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L’ÂME IMMORTELLE – XPQ-21 – PUNTO OMEGA

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Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 09.12.2006

L’ÂME IMMORTELLE luden zum letzten Akt 2006 ein und… nur relativ wenig Zuschauer kamen. In den Osnabrücker Rosenhof wohlgemerkt, denn andere Dates waren durchaus besser besucht. Ein Phänomen, welches wir schon bei CAMOUFLAGE und ZERAPHINE konstatieren mussten. Liebe Leute, was ist denn mit der schwarzen Szene Südniedersachsens los? Wenn das so weiter geht, werden die entsprechenden Acts einen großen Bogen um eure Gegend machen. Insbesondere die Vorbands hatten darunter zu leiden, aber das war nicht das einzige Problem an diesem Abend. Viel schlimmer war der Umstand, dass bei unserer Ankunft um 19 30 Uhr, also eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn bereits die 2te Formation praktizierte. Dementsprechend hatten wir JESUS ON EXTASY, einen Ruhrgebietsdreier, verpasst, der eh nur bei 2 Shows den Opener machen durfte. Ob damit irgendjemandem ein Gefallen getan wurde, das Trio vor leerem Haus zu verheizen, mag man sicherlich mit „nein“ beantworten. Aber offensichtlich musste pünktlich zur Discostunde um 22 30 Uhr der Saal geräumt sein, von daher „Mund abputzen“ und die Argentinier PUNTO OMEGA genießen, die gerade mit ihrer Spielkunst loslegten.

Eigentlich waren die Südamerikaner einer der Hauptgründe für unsere Anwesenheit an diesem Abend, da die Herren das erste Mal überhaupt in Europa livetechnisch durchstarteten. Pünktlich hierzu hatten sie ihr neues Album bei TRISOL vorgelegt, welches auf den schönen Namen „Nostalgias Del Origen“ hört und sich konzeptionell mit der Odyssee der menschlichen Seele durch eine gewaltsame und gnadenlose Umwelt beschäftigt. Musikalisch umgesetzt im Hellectro Stil mit einigen interessanten Nuancen, wie beispielsweise Live Drums oder die doch recht genreunübliche Nutzung eines Dudelsacks (Titeltrack/ Intro des neuen Werks). Erwartungsgemäß war das typische LAI-Publikum doch eher skeptisch ob der harschen Klänge und verblieb dezent im Hintergrund. Vorne nur ein paar echte Fans und die Fotographenmeute, welche das Interesse hochhielt. Auf der Stage gab der schmächtige Sänger Pilgrim alles, seinen zumeist verzerrten Gesang flankierte er mit vielen Stellungswechseln und einigen Kreuzigungsposen. Dazu malträtierte ein glatzköpfiger Kollege Drums und Keyboard, das alles zumeist in Rotlicht getaucht. Die 30 Minuten nutzte man für 2, 3 ältere Titel sowie überwiegend neues Material, welches gefällig wirkte, uns aber natürlich noch unbekannt war. Hervorzuheben neben dem Dudelsack Interlude noch der Track „Alma Gemela“, welcher mit cleanen Vocals ausgestattet war. Hinterher verriet uns das Duo, dass man 1800 Dollar Flugkosten aus der eigenen Tasche löhnen musste, der Support Slot aber umsonst war, da man schließlich dereinst auch von Thomas Rainer für den deutschen Markt entdeckt worden war. Noch spannender für alle Harsch Electro Anhänger vielleicht die Ankündigung, dass man 2007 auf dem WGT und evt. auch auf dem Amphi vertreten sein wird. Schöner Gig, der mehr Zuspruch verdient gehabt hätte.

Kurze Zeit später war der nächste Electro Stosstrupp des Abends an der Reihe: XPQ-21 aus Italien. Die Herren sind Kummer gewöhnt, mussten sie doch im Bielefelder Movie vor etwa 15 zahlenden Gästen aufspielen. Heute bequemten sich ein paar mehr menschliche Wesen nach vorne, der große Ruck ging aber auch nicht durchs Auditorium. Gleich zu Beginn fiel das halbierte Line Up auf, lediglich Mastermind Jeyênne mit weiß geschminktem Teint und der maskierte (sic) Herr Mask (aka Martin Hillebrand) am Keyboard sorgten für die Live-Dröhnung. Drummer und Gitarrist waren anscheinend auf der Strecke geblieben. Umso mehr Platz für den exaltierten Fronter, der vor kurzem noch im Herforder X bei der Sensation Dark Party als DJ tätig war. Er turnte von links nach rechts, schnitt Grimassen und streckte uns seinen Allerwertesten mehrfach entgegen. Ob das auch ein Statement zu den eher lauen Reaktionen war, konnte nur gemutmaßt werden. Jedenfalls ging der teils PRODIGY-meets Future Pop mäßige Sound eigentlich sehr gut ins Gebein. Titel wie „Beautiful“ oder das BAUHAUS Cover „Bela Lugosi’s Dead“ (welches an diesem Abend wohl eher wenigen ein Begriff war) sollten zum Tanzen anregen, doch bis auf ein paar Ausnahmen wurde eher andächtig gelauscht. Das wurde vom clownesken Südländer mit einigen spitzen deutschen Bemerkungen quittiert, der Herr versteht wirklich etwas von unserer Sprache. Einer Spukattacke konnte ich zum Glück rechtzeitig entgehen. Das soll aber nicht bedeuten, dass der Gig in irgendeiner Art und Weise feindselig geworden wäre. XPQ-21 hatten einfach ihren Spaß mit dem Publikum, wenn es schon andersherum nicht so ganz funkte. Selbst das schräge deutsche „Sonne“ und der abschließende Hit „White and Alive“ erzielten nicht mehr als Achtungserfolge. Electro war ganz einfach an diesem kalten Samstag nicht gefragt in Osnabrück, objektiv gesehen hatten beide Acts ihr Bestes gegeben und ein paar „Eingeweihte“ wussten das auch zu schätzen.

Doch nun konnten sich endlich die eher zarter Besaiteten aus ihren Winkeln trauen und – soweit vorhanden – mit ihren Partnern Richtung Bühne pilgern. Die wurde nun ab kurz nach 21 Uhr erstmals richtig voll, denn gleich 5 Herren plus Dame bilden die Live-Verkörperung der „Unsterblichen Liebe“. Neben dem Kernduo bestehend aus Sonja Kraushofer und Thomas Rainer noch Ashley Dayour (WHISPERS IN THE SHADOW) an der Gitarre, Francis am Bass rechts, Drummer Markus Adamer sowie der exaltiert herumspringende Keyboarder Martin Parzer. Nach einem Intro legte man mit „Stumme Schreie“ ordentlich los und setzte wie üblich auf viel Pathos, Bombast und Kitsch. Das ist nicht jedermanns Sache, muss es aber auch nicht sein. Jedenfalls zeigten Chanteuse und Shouter vollsten Körpereinsatz, verzichteten andererseits aber fast komplett auf Ansagen. Dafür praktizierte Herr Rainer beizeiten am zweiten Keyboard und Frau Kraushofer zog sich mehrfach um, blieb aber vergleichsweise zugeknöpft. Auch keine Spur mehr von erotischen Fesseleinlagen, man ließ lieber die Musik sprechen, welche vorzugsweise vom aktuellen Album stammte („Phoenix“, „Auf deinen Schwingen“, „Du siehst mich nicht“). Aber auch ältere Kompositionen wie „Aus den Ruinen“ oder das 2000er EP-Titelstück „Epitaph“ kamen zum Zuge. Mal eher metallisch, mal elektronisch, mal gothrockig wagte man einen Querschnitt durch den gesamten Düsterkosmos. Das kam bei den Fans gut an und es wurde ordentlich gekuschelt. Als Highlight wurde ein junges Mädchen auf die Bühne geholt, welches der rothaarigen Sonja einen Strauß Rosen überreichte. Danach stand es allerdings ein wenig gequält dort oben und wusste nicht so ganz, wie es sich den nächsten Song über verhalten sollte. War aber kein wirkliches Problem und so ging die Setlist so langsam ihrem Ende entgegen. „Life will never be the same again“ beendete den rund 70 minütigen Hauptteil, auf den noch 2 Zugaben folgen sollten. Die verbrachten wir allerdings schon im angrenzenden Dönerladen, denn auch LAI noch durchkreuzten, da der Backstage Weg aus dem Rosenhof witzigerweise quer durch die Imbissküche führt…

Somit war gegen 22 30 Uhr schon wieder alles vorbei und man kann insgesamt einen gelungenen Abend konstatieren. Mag auch die Zusammenstellung der einzelnen Bands bzw. Projekte nicht ganz zwingend und die Stimmung ob der doch relativ wenigen Besucher nicht überbordend gewesen sein, so sollte doch jeder Anwesende für sein Geld gute Unterhaltung erfahren haben. Nicht so wie ein gewisser Holger, der sich im IMMORTELLE-Gästebuch über die Kotzgrenzen-überschreitenden Support Acts beschwert hatte, was ihm einen witzigen Platz auf der XPQ-21 News-Seite beschert hat. Es lebe die Intoleranz!

Setlist L’ÂME IMMORTELLE
Intro
Stumme Schreie
Fear
Herzschlag
Phoenix
Auf deinen Schwingen
Fallen Angel
Aus den Ruinen
Nur Du
Du siehst mich nicht
Gefallen
Figure in the Mirror
Elegy
Epitaph
Der letzte Akt
Life will never be the same again

Lass mich fallen
5 Jahre

Bitterkeit

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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