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M`ERA LUNA 2006 – TAG 1

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Ort: Hildesheim

Datum: 12.08.2006

Das M’era Luna 2006 stand meteorologisch unter keinem guten Stern: Noch einen Tag vorher wurde dem Festival eine hohe Regenwahrscheinlichkeit unterstellt. Hektische Betriebsamkeit also, was die Klamottenauswahl anging. Und was passierte? Am ganzen Wochenende genau 3 Tropfen Regen bei APOPTYGMA BERZERK und ein Beinahe-Sonnenbrand am Samstag. Wetterforscher go home! Wobei wir uns ganz sicher nicht über diese falsche Prophezeiung beschweren wollen. So machten wir uns also am frühen Samstag Morgen auf in die kleine niedersächsische „Metropole“, die sich seit Jahren als Austragungsort für das größte schwarze Szene Event zur Verfügung stellt. Ich glaube, ich bin noch nie vor 9 Uhr morgens zu einer Musikveranstaltung gefahren, und ich wohne nur gute 150 km entfernt! Aber da es ja schon um 11 Uhr auf der Hauptbühne losgehen sollte, nahm man das gerne in Kauf. Die Bahn war frei, auf und vor dem Gelände hektische, aber professionelle Betriebsamkeit und wie schon gesagt: Das Wetter hielt! Trotz der sicher wieder weit über 20.000 Besucher (offiziell bestätigte Zahl: 22.000) ist das M’era ein Festival der verhältnismäßig kleinen Wege und Wartezeiten, da macht sich einfach die jahrelange Erfahrung der Veranstalter bezahlt. Dennoch verpassten wir die Hamburger Nobel-Elektroniker SONO, die allerdings auch nur 20 Minuten Spielzeit hatten. Kurz danach befanden wir uns auf dem schon gut bevölkerten Gelände, wo es vor interessanten Outfits aller Stilarten natürlich wieder nur so wimmelte, siehe hierzu auch unsere Impressionen-Galerie. Die bekannten Szeneläden waren ebenso wieder mit ihrem breiten Sortiment vertreten wie auch der präsentierende Sonic Seducer und Unmengen an Fress- und Getränkebuden, sponsored by Becks versteht sich. Auch hier kaum Wartezeiten bei der Nahrungsaufnahme, etwas anders sah es da schon bei der umgekehrten Verdauung aus. Vor den doch einigermaßen reichlich aufgestellten Dixie-Klos bildeten sich immer wieder kleine Warteschlangen (bei den Duschen musste man schon länger warten). Die Herren der Schöpfung hatten als Alternative noch eine Art Standpissoir mit 4 offenen „Kabinen“, wirkte aus meiner individuellen Sicht etwas befremdlich, aber vielleicht stelle ich mich auch nur an… Dann war es aber Zeit für unsere erste musikalische Begegnung auf der Hauptbühne!
(TK)

Angesagt wurden fast alle Acts auf selbiger von der berühmt-berüchtigten Szene Moderatorin Medusa, die mittlerweile aber nicht nur optisch einen ganz angenehmen Eindruck hinterlässt. Nun waren also NORTHERN LITE aus Erfurt an der Reihe, die kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Unisex“ stehen. Das Electro Rock Trio wird momentan gar auf 1Live gespielt, was für die Nichteingeweihten bedeutet: Die Musik muss wahlweise gut, cool oder erfolgsorientiert sein. Für die Ostdeutschen gelten im Grunde genommen alle drei Attribute, haben sie es doch mit ihrem recht eigenwilligen Sound geschafft, szeneübergreifend akzeptiert zu werden. Auf der Bühne geschah dabei bewegungstechnisch nicht allzu viel: Andreas Kubat lässig mit Fluppe am Mikro rechts, Keyboarder Sebastian Bohn hinten an den Tastengeräten sowie links Sascha Littek an der Gitarre verblieben relativ statisch. Ganz im Gegensatz zu den recht simplen, aber annähernd hypnotischen Kompositionen, die schon den einen oder anderen zu einem Tänzchen verleiteten. Sicherlich wären Songs wie „Reach the Sun“ (Titel des gleichnamigen älteren Albums) oder das brandneue „Cocaine“ besser in einem verrauchten Club aufgehoben, dennoch hinterließen NORTHERN LITE einen positiven Eindruck zu so früher Stunde.
(TK)

Die erste Band meines M’era Luna Festivals sollten REGICIDE sein. Der Hangar war mäßig gefüllt, so dass man bequem auf den Beginn der Oldenburger warten konnte. Das Besondere an REGICIDE ist immer wieder die unheimliche Sympathie und die gute Stimmung untereinander, die auch in Hildesheim sofort auf das Publikum übersprang und es vom ersten Song an zum Mitgehen bewegte. Einen großen Anteil daran trugen natürlich Sänger Timo und Sängerin Frauke, aber auch die restlichen Bandmitglieder Heiner (Keyboard), Jan (Gitarre), Malte (Bass), Till (Schlagzeug) und an diesem Tag, nach der Babypause das erste Mal wieder, Jonna (Geige) gaben alles. Der rockige und experimentelle Sound mit klassischen Elementen und den ausdrucksstarken Stimmen überzeugte. „Break the Silence“ und „An Embracing Space (Part II + III)“ wurden gut vom Publikum abgefeiert. Zwischendurch feuerte die Band das Publikum zu lauten „Hey, Hey“-Rufen an, freute sich über dessen Reaktionen und die Begeisterungswelle im Hangar. Die anfänglichen Soundprobleme waren schnell vergessen und auf die Frage „Wie laut könnt Ihr sein?“ klatschten und schrieen die Feierwütigen, die aufgrund der frühen Tageszeit noch richtig fit waren. REGICIDE bekundeten mehrmals, wie geil die Leute drauf wären und belohnten die Anwesenden mit „The Hanger-On“ vom aktuellen Album „Break the Silence“. Ein mitreißender, aber zu kurzer Auftritt, der Lust auf mehr machte!
(cath)

Nach den doch eher subtileren Vorgängerklängen auf der Main Stage wartete nun Norwegens Antwort auf JOACHIM WITT auf die Fans. Der GOTHMINISTER hatte sich mal wieder angesagt (sein dritter Auftritt beim M’era) und in seiner Gefolgschaft natürlich ein dazugehöriges Kabinett aus 4 Musikern, die auf so nette Pseudonyme wie „Machine“ an der Gitarre hören. Leider war die gute Dementia zum wiederholten Male nicht an Bord, so dass Björn Alex Brem alleine für die Show-Elemente sorgen musste. Die waren allerdings reichlich gesät: Abgesehen davon, dass alle Musiker in Kriegsbemalung auftraten, kamen Pyros zum Einsatz, eine Stehleiter wurde zum Podest umfunktioniert, ein Schädel-Stab zum Flanieren „missbraucht“ und die bekannte Handpuppe war auch wieder an Bord. Wobei das ja durchaus auch andere Formationen im Repertoire haben… Man kann derlei Auftritt dann wahlweise als Kasperltheater oder „larger than life“ bezeichnen, ich finde den GOTHMINISTER immer wieder unterhaltsam, und der „echte“ Drummer verbessert den Sound deutlich. Der hatte allerdings, was das Playback angeht, einige Probleme, insbesondere bei „The March of the Dead“. Desweiteren gehörten zur Setlist u.a. „Angel“, „Gothic Anthem“ und „Happiness in Darkness“ von den beiden bisherigen Alben, die man seit April in einer Drakkar-Doppel Edition erwerben kann. In Kürze steht dann eine Live DVD vom diesjährigen WGT ins Haus. Nett, aber nicht unbedingt essentiell… Der Auftritt, nicht die DVD versteht sich.
(TK)

Während die Menge vor der Main Stage hin und wieder einen besorgten Blick zum Himmel werfen musste, konnten wir weiterhin im Hangar unbesorgt weiterrocken. Nach LLUTHER und REGICIDE durfte man sich nun auf MIDNATTSOL freuen, die zwar erst einen Silberling herausgebracht haben und sich langsam zur angesehenen Live-Band hoch kämpfen müssen, aber auf ihrem Erstlingswerk einiges an guten Songs aufbieten. Abgesehen davon war man natürlich neugierig, ist Sängerin Carmen Espanaes doch die „kleine“ Schwester von LIV KRISTINE, die später noch mit ihrem Soloprojekt auf dem Programm stand. Zuerst aber zu MIDNATTSOL: Wie das bei ungerechten Vergleichen so ist (LIV KRISTINE hält sich nun wirklich schon wesentlich länger im Musikgeschäft auf), kann auch dieser nur zu Ungunsten von MIDNATTSOL ausfallen. Vielleicht auch verunsichert durch die Probleme beim ersten Song (die viele Bands hatten), verursacht durch die Menschen am Mischpult, wirkte Carmen während der ganzen Show sehr unsicher. In ein weißes Lackkleid gekleidet tanzte sie über die Bühne, war aber gerade bei den Interaktionen mit dem Publikum nervös, brach eine Aufforderung zum Mitklatschen ab – dabei haben Stücke wie „Another return“ Potential, mehr Leute mitzureißen als die paar, die wirklich mitrockten. Auch ruhigere Stücke wie „Infinite Fairytale“ konnte die Band klanglich und gesanglich einwandfrei performen. Als Fazit bleibt da nur zu sagen: Etwas mehr Mut, zu seiner eigenen Leistung zu stehen, und wir können uns MIDNATTSOL gerne noch einmal „antun“!
(CK)

Ihr 20-jähriges Bandjubiläum feierten nun die GIRLS UNDER GLASS aus Hamburg auf der Mainstage bei strahlendem Sonnenschein. Feiern ist das passende Wort, denn die Gothic-Legende hatte sich für fast jeden Song Gäste auf die Bühne eingeladen. Sänger Volker Zacharias mit riesigem schwarzen Hut, Sonnenbrille, Netzshirt und Lederhose, Hauke Harms im langen, weißen Flokati und Axel Hermes wurden weiterhin von Gastgitarrist Lars (u.a. auch bei DE/VISION und IN STRICT CONFIDENCE) unterstützt. Nach „Frozen“ (MADONNA-Cover) und „Lucky“ folgte „Burning Eyes“ mit Eric Burton (CATASTROPHE BALLET). Die Stimmung auf und vor der Bühne war großartig, so wie es sich für ein Jubiläum gehört. Mit viel Bewegung ging es dann auch weiter, als Oswald Henke (GOETHES ERBEN) die Bühne betrat und leidenschaftlich mit vollem Körpereinsatz „Du Tier“ intonierte, während Volker zur Gitarre griff. Nach „Feuerengel“ vom 2005er Album „Zyklus“ schaute Volker erwartungsvoll hinter die Bühne und kündigte ein wenig enttäuscht „Ohne Dich“ mit dem Zusatz an, dass er diesen Song wohl alleine singen müsse. Die ersten Takte erklangen, doch plötzlich kam hinter der Bühne Peter Spilles (PROJECT PITCHFORK) hervor und stimmte unter kräftigem Beifall mit ein, er war schnurstracks aus dem Taxi direkt zum Auftrittsort gesprintet. Schade nur, dass es noch so hell war, die Lichtshow kam so gar nicht richtig zur Geltung. Dieser Auftritt hätte definitiv in die Abendstunden gehört, vielleicht als kleines Dankeschön für 20 Jahre GIRLS UNDER GLASS. Aber freuen wir uns auf die bald erscheinende DVD! Zum Abschluss verabschiedeten sich alle beteiligten Künstler, zu denen auch Backgroundsängerin Jenny und der „alte“ Frontmann Tom Lücke gehörten, unter viel Beifall von der Zuhörerschaft.
(cath)

Als nächstes standen die DOPE STARS INC. aus Italien auf dem Programm (die unlängst auch das Amphi rockten), und nach einem zügigen Umbau, bei dem die Jungs selbst kräftig mit Hand anlegten, gab es einen durch und durch explosiven Auftritt zu sehen. Im Vergleich zu anderen Gigs eher „langweilig“ gekleidet, zogen Victor, Grace, Darin und Vega eine Show durch, die das Publikum an diesem grauen Morgen endlich aufweckte. Besonders Grace an den Synthies zog die Blicke der anwesenden Damen auf sich, auch wenn er nur selten vorne an die Bühne kam und den Rest der Zeit hinter seinen Instrumenten verschanzt blieb. Langweilig bedeutet bei den DOPE STARS INC. bezogen auf Kleidung übrigens „schlichtes“ schwarz mit dem typischen Glamour-Hauch durch dezent aufgestreuten Glitter, den man allerdings nur bei genauem Hinsehen bemerken konnte. Ob Victor direkt vor dem Publikum bei „Make a star“ rockte oder die Fahne mit dem verniedlichten Totenkopf auspackte – der inzwischen reichlich gefüllte Hangar tobte mit. Auf die gemeinsame Tour mit ASP im Herbst darf man sich also freuen…
(CK)

Direkt im Anschluss von GUG folgte mein nächstes Highlight des diesjährigen M’era Lunas: MESH. Nach dem Auftritt im letzten Jahr im Hangar, nun also auf der Hauptbühne, allerdings in den Nachmittagsstunden, was der Stimmung zum Glück nicht schadete. Mark Hockings in auffälliger blauer Jeans, braunem Häschen-Pullover und typischer Mütze, Neil Taylor und Richard Silverthorn, alle aus Bristol/ England, begannen ihr Set mit „Petrified“ vom aktuellen Album „We Collide“. Trotz des neuen Songs ging das Publikum sofort mit. Der tolle Sound, das Wetter und der mitreißende Electro-Pop kamen an. „Trust you“ schien dann auch wirklich jeder zu kennen, denn man hörte einen lauten Chor den Refrain mitsingen. Nach der aktuellen Single “My hands are tied” wieder ein wohlbekannter MESH-Hit “Leave you nothing”. Endlich mal eine Band, die trotz wundervoller Balladen erkannt hat, dass das gemischte Publikum auf Festivals feiern will und sich für ein schnelles Set entschieden hat. Feierwütig dankten es ihnen die tanzenden Massen. Der einzige etwas ruhigere Song „Can you mend hearts“ überzeugte durch Marcs gefühlvolle, aber kraftvolle Stimme und als er im Anschluss einen falschen Titel ankündigte und selbst darüber lachen musste, weil das wissende Publikum ungläubig guckte, machte ihn das nur noch sympathischer. Die Anfangstakte passten nur zu „Open up the Ground“, ebenfalls vom neuen Album. Nach dem Klassiker „Fragile“ und 40 wunderbaren Minuten beendete das Trio seinen Auftritt mit „From this Height“ und hinterließ viele glückliche alte und neue Fans.
(cath)

Ein absoluter Stilbruch im Hangar folgte sogleich: LIV KRISTINE war an der Reihe, deren Auftritt etwas unglücklich ins Programm eingebaut worden war. Schön wäre ein „Quasi-Double-Feature“ wie im letzten Jahr gewesen, wenn sie also direkt hinter MIDNATTSOL hätte die Bühnenbretter betreten dürfen. (Letztes Jahr traten zuerst LEAVES’ EYES und dann ATROCITY, die Band um LIV KRISTINEs Mann Alexander Krull, auf und es gab gegenseitige „Besuche“). Ebenso wie MIDNATTSOL begann das Konzert von LIV KRISTINE mit einem Intro, nach welchem sie die Bühne in einem sehr bunten Outfit betrat: beige-gold-türkis und mit Pailletten bestickt: Das war mindestens ebenso auffällig wie das weiße Lackkleid von Carmen. Und welch Wunder: Beim zweiten Lied holte sie ihre Schwester auf die Bühne und sang gemeinsam mit ihr „ My Relevation“. Die Nervosität der jüngeren Dame war noch nicht abgeflaut, aber zusammen gaben die Schwestern ein schönes Bild ab – sowohl gesanglich als auch fürs Auge. Der Rest ihres Auftritts wurde leider durch einige Tonprobleme dermaßen gestört, dass viele der an sich guten Lieder nicht wirklich zum Publikum durchdringen konnten. Etwas enttäuscht verabschiedete sich LIV KRISTINE nach 30 Minuten…
(CK)

Als nächstes dann die Band mit der vermutlich kürzesten Anfahrt zum Festival. Die Hamelner FUNKER VOGT machen sich live nun wirklich nicht rar, dennoch freut man sich immer wieder über die etwas härteren und jederzeit tanzbaren Electro Klänge. Jens Kästel, seines Zeichen gutgebauter Fronter, kündigte eine Best Of-Show an, was sicherlich an diesem mittlerweile sehr schönen Nachmittag eine gute Entscheidung war. Neben ihm agierten Nuklear-Zombie Björn Böttcher, Gerrit Thomas hinten an den Tasten und dazu natürlich ein Live-Gitarrist. Mit „Killing Ground“, „Navigator“ und dem „Fallen Hero“ wurde das aktuelle Album ausreichend gewürdigt, da durfte auch der dazugehörige „Tragic Hero“ nicht fehlen. „Gunman“ und „Words of Power“ waren weitere Vertreter der langjährigen Erfolgsdiscographie. Gegen Ende konnte man dann noch den nackten/ tätowierten Körper des Fronters begutachten, der sich zum Abschluss eine Deutschland-Fahne aus dem Publikum organisierte und sich in diese wickelte. Das ist der neue Patriotismus, den wir nun alle nach der WM ungehemmt zur Schau stellen dürfen;-) Ein absolut solider und von vielen abgefeierter Gig, für mich vielleicht aufgrund der vielen Live Begegnungen mit den Funkern etwas vorhersehbar, aber das ist mein persönliches „Problem“.
(TK)

LK machte in der Halle nun Platz für jemanden, der für viele auf dem M’era Luna ein Highlight gewesen sein dürfte: Den Grafen. Wer sich jetzt noch fragt, welchen Grafen, war um 16 30 Uhr definitiv im Hangar fehl am Platz: UNHEILIG betraten die Bühne, nachdem man den charismatischen Bandchef schon hinter der Bühne nervös hatte hin- und herlaufen sehen. Dafür mag es zwei Gründe gegeben haben: Zum einen macht der Graf sich vor jedem Auftritt zur Einstimmung so „konzertbereit“, und zum anderen war jemand, der für diesen Gig sehr wichtig war, zu Beginn des Konzerts noch nicht vor Ort. So begann man mit „Astronaut“ und die deutschen Electro Rocker präsentierten dem inzwischen fast überfüllten Hangar ihre Hits wie „Maschine“, „Sage ja“ und natürlich „Freiheit“, wobei durchgehend eifrig mitgesungen und -geklatscht wurde. Der Graf zeigte sich ekstatisch und publikumsnah wie immer und die Halle ging mit – typisch UNHEILIG. Bei „Mein Stern“ sorgten die von einem Sicherheitsmenschen verteilten Wunderkerzen für ein Meer aus funkelnden Sternen; das ein oder andere Feuerzeug verlängerte das Leuchten nach deren Ableben. Kurz vor Ende gab es dann eine Premiere: Der Song zur neuen Single „Ich will leben“ wurde uns erstmals live präsentiert und eben genannte wichtige Person – Peter Spilles von PROJECT PITCHFORK – war nach seinem GIRLS UNDER GLASS-Part direkt zur Hangarbühne geeilt. Somit alles in Ordnung und der Graf und Peter präsentierten das, was im September erst auf Konserve erscheint. Der Titel verfügt über jede Menge Energie und die geballte Power der Stimmen beider Sänger. Nach einer Zugabe verabschiedeten sich die Musiker von UNHEILIG von der Bühne, jedoch nicht vom M’era: Sowohl bei der Autogrammstunde als auch 4 Stunden danach war der Graf noch mit Fans im Gespräch vertieft zu sehen – so ging wohl niemand, der eine Unterschrift oder eine Antwort auf eine Frage wollte, leer aus.
(CK)

Direkt nach FUNKER VOGT standen dann die deutschen Electro Urväter auf der Hauptbühne, für meinen Geschmack ein wenig zu niedrig im Billing angesetzt. Aber egal, nach den grandiosen Jubiläums-Shows freute nicht nur ich mich auf die Herren Engler, Esch, Dörper und den Meister der exaltierten Gitarrenpose Marcel Zürcher (plus Drummer). Warum allerdings das KRUPPS-Logo überall durchgestrichen war, erschloss sich mir nicht ganz, da steht noch genauere Recherche an (Nachtrag: Vom Management der KRUPPS kam die Nachricht, dass dies markenschutzrechtliche Ursachen hatte!). Was hingegen aus gewöhnlich gut informierter Quelle durchsickerte, war, dass die Düsseldorfer demnächst bei SPV ihre Platten veröffentlichen werden, ihre Doppel A-Seiten Single hatten sie ja noch in Eigenregie unters Volk gebracht. Von Anfang an glich die Darbietung einem Triumphzug, Hits wie „To the Hilt“, „Crossfire“ oder „Bloodsuckers“ kamen mit einer unglaublichen Wucht und Präzision aus den Speakern und die Begeisterung der Massen kannte kaum Grenzen. Das schien dem guten Jürgen sichtlich zu gefallen, der aufgrund des Zeitmangels auf größere Ansagen verzichtete. Dafür wurde natürlich bei „Metal Machine Music“ wieder das röhrenartige „Xylophon“ malträtiert, was zum Abschluss beim Übersong „Fatherland“ dann noch zum Podest umfunktioniert wurde. Für mich das absolute Highlight des ersten Tages und der Beweis dafür, dass die „Alten“ immer noch klar die Nase vorne haben in Sachen Live-Präsenz. Einzige Wermutstropfen: Die 45 Minuten waren viel zu kurz und es kam an diesem Tag nicht zur Zusammenarbeit mit Douglas McCarthy, da wäre doch ein schöner Überraschungsauftritt denkbar gewesen.
(TK)

Dermaßen angeheizt fühlten sich die meisten Besucher wohl optimal auf den nächsten Act vorbereitet: Es war einmal… SAMSAS TRAUM. Und das war auch schon das erste Lied, das Alexander Kaschte dem Publikum an den Kopf warf, wie später zahlreiche T-Shirts und ein paar freche Bemerkungen. Und er hetzte die Meute weiter auf, mit dem bandeigenen Banner im Hintergrund, denn das Auditorium wartete nicht nur auf „Endstation Eden“ oder „K.haos-Prinz und Wind-Prinzessin“, sondern auch auf die etwas ruhigere Stücke: „Rache“ ist vielleicht keines der Lieder, mit denen SAMSAS TRAUM zum Springen oder Headbangen verführen, dennoch bleibt der Spannungsbogen zwischen ernsten und bizarren Liedern ein Teil der A.ura, die ST zu dem machen, was diese Formation inzwischen für sehr viele ist. Die Aufforderung von Herrn Kaschte zu Anfang des Konzerts war eigentlich überflüssig: „Wie ihr seht, wird das Konzert hier und heute aufgezeichnet… also gebt Gas!“. Zu „Ein Foetus wie du“, „Einer gegen alle“ oder „Sisyphos“ wurde gesprungen, wie es sich gehört, und als sich die Jungs von der Bühne machen wollten, wurde natürlich lautstark eine Zugabe gefordert. Die bekam man umgehend: Wie beim WGT mit „Bis an das Ende der Zeit“ und „Kugel im Gesicht“. Insgesamt wurde somit ein aufgestocktes Repertoire des Leipziger Treffens präsentiert, was der Freude des Publikums definitiv keinen Abbruch tat.
(CK)

Nun war es draußen an der Zeit für viele kleine BLUTENGEL vor und auf der Bühne, Herr Pohl hatte sich zusammen mit seiner Muse Constance auch schon vorab gezeigt und geduldig mit jeder der zahlreichen weiblichen Anhängerinnen für Fotos posiert. Auch seine Stofftiersammlung dürfte wieder reichlich Zuwachs bekommen haben. Da ich nicht unbedingt ein glühender Anhänger seines Retorten Electros bin, verfolgte ich das Geschehen eher aus dem Hintergrund, auf allzu (schlüpfrige) Details muss der Leser daher verzichten. Die Show enthielt allerdings die altbekannten Elemente: Mönche mit Fackeln, allerlei Pyros, halbnackte Damen getränkt in Blutersatzflüssigkeit und ausgefeilte Schleiertanzchoreographien. Dazu der charismatische Sänger und die hübsche Frau Rudert im roten Kleid, die ihre Fans problemlos im Griff hatten. Selbst wenn man den Songs nicht generell zugeneigt ist, muss man Stücken wie „Go to hell“, „Bloody Pleasures“, „Solitary Angel“ oder „Love Killer“ doch ein gewisses Ohrwurmpotenzial zugestehen, vielleicht, weil alles relativ ähnlich klingt… Die Szenehymne „Children of the Night“ beendete den einstündigen Auftritt, der sicherlich jeden Monopohlisten zufrieden gestellt haben dürfte. Ich schaue ihn mir dann doch lieber mit TERMINAL CHOICE an, aber das stand ja erst am Folgetag auf dem Programm.
(TK)

Nunmehr leerte sich die Halle beim Wechsel von SAMSAS TRAUM zu TRISTANIA erst einmal ziemlich, um sich kurz danach mit einem etwas anderen Publikum zumindest halb zu füllen. Gothic Metal mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber wenn man es annährend mag, tat man gut daran, sich an diesem ersten M’era Luna-Abend in den Hangar zu bewegen. Zwar erfüllen die Musiker von TRISTANIA, die mit „Beyond the Veil“ 1999 einen Genre-Meilenstein hingelegt haben, einige der bekannten Klischees, aber dennoch bleiben die Skandinavier nicht nur einzigartig, weil sie das Publikum mitreißen können. Auch der Wechselgesang zwischen Østen und der „bösen“ Stimme von Kjetil sticht deutlicher hervor als bei anderen Bands der gleichen Richtung. Kommt dann noch die glockenklare Stimme von Vibeke dazu, sind zumindest stimmlich „The Beauty and the Beast“ vereinigt. Aber auch dass sie sanfter können, bewiesen TRISTANIA mit einem Song vom kommenden Album „Illumination“, auf welchem SAMAELs Vorph einen Gastauftritt haben wird. Der Track fällt relativ ruhig aus, Østen kommt mehr zum Zuge und fast kam ein wenig Kuschelstimmung auf – hätten die Jungs und Vibeke uns danach nicht gleich weiter eingeheizt. Ob das neue Album insgesamt eher betulich wird, ist allerdings fraglich – gut so!
(CK)

Nach einer wie immer ansprechenden und anspruchsvollen Show von BLUTENGEL wurde es nun Zeit für die beiden Bands wegen derer ich mich dieses Jahr auf den Weg zum M´ERA LUNA gemacht hatte: FRONTLINE ASSEMBLY und NITZER EBB. Der Schwerpunkt lag dabei für mich ganz klar auf FLA, NEB stufte ich im Vorfeld als nicht ganz so wichtig für mich ein, wenn man die Hörgewohnheiten zum Maßstab nimmt. FLA waren insgesamt zu fünft am Werke. Zuallererst natürlich Bill Leeb, der gleich zu Anfang klar stellte, dass er der Echte ist. Erklärung: 2002 auf dem WGT übernahm ein „Double“ den Gesangspart. An den mit Tarnnetzen verhangenen Synthesizerburgen links und rechts der Bühne Jeremy Inkel und Chris Peterson, sowie zwei mir namentlich nicht bekannte Künstler an den Drums bzw. Gitarre/ Trommeln. Rhys Fulber war nicht mit dabei. Zu der Show: Bill pendelte zwischen Mikro, Synth und Trommeln, verpasste bei “Buried Alive” zwischendurch einen seiner Gesangseinsätze, so das man überlegen musste, ob hier komplett mit Vollplayback gearbeitet wurde. Die Songs, die bis auf “Buried Alive” und “Unleashed” aus alten Stücken ab der 92er VÖ “Tactical Neural Implant” bestanden, klangen interessant, man hatte jedoch den Eindruck, dass der FLA-Sound doch etwas zu komplex für die Bühne ist. Ebenso war nicht zu überhören, dass Bill eine nicht so prägnante Stimme hat. Kraftvoll kamen “Plasticity” und “Gun” rüber, “Vigilante” und “Millenium” wurden mit ausreichenden Gitarrenriffs präsentiert. So ganz konnte man den Eindruck nicht loswerden, dass Bill nicht sooo viel Lust hatte.
(MS)

Kurz vor neun, langsam wurde es dunkel und man konnte die ersten lautstarken “NITZER EBB” Rufe vernehmen, und dann war es tatsächlich so weit, all diejenigen, welche NITZER EBB auf dem diesjährigen WGT nicht erleben konnten, kriegten gleich die volle Breitseite. Die ersten Klänge des Überhits “Getting Closer” prasselten nieder, Gastdrummerin Kourtney Klein (die Dame hat auch eine nette eigene Internetpräsenz) betrat als erste die Bühne, dann Bon Harris, mit breit ausgestreckten Armen, frisch polierter Glatze, wie immer bösem Blick und zuletzt Douglas McCarthy, mit kniehohen Springerstiefeln, wie die beiden anderen komplett in schwarz gekleidet. Nachdem die beiden “Getting Closer” zusammen intonierten und wir uns derweil etwas nach hinten durchkämpften, ging es Schlag auf Schlag, Bon malträtierte auf der rechten Seite seine Drums, sorgte ebenso wie Kourtney links für wilde Action und gelenkige Tanzeinlagen. Währenddessen stürmte Douglas wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, brüllte Hits wie “Shame” oder “Join in the chant” ins Mikro, musikalisch etwas gemächlicher ging es bei “Hearts and Minds”, “Captivate” oder “Ascend” zur Sache. Purer, schnörkelloser Elektro, ohne Effekte und komplizierte Strukturen, ließ das Publikum ausrasten. So eine Bühnenpräsenz und “Lebendigkeit” hätte ich mir auch knapp eine Stunde früher gewünscht. Während ich Douglas bei seinem Auftritt mit Terence Fixmer vor knapp zwei Jahren in Hannover noch etwas peinlich und irgendwie übertrieben fand, rockte dies hier absolut. Fast würde ich diesem Auftritt die Bezeichnung Rock ’n’ EBM geben und trotz jahrelangen Schweigens zwischen Douglas und Bon werden sie auf ihren Konzerten wohl gemerkt haben, was sie zusammen auslösen. Im nachhinein einer der coolsten Auftritte, die ich in meiner Konzertkarriere gesehen habe.
(MS)

Als krönender Abschluss erwartete uns nun noch ein echter Old School Leckerbissen. BAUHAUS, eine Formation, die das gesamte schwarze Genre entscheidend mitgeprägt hat, bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Und selbst heute wurden vereinzelt Stimmen laut, die von einer eventuellen Absage berichteten. Grund hierfür: Vermeintliche Streitigkeiten innerhalb der Band beim Auftritt in Utrecht 2 Tage vorher, wo man die Setlist kürzte und eine 20 minütige Wartezeit vor der Zugabe einbaute. Manch einer unkte im Band-Forum schon von einer erneuten Auflösung der Truppe, die sich ja 1998 zur „Resurrection Tour“ wieder zusammen gefunden hatte. Von der Tour Ende 2005 berichteten wir bereits vom ausverkauften Berliner Gig. Heute gab es aber – so viel kann man vorwegnehmen – überhaupt keine (sichtbaren) Dissonanzen innerhalb des Quartetts. Dieses war zunächst ob des Nebels kaum auszumachen (Erinnerungen an die SISTERS wurden wach), ab dem zweiten Titel konnte man das Treiben aber gut beobachten. Da wären der exzentrisch wirkende Sänger Peter Murphy mit etwas abnehmendem Haar, der eher noch exzentrischere Daniel Ash an der Gitarre rechts im Fellkleid mit „Puck die Stubenfliege-Sonnenbrille“ sowie die optisch „harmloseren“ Herren David J (Bass) und Kevin Huskins (Drums) zu nennen. In die vorderen Reihen mischten sich nun verständlicherweise einige Old School Grufties mit ebensolchem Haar, während manch Uneingeweihter nach wenigen Tönen die Flucht ergriff. Dies ist eben NICHT leichtverdaulicher Gothen Singsang, sondern komplexe und bisweilen auch recht schräge Tonkunst von Wave über Gothic Rock bis hin zu Avantgarde und Punk. Leider wurden die ersten Songs von einer relativ miesen Soundqualität getrübt. Daniels Mikro war überhaupt nicht auf, Peter viel zu leise, das kriegte man dann aber irgendwann in den Griff. War vielleicht auch nicht hilfreich, dass PM zu Beginn sämtliche Kabel und auch irgendein Gerät in den Fotograben kickte. Showmässig bekam man durchaus einiges geboten, so agierte Ash auch am Saxophon und bearbeitete im Folgenden seine Gitarre mit einem Violinenbogen (oder ähnlichem, da will ich mich nicht festlegen). Peter Murphy erschien hingegen bisweilen durch geschickte Lichttechnik als überdimensionaler Schatten auf dem Hangar links, was einen sehr interessanten optischen Effekt ergab. Besonders beeindruckend (und vielleicht ein Beweis dafür, dass es in der Band wieder stimmt): Bei “Rose Garden Funeral of Sores” warf er hostiengleich rote Blütenblätter auf seine beiden Saitenkünstler. Die Hits „She’s in Parties“ und „Dark Entries“ durften im Set natürlich auch nicht fehlen. Nur mit der Kommunikation hatte man es nicht ganz so. Erst kurz vor Ende brach Peter sein Schweigen in dieser Hinsicht mit einer Ansprache an Daniel, als dieser sich durch (gewollte) Rückkopplungen bemerkbar machte: „Daniel don’t do this, this is no good“. Dem Publikum widmete er sich erst ganz zum Schluss nach dem letzten Titel und Überklassiker „Bela Lugosi’s Dead“, den er in seinem eindrucksvollen Fledermaus-Mantel performte. Ein kurzes „Danke und Gute Nacht“ und schon waren BAUHAUS an diesem Samstag Abend wieder Geschichte. Es gab keine Zugabe, aber die Spielzeit hatte man dennoch voll ausgeschöpft. Etwas strange, meistens beeindruckend und durchgängig engagiert: So konnten die Briten den Headliner Status zumindest bei ihren Fans voll unter Beweis stellen. Solche unangepassten Genrevertreter braucht man auf einem Festival ebenso wie die alten Recken, was dieser M’era Samstag mal wieder eindrucksvoll demonstrierte. Waren doch mit NITZER EBB, den KRUPPS und BAUHAUS die Gewinner der Main Stage allesamt alte Heroen. Wobei niemand dort auch nur ansatzweise enttäuschte, was die Vorfreude auf Tag 2 noch steigerte. Zunächst aber ging es für die Feierwilligen ab in den Dance Hangar zu Ronan, für die neuen Bekanntschaften ins gemeinsame Zelt und für alte Männer nach Hause ins Bettchen, so oder so würde man am nächsten Tage alle wiedersehen…
(TK)

Setlist FRONTLINE ASSEMBLY
Buried alive
Vigilante
Dead Planet
Bio Mechanic
Maniacal
Millenium
Unleashed
Plasticity
Gun
Mindphaser

Setlist NITZER EBB
Getting Closer
Let your body learn
Shame
Hearts & Minds
Captivate
Godhead
Blood Money
For fun
Ascend
Lightning Man
Control I’m here
Murderous
Join in the chant

Fun to be had
Family Man

I give to you

Copyright Fotos: Sandro Griesbach except indicated
Weitere Fotos unseres Fotographen auf der Seite www.darkmoments.de

Copyright Text:
Carola Kruse [CK]: MIDNATTSOL/ DOPE STARS INC./ LIV KRISTINE/ SAMSAS TRAUM/ TRISTANIA
Cath Niemann [cath]: REGICIDE/ GIRLS UNDER GLASS/ MESH
Karsten Thurau [TK]: NORTHERN LITE/ GOTHMINISTER/ FUNKER VOGT/ DIE KRUPPS/ BLUTENGEL/ BAUHAUS
Michael Specht [MS]: FRONT LINE ASSEMBLY/ NITZER EBB

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