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LETZTE INSTANZ – KILOHERZ

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Ort: Hamburg - Knust

Datum: 22.10.2006

Nachdem ich in diesem Jahr die LETZTE INSTANZ schon zweimal auf Festivals erleben durfte, war ich sehr neugierig auf einen richtigen Club-Gig als Headliner. Zumal mich die sympathische Band aus Dresden mit ihrer umwerfenden Bühnenpräsenz, ihrer Ausstrahlung und dem Talent, das Publikum in ihren Bann ziehen zu können, jedes Mal begeisterte. Die 4 Termine der Herbsttour zum letzten Album „Ins Licht“ führte die LETZTE INSTANZ auch in den Hamburger Club „Knust“, der sich als dunkel, gemütlich und sehr klein herausstellte. Trotzdem fühlte man sich sofort sehr wohl. Das Publikum hätte zahlreicher erscheinen können, das lag aber auch am ASP Auftritt in der Markthalle.

Eingefleischten Fans wird der Support-Act KILOHERZ bereits ein Begriff gewesen sein, denn das Trio aus Leipzig begleitete die LETZTE INSTANZ zum wiederholten Male. KILOHERZ, das sind Alexander Martin (Gesang, Gitarre), Stephan Mühl (Schlagzeug) und Mathias Dreiack (Bass, Gesang). Die Band selbst beschreibt ihren Stil folgendermaßen: Fette Gitarrenriffs, treibende Grooves, schiebende Bässe, deutsche Texte, emotional, laut, Ohrwürmer. Dem kann man fast nichts mehr hinzufügen. Mit harten und soften Alternative Rock-Klängen, enormer Spielfreude und dem Humor von Sänger Alex bekamen KILOHERZ ein gutes Feedback von den kühlen Hamburgern. Songs wie „Rückgrat“, die aktuellen Single „Scherben“ oder „Halt mich“ legten richtig los und nach jedem Song gab es witzige Sprüche von Sänger Alex. Da wurde der Headbanger des Abends gewählt und der Schlagzeuger als Hauptgewinn verlost. Das Publikum ging mit und genoss den Freiraum zum Tanzen und Feiern. „Endlos Kreisen“ vom gleichnamigen aktuellen Album gefiel mir sofort sehr gut. Der aggressive und schnelle Sound und die Leidenschaft der Musiker machten einfach Spaß. Aber auch die Ballade „Komm mit mein Freund“ verzauberte die Zuschauer. Sänger Alex brachte einfach jeden seiner poetischen Texte gefühlvoll und passend rüber und beobachtete intensiv die Reaktionen im Publikum. Voller Verzweiflung, wuchtig und explosiv schmetterte er uns „Ich weiß“ um die Ohren. Jeder Song wurde mit Applaus und dem sirenenartigen Schreien einer Dame aus dem Publikum belohnt, die Alex auch liebevoll „Schreihals“ nannte. Mit „Kann sein“ folgte ein richtiger Ohrwurm, der mich noch einige Tage begleitete. Todesmutig sprang Alex am Ende in die Menge (vorher wurde aber darum gebeten, doch etwas näher zusammenzurücken) und KILOHERZ verließen unter Jubel die Bühne. Die aktuelle Single „Scherben“ konnte man sich kostenlos am Merchandise-Stand abholen und die Jungs standen bereitwillig für Fragen und Smalltalk zur Verfügung. Für mich eine Neuentdeckung, die ich auf alle Fälle weiter verfolgen werde und spätestens mit dem bald erscheinenden neuen Album, wird man wohl noch einiges von KILOHERZ hören.

Nach einer lobenswert kurzen Umbaupause erklang auch schon das Intro und Nebel stieg auf. Nach und nach betraten alle sieben Bandmitglieder – zuletzt Sänger Holly – die Bühne und wurden freudig begrüßt, während jeder seine Position auf der winzigen Bühne einnahm. Zum Aufwärmen gab es „Unerreicht“ und „Sonne“ vom letzten Album „Ins Licht“, was allseits bekannt schien und schon kräftig abgefeiert wurde. Drummer Specki T.D. war kaum zu sehen im Hintergrund, denn vor ihm drängten sich alle anderen Musiker mit ihren Instrumenten. Da hatte jeder einzelne im Publikum mehr Bewegungsspielraum. Sänger Holly begrüßte das Hamburger Auditorium und lud zum Tanz beim gleichnamigen Song ein. Es wurde gesprungen, was die Gelenke hergaben und auf der Bühne entstand ein lustiges Getümmel. Immer wieder begeisterten mich die Bewegungen von M. Stolz, der mit seiner Geige wahre Kunststücke vollbringt und genauso energisch in die Höhe springt, als hätte er kein sensibles Instrument in den Händen. Voller Power und diesmal mit vereinten Sangeskräften stimmten Band und Publikum „Das schönste Lied der Welt“ an. Mit dem Ausspruch, dass dies erst mal der letzte schnelle Song gewesen sei, begann Holly mit der melancholischen Ballade „Kopfkino“, in der seine charismatische und ausdrucksstarke Stimme besonders gut zur Geltung kam. Es folgten „Hurra“, „Kalter Glanz“ und das brachiale „Bittere Nacht“ und zwischendrin immer wieder wahre Gesangsduelle mit Körpereinsatz zwischen den beiden Hollys. Noch ein wenig mehr Bewegung und schwingende Tanzbeine konnte man bei „Medusa“ beobachten und es wurde immer wärmer im „Knust“.

Das erste Mal kein Regen in Hamburg, sollte also ein gutes Zeichen für diesen Abend sein, denn vorher hatte die LETZTE INSTANZ nach eigenen Aussagen wettertechnisch nie Glück. Eine kurze Verschnaufpause vom Jubeln, Tanzen und Singen bekamen wir mit „Agonie“, welches mich gesangstechnisch begeisterte. Andächtig lauschten wir den ruhigeren Klängen. Eine Info, auf die wir alle warteten, folgte dann etwas später und zwar Neuigkeiten zum kommenden Album, welches fast fertig gestellt ist, aber noch keinen Namen hat. Allerdings bekamen wir einen brandneuen Song daraus zu hören namens „Wir sind allein“. Eine echte Hymne mit tollem Refrain, der sich sofort ins Gedächtnis fest gebrannt hat und wohl jeden begeisterte. Das Publikum durfte schon kräftig mitsingen und das aus voller Kehle. Das Gejubel und Gekreische im Anschluss war groß und die INSTANZler freuten sich sehr über diese Resonanz. Die Stimmung untereinander stieg und immer wieder wurden kleine Späße gemacht. Dieses Strahlen von der Bühne und die Leidenschaft für die Musik reißt wirklich jeden mit und gerade das fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Benni Cellini bearbeitete auf seiner gewohnten Sitzkonstruktion voller Inbrunst sein Cello und wirbelte seine roten Rastazöpfe durch die Luft. Zum Kultsong „Das Stimmlein“ deutete Holly die obligatorische La Ola Welle an, die von der Bühne ins Publikum getragen wurde. Der Refrain des Songs wurde gekonnt mitgesungen und Holly heizte uns immer wieder von neuem richtig an. „Mein Todestag“ beendete das reguläre Set und obwohl Holly vorschlug mit allen Anwesenden ein Bier zu trinken, ertönte ein lauter Chor von Zugabe-Rufen, als die Band von der Bühne marschierte.

Ein Teil der Band betrat kurz darauf wieder die Bühne und spielte das beliebte Instrumental „Sprachlos“, in dem auch Bassist Michael Ende mal ganz vorne „mitspielte“. Wieder komplett kündigte Holly an, dass wir uns alle setzen sollten, wegen der Wohnzimmeratmosphäre. Diesem Wunsch kamen alle prompt nach, obwohl der Boden wirklich alles andere als gemütlich und vor allem sauber war. Das kuschelige „Silber im Stein“ verfolgten wir sitzend, träumend und entspannt, während die Bühne in rotes Licht getaucht wurde. Schnell war die Zeit der Ruhe und Besinnung jedoch wieder vorbei und die LETZTE INSTANZ drehte ein letztes Mal voll auf. „Singt Halleluja“ und ein kleiner Patzer von Holly diente zur allgemeinen Belustigung. Nach „Für immer und ewig“ folgte der Klassiker „Rapunzel“ in einer genialen Version mit „Jailhouse Rock“-Einlage und einem Rock ’n’ Roll-tanzenden Publikum. Wahre Begeisterungsstürme zogen sich durch den kleinen Club und so war sicher, dass eine zweite Zugabe unerlässlich war. Die Band ließ sich nicht lange bitte und kam ein letztes Mal auf die Bühne, um das besinnliche „Sandmann“ zu spielen. Erschöpft und mit Muskelkater-Garantie verließen wir in dieser Nacht Hamburg. Allerdings mit Vorfreude auf den kommenden Tag, an dem wir das ganze spontan nochmals erleben sollten. Glücklicherweise führte die Tour die LETZTE INSTANZ weiter nach Schwerin, was uns geografisch sehr gelegen kam. Momentan kann man die Dresdner als Support von SCHANDMAUL auf ausgedehnter Deutschland-Tour live erleben!

Setlist KILOHERZ
Rückgrat
Scherben
Halt mich
Wieder nur
Alles nur ein Traum
Endlos Kreisen
Komm mit mein Freund
Schlaf nicht ein
Watte
Große Worte
Feind
Ich weiß
Kann sein

Setlist LETZTE INSTANZ
Intro
Unerreicht
Sonne
Ohne Dich
Tanz
Das schönste Lied der Welt
Kopfkino
Hurra
Kalter Glanz
Bittere Nacht
Medusa
Agonie
Krieg der Herzen
Das Gewissen
Wir sind allein (neu)
Das Stimmlein
Mein Todestag

Sprachlos
Silber im Stein
Jeden Morgen
Singt Halleluja
Für immer und ewig
Rapunzel/ Jailhouse Rock

Sandmann

Copyright Fotos: Cath Niemann

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