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LONG DISTANCE CALLING – TINY FINGERS – PETTER CARLSEN

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Ort: Münster – Skaters Palace

Datum: 28.04.2016

Einen Abend bevor die neue Platte „TRIPS“ das Licht der Plattenläden erblicken sollte, gaben sich LONG DISTANCE CALLING im Skaters Palace die Ehre, vor heimischer Kulisse ihre Europa-Tour zu eröffnen. Inzwischen haben wir es bei den Münsteraner Post-Rockern mit dem fünften Album zu tun und die Zeiten, in denen mehr oder weniger ausschließlich Instrumentales auf dem Zettel stand, sind auch schon länger passé. Beim letzten Longplayer „The Flood Inside“ aus 2013 hatte noch Martin Fischer den Job am Mikro inne. Mittlerweise übernimmt den Gesang jedoch ein alter Bekannter, denn Petter Carlsen war gemeinsam mit ANATHEMA-Vorstand Vincent Cavanagh bereits als Gast bei dem Song „Welcome Change“ vom bereits erwähnten Silberling „The Flood Inside“ zu hören. Trotz alledem kommt die 2006 gegründete Kapelle zwischendurch immer noch gut ohne Sänger aus, weshalb der Kollege Carlsen sich vielleicht auch schon mal im Alleingang auf die Stage begeben durfte, um den Abend mit seiner E-Gitarre bewaffnet zu eröffnen.

PETTER CARLSEN

Leider haperte es um kurz nach 20.00 Uhr noch ein wenig am großen Publikumsansturm bzw. war ein Teil der anwesenden nur begrenzt an der natürlich vergleichsweise ruhigen Musik des Norwegers interessiert. Das alte Industriegemäuer hätte ruhig schon etwas besser gefüllt sein dürfen und wenn der Geräuschpegel im Auditorium etwas niedriger gewesen wäre, hätte das nicht nur der Musik gut getan, sondern wäre dem Vortragenden gegenüber auch einfach deutlich höflicher gewesen. Gerade zum Ende knappen halben Stunde hin, schien sich Petter durchaus durch den Krach in der Halle gestört zu fühlen, ließ sich als Vollprofi aber natürlich nicht beirren und brachte seine getragene, aber durchaus atmosphärisch dichte Show zu einem guten, freundliche beklatschten Abschluss. Gelegentlich zeigten sich die Songs auch durchaus einen Hauch beschwingter, so zum Beispiel bei „From The Sirens“ von der letzten Langrille „Sirens“ aus 2014, das mit halligen Gitarrenklänge unbedingt auch Rhythmus im Blut hatte. Oder „Never Leave Me“, welches mit einem hintergründigen Beat der Langaxt mehr Raum für Spielereien bot. Mit seiner recht hohen Stimme wusste der Skandinavier aber auch für dramatische Momente zu sorgen, wie „Spirits In Need“ vom 2012er „Clocks Don’t Count“ unterstrich. Für den einen oder anderen war der Einstieg offensichtlich zu ruhig ausgefallen, aber vier Jungs aus Israel sollten sich ja alsbald dieses Problems annehmen.

Setlist PETTER CARLSEN
Even Dead Things
From The Outside
Pull The Brakes
Never Leave Me
Spirits In Need
You Go Bird

TINY FINGERS

Oren Ben David (Gitarre), Boaz Bentur (Bass) Tal Cohen (Drums) und Nimrod Bar (Keys & Synths) waren diese Herrschaften und auf der Bühne firmieren sie als TINY FINGERS. „Atomic rock from outer space and beyond” verspricht die 2008 gegründete Rock-Psychedelia-Elektro-Combo und eines war schon nach wenigen Takten klar: Die Truppe wollte es wissen! Gleich der Titelsong des letztjährigen Albums „The Fall“ ging gleich ordentlich los und auch die wabernden Synthie-Flächen des nachfolgenden „Eyes of Gold“ bestellten das Feld für die druckvollen Krachlatten in überzeugender Art und Weise. Auf Vocals verzichteten die Israelis vollständig, dafür gingen sie instrumental in die Vollen, lenkten den Sound dann wieder in stoische Bahnen, um schließlich erneut die Dampframme rauszuholen. Daneben gab es Kopfnicker wie „Demands“ vom 2014er „Megafauna“ – auch hier ließen die sphärischen Momente nicht lange auf sich warten. Die Kombination aus flirrender Elektronik und jaulenden Gitarren passte einfach und so durften sich die Anwesenden zu guter Letzt noch mit „Evecuder“ an einem kleinen, von Lichtblitzen begleiteten Soundinferno erfreuen. Keine Frage: TINY FINGERS haben ihre 40 Minuten gut genutzt und ihren Supportauftrag vollständig erfüllt. LONG DISTANCE CALLLING konnten kommen!

Setlist TINY FINGERS
The Fall
Eyes of Gold
Traveller Soul
Intro + Demands
The Reduction Wheel
The Way It Is
Feller Horizon
Evecuder

LONG DISTANCE CALLING

Selbiges tat das Kleeblatt eine knappe halbe Stunde später dann auch. Während zunächst einmal der optische Fokus auf Janosch’ illuminierten Drumkit lag, nahmen die Musiker an ihren Instrumenten Aufstellung und hauten mit „Getaway“ den ersten Song (und die erste Single) der neuen Full Length raus, bevor mit „Arecibo“ ein lieb gewonnener Klassiker vom selbstbetitelten Album aus 2011 auf dem Programm stand. Entsprechend groß war die Freude des Auditoriums, diese Nummer zu hören, aber man stellte sich auch die Frage, wo Kalle Grabowski abgeblieben sei. Die Rede war natürlich von Ralf Richter bzw. seiner Figur aus dem Kult-Streifen „Bang Boom Bang“, die im coolen Video zu „Getaway“ wieder auferstanden ist. Kalle stand jedoch leider im Superstau und konnte deshalb nicht mit dabei sein. Dafür waren jede Menge grandioser Songs am Start, die mit der nötigen Hingabe und Intensität gespielt wurden. Im Falle vom bereits erwähnten „Welcome Change“ und dem brandneuen „Reconnect“ auch mit der gesanglichen Unterstützung von Petter, der zusätzlich auch noch in die Saiten griff. „Momentum“ zählte derweil wieder zu den vokalfreien Liedern, was bei LDC selbstredend kein Nachteil sein muss. Auch dieser frische Track wusste uneingeschränkt zu überzeugen und erhielt viel verdienten Applaus – ebenso wie „I Know You, Stanley Milgram!“ (2009 auf „Avoid The Light“ erschienen), das erneut eine volle Breitseite abfeuerte und mit einem amtlichen Groove für ein packendes Finale sorgte. Natürlich noch nicht der ganzen Show! Zunächst einmal kehrte Petter ins kühle blaue Bühnenlicht zurück, um bei „Lines“ für die stimmliche Unterstützung zu sorgen, ehe „Rewind“ mitsamt Piano für ein wenig Dramatik stand. Neben den „TRIPS“-Stücken gab es eine weitere Premiere, denn erstmals wurde „Middleville“ live performt. Der rhythmusbetonte Burner fackelte nicht lange und wurde ebenso wie „Black Paper Planes“ gebührend abgefeiert. Wer womöglich fürchtete, die neuen Songs hätten nicht genügend Drive, wurde mit „Trauma“ ein mal mehr eines besseren belehrt und wenn es überhaupt einmal einen ruhigeren Moment gab, dann war der bei „The Very Last Day“ vom 2010er „Satellite Bay“. Gleich im Anschluss ging’s in gewohnter Manier ab durch die Mitte und während blauer Nebel über die Stage waberte, stand schließlich mit dem coolen Stomper „Metulsky Curse Revisited“ der letzte Titel des regulären Sets an.

Einen Nachschlag hatten LONG DISTANCE CALLING und Petter Carlsen sich für die begeisterten Fans noch aufgehoben und so wurde das Skaters Palace ein letztes Mal in rotes Licht getaucht, während die Sounds von „Beyond The Void“ machtvoll über der Szenerie schwebten. Einen besseren Rausschmeißer hätte es nicht geben können und nach 110 Minuten Spielzeit waren die Uhrzeiger inzwischen auch der mitternächtlichen Stunde ziemlich nahe gekommen, weshalb es für mich dringend angesagt war, nach Hause zu kommen. Nach diesem großartigen Tourauftakt, den gerade in der Heimatstadt vielleicht noch ein paar Leute mehr hätten mitfeiern können, spielte die Kürze der auf mich zukommenden Nacht für mich aber nur eine untergeordnete Rolle und ich bin mir sicher, dass hinter den Kulissen noch ein bisschen gefeiert wurde – Grund genug hatten LONG DISTANCE CALLING dazu allemal, denn „TRIPS“ ist nicht nur absolut hörenswerte Konservenkost, sondern auch live ein uneingeschränkter Genuss!

Der einzige Wermutstropfen war möglicherweise die Tatsache, dass PETTER CARLSEN die Tour nicht mit seiner Band PIL & BUE begleiten kann, weil ein ernster familiären Krankheitsfall den Kollegen Aleksander Kostopoulos bewogen hat, die gemeinsame Tour abzusagen. Dies ist jedoch nur zu gut verständlich und geht absolut vor. In diesem Sinne: alles Gute nach Norwegen!

Setlist LONG DISTANCE CALLING
Getaway
Arecibo
Welcome Chance
Reconnect
Momentum
I Know You, Stanley Milgram!
Lines
Rewind
Middleville
Black Paper Planes
Trauma
The Very Last Day
Ductus / Invisible Giants
Metulsky Curse Revisited

Beyond The Void

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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