäre das ultradoomig verschleppte Intro natürlich voll zur Geltung. Da brannte es schon ein wenig in Augen und Ohren, als die grellen Scheinwerfer zeitgleich mit dem zerreißenden Organ des Shouters Marco Coslovich unvermittelt ansprangen. Welche Wucht diese bösartige Melange aus französischem CELESTE-Zermürber-Black Metal, groovig polterndem Grind und mystischen Geräuschen unbekannter Herkunft doch erzeugte! Dem düster lebensverneinenden Klischee-Charakter des Schwarzmetalls wurden die auf Bewegung heißen Südländer trotz allen optischen Bemühungen nicht gerecht. Freude, Begeisterung und Euphorie schwangen stattdessen in den raren Ansagen mit, die Vokalist Coslovich ungebremst inmitten des unaufhörlichen Gemetzels brüllte. Krasses Ding, kaum geeignet für schwache Nerven, aber wer sich gerne musikalisch in den Wahnsinn treiben lassen wollte, kam mehr als gut weg. Auch die Erste-Reihe-Metallköpfe hielten es für schlau, den Nacken schon einmal aufzuwärmen, warteten sie doch bereits sehnlichst darauf,…

… dass TOXIC HOLOCAUST die amerikanische Flagge auf der Bühne hissen würden. Gerade wollte ich mich in der Umbaupause schon fragen, wer eigentlich die ganzen Kutten bestellt hatte, da sah ich drei ihrer Ebenbilder mit allersimpelster Instrumentierung schon auf die Bühne stapfen. Die heimlichen Headliner hingen, obwohl erst ’99 gegründet, wahrscheinlich schon seit Urzeiten in den 80ern fest, aber wie sollten sie auch wissen, dass ihre Blütejahre schon seit langer Zeit vorbei waren, wenn das ungefähr ebenso lange unverändert auf eine Einkehr ihrer amerikanischen Heroen in deutsche Landen wartende Publikum keinen anderen Eindruck vermittelte? Also, Birne aus, Haare raus und THRASH METAL!!! Selten geistreiche Schlachtruf-Titel wie „Nuke the cross“, „666“, „The Lord of the Wasteland“ und zuletzt „Bitch“, primitivstes Gehämmer und rotziges Geprügel, dazu rauchiges Keifen und reanimierte Oldschool-Soli von Stammmitglied Joel Grind, all das war kennzeichnend für den (zumindest gefühlt) dreiviertel- bis einstündigen Beitrag aus Übersee. Diese absolute Monotonie juckte aber wohl nur Außenstehende. Die Matten standen ohnehin auf Dauerrotation, nach Einladung trieben die Ersten halbwegs erfolgreich auf dem Händemeer, und der krönende Augenblick des klassischen Circle-Pits zog dann auch das letzte Metal-Herz in seinen Bann. Man musste es dem Trio aus Portland ja lassen: sie waren nicht nur konstant eintönig, sondern dabei auch brutal ohne Ende und völlig linientreu. Und das machte wohl den Spaß an der ganzen Sache aus. Den konnte man nämlich auch auf irgendeine seltsame Weise als sich kaum bewegender Nicht-Thrasher empfinden. Der Wiederholungsbedarf hält sich im Gegensatz zur Meinung der nun sicher schon nach einer alsbaldigen Rückkehr TOXIC HOLOCAUSTs lechzenden Altherren und Oldschool-Jungspunde bei mir allerdings in Grenzen.

KVELERTAK hingegen erwartete ich kurz vor Beginn der letzten Konzert-Etappe des noch recht jungen Abends unverändert mit einer gewissen Spannung. Zwei ihrer reichlichen Festival-Auftritte in der vergangenen Saison hatten mich bereits überzeugen können, den Stand als gefeierte Quasi-Wegbereiter der Renaissance des norwegischen Alternativspektrums hatten sie, gemessen an dem dargebotenen Gesamtpaket, meiner Meinung nach völlig zu Recht inne. So hatte ich mir durchaus schon vorstellen können, welch ausgelassene Stimmung in einer kleinen Münsteraner Kaschemme herrschen würde, wenn eine weitaus größere Masse unter strahlend schönem Open-Air-Himmel schon in unermüdliche Wallungen gebracht werden konnte. Intelligenterweise schmückte sich die aktuelle Setlist schon zu Beginn mit deftigen Krachern wie „Fossegrim“ und „Blodtorst“, die, obgleich ihrer Unverständlichkeit für das deutsche Publikum, die mittlerweile wohl mit reichlich Bier geölten Stimmbänder zahlreich flattern ließen, und bestätigte besagte Vorahnung ohne jeglichen Zweifel. Zum Leiden der Crew bahnten sich Scharen von Menschen immer wieder aufs Neue Wege, die schon alleine von der nicht weniger aktiven und umgekehrt auch öfters mal im Publikum landenden 6-Mann-Band ziemlich ausgebuchte Bühne betreten zu können, um den Flug in die dicht gedrängte Masse zu wagen. Genau so war es aber auch von Frontbart Erlend Hjelvik, der ebensolche Aktionen in der Dauerschleife forderte, vorgesehen. Dabei fasste er seine Ansagen, die sich in der Hauptsache um Alkohol und, natürlich wie immer, schmeichelhafte Loblieder auf das deutsche Publikum drehten, erträglich kurz, war er sich der gegrölten Zustimmung der teils doch recht gut betankten Münsteraner doch unter jeden Umständen sich. Aber wer will es ihnen auch schon verdenken, wenn gerade am Ende eines berauschenden, superintensiven und höchst spaßigen Gigs logischerweise die Bandhymne „Mjod“, ein Trinklied vor dem Herrn, die Tassen ein letztes Mal ersuchte, sich in ewiger Huldigung gen Bühne zu erheben?

Letztendlich kann ich also ausschließlich lobende Worte für den sich auch überdacht als unbedingt sehenswertes Erlebnis bewährenden Headliner finden. Formidabel vorbereitet von einem interessant gemischten Supportgeflecht setzten KVELERTAK im Dienste der Heimat ein deutliches Zeichen der Rückkehr und dabei natürlich, am Ende einer durchweg gut besuchten Tour, ihren persönlichen Siegeszug erfolgreich fort. Und das ganze Spektakel war selbst für den schmalen Geldbeutel noch bezahlar! Jetzt fehlt nur noch, bitte bitte, eine reine Norwegen-Tour im kommenden Jahr. Ich freue mich schon drauf!

Copyright Fotos: Sebastian Palmer

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