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LEGENDARY PINK DOTS

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Ort: Potsdam - Waschhaus

Datum: 24.02.2005

Man kann sagen, was man will, über ihr Werk geteilter Meinung sein. Aber: Die LEGENDARY PINK DOTS sind eine Ausnahmeband und genießen mittlerweile einen regelrechten Kultstatus, fern von der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Artrockformation um Edward Ka-Spel und The Silverman gab ihr erstes Konzert im Oktober 1980, ist somit älter als ich. Die Releases sind so zahlreich wie unübersichtlich, Fakt aber war, dass ich die PINK DOTS bis dato noch nicht von meiner „Alte Helden live“-Liste streichen konnte, also machte ich mich auf den schneekalten Weg nach Potsdam und suchte das Waschhaus auf. Die ehemalige Militärwäscherei ist seit über 10 Jahren aus der Potsdamer Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken und dient als Veranstaltungsort für zahlreiche Parties, Ausstellungen und Konzerte. Als ich in dem alten Backsteingebäude eintraf, bot sich aber ein eher trostloses Bild, was die Gästezahl betraf, die fanden alle noch in der kleinen Bar Unterschlupf, wo an einem Ecktisch The Silverman und Saxophonist Niels noch gemütlich aßen und tranken. Kurz vor 21 Uhr hatten sich zwar schon um die 40 Gäste im mittlerweile geöffneten aber unheimlich kalten Konzertsaal eingefunden, die PINK DOTS ließen sich aber noch etwas Zeit mit dem Beginn, so dass noch ein paar Nachzügler dazustoßen und mitfrieren konnten.

Mit über einer halben Stunde Verspätung betraten dann die vier DOTS die Bühne, am skurrilsten bzw. optisch auffallendsten wohl Niels in seinem wild gemusterten Anzug und Edward, wie üblich barfuß, dazu einen bodenlangen Kaftan, drei Schals unterschiedlicher Farben und eine Sonnenbrille. Das Spektakel konnte beginnen, mit ihrer Mischung aus psychedelisch-poppigen Stücken und etwas krautlastigem Rock wussten die vier Wahlniederländer das Publikum zu begeistern. Ein Auftakt wie „Black List“ schuf gleich die passende Atmosphäre, die mit der Kombination aus stimmungsvoller Beleuchtung und Edwards einzigartiger Stimme aus einem simplen Konzert ein Gesamtkunstwerk machte. (Vielleicht lag es aber auch am eindeutigen „Rauch“-Geruch im Zuschauerraum…?) Auch wenn der Musik entsprechend auf der Bühne nicht gerade „die Post abging“, an Intensität und Originalität mangelte es nicht. Sei es Niels, der auch schon einmal zwei Saxophone gleichzeitig spielte oder mit einer Taschenlampenbrille das Publikum unsicher machte, sei es Edward, der ebenfalls im Zuschauerraum umherwanderte oder in einem ausufernden Stück über „The Modern Man“ eine regelrechte Performance ablieferte. Er sang einem Gast aus nur wenigen Zentimetern Distanz regelrecht ins Gesicht, wanderte über die Bühne, besprach und –sang eine imaginäre Couch, um sich zum Finale der Länge nach auf den Boden zu legen. Bei experimentelleren Stücken unterstützte Ka-Spel den Silverman an den Synthesizern und drehte ebenfalls an den Knöpfchen. Der Gitarrist hielt sich bei all dem Spektakel eher dezent im Hintergrund, auch bei den rockigeren Stücken blieb er persönlich eher zurückhaltend. Mit Jubel und Applaus verabschiedete man die LEGENDARY PINK DOTS und musste nicht lange warten, bis die Vier wieder zurückkehrten und noch einige Zugaben darboten – dabei wechselte Niels zeitweilig, wie schon bei einem der ersten Stücke, vom Saxophon an ein merkwürdiges schwarzes, mir bis dato völlig unbekanntes elektronisches Blasinstrument.

So ging nach etwa zwei Stunden ein fesselndes, einzigartiges Konzert zu Ende. Die Jungs kamen sehr schnell nach vorne, man konnte einige Worte mit ihnen u.a. am Merchandisingstand wechseln, bevor der lange kalte Heimweg in die Hauptstadt anstand. Es bleibt zu hoffen, dass die PINK DOTS den Berliner Raum wieder so oft beehren wie Mitte der 90er Jahre, damit sich dieses Erlebnis bald wiederholen lässt.

Copyright Fotos: Antje Wagler

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