Terrorverlag > Blog > ARCH ENEMY, DRAGONFORCE, MACHINE HEAD, SHADOWS FALL, TRIVIUM > MACHINE HEAD – TRIVIUM – DRAGONFORCE – ARCH ENEMY – SHADOWS FALL

Konzert Filter

MACHINE HEAD – TRIVIUM – DRAGONFORCE – ARCH ENEMY – SHADOWS FALL

071201-Machine-Head-0.jpg

Ort: Köln - Palladium

Datum: 01.12.2007

Keine Frage, die “Black Crusade Tour” dürfte mit zu den fettesten Konzertreisen der letzten Jahre zählen. Bei dieser Tour ist wirklich alles dabei, seien es die Deather von ARCH ENEMY, diejungen Wilden von TRIVIUM, die Durchstarter SHADOWS FALL, die fulminanten DRAGONFORCE oder natürlich die derzeit über alles herrschenden MACHINE HEAD! So ist es auch kein Wunder, dass viele Dates in den Staaten, die komplette Australien-Schiene und auch einige Auftritte in Europa schon wochenlang ausverkauft waren und das bei Locations, die mal eben 4000, 6000 oder gar 8000 Leutchens fassen können. Für diesen herbstlichen Samstag-Abend in Köln wurden bei Ebay gar bis über 100 Euro für ein Ticket geboten und viele Fans kamen auch ohne Karte zum Palladium, mit der Hoffnung doch noch auf dem Schwarzmarkt zuschlagen zu können…

Pünktlich um 19 Uhr legten dann SHADOWS FALL los. Leider haben die Amis auf dieser Tour nur 25 Minuten Spielzeit, doch diese wollten die Metaller aus Springfield nutzen und gaben gleich Vollgas. Ungerechterweise haben Brian Fair und seine Kollegen hier noch nicht den verdienten Status, wie in den USA, dennoch gingen die ersten Reihen zu Krachern wie „Redemption“, „Venemous“ oder „Thoughts without Words“ schon gut mit. Motiviert und bekannt versiert liessen die Axt-Leute Matt Bachand und Jon Donais die Riffs und Soli fliegen, Jason Bittner bewies eindrucksvoll, warum er zu den besten Metal-Drummern zählt und Shouter Brian schwang unablässig seine imposanten Dreads und sang und growlte trotz Erkältung, als wäre nix gewesen. So konnten SHADOWS FALL spürbar punkten und einige Fans mehr dürften am Start sein, wenn die Band, wie Brian mir versprach, in den nächsten Monaten verstärkt in europäischen Landen aufschlagen wird!

Für viele Fans erstaunlich wurde nun schon das Backdrop für ARCH ENEMY gehisst. Ein so früher Platz im Billing bedeutet auch gleich eine recht magere Spielzeit für die Gebrüder Amott und Kollegen, was bei deren spielerischer Genialität wirklich bedauerlich ist. So vergeudeten die Schweden plus deutsche Sängerin auch keine und legten gleich fulminant mit „Blood on your Hands“ los. Ist wirklich eine wahre Wonne, Chris Amott wieder back in Action zu sehen und wenn der Mann mit seinem Bruder die Leads und Soli nur so fliegen lässt, geht das einem durch und durch. Basser Sharlee D’Angelo ist eh ein Mosher vor dem Gehörnten und über die Klasse eines Daniel Erlandsson braucht man eigentlich auch nichts mehr sagen. So pushten sich ARCH ENEMY durch Knaller wie „We will Rise“, „Nemesis“ und erfreulicherweise wurde auch mein persönlicher Fave „My Apocalypse“ abgefeuert. Durchweg imposant auch wieder einmal die fiesen Growls und Shouts von Angela Gossow, die so manchen männlichen Kollegen an die Wang growlt. Besonders freute sich die deutsche Fronterin auf viele alte Bekannte und eine Shopping-Tour mit Muttern, weswegen sie beinahe zu spät zur Show kam. Doch alles lief bestens und ARCH ENEMY verließen nach nur etwas über 30 Minuten unter verdienten „Zugabe“-Rufen die Bühne!

Zeit für eine Band, die offensichtlich so gar nicht ins Billing passen will. So sind DRAGONFORCE zwar unbestritten eine spielerisch geniale Band, doch könnten sie in dem sonst eher brachialen Line-Up wie ein Fremdkörper wirken. Und nach einem Comedy-Intro legten die Engländer auch gleich hyperaktiv los, wie man sie kennt. So zauberten Herman Li und Sam Totman nicht nur reihenweise Killer-Melodien und furiose Soli, sondern sie rannen, sprangen und posten auch wie wahnsinnig über die Bühne. Zusätzlich unterstützten sie Ausnahme-Sänger und Powerlocke ZP Theart noch mit starken Backings. Letzterer überzeugt durch tolle „Eierkneifer“-Vocals und in den Minuten, in denen seine Kollegen jeden Gitarren-Freak mit ihrem Spiel ins Paradies jagten, unterhielt der Fronter die Fans mit nicht ganz jugendfreien Gestiken, spritze literweise Wasser durch die Gegend (schönen Dank für die Dusche…) oder flachste mit seinen Bandkollegen. Unterdiesen fiel auch noch besonders Keyboarder Vadim Pruzhanov auf, der nicht nur durch packende Tastenaction überzeugte, sondern dabei auch noch beinahe sein Instrument vom Podest stieß und dabei selbst wie ein Irrer umhersprang. Ein großes Problem von DRAGONFORCE wurde an diesem Abend, an dem die meisten Fans doch auf ARCH ENEMY, TRIVIUM und MACHINE HEAD fixiert waren, deutlich: „Operation Found and Pound“, „Fury of the Storm“ oder auch „Valley of the Damned“ sind ohne Frage geniale Songs, welche die Band auch live perfekt performed… Allerdings besitzen die Tracks teilweise ziemliche Längen, in denen die Band zwar ihre erstaunliche und anspruchsvolle Spielfähigkeit voll zur Geltung bringt, aber die Fans doch leicht die Aufmerksamkeit verlieren. So wurde es in der Lobby und an der Theke des Palladiums schnell voller und der Applaus/ Jubel zum Ende war zwar sehr ordentlich, aber angesichts der Leistung der Band nicht angemessen. Da haben viele Leute deutlich Kräfte für die beiden folgenden Combos gespart!

TRIVIUM haben mit 3 sehr starken Alben einen rasanten Aufstieg geschafft. So habe ich die Band zum ersten Mal als Support für ARCH ENEMY vor gut 400 Menschen gesehen, dann als Headliner für ne Ecke mehr, gut 1000, und jetzt spielen sie mit MACHINE HEAD vor mehr als 4000 abdrehenden Herrschaften. Doch hört man sich die Songs auf Platte und auch live an, ist dieser Erfolg mehr als verdient. Da sorgen neue Brecher wie „To the Rats“ oder „Entrance of the Conflagration“ für reichlich Nackenrotation, und Gassenhauer wie „A Gunshot to the Head of Trepidation“ oder das fulminante „Rain“ entbehren eh jeglicher Kritik. Alleine der von mir schon zuvor bemängelte, sehr stark an James Hetfield und nun auch mehr und mehr an Tom Araya angelehnte Gesang von Fronter Matt Heafy will bei den eigentlich starken Gesangslinien der alten Hits nicht so ganz passen. Das störte Band und Fans aber nicht sonderlich, so feierte die Meute Mitsing-Hymnen wie „Anthem (We are the Fire)“ mächtig ab, während Bandchef Matt wie ein alter Hase die Massen dirigierte. Währendessen jagte Gitarrist Corey eine Soli-Attacke nach der anderen aus seinem Instrument und duellierte sich dabei immer wieder eindrucksvoll mit dem Fronter. Da störten dann auch diverse technische Schwierigkeiten bei den Instrumenten der beiden Axtmänner nur wenig.Als Leckerchen hatte man dieses Mal einen auf vorigen Touren nicht gespielten Song im Set. Kein Wunder, ist das knallende „Becoming the Dragon“ doch die neueste Auskopplung von TRIVIUM. Beim Übersong „Pull harder on the Strings of your Martyr“ war zum Ende hin dann noch mal kollektives Ausrasten angesagt, um dann die Bühne für eine der größten Metalbands unserer Zeit freizumachen!

Fast pünktlich nach Plan erklang dann endlich das Intro zu „Clenching the Fists of Dissent“, Robb Flynn, Adam Duce, Phil Demmel und Dave McClain nahmen ihre Positionen ein und ab dem ersten Riff gab es kein Halten mehr. Kein Wunder, spielen die Oakland-Thrasher doch selbst nach den vielen Shows der letzten Monate ihre Songs mit voller Power und Engagement, genau wie zu Beginn. Wenn dann einige tausend Fans mit der Band „Fight, Fight, Fight“ skandieren, geht einem das durch und durch! Noch mehr Gänsehaut bekommt der Fan allerdings, wenn beim anschließenden „Imperium“ wie gewohnt alle Dämme reissen. Da müssen selbst die guten Securities grinsend ihren Kopf schütteln. Auch für MACHINE HEAD selbst sind die euphorischen Fan-Reaktionen nach all den Jahren noch immer beeindruckend. So bedankt Robb immer wieder glaubhaft bei seinen treuen Fans und wenn Axtpartner Phil mal nicht wie ein Wahnsinniger über die Bühne tobt & mosht und durch fette Riffs und packende Soli überzeugt, sieht er grinsend zu, wie z.B. beim Klassiker „Old“ beinahe der gesamte Innenraum hüpft! So wirkt es zwar einerseits schon wie Routine, wenn Fronter Robb mit „Prrrroooosssttt“ grüßt, aber wenn man ihn mit zusammen mit Phil bei ihren Soli-Duellen zu „Aesthetics of Hate“ beobachtet, merkt man, dass die Jungs noch immer mit voller Inbrunst am Start sind und das nicht einfach nur Show ist. Diese Energie hat auch Drummer Dave McClain noch immer. Selbst beim bestimmt zig hundersten Mal „Take my Scars“ gibt der Glatzenmann hinter seinem Kit noch volle Power. Für den ruhenden Pol sorgte wie seit Jahren der von seinem Beinbruch wieder genesene Basser Adam Duce. Das Kraftpaket ließ die gewohnt kraftvollen Basslines von der Kette, moshte unablässig an seinem Platz und unterstütze des öfteren mit kräftigen Backings. Eine besondere Ehre wurde dann einem Fan zu Teil, der seine Luftgitarren-Künste auf der Bühne beweisen durfte, was aber ohne die passende Mucke nicht einer gewissen Komik entbehrte. Shouter Flynn passt zudem genau auf seine Anhänger auf. So mahnte er zu Vorsicht und Rücksicht im obligatorischen Circle Pit, sei man doch hier nicht auf einer Core-Show, wo man sich gegenseitig kaputt schlägt, sondern auf einer verdammten Metal-Sause, wo man miteinander feiert! Nach dieser nur zu unterstützenden Ansage gab es zu Recht spontan verdienten Applaus der Fans! Alles in allem ein gewohnt klasse Gig von MACHINE HEAD, bei dem zum Ende beim Kracher „Davidian“ nochmal alles ging, doch gab es auch kleinere Makel. Erstmal spielte der Vierer fast haargenau die gleiche Setlist wie noch bei den Festival-Dates dieses Jahres und damit auch nur ne knappe Stunde. Für viele Fans, die teilweise richtig Kohle bezahlt haben, war dies zu wenig. Zudem gönnt zwar ein jeder der Band den riesigen Erfolg, aber bei einer Menge von über 4.000 Fans ist es einfach schwieriger z.B. beim grandiosen „Halo“ diese einmalige Atmosphäre zu erzeugen, wie noch bei der Übershow in Hamburg im Juli, bei dem man zudem noch ein paar Songs mehr am Start hatte… Zudem ist es eine bodenlose Frechheit für T-Shirts Preise von 30 Euro (für Zipper 60 Euro) zu verlangen! Gerade bei einer sympathischen und verdienten Band wie MACHINE HEAD kommt mir bei einer solchen dreisten Abzocke das kalte Kotzen (mal klar ausgedrückt). Keine Frage, diese Band ist einen Ticket-Preis von um die 40 Euro ohne Frage wert, aber die treuen Fans, die aus allen Regionen noch extra und nicht gerade günstig angereist sind, noch mit solchen Preisen abzuziehen, ist echt eine Sauerei. Andersherum sind die Fans es auch selbst in Schuld, kaufen sie den Mist gleich bei der Show und warten nicht auf viel günstigere Angebote bei Ebay…

Keine Frage, die „Black Crusade Tour“ ist wohl DIE Tour des Jahres mit 5 unglaublich starken Bands und einem unbestrittenden Headliner! Dennoch sollte man überlegen, ob man nicht eine Band weniger mit auf die Reise schickt, damit eben der letzte Act, der in diesem Fall satte 6 Alben und massenweise Hits im Rücken hat, doch einige Songs mehr zocken kann. Besonders, wenn man mit DRAGONFORCE eine zwar geniale, aber hier doch etwas deplatzierte Band im Billing dabei hat…

Setlist MACHINE HEAD
Clenching the Fists of Dissent
Imperium
Aesthetics of Hate
Old
Halo
Take my Scars
Descend the Shades of Night
Davidian

Copyright Fotos: Michael Werneke

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu ARCH ENEMY auf terrorverlag.com

Mehr zu DRAGONFORCE auf terrorverlag.com

Mehr zu MACHINE HEAD auf terrorverlag.com

Mehr zu SHADOWS FALL auf terrorverlag.com

Mehr zu TRIVIUM auf terrorverlag.com