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MARIANNE ROSENBERG

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Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 18.11.2011

Wer den Terrorverlag länger begleitet, weiss, dass wir uns musikalisch auch gerne mal in den Randgebieten unserer eigentlichen „Stamm-Genres“ aufhalten, das hält jung und erweitert bekanntlich den Horizont. So hatten wir bereits im Jahre 2005 das Vergnügen, MARIANNE ROSENBERG live zu erleben, was damals zugegebenermaßen nicht unbeträchtlich mit der Vorband zusammen hing. Niemand Geringeres als die Synthie Popper MELOTRON waren in Münster mit an Bord, was sich leider 6 Jahre später nicht wiederholen sollte, zumindest nicht in Bielefeld. Denn bei den 3 „ostdeutschen“ Konzerten war tatsächlich wieder Melo-Fronter Andy Krüger als Gast mit dabei, da hat sich offensichtlich eine Freundschaft entwickelt. An diesem gar nicht so kalten Freitag Abend aber mussten die Ostwestfalen auf einen Support Act verzichten, was die meisten Anwesenden sicher nicht gar so entsetzlich fanden. Unter den Besuchern viele etwas ältere Damen-Combos, aber auch einige Pärchen beiderlei Geschlechts und ein sympathischer Metaller mit HELLHAMMER-Shirt. Wie schon häufiger beobachtet, zeigte sich das Phänomen, dass gerade bei so „harmlosen“ Konzerten die aggressivsten Zuschauer vor Ort sind. Vielen Dank diesbezüglich an den „Irren“ in der ersten Reihe, der wohl noch nie Fotographen bei der Arbeit gesehen hat.

Nun aber zur musikalischen Seite, etwa gegen 20 10 Uhr trat Marianne nebst Band vor die etwa 500 Fans in der kleineren der beiden Ringlok-Hallen. An ihrer Seite als Keyboarder/ Mädchen für alles ihr Produzent Dirk Riegner, der auch schon für so illustre Acts wie PETER HEPPNER, die GUANO APES oder HIM an den Reglern saß und zudem auch im Line Up von SECRET DISCOVERY zu finden ist. Und wo wir gerade dabei sind: Der Schlagzeuger Lars Graebe gehört ebenfalls zum Aufgebot der Bochumer Gothic Rock Heroen. Fehlt nur noch der Herr an der Gitarre rechts, Mickey Meinert, den sich Frau Rosenberg bei SCHILLER ausgeborgt hat und aus dem Bielefelder Umland stammt. Musikalische Integration allerorten. Die Mit50erin präsentierte sich zunächst im roten Glitzerkleid und begann ihr Set mit 3 Titeln ihres aktuellen Werks „Regenrhythmus“, das anfang des Jahres das Licht der Welt erblickt hatte. Und damit wurde auch schon die Crux des heutigen Abends deutlich. Die Künstlerin performte gleich 10 Songs dieser Scheibe, somit mehr als die Hälfte der Setlist, und ohne das jetzt qualitativ zu werten, schien das Gros der Zuschauer damit nicht sonderlich vertraut zu sein. Vielmehr hatte man sich wohl auf eine „Oldie-Party“ gefreut, bei der man kräftig alte Schlager mitsingen bzw. -klatschen kann. So kam bei diesen Stücken nur wenig Stimmung auf, im Laufe der Zeit dünnte sich das Publikum doch ein wenig aus, und gegen Ende machten sogar einige Herren hinten links ihren Unmut lautstark deutlich – nach dem Motto: „Die Sachen kennt doch keiner“. Nun kann man verstehen, dass ein Artist nicht immer nur auf seine alten Kamellen festgelegt werden will und begierig ist, sein neues Material zu präsentieren, in diesem Falle war die Balance vielleicht ein klein wenig zu sehr in Richtung „Modernität“ verschoben. MARIANNE ROSENBERG ist 2011 eben eher Elektronischer Pop mit lakonischen Texten als biedere Schlager-Glückseligkeit. Da wird dann auch schon mal das flotte „Der Mann vom Kartell“ präsentiert, das aus einer Zusammenarbeit mit EXTRABREITs Kai Hawaii stammt und einigen älteren Damen mal eben das Toupet wegfegte. Natürlich wurden auch die Überklassiker „Marleen“ und als Abschluss-Titel des regulären Teils selbstverständlich „Er gehört zu mir“ gespielt, allerdings auch eher in einer Synthie-Version. Nichtsdestotrotz ging dann plötzlich die Luzie ab und aufgekratzte Damen tanzten einen Retro-Pogo in Erinnerung an bessere Zeiten. Mir gefiel etwa die Cover Version von WIR SIND HELDENs „Die Ballade von Wolfgang und Brigitte“ deutlich besser, bei dem es um ein bizarres Beziehungsdreieck geht (remember 68, freie Liebe und so). Bei den Ansagen kam Marianne recht „derbe“ rüber, um nicht zu sagen ein klein wenig „dreckig“, so erklärte sie beispielsweise, dass Männer zwar nett wären, aber man sich nicht unbedingt einen zuhause halten müsse. Das neue „Verliebte Jungs“ wurde als Hommage an ihre schwulen Anhänger angepriesen, einer Fangruppierung, über die sie sich sehr freue. Gegen Mitte der Darbietung wechselte sie dann auch mal ihr Outfit, während das Instrumental Trio fast in Richtung JARRE abdriftete. Nun gut, das ist vielleicht ein wenig übertrieben…

Vor der Zugabe machten wir uns von dannen, von daher können wir auch nicht überliefern, ob Mariannes Wolfshundmischling „Baron“ wieder einen Extra Auftritt auf der Bühne hatte. Jedenfalls war es ein recht interessantes Konzert, was in diesem Falle auch mit dem Zusammenspiel „Künstler-Publikum“ zu tun hatte, mit Erwartungen und Enttäuschungen. Und vielleicht passt in diesen Zusammenhang auch die wiederholte Äusserung von Frau Rosenberg: „Wir leben im JETZT“, wer Schlager will, muss eben woanders wildern.

Setlist
Genau entgegengesetzt
Und wenn ich sing
Liebe tief erfunden
Marleen
Die Zeit und die Herzen
Verliebte Jungs
Ich denk’ an dich
Wie ein Leuchtturm
Was glaubst du
Lauf Kleine
Der Mann vom Kartell
Dämonen und Wunder
Die Ballade von Wolfgang und Brigitte (WIR SIND HELDEN-Cover)
Vorbei ist es nie
Im Regenrhythmus
Er gehört zu mir

Rette mich durch die Nacht
Blühendes Alptraumland
Mit jedem Herzschlag

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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