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NAGEL – SUPERMUTANT

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Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 06.12.2012

In diesem Jahr hatte der Nikolaus keine Süßigkeiten in seinem Sack, sondern jede Menge gute Musik. Zumindest für diejenigen, die dem ersten dezenten Schnee der Saison zum Trotz den Weg zum ehemaligen Osnabrücker Güterbahnhof gefunden hatten, wo auch die Kleine Freiheit beheimatet ist. Anlass war der NAGEL-Tourauftakt, denn nach ersten „Aufwärmshows“ im September ist der Ex-MUFF-POTTER-Vorstand Thorsten Nagelschmidt wieder in Bandstärke unterwegs. Drei Jahre nach der Auflösung von MUFF POTTER hat Nagel seinen Namen seiner neuen Kapelle geliehen und gleichzeitig auch seinen alten Kollegen Dominic „Shredder“ Laurenz“ mit ins Boot und an den Bass geholt. Außerdem ist Mr. Red von MISSOURI mit von der Partie und Schlagzeuger Sebastian Wirth sowie Gitarrist Alexander Wilz könnten dem einen oder anderen bereits bei TRIP FONTAINE über den Weg gelaufen sein. Bevor diese Newcomer-Band der besonderen Art jedoch die Stage okkupierte, waren SUPERMUTANT aus Mönchengladbach an der Reihe.

Die Geschichte dieser Combo reicht bis ins Jahr 2008 zurück; nach zahlreichen Besetzungswechseln und einer langen Funkstille kommt am 14.12.2012 die erste Langrille des Vierers, die auf den Namen „FRVR“ hört und natürlich stand auf dem Programm Mucke von eben diesem Silberling, den es auf Vinyl schon etwas länger zu kaufen gibt. Den Anfang machte um 20.55 Uhr das schrammelige „Diamant“, mit dem sie ihr Auditorium noch nicht so recht locken konnten, doch nach der entsprechenden Aufforderung von Sänger und Gitarrist Yann Thönnessen rückten die Osnabrücker doch etwas vor und konnten sich aus der Nähe mit dem temporeichen „Luft ist nicht nur“ vertraut machen, bevor es mit „Gold liegt auf der Zunge“ bisweilen ein wenig verquerer zur Sache ging, ehe „Brady Cardia“ straight nach vorn strebte. „Cancer Twins“ wurde zunächst vom Schlagzeug dominiert und ließ es insgesamt eine Spur ruhiger scheppern, um mit „La Traviata“ wieder Vollgas zu geben. Auch „Lichterloh“ schloss sich mit Schmackes an, auch wenn sich der Mann am Mikro nach eigenem Bekunden erst wieder daran gewöhnen musste, auf der Bühne zu stehen. Nun ja, war ja auch der erste Abend und zuvor waren SUPERMUTANT auch erst einmal auf Tour gewesen; das war vor drei Jahren mit den Zeitstrafe-Labelkollegen von MATULA, bei denen sie sich den Song „Over The Top“ ausgeliehen hatten, der auch sogleich ins Bein ging. Kurz und knackig folgte „1930“ aus der eigenen Feder des Vierers, ehe es mit dem finalen „Sopor“ noch einmal ordentlich was auf die Mütze gab. Ein netter, halbstündiger Einstieg in den Abend, für den flotter Indie-Rock serviert wurde, bevor das Überraschungsmenü aufgetischt wurde.

Setlist SUPERMUTANT
Diamant
Luft ist nicht nur
Gold auf der Zunge
Brady Cardia
Cancer Twins
La Traviata
Lichterloh
Over The Top (MATULA-Cover)
1930
Sopor

Von NAGEL gibt es schließlich aktuell noch keine Konservenkost, sieht man mal vom Solo-Output des Herrn Nagelschmidt ab, von dem es im Laufe des Abends im Übrigen auch etwas zu hören geben sollte. Zunächst einmal war um kurz vor 22.00 Uhr jedoch ein Intro an der Reihe, zu dem die fünf Herrschaften ihre Plätze einnahmen und Nagel seinen neuen Anzug-Look präsentierte, bevor es dann auch einen neuen musikalischen Stil auf die Ohren gab. Nicht mehr schnelle Punk- und Rockriffs stehen ganz oben auf dem Zettel, sondern gern auch vertracktere Strukturen, die von Mr. Red an den Tasten nicht unwesentlich beeinflusst werden. Schon der Opener „Tage/Hügel/Pferde“ zeigte sich auf diese Weise sehr groovig und auch das zackige „Müll raus“, für das Red und Alexander ihre Positionen tauschten, wusste umgehend zu überzeugen. Mit dem Versprechen, für jeden Meter, den die Zuschauer näher käme, den Song auch zwei bpm schneller zu spielen, konnte Nagel zudem die Lücken vor der Bühne schließen, ehe er Privatgespräche bei der Arbeit bei seinen bereits erwähnten Mitarbeitern rügen musste. Am Ende war Mr. Red dann aber auch wieder an seinem Arbeitsplatz angekommen und sorgte mit präsenten Synthie-Flächen mit für den zwingenden Sound vom hervorragenden „Das haben andere schon“. Am Anfang verzichtete Nagel bei „Der Wirt sagt zu mir“ noch auf die Krachlatte, um am Ende doch wieder in die Saiten zu greifen, bevor er seinem Auditorium erklärte, dass es ebenso egal ist, wo man herkommt, wie, wo man hin will. Musikalisch wurde das Thema im scheppernden „Entortete Kunst“ umgesetzt, das vom ebenso rhythmusbetonten wie fetten „Heaven Must Be A Place In Hell“ abgeklatscht wurde. Nicht weniger knackig: „Motor Run“ und darauf folgend der Sprechgesang von „Tel Aviv“, mit dem ein vertonter Ausschnitt aus dem zweiten Nagel-Roman „Was kostet die Welt“ den Weg auf die Setlist gefunden hatte. Den Track könnten einige der knapp 100 Anwesenden sogar gekannt haben, da 2011 er auf der „Was kostet die Welt“-EP veröffentlicht wurde. „Die Blaue Stunde“ begann heuer um 22.35 Uhr und startete zunächst ruhiger und baute mit viel Temperament und jeder Menge Emotionen Druck auf, um mit „Flitter und Tand“ noch einmal rotzig nachzulegen. Hier lieferten sich Nagel und Mr. Red ein kleines Streitgespräch erster Güte, mit dem der Abend nach 50 Minuten zunächst einen kleinen Break erfuhr.

Ohne eine Zugabe konnte das Quintett jedoch nicht gehen und so legten die Herrschaften mit „Sklave sein“ auch noch einmal treibend nach. Als „junge Band, die noch nicht so viel spielen kann“, mussten NAGEL am Ende schließlich noch auf ein Cover zurückgreifen, das ebenfalls im Kontext mit dem Buch „Was kostet die Welt“ stand und im Original von NEW ORDER stammt. Die Rede ist von „Bizarre Love Triangle“, bei dem Shredder Pause hatte, Sebastian mit einem kleinen Xylofon neben Alexander Aufstellung nahm und das Fräulein Nina, das sich bislang ums Equipment gekümmert hatte, den weiblichen Gesangspart übernahm. Schnell noch die Kapelle vorstellen und das war’s dann auch schon um 23.00 Uhr mir dem kleinen, aber sehr feinen Nikolaus-Konzert, bei dem die Hütte zwar anders als im September in der MUFF-POTTER-Hochburg Münster nicht brechend voll war, die Künstler jedoch auch vor kleinerem Publikum uneingeschränkt zu begeistern wussten. Nagel hat sich zweifelsohne weiterentwickelt und eine Band an seiner Seite, die weiß, wo’s lang geht. Man darf gespannt sein, was uns aus dieser Ecke noch erwartet.

Setlist NAGEL
Intro
Tage/Hügel/Pferde
Müll raus
Das haben andere schon
Der Wirt sagt zu mir (Bastis Song)
Entortete Kunst
Heaven Must Be A Place In Hell
Motor Run
Tel Aviv
Die Blaue Stunde
Flitter & Tand

Sklave sein
Bizarre Love Triangle (NEW-ORDER-Cover)

Copyright Fotos: Holger Ebert

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