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NCOR (STUDIOBERICHT)

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Ort: Halle (Westf.)

Datum: 16.12.2004

Ostwestfalen kann musikalisch ein richtiges Haifischbecken sein. So wird auch die Formation NCOR hin und wieder ob angeblich mangelnder Substanz belächelt, was die Hallenser aber weitestgehend kalt lässt. Um uns ein eigenes Bild zu machen, stand ein Studiobericht auf dem Programm, welcher uns in die kleine aber feine Gerry Weber-Stadt führte, in der auch der Ausfahrt Musik Verlag (z.B. E-CRAFT) residiert. Nachdem man das Debüt „Tiefenrausch“ ja noch beim Strange Ways-Label herausgebracht hatte, trennten sich seither die Wege, da man beispielsweise mit dem Vertrieb nicht sonderlich zufrieden war. Auf dem Konzert mit NIK PAGE in Bochum hatte man schon einige neue Songs zum besten gegeben, die wir uns nun heute in launiger Runde noch einmal genauer zu Gemüte führen wollten.

Als wir die Zitat „Villa“ am Hallenser Stadtrand erreichten, öffnete uns ein gut gelaunter, aber leicht hektischer Kevin, der uns gerne etwas später erwartet hätte. Im Inneren des Gebäude herrschten kreatives Chaos und das Ergebnis unzähliger Gelage (jetzt übertreibe ich etwas…). Nach einem Begrüßungsumtrunk, der unsere Sinne vernebeln sollte (he he), wanderten wir tiefer in das Gebäude, welches von Songwriter Sebastian bewohnt wird und zudem als Werbeagentur fungiert. Im Keller befindet sich das bandeigene Studio, in dem die Tracks für das neue Album entstehen/ entstanden sind, welches etwas plakativ „Nimm mich“ heißen wird. Dieses soll am 7. März 2005 bei einem neuen Kölner Label erscheinen, dessen Namen uns noch nicht verraten wurde. 8 Stücke wurden dem Terrorduo präsentiert, eins davon – die Coverversion „Crime“ – wird nicht regulär in Deutschland veröffentlicht. Zum ersten mal in ihrer Geschichte haben NCOR übrigens ohne Produzenten gearbeitet und so waren Kevin und Sebastian auch selbst über unser Urteil gespannt. Und hier ist es, sinnigerweise wieder mit einem kurzen Text pro Song.

„Nachtzerstörer“: Ein Stück über Kindesmissbrauch, was aber nicht sofort zu erkennen ist, da subtil gehalten. Hier handelte es sich „nur“ um einen Rohmix, da z.B. noch ein Kinderchor die Wirkung des Texts verstärken soll. Das Lied arbeitet mit starken Kontrasten, Elektronika in den Strophen und fetten Gitarren im Refrain. Als besonderer „Gag“ wurden Orchestersamples verwendet, fast bis zur Unendlichkeit zerhackt und somit stark verfremdet. Geht gut ab!

„Kein Licht“: Melodischer Gesang, deutlich weniger aggressiv als beim „Nachtzerstörer“, poppig und leicht BLUTENGELig. Gegen Ende mit verzerrtem Gesang und chilligen Parts ausgestattet.

„Nimm mich“: Titelstück des neuen Albums, welches von Fans per Voting dazu gemacht wurde. Besinnlich angehaucht durch die Pianotupfer. Im Text geht es um eine kritische „Mann-Frau-Beziehung“, während musikalisch hier die Gitarren zugunsten der synthetischen Klänge etwas im Hintergrund stehen. Der Song wird allerdings weder als Single noch als Video herauskommen, da man lieber beim Preis der regulären CD etwas nachgeben will.

„Ohne Wiederkehr“: Man erkennt schon, nur deutsche Texte. Bedächtig und einfühlsam, mit leichtem ZERAPHINE-Touch. Interessant der Ansatz eines Gitarrensolos. Inhaltlich eine Abhandlung über psychisch kranke Menschen und das – je nach Sichtweise – wir alle krank im Kopf sein könnten…

„Crime“: Hier handelt es sich um die schon angesprochene Coverversion eines CAMOUFLAGE-Klassikers. NCOR wurden von einem amerikanischen Labelchef aus der Bay Area gefragt, ob sie nicht an einem Tribute Sampler teilnehmen wollen. Derselbe hatte vorher einen technoiden Remix von „Was ist wahr“ erstellt, wodurch der Kontakt zustande kam. NCOR geben dem Song ein gewisses Punkfeeling mit 80er Gitarren, Loops und wirren Soundeffekten. Das einzige aktuelle englischsprachige Werk wird regulär nur auf der amerikanischen Albumversion enthalten sein, die bei Symphony Records erscheinen soll. Hier „bei uns“ möchte man „Crime“ als Download auf der Homepage anbieten.

„Machine“: Auch wenn man zunächst an KRAFTWERK denkt, die erste sozialkritische Nummer von Kevin und Co. Hier wird mit Drumloops, Breakbeats und zum Ende hin wieder bratenden Metal Gitarren gearbeitet. Für meinen Geschmack wirkt der Refrain etwas gebremst und würde etwas schneller noch peppiger klingen.

„Tanz mit dem Feuer“: Ein leichtes Alohafeeling in Kombination mit tanzbaren Grooves. Der elektronischte Track, bei dem K. gesanglich etwas an JOKE JAY erinnert. Gefällt!

„Das letzte Lied“: Wie es sich gehört eine schöne Ballade mit Akustikgitarren und Mitsingrefrain

Alles in allem überrascht vor allem die Vielseitigkeit des Materials und des Gesangs. Herr D. klingt fast in jedem Stück anders, von aggressiv bis melancholisch, während man auf der musikalischen Seite Synthetisches und Organisches sehr abwechslungsreich kreuzte. Sicher nichts für den Old School Gother, aber aufgeschlossene Fans von NIK PAGE, BLUTENGEL oder auch OOMPH! werden an der CD ihre Freude haben. Zumal noch 6 weitere Kreationen zur Tracklist beitragen werden, die damit auf 13 terminiert wurde. Nach einem kleinen Fotoshooting trennte man sich in gütlicher Weise, um jeder wieder auf seine Art und Weise kreativ zu sein. Man sieht sich wieder, spätestens bei kommenden Live-Attraktionen.

Weiterführende Infos: www.ncor.de

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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