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MARC-UWE KLING

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Ort: Hannover – Theater am Aegi

Datum: 19.04.2014

Einer schönen Tradition folgend, feiere ich meinen Geburtstag gern in großem Kreis. In diesem Jahr waren es rund 1.100 Leute, die mit mir ins proppenvolle Theater am Aegi gekommen waren. Nun, ich will ehrlich sein. Sie waren nicht meinetwegen da, sondern wegen eines Kängurus und dessen Offenbarung. MARC-UWE KLING hat sie festgehalten, die Worte des kommunistischen Beuteltiers, mit dem der (nicht gern so genannte) Kleinkünstler zusammenlebt. Das Schnapspralinen vertilgende Tier war einige Zeit im Untergrund verschollen, doch der Kampf gegen seinen Antagonisten, den Pinguin, geht weiter und MARC-UWE KLING kündet davon. Nicht nur in (Hör-)Buch-Form, sondern eben auch live, wie an diesem schönen Ostersamstag.

Damit er abseits der Lesungen nicht so allein ist, reist der Berliner mit Vorband. Wobei dieser Begriff nicht ganz passt, denn der Support bestand nur aus einer Person und hatte mit Musik nichts zu tun. Deshalb klassifiziere sich MAIK MARTSCHINKOWSKY auch selbst als Vorleser und berichtete von seinem Phlegmatismus, brandheißen Besuchen beim Arbeitsamt, stellte die Frage, was man mit einem Philosophen am besten anfinge und bewies, dass sich mit den Namen von Gewürzen und Küchenkräutern 1a Fantasy-Sagen schreiben lassen. Sehr unterhaltsam waren auch seine Erklärungen zum Kapitalismus, die aufgemacht waren wie die Sicherheitsbelehrungen beim Flugzeugstart. Eine amüsante Viertelstunde, die das Mitglied der Lesedüne im Berliner SO36 (neben MARC-UWE KLING, SEBASTIAN LEHMANN und JULIUS FISCHER) ablieferte und ein ebenso guter Start in einen wahrlich vergnüglichen Abend.

Eine Umbaupause brauchte es an dieser Stelle natürlich nicht und deshalb konnte der WG-Bewohner auch gleich loslegen. Kurz wurde abgefragt, wer mit der Känguru-Thematik noch nicht vertraut war und den wenigen ein Zitat mit auf den Weg gegeben, das zwar nicht wie versprochen half, Zusammenhänge zu verstehen, aber das sollte es eigentlich ja auch gar nicht, sondern schlicht unterhalten. Wenig später musste der Mann auf der Bühne jedoch zugeben, dass dies gar nicht seine Show war, dass er vielmehr seit geraumer Zeit gestalkt werde und dass dieser Mann ihn in der Hand hatte. Kevin war sein Name und Kevin ist Marc-Uwes Tontechniker. Und Korinthenkacker bei der Kleinkünstlergewerkschaft, der über den Ablauf des Abends entschied. Zudem hat Kevin notorisch schlechte Laune, ein Mikro und die Macht darüber, ob es auf der Bühne hell ist (was beim Lesen klar von Vorteil ist) und ob der Lesende im Saal überhaupt zu hören ist. Kurz: MARC-UWE KLING war Kevin ausgeliefert, davon zeugten auch die Zwiegespräche, die die beiden zwischendurch immer mal wieder führten. Im Mittelpunkt stand aber natürlich der nicht enden wollende Freiheitskampf des Kängurus – und somit auch der seines Mitbewohners, der bei der Kontrolle am New Yorker Flughafen als Comedian geoutet wurde (und das nur, weil sein haariger Begleiter mit dem Stromkabel die Worte „bomb inside“ im Kofferinneren drapiert hatte, was natürlich zu einer etwas ausführlicheren Überprüfung führte). Wir wissen jetzt außerdem, dass Pizza in den USA als Gemüse klassifiziert wurde – wie alles, was mindestens zwei Löffel Tomatensoße enthält. Moody’s erstellt seine Ratings übrigens anhand dessen, was ein alter Mann in einem nahe gelegenen Irish Pub am Boden seines Guinnessglases liest und im Big Apple Schnapspralinen zu finden, ist auch gar nicht so einfach.

Großen Unterhaltungswert hatte auch ein Magazin, dass Marc-Uwe in seinem Highclass-Hotelzimmer vorfand, in dem er als Quoten-Kleinkünstler anlässlich der lit.COLOGNE untergebracht war. Die Inhalte dieses sich ganz dem Luxus widmenden Hochglanzblättchens waren so gelungen, dass sich Kling mit dem Gedanken trägt, keine Bücher mehr zu schreiben und stattdessen ein wenn auch teures Abo dieses Heftes zu bestellen, um künftig nur noch daraus vorzulesen. Insbesondere die Passagen über Dr. Daniel A. Knutti aka Dr. Beauty aus der Schweiz waren aber auch wirklich gleich für mehrere Lacher gut. Und dass der Trend zum Zweitflugzeug und zu Uhren geht, die so teuer sind wie Einfamilienhäuser sollte man definitiv wissen. Damit diese Dinge für den inzwischen immerhin sehr erfolgreichen und mit einem Haufen Auszeichnungen bedachten Künstler erschwinglich werden, ging es nach Hollywood, um dort seine Ideen für ein Filmscript an den Mann zu bringen. Irgendwie kam die Story über Hexen, die an Burnout sterben jedoch nicht so gut an und letztlich rief auch die Suche nach dem Pinguin die beiden Protagonisten nach Vietnam. Bevor man dort ankam, wurden noch ein paar falsch zugeordnete Zitate verkündet; ganz aktuell beispielsweise: „3,2,1 – meins“ (Wladimir Putin) und auf den Kollegen JULIUS FISCHER verwiesen, der Stress mit dem Droemer & Knaur Verlag hat, die dem Poetry Slammer gerichtlich untersagt haben, sein Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ weiter so zu nennen. Jetzt sammelt Fischer per Crowdfunding Geld, um gegen dieses Urteil anzugehen (in dem die Richter genau genommen dem Verlag bestätigt haben, dass die „Wanderhuren“-Leser so dumm sind, dass sie bei dem verwendeten Titel nicht merken, das falsche Buch zu kaufen und dann vom nicht „historischen“ Inhalt enttäuscht sind). Gleichzeitig bat MARC-UWE KLING darum, Droemer & Knaur mit möglichst vielen Vorschlägen für Titeländerungen zu beglücken. Eine Idee: „Deutschland schafft sich an“.

Doch zurück zur Känguru-Offenbarung. Inzwischen waren das Vietcong-erfahrene Beuteltier und sein Chronist in Ho-Chi-Minh-Stadt angekommen, trafen nicht nur die überdrehte Backpackerin Sarah wieder, sondern auch die ehemalige Band KRANKENHOUSE des Kängurus und den Oberbefehlshaber (kurz OB) des asozialen Netzwerkes Sektion Vietnam. Die Ereignisse überschlugen sich und gipfelten Schließlich in der Verkündung der Känguru-Offenbarung. Und der Pinguin? Der will die ganze Welt in einen riesigen, langweiligen, Flughafen verwandeln. In Berlin weiß das asoziale Netzwerk dies allerdings dank eines seiner fähigsten Doppelagenten schon seit Jahren verhindern. Und wenn ein Terrorist mit Flugangst seinen Job nicht mehr ausüben kann, ist für ihn immer eine Stelle im Call-Center oder beim Springer-Verlag frei.

In diesem Sinne verabschiedete MARC-UWE KLING sein restlos begeistertes Publikum (ein Zuschauer hatte sein Lachflashs zur Freude des Vortragenden kaum unter Kontrolle und geriet bereits bei der Nennung einer Überschrift oder der Andeutung eines Witzes in hysterisches Lachen) nach kurzweiligen zwei Stunden Spielzeit mit einem Zitat von Anton Schlecker: „Liebe Leute, ihr müsst nicht nach Hause gehen, aber hier könnt ihr nicht bleiben.“

Es war mir wieder ein Vergnügen Herr Kling, danke für diesen gelungenen Abschluss meines Geburtstages!

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