Terrorverlag > Blog > AMDUSCIA, CEPHALGY, DEINE LAKAIEN, FAUN, KIEW, LACUNA COIL, SCREAM SILENCE, SUBWAY TO SALLY, THE BIRTHDAY MASSACRE, THE SISTERS OF MERCY, THE VISION BLEAK, ZERAPHINE > M`ERA LUNA 2005 – TAG 2

Konzert Filter

M`ERA LUNA 2005 – TAG 2

050814-Birthday-Massacre-0.jpg

Ort: Hildesheim

Datum: 14.08.2005

Anders als der Samstag begann der Sonntag dann weniger erfreulich: Strömender Regen begrüßte die aus den Zelten kriechenden Anhänger der schwarzen Szene. Auch am Einlass war um 10.00 Uhr weniger los als zuvor, eine kleine, mit Schirmen ausgestattete Menge wartete und schlenderte dann über das Gelände. Schirme sollten an diesem Tag noch an allen Verkaufsständen zum Bestseller werden, da trotz des schlechten Wetters in der Woche zuvor wohl doch nicht jeder einen solchen mitgenommen hatte. Auch dünne Plastikregencapes (in gelb und blau, schwarze war wohl nicht zu bekommen) wurden von unzähligen Goths genutzt. Leider war auch schon die erste Heimreisewelle zu beobachten, Zelte wurden abgebrochen, und viele Autos machten sich schon früh auf den Heimweg.

Dementsprechend leer war auch der Platz vor der Main Stage um 11.00 Uhr, als SCREAM SILENCE zu spielen begannen. Wenige Gothics hatten sich unter Regenschirmen und eingemummelt in Regenjacken und dicken Anoraks, um sich vor Regen und Wind zu schützen, versammelt. SCREAM SILENCE betraten die Bühne scheinbar recht unmotiviert und begannen mit ihrer Darbietung. Außer dem Drummer schien keiner der Musiker wirklich Lust auf diesen Auftritt zu haben – einerseits verständlich bei dem Wetter und der geringen Anzahl Zuhörer, aber so kann eine Band sicherlich nicht von sich überzeugen. Kaum Bewegung auf der Bühne, keinerlei Animieren des Publikums und einfach nur tun, was man tun muss – so wirkte es. Die Leute zum Mitklatschen oder Tanzen bewegen, gelang SCREAM SILENCE auch im Weiteren nicht, da die Jungs um Hardy Fieting mehr ihr Pogramm runterleierten als sich anzustrengen, wenigstens ein bisschen was im Auditorium zu bewegen. Auch das Spielen des Songs “Creep” vom kommenden Album konnte ebenso wenig wie bekannte Lieder á la “Morphosis” Begeisterungsstürme hervorrufen. Ein müder Applaus war immerhin drin, worüber sich SCREAM SILENCE nicht wundern durften.

Anders ging es da schon bei THE VISION BLEAK zu: Die stark geschminkten Musiker versuchten nach einem etwas zu lang dauerndem Intro (schätzungsweise 8 Minuten), die im Regen stehende Menge für ein bisschen mehr Bewegung und Mitsingen zu begeistern, was vor allem bei “Wolfmoon” gelang – die Menge ging perfekt mit. Allerdings gab es auch hier kleinere technische Mängel, so verließ der Sänger Konstanz die Bühne und kam dann zurück und setzte mitten im Refrain ein.

Wechsel in den Hangar: STAUBKIND, das Soloprojekt von Louis Manke, dem Gitarristen von TERMINAL CHOICE, hatte dank des Regens etwas mehr Publikum, da sich die wenigen Frühaufsteher dann lieber unter ein Dach verkrochen, als draußen dem Regentanz zu frönen. Hier hing – im Gegensatz zu den Bands, die tags zuvor im Hangar gespielt hatten, immerhin das Hintergrundbild von Anfang an gerade. Wer jedoch auf starke technische Verbesserungen hoffte, war vermutlich eher enttäuscht. Nach dem STAUBKIND-Intro, bei dem schon die Musiker der Band auf der Bühne standen, ertönten die ersten Klänge zu “Dein Engel schweigt” und Sänger Louis betrat die Bühne, verbeugte sich und begann mit der leider nur 20 minütigen Show. STAUBKIND spielten in diesen 20 Minuten fünf Songs, die zwischen träumerisch-leicht-traurig (“Keine Sonne”) und mitreißend (“Knie nieder”-Remix) schwankten, und mit beiden Richtungen die Zuhörer bewegen konnten. Manke, der auf der Bühne immer ein wenig wirkt, als könne er gar nicht glauben, dass er auf einem Festival spielt, kommt schlicht und einfach sympathisch rüber, was sicherlich einen großen Teil des Erfolgs von STAUBKIND ausmacht – zusammen mit den sensiblen Texten und der Mischung aus romantisch-verzweifelter Musik mit Gitarreneinschlägen. Außer einer kurzen Rückkopplung gab es auch keinerlei technische Probleme. Trotz der frühen Uhrzeit konnte die Newcomerband, die jetzt auf allen größeren Festivals wie dem WGT, dem Woodstage, dem Amphi und nun auch dem M’era Luna vertreten war, überzeugen, und ein Besuch der im Oktober stattfindenden Tour lohnt sich sicherlich – denn da kriegt man mehr als 20 Minuten gut gemachte Musik.

Weiter im Programm ging es mit CEPHALGY. Nachdem Ronny, der Kutte und Maske trug, deren Augen blau leuchteten, Stella (mit futuristischer Brille) an einer Kette zu ihrem Synthesizer geführt und an seinem eigenen Platz genommen hatte, konnte das Trio loslegen. Sänger Jörg stürmte auf die Bühne, und CEPHALGY lieferten eine gute Show, die aus einer Mischung von Jörgs Action am Bühnenrand und Backgrundbewegungen von Stella und Ronny bestand, bis dann bei “Weisses Fleisch” und “Violent times” ähnliche Störungen wie bei [:SITD:] auftraten: Die Musik war verschwunden. CEPHALGY ließen sich nicht irritieren und machten weiter, was allerdings dann bei “Violent times” letztendlich nicht mehr möglich war, da Jörg gerade versuchte zu singen und mittendrin die Musik weg war. Er reagierte mit einem noch relativ gelassenen “Oh, oh..”, wartete, und konnte dann auch recht schnell weitersingen. Bei “Hate the war” genau das gleiche: Mitten im Lied fallen die Beats aus, Jörg wartete, aber nichts passierte. “Das ist schlecht” war sein trockener Kommentar zu dieser „technischen Glanzleistung“. Letztendlich konnte die Anlage dann doch wieder in Schwung gebracht und das Lied vernünftig zu Ende gesungen bzw. gespielt werden. Zum Abschied gab es den entsprechenden Titel und schließlich noch “Engel sterben nie”.

Ein Glanzpunkt des Tages waren KIEW. Knapp 15 Jahre gibt es sie schon, und das wird Anfang 2006 in Lüneburg auch gefeiert. Mir, da ich so gar nicht aus der Industrial-Ecke stamme, waren KIEW zwar durch ihren Hit “Blutrausch zum Feierabend” bekannt, sonst sagten sie mir aber kaum etwas. Wirklich überzeugen konnten sie auf jeden Fall durch ihre abgedrehte Show, die nicht nur gut zur Musik passte, sondern sich wie ein roter Faden durch die gesamte Performance. Anscheinend gibt es nicht nur Krankenhaussex, sondern auch Krankenhausindustrial: Zunächst erfolgte eine freundliche Warnmeldung am Anfang, in der darauf hingewiesen wurde, dass man nur durch eine der beiden auf der Bühne aufgebauten Türen treten könne und laute Geräusche von Nöten sein könnten. Ebenfalls wurde darauf hingewiesen, dass eine spezielle Audiotherapie (was ja auch der Titel von KIEWs letztem Album war) vonnöten wäre und die Patienten des Zimmers 72 (ebenso ein KIEW-Song) besondere Aufmerksamkeit benötigten. Dann ging es mit dem harten Industrialsound los. Wer jedoch erwartet hatte, die Jungs kämen gleich in medizinischer Tracht auf die Bühne, irrte: Zunächst ging es ganz “normal” los. Die Rahmenhandlung wurde weitergeführt, nachdem der Sänger von den inzwischen mit Kitteln bekleideten Musikern mit einer Spritze ruhig gestellt, in eine Zwangsjacke gesteckt und der “1972 verbotenen Audiotherapie” unterzogen worden war. Doch er befreite sich, verließ die Bühne und rannte mal eben eine Runde durchs Publikum. Währenddessen spielten die drei ihre Songs, nur unterbrochen durch die freundliche Frauenstimme, welche die Texte zwischendurch verlas. Natürlich durfte auch das bereits erwähnte “Blutrausch am Feierabend” nicht fehlen. Der Sänger stellte dann die Musiker ruhig und vollzog seinerseits an ihnen die akustische Behandlung – bis dann das “Degenerationsprogramm” gestartet wurde und die Show gleichsam zu Ende war. Immerhin gab es bei KIEW keine einzige technische Störung, was hoch erfreut vom Publikum wahrgenommen wurde. Die Massen tobten von Anfang an, wobei weniger gepogt als vielmehr gewippt, im Takt genickt und getanzt wurde.

Zwischenzeitlich hatte es weiter geregnet, so dass sich die Wiese nach und nach in ein einziges Schlammfeld verwandelt hatte. Viele der Anwesenden verloren immer mehr die Lust, und auch bei uns gab es keine wirkliche Motivation, im strömenden Regen zu stehen. Daher genoss man den Auftritt von ZERAPHINE eher aus etwas Entfernung. Die sympathische Band präsentierte eine gute Mischung aus neuen und älteren Songs, so z.B. “Kalte Sonne”, “Die Macht in dir”, “In der Tiefe” oder “Kaltes Herz”, und versuchte, das Publikum anzuregen, mehr zu tanzen, zu klatschen und mitzugehen. Leider gelang dies eher weniger, was aber sicherlich nicht die Schuld der erfolgreichen Formation aus Berlin war.

Auch LACUNA COIL hatten Pech: War in der Umbauphase der Himmel an einer Stelle fast aufgeklart, begann es pünktlich mit dem Beginn des ersten Songs wieder zu regnen. Auch die Italiener versuchten daher eher vergeblich, die Stimmung zwischen „Schlamm und bewölktem Regenhimmel“ anzuheizen. Doch die aufgespannten Regenschirme verhinderten schnellere Bewegung, geschweige denn Mitklatschen oder -springen. Auch der Song vom neuen Album (VÖ 22.08.2005 in Deutschland) “No need to explain” konnte keine Begeisterungsstürme hervorrufen.

Fast „Sonnenkinder“ waren die Mittelaltermetaller SUBWAY TO SALLY: Der Himmel ließ den Fixstern unseres Sonnensystems an einer Stelle fast durchschimmern, und dementsprechend mehr Gestalten tummelten sich vor der Main Stage, als die Männer um Frau Schmidt die Bühne, welche STS-typisch geschmückt war, betraten. Mit einer explosiven Mischung brachten sie die Menge zum Abtanzen sowie natürlich zum Brüllen des “Schreis”. Auch “Kleid aus Rosen” durfte nicht fehlen, und das nicht nur, weil SUBWAY TO SALLY diesen Song vor Jahren einmal mit dem Publikum des M’era Luna gesungen hatten, und die Menge zum Schluss lauter war als die Band. Viele Klassiker von STS wie “Ohne Liebe” wurden gespielt, aber auch ein Song vom kommenden Album „Nord Nord Ost“ (ebenfalls VÖ 22.08.2005): die Vorabsingle “Sieben”. Man darf gespannt sein… Diesmal wurde zum Abschluss wieder einmal das beliebte “Julia und die Räuber” gesungen, woran das Auditorium sich reichlich beteiligte. Nach einem abschließenden “Schrei” verabschiedeten sich die Jungs – aber sie gehen ja mit der Veröffentlichung des Albums wieder auf Tour.

Gleich anschließend gaben DIARY OF DREAMS im Hangar ihre auch schon auf dem WGT gespielte Show zum Besten. Mit Kompositionen wie “Menschfeind”, “Chrysalis” oder “Panik?” boten sie den Gothic-Festivalgängern nichts wirklich Neues. Die Akustik war hinten im Hangar allerdings auch miserabel, was dem ein oder anderen den Spaß vermiest haben mag.

Auf der Main Stage wurde derweil alles für den Stilwechsel zu DEINE LAKAIEN vorbereitet. Der Platz vor der Bühne und auch das restliche Gelände hatten sich inzwischen in eine einzige Schlammgrube verwandelt, in welcher der ein oder andere ausrutschte, umknickte, versackte. Manch einer erfand auch kreative Lösungen und umwickelte seine Schuhe mit Absperrband oder mit Tüten, die er an der Hose festklebte. Allerdings: Wer dieses Festival ohne Schlamm an den Klamotten überstanden hat, war gar nicht da (zumindest nicht sonntags).

Ernst Horn und Alexander Veljanov, unterstützt durch Streichinstrumente, begannen ihren Auftritt mit einiger Verzögerung, da anscheinend die Geigen Probleme beim Stimmen machten. Dafür begannen DEINE LAKAIEN mit den Klassikern “Dark Star” und “Down, down, down”, also lebendigeren Songs, welche als Opener gut geeignet waren. Auch das dann folgende “Secret hideaway” und “Midnight sun” waren für LAKAIEN-Fans wie mich erste Highlights des Auftritts. Andererseits war die Action auf der Main Stage eher mager – Veljanov bewegte sich zur Musik und auch die Streichmusiker gaben alles, aber als wirkliche Show kann man dies wohl nicht bezeichnen. Mitreißend war der Song “Over and done” vom letzten Album, der im Publikum auch mehr Bewegung hervorrief als die vorigen, nach “Through the hall” musste Alexander dann schon die Verkürzung des Konzerts aufgrund der Verzögerung am Anfang bekannt geben. So blieb noch Zeit für “Overpaid” und DAS Lied von DEINE LAKAIEN schlechthin: “Love me to the end”, was als Abschluss eine Menge hergab.

Leider musste ich aufgrund der Schlammsituation auch auf dem Parkplatz kurz nach dem Beginn der SISTERS OF MERCY fahren, was ich noch mitbekam war: 20.45 Uhr, Ort: Hildesheim, Flugplatz. Nebel. Die Musik hält… und so weiter. Eine sehr gute Akustik, wie bei DEINE LAKAIEN, aber die Show (die eher nicht zu sehen war aufgrund wirklich dicker Nebelschwaden aus der Nebelmaschine wie schon bei deren letztem M’era Auftritt) vermiesten das Liverlebnis doch ein wenig.

Das M’era Luna dieses Jahr hat eine Menge hergegeben: Eine bunte Auswahl schwarzer Musik, die aus allen Bereichen der Szene stammte, Musiker, die vieles noch gelassen aufgenommen haben, Autogrammstunden, bei denen den Fans auch einiges abverlangt wurde: Geduld, nasse Klamotten – was sicherlich nicht die Schuld des Festivals ist, man hatte ja so etwas nach dem bisherigen Sommer geradezu erwartet, manchmal eine wirklich üble Soundtechnik, die hoffentlich nächstes Jahr besser ist. Aber: Wenn man die Möglichkeit hat, nach Hildesheim zu fahren, nimmt man das doch mal gern in Kauf. Trotzdem – hoffen wir einfach auf ein trockenes M’era Luna 2006 mit einem ähnlich genialen Line Up wie dieses Jahr.

Copyright Fotos: Sandro Griesbach
ausser IMPRESSIONEN, SCREAM SILENCE, LACUNA COIL, THE SISTERS OF MERCY – Caro Kruse
ausser FAUN, SUBWAY TO SALLY, DEINE LAKAIEN – Ludger Walhorn

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu AMDUSCIA auf terrorverlag.com

Mehr zu CEPHALGY auf terrorverlag.com

Mehr zu DEINE LAKAIEN auf terrorverlag.com

Mehr zu FAUN auf terrorverlag.com

Mehr zu KIEW auf terrorverlag.com

Mehr zu LACUNA COIL auf terrorverlag.com

Mehr zu SCREAM SILENCE auf terrorverlag.com

Mehr zu SUBWAY TO SALLY auf terrorverlag.com

Mehr zu THE BIRTHDAY MASSACRE auf terrorverlag.com

Mehr zu THE SISTERS OF MERCY auf terrorverlag.com

Mehr zu THE VISION BLEAK auf terrorverlag.com

Mehr zu ZERAPHINE auf terrorverlag.com