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LETZTE INSTANZ – FEUERSCHWANZ – DAS PACK

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Ort: Hannover – Capitol

Datum: 30.12.2010

Das Jahr 2010 hatte nur noch einen verbleibenden Tag zu bieten und für Fans alternativer/ dunkler Musik lagen anstrengende Tage im Capitol hinter ihnen, als es sich zutrug, dass gleich drei Bands noch einmal alles geben und ihre Anhänger zum toben bringen wollten. Angekündigt hatte sich für diesen 30.Dezember 2010 die Letzte Instanz zu ihrem Jahresabschlusskonzert. Unterstützung hatte das Septett in Form von Das Pack und Feuerschwanz mitgebracht. Drei Bands, das versprach ein langer Abend zu werden. Lang? Ja! Langweilig? Nie und nimmer!

Eröffnet wurde der Abend von Das Pack aus Hamburg und wenn man deren Auftritt ganz kurz zusammenfassen wollte, würden dafür ein paar Zeichen reichen: „???!!!“. Ein Blick ins Publikum zeigte vor allem zu Beginn einige fragende Gesichter, vor allem beim ersten Song „Pferdeäpfel“ (Obst vom Tier) mit dem die Band ihr rund 40minütiges Set eröffnete. Es wurde sofort klar, dass es nicht nur Musik der mitunter etwas anderen Art, sondern auch viele kurzweilige, mitunter auch leicht wirre Ansagen geben würde. Das Pack setzt sich aus Pensen (auch bei Monsters of Liedermaching unterwegs) und Flozze zusammen. Während Letzterer das Schlagwerk mitunter ziemlich heftig bearbeitet und zum Gesang beiträgt, ist Pensen die Stimme des Duos und spielt zudem noch Gitarre. Es ist schon nicht von schlechten Eltern, was die zwei People mit ihren beiden Instrumenten auf der Bühne veranstalten. Ihre Musik zu klassifizieren ist kaum möglich, mischen die zwei doch die unterschiedlichsten Stile – und das zum Teil innerhalb eines Liedes – zusammen: Rock, Metal, Schlager, Pop, Punk, Funk, Singer/ Songwriter… Mal meint man bei den Ärzten zu sein, dann bei Helge Schneider oder Slayer. Zu dem höchst innovativen Musikstilmix gesellen sich Texte, die – entgegen der Ansagen – klar, direkt und eindeutig sind und den Hörer nicht im unklaren lassen, worum es eigentlich geht: Um Spaß. Den hatten die auch zu dieser Zeit schon zahlreichen Besucher dann auch an diesem Abend. Ein erster Höhepunkt des Sets war sicher „Mein Schwan“, bei dem es natürlich nicht um das Tier, sondern um den „gefederten Oberschenkel“ ging. Angekündigt wurde er als „Song für alle Postpubertären von 13-66“ und handelte „von der Freiheit, auch mal einfach Scheiße zu labern“. Als sich doch tatsächlich jemand erdreistete, nach Feuerschwanz zu rufen, gab es für diesen Zuschauer ganz spontan einen improvisierten Song, bis „er wieder lächelte“ und dann konnte es regulär weitergehen. „Weil es geil ist“, folgte danach die umgangssprachliche Umsetzung davon – „Wals Gals“ / „WeilsGeils“ oder so ähnlich. Der Song versprühte Freude pur und brachte die Zuschauer erstmals stärker in Bewegung. Gesteigert wurde die Bewegungslust beim darauf folgenden „Heavy Metal Kind“ bei dem die Fans zum mitmachen aufgefordert wurden, was denn auch zahlreich geschah. Der Titel selbst ist eine irre Kombination aus Huldigung und Parodie des Metal-Genres. Als letzten Song des Abends präsentierten die beiden Hamburger „Fass mir an die Füße“, der den Spaßpegel noch mal in die Höhe trieb und einen guten Abschluss bildete. Ein etwas gewöhnungsbedürftiger aber höchst interessanter und ebenso unterhaltsamer Auftritt, der so manchem Besucher noch länger in Erinnerung bleiben dürfte und einen tollen Auftakt dieses Abends lieferte.

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause von rund 20 Minuten folgte mit Feuerschwanz der zweite Act des Abends und es wurde sofort klar, dass hier eine beim Publikum bekannte und auch sehr beliebte Band die Bühne betrat. Hauptmann Feuerschwanz und sein geiler Haufen hatten keinerlei Mühe, das Capitol im Sturm zu erobern. Von Anfang an war Stimmung da und die sollte auch während der folgenden 45 Minuten erstklassig bleiben. Die Mittelalter-Folk-Comedy-Band um Hauptmann Feuerschwanz, Johanna von der Vögelweide, Sir Lanzeflott, Knappe Latte, Prinz R. Hodenherz III und Hans der Aufrechte lieferte eine geniale Show, welche die Fans zum Singen, Tanzen und Lachen brachte. Nicht zu vergessen sind natürlich noch die Miezen, jene wilden Geschöpfe, die von dem Hauptmann und seiner Truppe mit viel Geduld und Mühe gezähmt wurden und nun die Band tatkräftig unterstützen. Nach dem Intro ging es los mit „Metvernichter“ vom gleichnamigen aktuellen Silberling. Überhaupt stand dieses Werk natürlich im Mittelpunkt der Songauswahl, aber auch das Vorgängeralbum „Met und Miezen“ wurde – u.a. mit dem Titelsong – berücksichtigt. Hier durfte Johanna von der Vögelweide ein kleines Solo zum Besten geben. Die gleiche Ehre wurde auch Hans dem Aufrechten zuteil, nachdem sein Schicksal kund getan wurde. Er (wie auch die anderen Bandmitglieder) hat eine schwere Vergangenheit, die dem geneigten Publikum zugetragen wurde, was dieses mit ehrlichem und aufrichtigem Mitleid quittierte. Dass es Feuerschwanz richtig krachen lassen können, wurde unter anderen bei „Verteidiger des wahren Met“ ersichtlich und durch die wild hochgereckte Pommesgabel sichtbar. Nicht umsonst wurde der Band bereits die Ehre zuteil, auf dem Wacken zu spielen. Das Publikum wurde natürlich auch intensiv eingebunden. So gab es einen von Prinz Hodenherz III angeführten Lindwurm durch das Capitol und bei „Hurra Hurra, die Pest ist da“ die Teilung des Publikums in zwei Teams. Nach einer Einweisung in einen „reinigenden Gesundheitstanz“ sangen das „Team Hauptmann Feuerschwanz/ Johanna“ und das „Team Hodenherz“ durch den „Graben von Hannover“ getrennt um die Wette. Dabei gab es zwei Sieger: Das Publikum UND die Band, die zusammen einen tollen Abend hatten. Und getreu dem Motto, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, war dieser ultimative Abfeiersong ein optimaler Abschluss.

Setlist FeuerschwanZ
Intro
Metvernichter
Turnier
Schwanzonate
WLD
Met und Miezen
Verteidiger des wahren Mets
Schnaps und Schnecken
Meister der Folter
WIW
Hurra, Hurra, die Pest ist da

Dank der wiederum nur 20minütigen Umbaupause und der großen und spürbaren Vorfreude auf die Letzte Instanz verging die Zeit wie im Flug. Um kurz nach 22 Uhr war es dann soweit und das Septett aus Dresden erschien auf der Bühne. Die Stimmung war von Anfang an erstklassig und sollte es auch durchgängig bleiben. Holly war wieder in weiß gekleidet und gab vom ersten Moment an – wie die komplette Band – alles. Das Bühnendesign war schlicht aber passend und die Beleuchtung an diesem Abend richtig gut und stimmungsvoll. Vor allem David Pätsch und sein Schlagwerk kamen oft sehr gut zur Geltung. Da hätte man als Fotograf gerne mehr als nur die ersten drei Songs fotografiert. Den Schwerpunkt des Abends bildeten natürlich die Songs vom neuen Silberling „Heilig“ dem zweiten Werk aus der LI-Triologie. Gleich die ersten drei Stücke waren diesem Album entnommen und mit „Schlaf, Schlaf!“, „Eismeer“ und „Die Winterträne“ sollten noch drei weitere folgen. Ein erstes richtiges Highlight wurde der „Maskenball“ vom 2007er Album „Wir sind Gold“, bei dem die Fans der Aufforderung, mitzusingen, nur allzu gern nachkamen. Beim darauf folgenden „Schlaf, Schlaf!“ wurde es zunächst ganz ruhig und stimmungsvoll, als die Bühne komplett in rotes Licht getaucht war und Benni Cellini mit einem sehr eindrucksvollen Solo begann. Im Verlauf des Songs wurde das Licht dann grell und schließlich übernahmen die Fans stimmlich das Kommando. Ganz ohne Band wurde weiter gesungen, bis Holly ihn irgendwann abbrach. Stimmung pur bereits zu diesem frühen Zeitpunkt. Danach sollte es dann richtig zur Sache gehen, als Holly die versammelte Fanschar zum „Tanz“ bat. Das Publikum nahm auch diese Aufforderung sehr gerne an und die ganze Menge hüpfte und sprang. Das nahe Jahresende war für Holly eine gute Gelegenheit, der Crew für das in diesem Jahr Geleistete zu danken. So wollte er auch gerne dem Wunsch des Lichttechnikers Andre nachkommen, der sich gerne mal bei einem Konzert zurücklehnen und Pause machen würde. Da es jedoch nicht ohne Licht geht, musste das Publikum Andres Job übernehmen und bei „Dein Licht“ für selbiges sorgen. Selbstverständlich meisterte das Capitol auch diese Aufgabe mit Bravour. Ob Holly bei der Ansage, dass ihm zu „Eismeer“ nur die Worte „Wetter, Wetter, Wetter“ einfielen an Wetter-Ha(a)re-Krischna Mirko Nontschew der RTL Samstag Nacht Show dachte, wird wohl ein ungelöstes Rätsel bleiben. Eine Ähnlichkeit hinsichtlich der Frisur war auf jeden Fall nicht zu leugnen. Vor „Der letzte Tag“ kniete „die Band vor Ihren Fans nieder“, wobei M. Stolz erst noch eine persönliche Extra-Aufforderung von Holly benötigte. Das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten und war im Nu fast vollzählig unten. Zur Freude aller weiblichen Besucher wurde der letzte Song des regulären Sets „Finsternis“ von Holly mit freiem Oberkörper gesungen. Benni Cellini hielt es dabei nicht mehr auf seinem Stuhl und er verlegte seinen Standort an den Bühnenrand.

Es war klar, dass dies noch nicht alles gewesen sein konnte und so kam die Band auch direkt wieder auf die Bühne zurück um drei weitere Songs zu performen. Den Abschluss dieses Blocks bildete das emotionale „Wir sind allein“, bei dem alle in bekannter Manier die Arme hoch nehmen und die Hände der Nachbarn fassen sollten. Mit der Aussage „Ihr werdet uns noch dankbar sein, wenn er/ sie schön ist. Ansonsten haltet durch“ hatte Holly noch einige Schmunzler auf seiner Seite. Aber auch hiermit war das Konzert noch nicht beendet, denn es sollten nach einer abermals sehr kurzen Pause noch drei weitere Lieder folgen, wobei „Kalter Glanz“ mit seinen krachenden Gitarren einen ordentlichen Kontrast zum ruhigen „Wir sind allein“ bildete. Der Klassiker „Rapunzel“ vom 99er Album „Das Spiel“ wurde als Ballade und „etwas Besonderes zum Jahresabschluss“ angekündigt. Als wirklich letzten Track des Abends gab es „Winterträne“ in einer „epischen“ Darbietung zu hören.

Für viele war der Abend mit der LETZTEn INSTANZ an diesem Abend/ in dieser Nacht aber sicher noch nicht zu Ende, hatte Holly doch alle Fans aufgefordert, noch zu einer Aftershow-Party ins Engel 07 zu kommen und die Hütte leer zu saufen. Davon kann ich jedoch nicht mehr berichten, da es inzwischen Mitternacht war und ich den Heimweg antrat. Alles in Allem war dieses Konzert am vorletzten Tag des Jahres eine rundum gelungene Sache mit einer bestens aufgelegten Instanz und zwei sehr interessanten „Freunden“ vorab. Die Dresdner dürften es selbst auch nicht bereut haben, ihr Jahresabschlusskonzert im Capitol in Hannover abgehalten zu haben. Wie auch bei EISBRECHER am 27.12. haben sich die Hannoveraner für weitere Abschlusskonzerte in 2011 empfohlen.

Setlist Letzte Instanz
Intro & Dein Gott
Neue Helden
Atme!
Der Garten
Maskenball
Schlaf, Schlaf!
Flucht ins Glück
Tanz
Dein Licht
Monument der Stille
Ohne Dich
Eismeer
Der letzte Tag
Komm!
Finsternis

Mein Engel
Todestag
Wir sind allein

Kalter Glanz
Rapunzel
Die Winterträne

Copyright Fotos: Holger Bücker

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