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MARC-UWE KLING

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Ort: Hamburg – Politt-Büro

Datum: 17.01.2012

Erst kamen die Känguru-Chroniken und dann das Känguru-Manifest. Schließlich hat nicht nur MARC-UWE KLING viel zu sagen, sondern auch das kommunistische Känguru, mit dem er sich die Wohnung teilt und das übrigens eine Vergangenheit als Vietcong-Kämpfer hat und zudem extrem auf Schnapspralinen steht. Jetzt gibt’s das Känguru-Manifest in 3D – will sagen, MARC-UWE KLING ist auf Lesereise und durfte auch im Hamburger Polittbüro auf volle Ränge blicken.

Bevor es ans Lesen und Singen gehen konnte, musste sogar zunächst noch ein Sitzplatz für eine junge Dame gesucht werden, die in Ermangelung einer eigenen Sitzgelegenheit auf dem Schoß ihres männlichen Begleiters saß und wenig später neben ihm ebenso unbequem kniete. Mit dem Bühnenaufruf war aber schnell ein geeignetes Plätzchen gefunden und der vergnügliche Abend konnte starten. Dass der Applaus der Hanseaten dabei zunächst ein wenig spärlich ausfiel, störte den Hauptstädter nicht wirklich, schließlich hatten ja alle bezahlt und durften tun und lassen was sie wollten. Zugleich stellte er jedoch auch klar, dass Demokratie für die Minderheit immer ein bisschen schwierig ist und versorgte sein Auditorium mit zahlreichen falsch zugeordneten Zitaten, die regelmäßig für Erheiterung sorgten. „Should I stay or should I go?“ und „Bild dir deine Meinung“ legte Kling beispielsweise Christian Wulff in den Mund oder ordnete der Rating-Agentur Standard & Poors (die ja eigentlich „Rich & Poor“ heißen müssten – so Marc-Uwe) ein „Die Phönizier haben das Geld erfunden, aber warum so wenig?“ in den Mund. Der 30-jährige konnte auf einen fast endlosen Fundus zurückgreifen, denn seit Fans auf der Klingschen Facebook-Seite Zitate mit falscher Autorenschaft posten, reißt der Nachschub nicht mehr ab, der vor Ort mit „Witzig“- bzw. „Nicht-Witzig“-Stempeln markiert wurde. Zuvor waren beim Känguru Dschungelinstinkte wieder wach geworden, als er sich mit seinem Kumpel im nächtlichen Berliner Tiergarten verirrt hatte und gemeinsam mit einem diensteifrigen Mitarbeiter des Ordnungsamtes darüber diskutiert wurde, ob es legitim sei, einen toten Freund zu grillen. Überhaupt scheint das Thema Fleisch in dieser sehr speziellen Wohngemeinschaft elementar zu sein, denn auch die abschließende Beat-Boxing-Nummer befasste sich auf kongeniale Weise mit Bratwurst, Schnitzelbrötchen & Co. „Grilling in the name of…“ hieß es da beim „Meat-Boxing“, das unter dem Motto „Let the meat control your body“ stand.

Zuvor hörten die Zuschauer von der Not-to-do-Liste des Beuteltieres, schwierigen Kindheiten in Ost und West, asozialen Netzwerken und denkwürdigen Begegnungen mit Nazis. Dazwischen gab’s immer mal wieder kleine Lieder zur Gitarre (die übrigens ganz normal groß war und nur so klein wirkte, weil Herr Kling wahnsinnig groß ist), die sich mit den großen und kleinen Ärgernissen des Lebens befassten. Großartig auch das Telefon-Interview, welches das Känguru im Namen seines Mitbewohners führte und der Besuch von einer Dame, die gemeinsam mit ihrem minderjährigen Sohn angerückt war, um mit der strangen WG über die Bibel zu diskutieren. Das hätte sie wohl besser nicht getan, denn zunächst einmal bemängelte das Känguru ausführlich den fehlenden Spannungsbogen und dann begann der Kollege auch noch in der Johannes-Offenbarung das Wort „Tier“ gegen „Bier“ auszutauschen, was die Lektüre in der Tat deutlich lesenswerter machte. Marc-Uwes Technik-Tourette-Syndrom dürften ebenfalls viele der Anwesenden aus eigener Erfahrung nachvollzogen haben, auf jeden Fall kamen die Hamburger gern dem Wunsch des KKK-Mitgliedes (KKK = KleinKunstKlan) nach, beim Mitsing-Teil des Pianotracks die Stimme zu erheben und so schallte mehrfach ein „Marc-Uwe, du kannst uns mal am Arsch lecken!“ durch das Polittbüro.

Zweifellos hätten die Gäste auch so ziemlich jeden anderen Text zum Besten gegeben, wenn MARC-UWE KLING die entsprechende Parole ausgegeben hätte. Zwar sagt das Känguru, dass Marc-Uwe ein böser, böser Mensch sei, aber ganz so ernst muss man den Gewinner diverser Kleinkunst- und Poetry-Slam-Preise ja gar nicht nehmen. Er spottet auf das Feinste und verarscht dabei die Kreativszene genauso wie die Wirtin der Berliner Eckkneipe (Stichwort: „Du denkst vielleicht, dass Du hart bist, aber ich bin Herta!“). Es sind nicht unbedingt die lauten Lacher, die Kling auf diese Weise provoziert, aber ein Dauergrinsen ist bei ihm garantiert – und das über zwei Stunden auf hohem Niveau und mit absurder Einzigartigkeit!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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