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MADSEN – ETERNAL TANGO

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Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 23.03.2011

Sebastian Madsen hat mitgezählt: bereits zum sechsten Mal war er mit seinen Brüdern Johannes (Gitarre) und Sascha (Drums) und natürlich auch dem Rest der Band MADSEN in Münster. Drei Gigs fanden im Skaters Palace statt, so auch der heutige, der vor ziemlich vollem Haus vonstatten ging. In der Kombination mit dem Support ETERNAL TANGO war’s ein Debüt, aber die fünf Jungs aus Luxemburg sollten sich eigentlich noch an die Westfalen-Metropole erinnern, denn es war auf den Tag genau fünf Wochen her, dass sie als Warm-up für ROYAL REPUBLIC die Münsteraner Sputnikhalle auf Betriebstemperatur gebracht hatten.

Heuer war die Kulisse vielleicht ein wenig imposanter, dafür war das Auditorium am Hawerkamp eine Spur enthusiastischer, aber wahrscheinlich wollte das junge Indie-Volk lediglich seine Kräfte einteilen, denn bei MADSEN gab’s am Dahlweg bereits ab der ersten Minute kein Halten mehr und auch die ETERNAL-TANGO-Mannen wurden mit ausgiebigem Kreischen und Beifallsbekundungen bedacht, als sie nach ihren 45 Minuten Spielzeit zum Abbauen auf die Stage zurückkehrten. Der Fünfer hatte wieder ein druckvolles Set abgeliefert, das ausschließlich mit Tracks der aktuellen Platte „Welcome To The Golden City“ bestückt war, sieht man mal vom THE-WHO-Cover „My Generation“ ab. Offensichtlich kannten viele der Anwesenden Kapelle und Musik auch bereits, wobei sich Texte wie „Oh! No“ und „Da/Da“ natürlich auch innerhalb kürzester Zeit mitsingen und –grölen lassen. Mit Ausnahme von „Slow Down“, das eindeutig Programm war, gaben die Herrschaften aus dem kleinen Herzogtum mit den vielen Banken ordentlich Gas und zeigten sich erneut äußerst agil. Es wurde allerdings nicht ganz so viel geplauscht wie beim letzten Besuch an der Aa, dabei sprechen Bassist Tom Gatti und Gitarrist David Schmit ganz ausgezeichnet deutsch. Das Mikro gehörte abgesehen vom Backgroundgesang dem kräftigen Gesang von Fronter David Moreira, der dem Post-Hardcore mit seinem Organ den letzten Schliff gab, wobei auch die Kollegen an den Instrumenten das Ihre taten, um die Münsteraner in Stimmung zu bringen. Die Mission ist zweifelsfrei geglückt und ETERNAL TANGO sollte der geneigte Musikfreund auf jeden Fall weiter auf dem Zettel behalten.

Setlist ETERNAL TANGO
The Golden City
The Vicious Five
Pink White Sheets
My Generation (THE-WHO-Cover)
Oh! No
Slow Down
Ronny Roy Johnson
Touch The End
Da/Da

Nach der obligatorischen Umbaupause waren dann die MADSEN-Brüder dran, die neben Bassist Niko Maurer („Mr. Sexmachine“) von Lisa Nicklisch an der Orgel (als Live-Nachfolgerin vom 2009 ausgestiegenen Folkert Jahnke) und einem weiteren Live-Gitarristen namens Herbert Unterstützung erhielten, der ursprünglich als Ersatz an den Saiten engagiert wurde, als Sebastian unfallbedingt nicht selbst spielen konnte. Dieser Unfall beim Videodreh zur Single „Lass die Liebe regieren“ ist inzwischen genau ein Jahr her und trotz anders lautender Prognosen eines Wiener Arztes, ist der komplizierte Trümmerbruch im linken Handgelenk wieder so gut verheilt, dass Sebastian die Langaxt auch wieder selbst bearbeiten kann. Herbert ist trotzdem noch mit von der Partie und gab dem 29-jährigen so Gelegenheit, mal so richtig die Rampensau rauszulassen. Das tat Herr Madsen auch in aller Ausführlichkeit und mit vollem Körpereinsatz, so dass zwischendurch ein neues T-Shirt fällig wurde, wobei auch dieses am Ende klatschnass war. Zuvor gab’s für die gut gelaunte Indie-Gemeinde ein Hit-Feuerwerk aus der MADSEN-Schmiede, das von der ersten Sekunde an enthusiastisch abgefeiert wurde. Schon beim Opener „Das muss Liebe sein“ vom aktuellen vierten Album „Labyrinth“ war der erste Crowdsurfer in Aktion und auch auf der Bühne ging’s hoch her. Passend zum Thema „Feuerwerk“ zündeten die Niedersachen bei „Panik“ vom selbstbetitelten 2006er Debüt eine Konfettikanone, die zuvor schon beim besagten „Lass die Liebe regieren“ rote Herzen regnen ließ, die auch zur MADSEN-HYMNE „Du schreibst Geschichte“ („Goodbye Logik“ – 2006) am Ende der regulären Spielzeit auf die begeisterten Fans hinabsegelten. Zwischenzeitlich hatten Sebastian und Sascha zu „Die Perfektion“ ihre Jobs getauscht; da der jüngste Madsen-Spross allerdings eher zum Brüllen denn zum Singen neigt, war es wohl besser, dass er wieder hinter die Schießbude wechselte bzw. zum Song „Mit dem Moped nach Madrid“ entsprechend der Straßenverkehrsordnung mit einem helm behütete auf der Stage vorfuhr. Außerdem wissen wir jetzt, dass Johannes „Kein Mann für eine Nacht“ ist, aber noch Bier im Kühlschrank hat und das MADSEN durchaus auch als Coverband in den unterschiedlichsten Stilrichtungen taugen würden. Bisweilen jaulten die Sechssaiter in bester Hard’n’heavy-Manier, dann war auch MARVIN GAYEs „I Heard It Through The Grapevine“ an der Reihe oder PINK FLOYD wurden neben spanischen Volksliedern zitiert. Mal ganz abgesehen von den beiden komplett gespielten und sehr gelungenen Cover-Nummern „Where’s My Mind?“ (PIXIES) und „Bulletproof“ (LA ROUX). Die „hausgemachten“ Gassenhauer, bei denen das Publikum seine Textsicherheit unter Beweis stellen konnte, waren natürlich ebenfalls samt und sonders auf der Setlist vertreten und im Falle eines jungen Herrn wurde sogar die Standsicherheit getestet. So blieb der Bursche während des gesamten Vortrages vom ruhigen „Im Dunkeln“ auf den Schultern seiner Kumpels stehen, es haperte jedoch ein bisschen beim Text. Hier konnten die übrigen Besucher bestens aushelfen und auch an Feuerzeugen mangelte es nicht, sodass sich das Skaters Palace wie gewünscht in ein Lichtermeer verwandelte, während Sebastian und sein großer Bruder Johannes allein auf der Stage agierten. Mit dem Moped kam der Rest der Meute zurück und ging es auch direkt wieder in die Vollen. Erst im Zugabenblock schaltete das wunderbare „Obenunten“ noch einmal einen Gang zurück. Hier war auch einmal der süße Gesang von Organistin Lisa zu hören, die zudem einer Harmonica liebliche Töne entlockte, ehe es mit „Nachtbaden“ vom 2008er „Frieden im Krieg“ zum großen Finale kam. Als die Gitarrengewitter sich gelegt hatten, nahm Sebastian in Crowdsurfer-Manier ein Bad in der Menge, die zuvor nahezu geschlossen der Aufforderung nachgekommen war, sich hinzusetzen und natürlich auf Kommando auch wieder aufzuspringen. Dafür und für den gesamten Abend verteilten MADSEN eine glatte Eins an die Westfalen, die nach gut 1 ½ Stunden in die Nacht entlassen wurden.

MADSEN sind einfach eine grandiose Live-Band. Kein Song, der nicht geeignet wäre, mitgesungen zu werden, kein Sound, der nicht gleich ins Bein geht und inzwischen fünf Männer und eine Frau auf der Bühne, die voller Hingabe rocken, was das Zeug hält. Wie gut, dass sich Sebastians Arzt bezüglich der Knochenbrüche geirrt hat und wie schön, dass die Truppe aus dem Wendland die ausgefallene Maitour noch um einige Termine verlängert hat. So kam Münster erneut in den Genuss eines fantastischen Konzertes, dem Sebastians Regel folgend, nach der sie in jedem Jahr ihres Bandbestehens auch vor Ort waren, im nächsten Jahr der siebte Gig folgen müsste. Im Sommer sind die Niedersachsen aber erst einmal beim AREA4, das ja praktisch vor der Münsteraner Haustür stattfindet und wo sie ebenfalls keine Unbekannten mehr sind.

Setlist MADSEN
Das muss Liebe sein
Vielleicht
Ein Sturm
Immer mehr
Lass die Liebe regieren
Die Perfektion
Kein Mann für eine Nacht
Mein Herz bleibt hier
Panik
Im Dunkeln
Mit dem Moped nach Madrid
Where’s My Mind? (PIXIES-Cover)
Bulletproof (LA-ROUX-Cover)
Du schreibst Geschichte

Labyrinth
Goodbye Logik
Obenunten
Nachtbaden

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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