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MEN WITHOUT HATS

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Ort: Hannover – Engel 07

Datum: 08.02.2013

Irgendwann 2012 schlenderte ich mal wieder in der CD-Abteilung eines Elektronikriesen umher und traute meinen Augen nicht, was ich da plötzlich erblickte. MEN WITHOUT HATS hatten ein neues Album produziert, das (im Gegensatz zum Vorgänger „No hats beyond this point“) auch mit einem offiziellen Release in Deutschland bedacht wurde. Nicht, dass ich nicht öfter in den letzten Jahren recherchiert hätte, was die Band so treibt – aber genau im Vorfeld der Veröffentlichung hatte ich die Formation um den charismatischen Sänger Ivan Doruschuk mal wieder etwas aus den Augen verloren. Natürlich erwarb ich das Album umgehend, um es mir bereits auf der Rückfahrt musikalisch einzuverleiben. „Love in the age of war“ entzündete bei mir aufgrund seiner hohen Eingängigkeit erneut das MEN WITHOUT HATS– Fieber, das mich bereits Anfang der 80er Jahre infiziert hatte.

Es sollte aber noch besser kommen. Kurz vor Jahresende (2012) wurde das Unglaubliche bekannt. MEN WITHOUT HATS planen eine Europatour für Anfang 2013. Ich hätte schon fast nicht mehr daran geglaubt, die Helden meiner Jugend aus dem fernen Kanada endlich einmal live sehen zu dürfen. Nach Auftritten innerhalb kurzer Zeit von ADAM ANT (Patronaat, Haarlem NL), ULTRAVOX (Ringlokschuppen, Bielefeld) und HEAVEN 17 (Forum, Bielefeld) sollte ich nun also auch endlich in den Genuss eines Konzertes der „Männer ohne Hüte“ kommen. Aufgrund der örtlichen Nähe fiel meine Wahl auf den Gig in Hannover.

Auf der Homepage vom Veranstaltungsort konnte man an diesem kühlen Tag erfahren, dass ab 19 Uhr geöffnet werden würde. Um auf keinen Fall etwas zu verpassen, machten wir uns rechtzeitig auf den Weg. Tatsächlich standen wir um die Zeit dann auch schon vor dem zentral gelegenen Engel 07, einer Location, die mir zuvor noch gar nicht bekannt war. Was vernahmen da unsere Ohren? Das waren doch unverkennbar Songs vom neuen MEN WITHOUT HATS-Album, die aus dem Club drangen – richtig, aber doch Entwarnung. Die Band hatte noch nicht mit dem Konzert begonnen – der Soundcheck war lediglich noch nicht ganz beendet, weswegen sich der Einlass noch minimal verzögern sollte. Doch die Veranstalter hatten sich etwas Tolles überlegt, um die Wartezeit zu überbrücken. Für wirklich kleines Geld konnte man an der Kasse Bier erwerben und noch etwas die Kehle mit kühlem Nass benetzen.

Schließlich wurde komplett geöffnet und wir konnten den Ort des Geschehens über eine nach unten führende Treppe betreten. Das Engel 07 ist nicht allzu groß – eher ein kleinerer, dunkler Laden mit einer zentral im Auftrittsraum gelegenen Theke und einem nebenliegenden, mit Sofas bestückten Raucherraum. Hier konnte man sich gleich wie zuhause fühlen. Nach und nach kamen auch immer mehr Gäste – vielleicht 100 bis 150 Personen insgesamt, wobei der Veranstaltungsort dadurch gut ge-, aber auf keinen Fall überfüllt war. Da das Konzert noch nicht sofort startete, bot sich die Möglichkeit noch mit dem ein- oder anderen angereisten Fan über die zahlreichen Veröffentlichungen der Nordamerikaner zu fachsimpeln.

Kurz nach neun war es dann endlich soweit. Ivan (Gesang), James (guitar), Lou (keys) und Rachel (ebenfalls keys) betraten die Bühne und wurden vom applaudierenden Publikum empfangen. „This war“ vom aktuellen Album bildete den Opener, der einen energiegeladenen Synthi-Pop Abend einleiten sollte. Spätestens beim folgenden Stück „Antarctica“, einem New Wave Klassiker, der bereits auf dem Debut-4-Track Minialbum „Folk of the 80´s“ 1980 veröffentlicht worden war, blieb kein Bein im Raum mehr ruhig. Es folgten „I got the Message“, „Ideas for walls“ und „I like“ vom “Rhythm of youth”-Album (1982). Ivan, der zu Beginn des Konzertes noch etwas abwartend wirkte, wie die Stimmung bei den Zuschauern sich entwickeln würde, kam mit jedem weiteren Song sichtbar immer mehr aus sich heraus. Wie in alten Zeiten machte er mit der – übrigens sehr sympathischen Band – Party auf der Bühne und feierte zusammen mit dem Publikum. Trotz etwas höherem Alter wirkte Ivan topfit und voller Energie. Nun war es wieder Zeit für ein neues Stück. Nur unterbrochen von „Pop goes the world“ vom gleichnamigen, 1987 veröffentlichten Longplayer, folgten drei weitere Perlen vom aktuellen Silberling: „Head above water“ geht sofort ins Ohr und brachte die Stimmung zum kochen, „The girl with the silicon eyes“, bei dessen Refrain Ivan immer auf seine eigenen Augen zeigte (ein Beweis für seinen genialen Humor) und das elektro-rockige „Devil come round“.

Auf der MWH-Seite bei Facebook hatten sich viele Fans (darunter auch ich) einen ganz besonderen Song namens „Security“ für die Europatour gewünscht. Dieser Wunsch wurde prompt erfüllt (ein riesiges Dankeschön dafür an die ganze Band). Es ging weiter mit den Singles „Living in China“ (bei dem der Sänger erklärte, dass das Stück in den 80ern auf dem US-Release von „Rhythm of youth“ nicht enthalten war, da die Plattenfirma es für zu politisch hielt), „Where do the boys go?“ und dem Song, der MEN WITHOUT HATS vor knapp 30 Jahren zum Durchbruch verholfen hatte „The Safety Dance“. Eingeleitet wurde das Stück von Ivan mit den Worten „Can you hear me out there? This is the one we are all waiting for”. Nach diesem Höhepunkt verschwand die Band erst einmal von der Bühne. Sogleich begann die Menge mit tosendem Applaus lauthals „We want more“ zu fordern. Und tatsächlich – die Musiker kamen zurück und präsentierten noch „SOS“, eine Coverversion des Klassikers von ABBA und „On tuesday“, ein wundervolles, ruhigeres Stück von dem „Pop goes the world“-Album.

Die hohe musikalische Qualität, die tolle Songauswahl und die überzeugende Bühnenpräsenz sorgten dafür, dass die Zeit wie im Flug vergangen war. Alle Bandmitglieder sammelten sich jedoch noch einmal beim Merchandisingstand, wo sie den Fans gerne Autogramme (teilweise auf ganze Vinylsammlungen) gaben.

Selten kann man sagen, dass man mit hohen Erwartungen zu einem Konzert geht und diese dann auch noch locker übertroffen werden. MEN WITHOUT HATS haben an diesem Abend gezeigt, dass sie es immer noch verstehen, außergewöhnliche Konzerte zu geben. Es bleibt zu hoffen, dass uns diese Band noch lange erhalten bleibt. Für mich bis jetzt das Konzert-Highlight 2013.

Setlist MEN WITHOUT HATS
This war
Antarctica
I got the message
Ideas for walls
I like
Head above water
Pop goes the world
The girl with the silicon eyes
Devil come round
Security
Living in china
Where do the boys go?
The safety dance

SOS (ABBA-Coverversion)
On Tuesday

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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