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MISERY (SCHAUSPIEL)

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Ort: Münster – Wolfgang-Borchert-Theater

Datum: 12.02.2011

„Misery“ werden die meisten Terrorverlag-Leser vermutlich als Rob-Reiner-Verfilmung mit Kathy Bates in der oscar-prämierten Rolle der psychopathischen Anni Wilkes und James Caan als den Schriftsteller Paul Sheldon kennen. Vielen ist sicher auch die Roman-Vorlage von „Horror-Konsalik“ Stephen King bekannt, doch es gibt auch eine Bühnenadaption von Simon Moore, deren Umsetzung ich vor Jahren bereits als Open-Air-Aufführung des Heckentheaters Kattenvenne erleben durfte. 2009 nahm sich das Ohnsorg Theater in Hamburg des Stoffes an und brachte „Misery“ erstmals in plattdeutscher Sprache auf die Bühne. Leider hatte ich vor zwei Jahren keine Gelegenheit, mir die mundartliche Fassung anzuschauen, umso mehr stand außer Frage, dass die (hochdeutsche) Inszenierung von Johannes Kaetzler im Münsteraner Wolfgang-Borchert-Theater durch mich einer genaueren Begutachtung zu unterziehen war. Anlässlich der B-Premiere machte ich mich also auf zum Hafenweg 6-8 und kam in den Genuss eines rundum gelungenen Theaterabends mitsamt anschließender Premierenfeier.

Für diejenigen, denen „Misery“ noch kein Begriff ist, hier eine kleine Zusammenfassung:

Der erfolgreiche Romanautor Paul Sheldon hat gerade seine Bestseller-Reihe „Misery“ zu Ende gebracht, als er auf dem Rückweg nach New York von der verschneiten Straße abkommt und einen Abhang herunterstürzt. Aus dem Koma erwacht, findet er sich in dem Haus der examinierten Krankenschwester Anni Wilkes wieder, die ihn mit Schmerzmitteln versorgt und sich zudem als sein größter Fan entpuppt. Als sie erfährt, dass Paul die Titelheldin Misery Chastain hat sterben lassen, verblasst die anfängliche Hilfsbereitschaft und wird zum beängstigenden Psycho-Spiel: Die Telefonleitungen sind gekappt, alle Suchaktionen vereitelt und Paul findet sich, geschwächt und tablettenabhängig, einem ungleichen Kampf ausgesetzt, bei dem seine einzige Hoffnung darin besteht, Annis Forderung nach der Rückkehr der Titelheldin zu befriedigen.

Die Umsetzung auf der Bühne ließ derweil keine Wünsche übrig. Insbesondere die Anni-Wilkes-Darstellerin Monika Hess-Zanger agierte beängstigend überzeugend als besessener Fan, der in seiner eigenen, kranken Welt gefangen und bereit ist, alles dafür zu tun, um die geliebte Misery wieder zum Leben zu erwecken. Unter der Maske der fürsorglichen Krankenschwester brodelte es ganz gewaltig und so kam es, dass auch per Axt ausgeführte Fuß-Amputationen eiskalt und präzise inklusive Wund-Ausbrennung mit dem Bunsenbrenner ausgeführt wurden. Sven Heiß überlebte als Paul Sheldon auch diesen Anschlag auf sein Leben und kämpfte an Bett und Rollstuhl gefesselt um selbiges. Dabei wurde die Triumph-Schreibmaschine zur Waffe im doppelten Sinne, die zur Unterstützung seiner stärksten Verteidigung – seiner Sprache und seines Verstandes – zum Einsatz kam. In einem Zimmer das biedere Gemütlichkeit verströmte, lieferten sich die beiden Protagonisten ein spannendes Duell, das nichts für schwache Nerven war, jedoch über die gesamten 105 Minuten zu fesseln wusste.

Ein drastisch vollführter Folterabend, der mit verdientem Applaus des begeisterten Publikums endete, welches es sich in den 100 roten Kinosesseln bequem gemacht hatte und im Anschluss am Büffet neben anderen Köstlichkeiten noch ein paar Novril-Schmerztabletten naschen konnte.

Weitere Termine unter www.wolfgang-borchert-theater.de

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