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LIFE OF AGONY – PYOGENESIS

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Ort: Herford - X

Datum: 04.12.2016

Nachdem die eigentlich für Juli geplante Europa-Tour von LIFE OF AGONY aufgrund eines Schlüsselbeinbruchs bei Drummer Sal Abruscato verschoben werden musste, war es nun Anfang Dezember soweit. Mit PYOGENESIS an Bord hatte es sogar gleich zwei vor kurzem reaktivierte Heroen früherer Tage nach Herford verschlagen, wo das X dann mit etwa 300 – 400 Fans auch einigermaßen ordentlich gefüllt war. Um kurz nach 8 waren als 2. Supportband die Schweizer Alternative Rocker SECOND FUNCTION bereits in vollem Gange. Eine gute Gelegenheit für das Trio, sich einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Gut 13 Jahre zuvor aber waren PYOGENESIS letztmalig in der hiesigen Region unterwegs und konnten bis dahin einige Seiten im Music History Book füllen. Jüngst hat nach entsprechend langer Auszeit nun ein neues Kapitel begonnen. „A century in the curse of time“ lautet der Titel ihres Comeback-Albums, mit dem sich die Mannen um Flo V. Schwarz offenbar nicht in nur eine Schublade stecken lassen wollen, sondern darauf alles bunt, aber immer griffig-melancholisch zusammenmixen, was ihnen Spaß macht und was die früheren Alben zu bieten haben.

Dementsprechend lag der Schwerpunkt des im Endeffekt leider zu kurz geratenen Sets dann auch auf dem neuen Material, das mit vier Songs bedacht wurde. Allein der Funke vermochte allerdings nicht wirklich auf das Auditorium überzuspringen. Obwohl im Publikum durchaus etliche Ü30er anwesend waren, schien das Gros der Anwesenden das sympathische und äußerst spielfreudige Quartett schlichtweg nicht zu kennen. Schade, aber 13 Jahre Pause hinterlassen dann doch so einige Spuren. Die Jungs ließen sich dadurch aber nicht beeinträchtigen und feierten sich quasi selbst. Beeindruckend, mit wie viel Humor hier etliche Mätzchen und Posen auf der Bühne zelebriert wurden. Zwischenzeitlich erfolgte dann auch immer mal wieder ein Griff in die Klamottenkiste. Zwei Titel vom 95er-Album „Twinaleblood“ und sogar einer von der noch älteren „Waves of Erotasia” EP waren das Ergebnis, wobei zeitweise auch stilechte Death Metal-Growls zum Einsatz kamen. „Undead“ wurde von Neu-Gitarrist Gizz Butt (der in den 90ern auch schon für THE PRODIGY auf der Bühne stand!) ausdrücklich Lemmy gewidmet und nebenher wurde die Gelegenheit auch für ein Gruppenfoto mit den Fans genutzt (der mitgereiste Fotograph durfte zu diesem Anlass sogar mal Bühnenluft schnuppern!). Nach dem energiegeladenen „Steam paves it´s way (The machine)“ mit schrägem Vocalmix fand der Gig dann jedoch ein etwas abruptes Ende. Obwohl auf der Setlist eigentlich noch “Don´t you say maybe“ vorgesehen war, musste die Bühne nach einem Signal von außen gleichwohl geräumt werden. Recht unverständlich, da es gerade einmal 21:15 Uhr war. Dann doch beim nächsten Mal lieber nur eine Vorband. So aber blieb es bei dem Spruch des Abends: „Der letzte Song wäre richtig geil gewesen“.

Setlist PYOGENESIS
The Swan King
Those churning seas
This won´t last forever
Through the flames
Undead
Lifeless
Steam paves it´s way

Nun aber zu LIFE OF AGONY, die nach dem Ende von TYPE O NEGATIVE eine der letzten Institutionen aus Brooklyn, New York, sind. Vor einiger Zeit hat man zum Quell der Inspiration zurückgefunden und sich für ein 5. Studioalbum zusammengerauft. “A Place Where There’s No More Pain” ist für Frühjahr 2017 angekündigt worden und wird erstmals neues Material seit dem eher wenig beachteten „Broken Valley“ (2005) bringen. Aus Keith Caputo ist inzwischen bekanntermaßen Mina Caputo geworden und man durfte durchaus gespannt sein, wie sich dieses feminine Element auf das gereifte Gesamtbild auswirkt und in die „harte“ männlich geprägte Subkultur einfügt.

So schrecklich viel hat sich dadurch aber eigentlich gar nicht geändert. Caputos Bariton-Stimme ist weiterhin markant, wenngleich etwas weicher und weniger theatralisch als in früheren Tagen. Mina selbst wirkte zugleich zerbrechlich, divenhaft und hyperagil. Schätzungsweise war die Frontfrau an diesem Abend ob ihres Geburtstages auch besonders aufgedreht. Basser Alan Robert und Gitarrist Joey gaben mit herben Shouts den passenden Kontrapart dazu und es gelang der Combo insgesamt problemlos und schnell, die richtigen Vibes zu versprühen. Mit gleich acht Stücken vom immer noch Maßstab-Debüt “River runs red”, darunter etwa das walzende “Method of groove”, war dies letztlich aber ein Selbstläufer. Auch sonst hatte es die Setlist in sich: Mit “Weeds” und “Love to let you down” hatte man sich auf die besten Tracks von “Soul searching sun” bzw. “Broken Valley” beschränkt, so dass kein Zweifel aufkam, dass LoA es noch draufhaben. Da stellte es nur einen kleinen Wermutstropfen dar, dass der präsentierte neue Song eher unspektakulär daherkam. Zu stark war demgegenüber die Ausstrahlung von Kalibern wie “Through and through” oder “Underground”. Letzterer markierte auch den Abschluss des gut einstündigen Auftritts, dessen Ende, da en bloc und ohne separaten Zugabenteil durchgespielt, die Leute zunächst noch erwartungsfroh zurückließ und daher, wie auch zuvor schon bei PYOGENESIS, etwas unglücklich gewählt war. Alles in allem geht der Abend dennoch als kurzweilige Reminiszenz durch, die Lust auf mehr hinterlassen hat.

Setlist LOA
River runs red
This time
Other side of the river
Love to let you down
Method of groove
Respect
Weeds
Lost at 22
I regret
Dead speak kindly (Neuer Song)
Through and through
My eyes
Bad seed
Underground

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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