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MELT! 2011 – TAG 2

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Ort: Gräfenheinichen - Ferropolis

Datum: 16.07.2011

Keine drei Stunden später ist die Temperatur im Zelt so unerträglich, dass zumindest der Kopf erstmal rausgehängt werden muss, um noch eine Stunde weiter zu dösen. Doch als dann der ganze Zeltplatz so langsam zum Leben erwacht, ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Die Duschen sind überfüllt, also geht es baden. Der Gremminer See ist ja gleich nebenan. Das wissen aber auch zig andere Besucher und so ist am Strand nicht an Ruhe zu denken. Spätestens als jemand zwei Mülltonnen zusammenschiebt und Boxen und DJ-Anlage rausholt, geht die Party wieder los.

Als wir gegen 17:30 Uhr auf dem Gelände angelangten, trat mir eine bekannte Melodie ins Ohr: „So ist das nun mal“. Mir ist doch völlig entgangen, dass ANDREAS DORAU auch auftritt. Umso erfreuter waren wir über diese Darbietung und das bei sengender Hitze auf der Mainstage. ANDREAS DORAU und seine beiden Mitstreiter waren die wohl bestgekleidetsten Musiker. Im feinen Anzug trotzten sie der Hitze, und Dorau meinte nur: „Es schmerzt, es schmerzt. Aber die Jacke bleibt an!“. Die „Fred vom Jupiter“-Zeiten sind vorbei. Weder er noch die Fans wollen das noch hören. Stattdessen spielte er Hits aus den letzten 16 Jahren von älteren Stücken wie „Girls in love“ oder Songs seines aktuellen Albums „Todesmelodie“ wie „Stimmen in der Nacht“ oder „Größenwahn“. Zweifel, ob live gesungen wurde, konnten nicht aufkommen. Teilweise sogar angekündigte Textschwierigkeiten machte Dorau aber mit einem sympathischen Lächeln und seinen spaßigen und ironischen Synthiepop-Tanzflächenkrachern locker wieder wett.

OASIS sind seit zwei Jahren tot. Es lebe OASIS. Oder besser gesagt: BEADY EYE. Ein Gallagher weniger und mit neuem Namen klingt die neue Band von Liam Gallagher doch fast genau wie die alte. Die Erwartungen nach einem grandiosem Auftritt 2009 waren hoch. Doch sie konnten nicht erfüllt werden. Die Songs waren nicht verkehrt, aber der Band um den Mann mit der einschnürenden Kutte fehlen einfach die Hits. Und bis auf ein paar eingefleischte OASIS-Fans an der Bühnenkante war die Fläche nicht gerade sonderlich gut gefüllt und die Anwesenden lauschten auch eher nur teilnahmslos dem Sound. Bis auf ein „Fucking noise!“ unterließ es Liam auch mit schmutzigen Wörtern. BEADY EYE sollen größer werden als die BEATLES, will Gallagher gesagt haben. Doch davon ist er noch sehr weit entfernt.

Auf der Gemini Stage spielten gerade MEN. Auf der Bühne standen drei sehr jung aussehende Herrschaften, teilweise mit zartem Oberlippenbart. Optisch noch nicht volljährig aussehend agieren sie musikalisch wie die Alten und das Publikum ging voll ab auf der überdachten Fläche. Die drei verstehen es, mit ihrem Elektro-Pop zu rocken. Eigentlich sind wir nur vorbeispaziert, hatten aber keine Wahl und mussten regelrecht mittanzen.

Gegen Mitternacht überschnitten sich einfach zu viele gute Acts. Angefangen von THE STREETS über DAF, EDITORS und DJ KOZE. Da ja alles beieinander liegt, blieb ein kurzer Blick auf THE STREETS. Bereits zum dritten Mal auf dem Melt! ist das wahrscheinlich der letzte Auftritt von Mike Skinner und seinen Mannen. Mit Veröffentlichung des fünften Albums „Computer and Blues“ im Februar 2011 will er einen Schlussstrich unter THE STREETS setzen: keine hundertprozentige Identifizierung mehr. Umso mehr können sich die Fans jedoch mit dem englischen Rapper/ Sänger identifizieren. So voll wie bei THE STREETS war es bei keiner anderen Band. 8000 Zuschauer sollen es gewesen sein und die Stimmung war fantastisch. Auf Anweisung Skinners ging die Masse in die Knie und sprang auf Kommando wieder auf. Was für ein Anblick. Hits aller Alben wurden gespielt und sogar der Kracher „Turn the page“ lief während unseres kurzen Besuchs.

Wir mussten aber weiterziehen ins Zelt. Denn dort tritt gleich die 80er-Jahre-Legende DAF auf. Am Abend zuvor haben wir den Tontechniker von DAF zufällig im Shuttle-Bus getroffen. Bei einem netten Gespräch verriet er uns, dass alle Hits gespielt werden sollen. Und so war es dann auch. Gleich als zweiter Song lief „Verschwende deine Jugend“, gefolgt von „Der Mussolini“. Und weiter liefen Kracher wie „Als wärs das letzte Mal“, „Ich und die Wirklichkeit“, die Comeback-Single „Der Sheriff“ und und und. Sänger Gabi Delgado-López riss sich schon nach kurzer Zeit das nasse Hemd vom Leib. Die Zutaten von DAF sind einfach zu erklären: dadaistische Texte, tanzbare, harte Beats und eine gehörige Brise maskulin-sexueller Aura. So lieben es die Fans seit Jahrzehnten und auch auf dem Melt! war das Zelt schnell am Kochen und die Crowd tanzte den Mussolini. Gabi beendete das Konzert mit den Worten „Vielen Dank. Das hat viel Spaß gemacht.“ Ein geniales Konzert.

Die Umbaupause nutzen wir für einen kurzen Besuch bei den EDITORS. Deren Debüt „The back room“ im Jahre 2005 entzückte die Indie-Rock-Welt. So nah waren die Parallelen zu JOY DIVISION. Songs wie „Munich“ oder „All sparks“ waren nicht mehr wegzudenken. Mit dem dritten Album sind die EDITORS vom reinen Gitarrenrock gewichen und haben die Elektronik in Form von traditionellen Synthesizern für sich erkannt. Doch über allem schwebt weiterhin die markante Stimme von Tom Smith. Ein kurzes aber geniales Intermezzo für uns.

Doch dann geht es schon wieder ins Intro Zelt, zu dem wohl lautesten Act des 14. Melt!, der Elektropunk-Legende ATARI TEENAGE RIOT. Nach zehnjähriger Pause feierte die Combo um Alec Empire ihre Wiedergeburt. HANIN ELIAS ist nicht mehr an Bord, und geht selber eigene Wege. Dafür ist jetzt Nic Endo als weiblicher Schreihals nicht minder geeignet. Weitere Verstärkung kommt durch MC CX Kidtronik. Und dann scheppert es los. Die brachiale Single „Activate“ und das demnächst erscheinende Album werden dem Publikum gnadenlos um die Ohren gehauen, dass einem selbige fast zu platzen drohen und manch Zartbesaiteter das Zelt verlässt. Dazu ein Lichtgewitter, was ebenfalls nicht gesund sein kann. Long live Digital Hardcore! Alec Empire hat es immer noch drauf.

Als im Zelt der letzte Ton verhallt geht es für uns gleich weiter zur Mainstage zu DIGITALISM. Das Hamburger Duo ist bereits das vierte Mal auf dem Melt! zu Gast und präsentierte neben Hits wie „Zdarlight“ und der diesjährigen Melt!-Hymne „2 Hearts“ auch brandneues Material vom neuen Album „I love you Dude“. Obwohl die beiden als DJ-Team angefangen haben und über keinerlei Songwriting-Erfahrungen verfügen, schaffen sie mit ihren Elektropop-Hymnen große Aufmerksamkeit Live klingt die Stimme etwas dünn, aber dennoch haben sie die Bagger ordentlich gerockt.

Den heutigen Abschluss schaffen für uns TRASHPOP feat. WOLKE und TIMID TIGER. Klang irgendwie interessant, also schauten wir mal rein. Das Zelt war eher leer und es lief ein komischer Mix aus aktuellem und älterem Radiotrash wie 2UNLIMITED und LADY GAGA. Eigenartige Mischung für eine Umbaupause und recht laut. Nach einer Weile schnallten wir endlich, dass wir schon mitten im TRASHPOP angelangt sind und es ich um ein DJ-Set handelte. Ob so was wirklich auf einem Festival mit lauter guter Musik nötig ist? Wir haben uns jedenfalls verkrümelt und sind ins eigene Zelt. War ja auch schon wieder hell draußen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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