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MOONRISE (Zillo Festival 2004 – Tagebuch)

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Ort: Loreley - Sankt Goarshausen

Datum: 15.07.2004 - 19.07.2004

Donnerstag 15.07.2004
17 Uhr: Es geht los. Instrumente zusammenpacken und in den Bus. Doch wo bleibt der Manager mit der Karre? Um 19 Uhr starten wir mit einem 9-Sitzer-Bus aus Hamburg, um morgen endlich den ersehnten Gig auf der Loreley-Freilichtbühne geben zu können. Die Stimmung ist super. Schon bald kommt aber die Frage auf, was eigentlich mit der letzten Sitzreihe passieren würde, wenn das ganze Geraffel aus dem Kofferraum bei einem Crash nach vorne kommen würde… Nach einigen Staus geht’s endlich mit Vollgas zur Loreley. Gut, dass Sir Steven schon vor Ort ist und die Hotelzimmer klar macht. Zwischendurch gibt es eine kleine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen luXa, Woj-Zen und dem Radio. Die meistgestellten Fragen: “Sind wir bald da?”, “Kann ich noch ein Bier?”, “Können wir mal kurz zum Pinkeln anhalten?” und “Fahren wir eigentlich Vollgas?” Leicht bis mittelschwer angetrunken kommen wir zu später Stunde in der Loreley-Stadt St. Goarshausen an. Und da sind Sie, unsere “selbst gebuchten Hotels”. Das Colonius und der Adlerhof. NEIN!!! Keine Minibar! Dann muss der morgendliche Nachdurst wohl mit warmer Cola bekämpft werden. Gute Nacht!

Freitag 16.07.2004
Der wichtige Tag. Nach dem Frühstück geht es hoch zum Festivalgelände. Woj-Zen ist schlecht drauf, weil er aufgrund des laut schnarchenden Managers kaum geschlafen hat. Timo mag nicht in den Bus einsteigen, weil da eine wespenähnliche Fliege drin ist… Die üblichen Nervositätserscheinungen wie Schwindel und Durchfall treten ein. Dabei sind wir noch gar nicht auch dem Gelände. Mal sehen, ob wir unsere Begleitungen mit aufs Festivalgelände bekommen. Nachdem wir schon die Anreise und Übernachtungen selber bezahlen müssen, rechnen wir mit dem Schlimmsten. Doch das geht dann reibungslos. Band und Manager bekommen Artist-Armbänder, Freundinnen und Groupies VIP-Armbänder. Schnell haben wir unser Equipment ausgeladen und machen uns auf die Suche nach dem Dressingroom. Obst, Schokoriegel, Handtücher, WC, Softgetränke und Bier, alles da. Die netten Leute vom Catering versichern uns auch, dass wir mehr bekommen, wenn wir wollen. Jetzt ist erst mal warten angesagt und sich ab und zu wundern, warum spatzengroße Insekten über den Flur fliegen. Ach so, ein Hornissennest direkt über der Eingangstür. Scheint aber Niemanden außer Timo wirklich zu belasten. Im VIP-Bereich bekommen wir dann einen sagenhaften Ausblick auf den Rhein geboten.

Wir lungern rum… zwei Stunden vor unserem Auftritt sollen wir unseren Kram auf Bühnenrider aufbauen. Ansonsten fühlt sich keiner so richtig für uns zuständig, von irgendwelchen Zillo-Leuten keine Spur. Gerade als luXa beim Mittagessen (lecker Catering) ist, entsteht Thermik: Wir sollen unseren Kram aufbauen. Mittlerweile sind auch UMBRA ET IMAGO und NFD da. Im Backstagebereich riecht es nach Gras wie hulle. Wir hängen wieder ab, nur der Manager haut sich schon mal ordentlich Bier rein – aber der muss ja auch nicht spielen… Es wird ernst, die METALLSPÜRHUNDE fangen an. Es sind zwar schon ein paar hundert Zuschauer da, aber die verlieren sich in dem großen Auditorium ziemlich. Die Sonne knallt, und die meisten hocken im Schatten. Die Security nervt ab wegen unserer Fotografin. Aaahhhrrggghhhh! So einen Scheiß doch bitte nicht jetzt. Die vorgespielte Lässigkeit der Musiker ist leicht zu durchschauen. Mein Gott…, was gleich beim Gig alles nicht hinhauen kann …

18:30 Uhr, jetzt geht’s los. METALLSPÜRHUNDE gehen von der Bühne und unsere Instrumente stehen innerhalb von 10 Minuten auf der selben. Großes Lob an die sehr professionelle Stage Crew. Anfangs kämpft der Mischer noch ein wenig mit unserem Sound, dann ist aber alles perfekt. Ist ja auch kein Wunder, ohne Soundcheck und dann noch komplett live, was auf dem Festival nicht mehr häufig zu hören sein wird. Die ca. 700 Schwarzgekleideten, die sich auf die linke Seite in den Schatten gesetzt haben reagieren sehr positiv und da hört man dann doch den einen oder anderen Felsen vom Herzen auf die Bühne krachen. Zwischendurch fragt man sich noch unruhig, was die ganzen Leute mit den monströsen Kameras vor einem wollen – so bekannt sind wir doch auch nun wieder nicht. Aus irgendeinem Grund haben wir als einzige Band keinen Nebel und keine Lightshow, obwohl es doch in unserem Technical Rider steht und wir extra vor dem Auftritt noch nachgefragt hatten. Ob die uns nicht mögen? Bisher hatten wir uns doch ganz ordentlich benommen.

Der Auftritt ist vorbei. Verdammt, ging das schnell! Aber dem Publikum hat’s gefallen, am Ende vom Auftritt finden sich auf jeden Fall deutlich mehr Zuschauer vor der Bühne als vorher. Und ordentlich geklatscht wird auch noch. Jetzt kann die Party losgehen!!! Vorher noch schnell abbauen, die Rider müssen frei gemacht werden für die Instrumente von PHILIAE. Die Instrumente laden wir in den Bus und stellen ihn wieder auf dem Parkplatz ab. Nach uns spielen noch MOURNING CARESS und PHILIAE, die witziger weise auch aus Hamburg kommen und ganz ordentlich gerockt haben. Feiern ist angesagt. In kürzester Zeit ist unser Bierkontingent im Backstage überschritten und wir müssen einen Dosenpreis mit den Cateringleuten aushandeln. Irgendwie muss man ganz schön draufzahlen, wenn man als Newcomer unterwegs ist. Na ja egal, das beeinträchtigt die gute Stimmung jedenfalls nicht. Ups! Wir müssen ja noch ein Interview mit Radio Dunkle Welle machen. Als NFD spielen, gehen Sir Steven, Timo und luXa zum Interview mit dem Internetradio… Das Gespräch verstummt jedoch, als tatsächlich “Psychonaut” von der Bühne erklingt – YES!!!

0 Uhr: Nach ihrem Auftritt verziehen sich UMBRA ET IMAGO recht schnell. Wir quasseln noch schön mit Tony und Bob von NFD, die auch noch ein bisschen feiern wollen, aber irgendwie nicht so richtig wissen, wo. Hätte man ja vonseiten des Zillos echt mal was organisieren können. Wir eiern irgendwann noch zur Zeltdisko, verdrücken uns da aber ziemlich schnell wieder – was für eine Luft in der Bude! Irgendwann sitzen Timo, luXa und der Manager noch am Rhein, trinken mitgebrachtes Beck’s Gold (nicht so lecker), was sie aus dem Hotel geholt haben und dabei den halben Flur aufgeweckt haben (sorry!) und philosophieren. T.G. war der Held, der alle noch heil mit dem Bus in den Ort gekarrt hat!

Samstag 17.07.2004
Frisch geduscht und vom Frühstück gestärkt geht’s wieder aufs Gelände um sich mal anzuschauen, was die Bands, die dafür Geld bekommen, machen und um die gestrige Party weiter gehen zu lassen. Wir müssen unsere Bänzel tauschen und erfahren dabei, dass man entgegen aller Ankündigungen keine PET-Flaschen mit aufs Gelände nehmen darf. Also auch nicht unsere mitgebrachte Verpflegung. Das gibt Stress! Schließlich sind wir nach ein bisschen Theater und Rumgebrülle mit PET-Flaschen rechtzeitig zu DAS ICH drin. Irgendwie skurril, deren Auftritt mit der Show so in der Knacke-Sonne… Als wenn Petrus Musikgeschmack besitzen würde, schickt er bei BLUTENGEL ein ordentliches Gewitter über den Loreleyfelsen. Zum Glück hat der VIP-Bereich eine Toilette mit einem großen Vorraum. Wie viele Leute da rein passen. Bis auf luXa (klönt nett mit Patrick von den METALLSPÜRHUNDEN) und Woj-Zen versuchen alle, zum Bus zu kommen und werden klitschnass dabei. Dann fährt die ganze Gang runter zum Hotel, um sich umzuziehen und kommt erst zu SKINNY PUPPY zurück. Nur luXa und Woj-Zen waren noch oben, um ALIEN SEX FIEND zu sehen – und das hat sich gelohnt! Grandioser Auftritt, der auch von den coolen SKINNY PUPPY nicht getoppt werden konnte. Nach dem Headliner kehren unsere noch leicht vom Vortag angeditschten Helden ins Hotel zurück. Allgemeine Frage: Wann gibt’s eigentlich das Ergebnis vom Contest?

Sonntag 18.07.2004
12 Uhr, die Sachen sind gepackt und im Hotel geben wir noch ein paar Autogramme. Es geht dem letzten Festival-Tag entgegen. Als wir es uns gerade im Biergarten des VIP-Bereiches gemütlich gemacht haben, kommt schon das nächste Gewitter angebraust. Wir geben noch zwei weitere Radio-Interviews, diesmal im Vorraum der Toiletten vom Biergarten. Super! Gewitter vorbei und schön DAF anschauen. Zum minimalistischen Sound von DAF rastet das Publikum echt aus und DAF gibt als einzige Band des Festivals eine Zugabe. Sehr genial. Aber leider haben sie den „Sheriff“ nicht gespielt. Auf WITHIN TEMPTATION hatte jetzt keiner mehr wirklich Lust und somit treten wir die Heimreise an. Wer den Contest gewonnen hat, wissen wir leider immer noch nicht, T-Shirts und CDs kriegen wir auch nicht, die sollen uns später zugeschickt werden.

Mit unserer eigenen “DAF-Machine” haben wir im Bus eine Menge Spaß. Die “DAF-Machine” ist ein kleiner Lautsprecher mit Headset-Micro und vorprogrammierten Rapbeats, in den man nur Wörter wie “Alles Lüge”, “Und die Möwen” oder “Verschwende Deine Jugend” rein rufen muss um einen Megaspaß zu haben. Wir kommen ins fieseste Unwetter, das die meisten von uns je erlebt haben. Die Hälfte der Autos bleibt einfach auf der Autobahn stehen, die anderen schleichen durch sintflutartigen Regen und Sturm weiter. Der ganze Mist dauert ewig, wir müssen vor allem wegen der beschlagenen Scheibe ständig die Heizung anmachen und verwandeln unseren Transporter so in eine rollende Sauna.

1.00 Uhr: Wir sind wieder in Hamburg! Jetzt noch schön die Instrumente ausladen – warum sind wir auch noch nicht reich und berühmt und haben Roadies?

Fazit: Ein geiles Wochenende mit viel Spaß und einem gelungenen Auftritt. Cool, das ganze Drumherum eines doch recht großen Festivals mal mitbekommen zu haben, und das auch noch in einer schönen Location mit (im Vergleich zum Hamburger Wetter der Vorwoche) schönem Sonnenschein! In diesem Sinne: “Verschwende Dein Geld und fahre als Newcomer aufs Zillo-Festival.”

Montag 19.7.2004
Nachtrag: Heute haben wir erfahren, dass die METALLSPÜRHUNDE den Contest gewonnen haben – und zwar, weil wir es auf deren Website gelesen haben. Auf der Zillo-Homepage steht leider gar nichts dazu, geschweige denn, dass die uns mal benachrichtigt hätten… Kommunikationskünstler sind das leider wahrlich nicht…

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