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MELOTRON – NAMNAMBULU – SPIRITUAL CRAMP

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Ort: Bielefeld - Elfenbein

Datum: 20.12.2003

Synth Pop im Elfenbein? Eigentlich eine kuriose Mischung, denn mit dieser Bielefelder Disco/ Kneipe verbindet man eher Psychabilly oder den letzten Absacker nach durchzechter Nacht denn elektronische Musik. An diesem lauwarmen Abend versammelten sich aber die Jünger MELOTRONs in dem kleinen Laden am Niedernwall und es waren so ungefähr 100 aufmerksame Nasen anwesend. So ganz ist OWL nämlich nicht das Territorium des ostdeutschen Trios, hier hört man MELOTRON eher heimlich. Nach der ersten Überraschung am Empfang (DJ Fafnir aus dem neuen Laden „Triebwerk“ machte die Kasse) und der zweiten gleich danach (wir standen nicht auf der Gästeliste) gelangten wir dann doch irgendwie ins Innere. Und auch dort war ich überrascht, eine alte Bekannte hinter dem Tresen wiederzuerkennen, diese Überraschung war deutlich positiver Natur. Und so ging es weiter, eine zweite Vorband stand auf dem Programm, die sich gegen 20 45 Uhr einen Weg auf die kleine Bühne bahnte: Die einheimischen SPIRITUAL CRAMP.

Nun bin ich mit deren Werk überhaupt nicht vertraut, wurde aber durch den stilvollen Auftritt überzeugt. Die Truppe besteht aus 2 Männern und der bezaubernden Ivi, die auch schon auf der letzten KONTRAST-CD ihre Sangeskünste bewies. Hier duellierte sie sich mit dem Bielefelder Studenten Stefan, der nebenbei auch die Keys und eine Art elektronischer Oboe bediente. Die Stücke bewegten sich zwischen „verträumt“ und „tanzbar“, wobei ich den Eindruck hatte, dass die neueren Sachen etwas „beatiger“ ausfallen. Als Songtitel ist mir allerdings nur „Phoenix“ in Erinnerung geblieben (DECODED FEEDBACK Cover). Die Zuschauer jedenfalls waren sehr zufrieden und SC konnten ihren Heimvorteil zur vollsten Befriedigung ausnutzen.

Danach lernte ich einen jungen Russen kennen, der sich als beinharter MELOTRON-Fan entpuppte und die Band überall hin begleitet. Auch von NAMNAMBULU hatte er Ahnung, hielt er mir doch einen spanischen Zeitungsausschnitt entgegen, auf dem die Schweizer Platz 1 in irgendwelchen Elektro Charts belegten. Und er lobte Sänger Henrik Iversen, der live ein begnadeter Sänger sein sollte. Der Mann hatte Recht! Henrik sang nicht nur wie ein junger Gott mit schönem Timbre, er sah noch dazu aus wie die Schweizer Version von Robbie Williams. Dazu agierte im Hintergrund Keyboarder Vasi, der eher wenig zu tun hatte, aber auch gut ausschaute. Natürlich gab man einige Stücke der Debüt-CD „Distances“ zum besten, wie etwa „Beaten“, das ruhige „Guardian Angel“ oder „Hunting“. Die erfolgreiche Single „Memories“ war das vorletzte Stück, bevor es mit „Surviving“ schon wieder zu Ende ging (nach ca. 45 Minuten). Erwähnenswert: Die etwas schlagerhaften Bewegungen des dunkel gekleideten Eidgenossen, der Angestellte, der mitten im Gig lautstark Bierfässer aus einem Raum neben der Bühne hervorrollte sowie die Bemerkung „Er ist mein kleiner Pianist“ (Henrik über Vasi). Trotz der fanatischen Zugabenrufe einer kleinen Fangruppe durften NNB nicht mehr als schon war und trollten sich alsbald an den Tresen, um sich mit Wein und Weib zu vergnügen (der Gesang war ja schon…).

Und dann dauerte es eine ganze Weile, bis MELOTRON sich endlich auf der Bühne sehen ließen, im Publikum waren sie vorher schon herum gelaufen. Ich hatte das Trio Krüger/ Hildebrandt/ Slatnow bereits vor ein paar Wochen auf dem Birthquake in Duisburg gesehen, da waren allerdings ein paar mehr Leute, was dem Spieltrieb der drei Elektroniker aber nicht abträglich war. Von Anfang an bot Andy Krüger eine seiner energiegeladenen bis zappeligen Shows, sozusagen Marc Almond auf Speed! Besonders erwähnenswert war seine Interaktion mit dem Publikum, das zumindest in den ersten Reihen gut mitging, da befand sich auch ein kleiner Fanclub. Kommentar Krüger: „Bielefeld, da geht noch einiges“! Man spielte sich durch ein Set bestehend aus den Hits der letzten 2 Alben „Sternenstaub“ und „Weltfrieden“ plus ein paar alte Klassiker wie „Kindertraum“. Die flotteren Sachen gefallen mir persönlich besser, man muss aber generell die kompositorische Klasse anerkennen. Was den Gesang anging, so fiel mir auf, dass dieser durchweg in einer anderen Tonlage als auf Datenträger angesiedelt war, so musste auch ich mein Mitsingen anpassen… „Folge mir ins Licht“ bildete den Abschluss des regulären Sets und es folgte mit „Manchmal“ nur noch eine Zugabe, da hätte es etwas mehr sein dürfen. So waren es dann 60 Minuten Musik, die schon weit nach Mitternacht ihr Ende fanden und die Band bot den Anwesenden die Fortführung des Happenings an der Bar an, was unser Fotograph dankend annahm. Ich aber machte mich auf den Rückweg nach einem Abend, der interessant und etwas kurios zugleich ausfiel, zuhause wollte ich ein paar Gitarren hören!

SETLIST MELOTRON:
Sternenstaub/ Brüder
Gib mir alles
Kindertraum
Der Anfang
Welt – Du bist so still
Der blaue Planet
Wünsch mich nicht zurück
Kein Morgen
Wohin?
Dein Meister
Kein Problem
Folge mir ins Licht

Manchmal

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