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MONO INC. – LORD OF THE LOST

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Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 30.04.2011

Im Januar letzten Jahren haben MONO INC. aus Hamburg noch im arschkalten Bastard-Club vor vergleichsweise überschaubarem Publikum gespielt, jetzt mussten die Goth Rocker vom „neuen“ Bastard sogar in eine größere Location umziehen, denn für den UNHEILIG-Support haben sich offensichtlich neue Fankreise aufgetan, was sich auch an den Verkaufszahlen der sechs Wochen alten fünfte Studio-Langrille „Viva Hades“ widerspiegelt: die Platte marschierte nämlich mal eben bis auf Platz 50 durch, was definitiv schon mehr als ein Achtungserfolg ist. Im ehemaligen Lichtspielhaus an der Großbaustelle Rosenplatz dürften sich an diesem lauen Aprilabend etwa 750 ganz überwiegend schwarze Gestalten eingefunden haben, von denen überraschend viele ganz eindeutig mindestens der Ü30-Fraktion angehörten.

Die bekamen zunächst einmal eine andere Hamburger Düsterrock-Kapelle zu sehen und zu hören, denn als Support sind auf der Viva-Hades-Tour LORD OF HE LOST mit von der Partie. Überpünktlich legte der Sechser um kurz vor 20.00 Uhr mit knackigen Rhythmen los, die dem vier Wochen alten zweiten Album „Antagony“ entnommen waren. Die Herrschaften hatten nicht mit dem schwarzen Make Up gespart und ließen es in den ersten vierzig Minuten ordentlich krachen. Sänger Chris „The Lord“ Harms, der LORD OF THE LOST 2007 gegründet hat, verortet seine Musik irgendwo zwischen HIM und RAMMSTEIN; auf finnische Melancholie-Overkills wartete das begeisterte Publikum allerdings vergeblich und so betont böse wie Till Lindemann kam der blonde Fronter, der von den beiden Gitarristen Sebsta Lindström und Bo Six, sowie Class Grenayde am Bass, Gared Dirge an den Keys und Fräulein Any Wayst hinter der Schießbude unterstützt wurde, auch nicht rüber. Die Truppe strahlte jede Menge Spielfreude aus und konnte mich mit ihrem brachialen LADY-GAGA-Cover „Bad Romance“ restlos überzeugen. Der exklusive Sonic-Seducer-Sampler-Beitrag „Do You Wanna Die Without A Scar“ war eine der wenigen Nummern, die zunächst etwas zurückhaltend startete, jedoch bald ins Bein ging und sich schließlich sehr druckvoll und mit einer Portion THE 69 EYES im Sound präsentierte. Die stilistische Nähe mag im dunklen Gesang des Lords zu finden sein, der an die Vocals von Jyrki 69 erinnerte. Der Umstand, dass ihnen nur ein Bruchteil der Bühne zur Verfügung stand, hinderte die Hanseaten nicht daran, sich ausgiebig zu bewegen und insbesondere Herr Harms wusste zu posen und suchte den Kontakt zum Auditorium. Da wurde sich zur ersten Singleauskopplung „Sex On Legs“ auch schon mal auf einem kleinen Podest geräkelt und der reich bebilderte Oberkörper der Damenwelt gezeigt. Leider störten beim folgenden „Epiphany“ einige Rückkopplungen den ungetrübten Hörgenuss, aber das Problem konnte schließlich gelöst werden, so dass es mit zwei Songs vom 2010er Debüt „Fears“ auf die Zielgerade gehen konnte.

Setlist LORD OF THE LOST
Son of The Dawn
From The Cradle To The Grave
Bad Romance (LADY-GAGA-Cover)
Fragmenting Façade
Prison
Do You Wanna Die Without A Scar
Sex On Legs
Epiphany
Break Your Heart
Dry The Rain

35 Minuten später erklang ein Intro, das die Besitzer des jüngsten MONO-INC.-Outputs als Anfangsklänge von „Admiration Hill“ erkannten. Das Backdrop mit dem MONO INC.-Schriftzug, vor dem LORD OF THE LOST gespielt hatten, fiel und Gitarrist Carl Fornia, Bassist Manuel Antoni sowie Schlagzeugerin Katha Mia hatten Aufstellung genommen. Schließlich gesellte sich auch Fronter Martin Engler im brokatbesetzten Gehrock dazu und es konnte direkt in die Vollen gehen. Auch die Osnabrücker zeigten sich ausnahmsweise einmal nicht zurückhaltend und sparten nicht mit Beifall und Interaktion, so dass „Forgiven“ vom 2009er „Voices of Doom“ schon ordentlich abgefeiert wurde. Bei „My Sick Mind TV“ (2007 auf „Temple of The Torn“ erschienen) gab’s dann endgültig kein Halten mehr, bevor die beiden Herren an der Langaxt zu „A Love That Never Dies“ ihre Plätze hinter weißen Tüchern rechts und links des Drumkits einnahmen, während Engler zu Katha Mias Füßen Platz nahm und den Song performte. Mit dem Fallen der Tücher schien auch die letzte Zurückhaltung der Zuschauerschaft zu fallen und entsprechend wurde auch das eingängige „Comedown“ von der gleichnamigen EP aus dem letzten Jahr abgefeiert. Gleiches galt für „Gothic Queen“, bei dem Martin unermüdlich über die Stage fegte und immer wieder Hände von Fans in den ersten Reihen schüttelte. Sicherlich gab’s nicht nur dafür am Ende lang anhaltenden Stakkato-Applaus, die den Frontmann der im Jahr 2000 aus der Taufe gehobenen Dunkel-Truppe sichtlich freute. Er konnte sich auch noch gut an das besagte erste MONO-INC.-Konzert im Bastard Club erinnern – vor allem an die sibirischen Temperaturen, die in dem alten Gemäuer geherrscht haben. Mit dem Titeltrack „Viva Hades“ ging’s krachend weiter, ehe beim hymnischen „Avalon“ mit rotem Licht und jeder Menge Nebel die Band vorgestellt wurde. Die Drei verschwanden im Anschluss im Off und Herr Engler, der nach wie vor ein Augen-Make-Up im Waschbär-Stil bevorzugt, nahm mit einer Akustikgitarre bewaffnet auf einem Barhocker Platz. Bevor es „When All My Cards Are Played“ von der „Viva Hades“ zu hören gab, erklärte er jedoch noch die Bedeutung des Albumtitels, der übersetzt „Es lebe die Hölle“ heißt. Ausgerechnet in der VÖ-Woche der Platte geschah in Japan das verheerende Erdbeben und begann in Libyen Gaddafi sein eigenes Volk zu bombardieren. Es wurde ein kurzer ernster Moment, in dem Martin an die Dummheit der Menschen erinnerte und den Blick auf kleine und große Tragödien lenkte, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, jeden Tag so zu leben als wäre es der letzte. Die heftigen Akklamationen der Anwesenden gaben ihm Recht und sogar seine Aufforderung, dem Grafen seinen kommerziellen Erfolg mit UNHEILIG zu gönnen, wurde mit Applaus beantwortet. Anderen Ortes gab es an dieser Stelle wohl auch schon Buhrufe, aber da Engler zuvor betont hatte, wie tolerant die schwarze Szene sich doch immer gebe, hatte er den Nörglern wohl den Wind aus den Segeln genommen. Unterhaltsam war auf jeden Fall die Beschreibung der bandinternen Wohnsituation. Schließlich ist man aufgrund des plötzlichen Reichtums umgezogen und wohnt jetzt im Gotenweg 3. In der Nachbarschaft leben auch SALTATIO MORTIS, an die man sich prima wenden kann, wenn man mal Probleme mit dem Sack hat und dass der Checker nebenan wohnt, ist insbesondere im Winter praktisch, wenn er mit seinem EISBRECHER kommt. Klar, dass der Graf nicht in einem schnöden Reihenhaus lebt, sondern ein kleines Schloss sein eigen nennt, das zwei mal täglich von Briefträgern aufgesucht wird, die Goldene Schallplatten bringen. Von einem wurde Martin dummerweise überfahren und fand sich im Himmel wieder, wo er von JOHNNY CASH empfangen wurde, der ihm „Voices of Doom“ einflüsterte. Für „The Passenger“ stand IGGY POP Pate. Hier zeigte sich jedoch, dass die Osnabrücker das Mitsingen noch ein bisschen üben mussten. Die Aussicht auf einen eigenen Tour-Beitrag bei MONO-INC.-TV (zu sehen auf der HP) verbesserte jedoch umgehend die Sangesleistung des Plenums und so schwierig war der Text ja nun auch nicht. Schließlich kehrte auch die Band an ihre Instrumente zurück und es wurde insbesondere zu „Sleeping My Day Away“ (im Original vom „danish Dynamite“ D-A-D) ausgiebig gerockt. Wenn die Hamburger für „If I Fail“ nicht bei METALLICAs „The Unforgiven“ geklaut haben, dann weiß ich es auch nicht. Der Song hat es aber in sich und das Rad neu erfinden kann eh niemand mehr. Spätestens mit „Temple of The Torn“ wurden endgültig keine Gefangenen mehr gemacht und gerade beim Schlagzeugsolo von Katha Mia fraßen die Hasestädter den Musikern aus der Hand. Laut erklangen die „Hej!“-Rufe aus dem Publikum, ehe es mit „Revenge“ blitzschnell weiterging. Hier gab’s auch wieder den hohen Gesang der Dame hinter der Schießbude zu hören, während sich Martin auf dem Bühnenboden mit einer Tour-Devotionalie „geißelte“, um das Tuch schließlich an einen Fan zu verschenken. Mit „Voices of Doom“ endete das reguläre Set um 22.45 Uhr, aber es gab natürlich noch einen Nachschlag, für den sich der männliche Teil der Band in die Klamotten vom Albumcover geschmissen hatte. Martin trug jetzt ein Rüschenhemd und den Gehrock vom Anfang, Carl eine blaue Uniformjacke und Manuel ein blutgetränktes Rüschenhemd nebst Kopfverband (statt der obligatorischen MONO-INC.-Strickmütze). So aufgemacht brachte das Quartett „Symphony of Pain“ knallend zum Vortrag. Den zweiten Break nutzten die Jungs für einen weiteren Garderobenwechsel und im Tour-T-Shirt gewandet wurde „In My Heart“ rausgehauen. Blieb noch „Get Some Sleep“ vom 2008er „Pain, Love And Poetry“, um den Abend würdig zu beschließen

Wobei selbiger noch gar nicht enden musste. Zunächst einmal freuten sich MONO INC. darauf, am Merch mit ihren Fans ins Gespräch zu kommen, und außerdem sollte zwei Stunden später im Ballroom die offizielle Aftershow-Party stattfinden, zu der das Konzertticket freien Eintritt bot. Außerdem stellte Martin Engler in Aussicht, dass es aufgrund des großen Erfolges 15 Zusatzshows gäbe, von denen eine im November auch in die Münsteraner Sputnikhalle führen wird. Wollen wir doch mal schauen, wie die Temperaturen dort sein werden; die Stimmung auf beiden Seiten des Fotograbens kann kaum besser sein als an diesem Abend.

Setlist MONO INC.
Admiration Hill
Forgiven
My Sick Mind TV
A Love That Never Dies
Comedown
Gothic Queen
Viva Hades
Avalon
When All My Cards Are Played
Voices of Doom
The Passenger (IGGY-POP-Cover)
Sleeping My Day Away (D-A-D-Cover)
If I Fail
This Is The Day
Temple of The Torn
Revenge
Voices of Doom

Symphony of Pain

In My Heart
Get Some Sleep

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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