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NEGATIVE – JANN WILDE & ROSE AVENUE

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Ort: Berlin - ColumbiaClub

Datum: 03.11.2006

Endlich sollten mal wieder die Finnen von NEGATIVE in Berlin ein Konzert geben, mit im Gepäck noch mehr Finnen: JANN WILDE & ROSE AVENUE. Ich hatte absolut keine Ahnung, wer letztere waren, wusste nur, dass sie Glamrock machen. NEGATIVE hatte ich schon einige Male Live erleben können und freute mich auch darauf, sie mal wieder zu sehen. Natürlich war ich auch darauf gespannt, wie sich die Jungs entwickelt haben, denn jede Band wird ja mit den Jahren besser und professioneller…ok, Ausnahmen bestätigen die Regel. Kurz nach 20 Uhr traf ich mich mit meiner Mitstreiterin und wir fanden vorm Club schon eine sehr bunte Menge von Leuten vor. Teilweise waren auch Metal-Gestalten da, die dann aber feststellten, dass sie falsch waren und zur ColumbiaHalle nach nebenan gingen. Als wir dann dran waren, wurden wir am Eingang als „Päckchen“ abgestempelt und konnten den Club betreten. Das klingt vielleicht etwas verwirrend, aber wer meinen Bericht über AND ONE gelesen hat, weiß, das es in der ColumbiaHalle einen „Erledigt“-Stempel gibt, und im ColumbiaClub waren wir nun „Päckchen“. Aber jetzt mal zum Konzert.

Pünktlich um 21 Uhr betrat der Support-Act JANN WILDE & ROSE AVENUE die Bühne und sorgte erstmal für einiges Gelächter. Der Grund waren nicht nur die absolut schrägen Frisuren von Sänger und Gitarrist Jann sowie Gitarrist Ardé, sondern auch die Klamotten, die sie trugen. Der Fronter war in einen seeeeeeeeeeeehr engen Elvis Presley-Glitter-Flitter-Gedenk-Anzug gekleidet und der Klampfer sah aus wie Bela B. als Transe (O-Ton Grit). Sie schienen in den 60ern gefangen zu sein und man wusste instinktiv: Wenn man in eine Steckdose greift hat man haargenau die gleiche Frisur wie Jann. Die Band hatte es auch nicht unbedingt nötig, irgendwo zu erwähnen, dass sie überwiegend auf Jungs steht, denn es kam einem die Homosexualität praktisch mit offenen Armen entgegen gerannt. Und nein, das meine ich jetzt nicht negativ und ich hab auch nichts gegen Schwule, es war schon auf eine gewisse Art und Weise sympathisch, teilweise allerdings schon recht nervend. Das alles tat der guten Stimmung, die aufkam, allerdings keinen Abbruch. Die Band hatte das Publikum, welches hauptsächlich aus jungen Mädels bestand, sofort fest im Griff und lieferte eine sehr gute und mitreißende Show. Der Sound der Band und auch das Licht waren an diesem Abend hervorragend, was aber auch hauptsächlich an der Location liegt, denn der ColumbiaClub hat eben sehr gute technische Anlagen. Mit dem deutschen Satz, dass sie „Jann Wilde & Rose Avenue seien und aus Finnland kämen“, sorgten sie für ordentliches Gekreische beim Publikum und wurden noch begeisterter gefeiert. Es waren auch einige finnische Fans da und die glänzten natürlich mit Textsicherheit, was auch die Band freute. Während Sänger Jann eine sehr gute Show ablieferte, schaute Ardé meist etwas gelangweilt und Kaugummi kauend in die Menge, präsentierte aber hin und wieder mal stolz wackelnd sein Hinterteil, was mit ordentlichem Gekreische seitens der Fans aufgenommen wurde. Beim Song „Mr. Wilde“ standen sich Jann und Ardé gegenüber, spielten Gitarre, schauten sich tief in die Augen und küssten sich. Damit war dann auch mal wieder ein Klischee des Glamrocks erfüllt. Bassist Rene sieht im Übrigen wie der jüngere Bruder von Basser Migé von HIM aus, und das sorgte natürlich auch für einige Verwirrung in den Zuschauermengen. Bei „Nothing but the Sky“ spielte Jann lustige Pantomimenspielchen und tat so, als würde er eine Wand abtasten, etwas herausnehmen und dann eine Leiter hinaufklettern. Hatte wenig Sinn, sah aber sehr putzig aus. Neben den beiden schon genannten Songs präsentierten JWARA noch den Opener und die aktuelle Single „Boys out of New York“, „Every Heartbeat“, „Oh oh!“ und „Lover Lover Lover“. Letzteren nahm die Menge sehr begeistert auf, klatschte und sang mit. Mit „Everybody’s trying to be my baby“ und einer sehr nahen Elvis-Parodie beendeten die Jungs gegen 21.30 Uhr ihre Show und hinterließen eine Menge neuer Fans.

Während der halbstündigen Umbaupause konnte man gut die Bühne betrachten, im Hintergrund hing das große Banner mit dem Clownsgesicht des aktuellen NEGATIVE-Albums „Anorectic“, an der linken Seite war so etwas wie eine Leinwand aufgebaut, die dann auch während der Show von kleinen blinkenden Lichtern erhellt wurde und im Hintergrund auf einem der Lautsprecher war ein Cannabisblatt abgebildet. Um 22 Uhr betraten die lang ersehnten Jungs von NEGATIVE endlich die Bühne und fingen sogleich an, jene zu rocken. Sie wurden mit lautem Gekreische begrüßt, dass es einem schon ziemlich in den Ohren schmerzte. Die Skandinavier hatten ihre Anhänger voll im Griff und wussten immer wieder zu begeistern. Fronter Jonne spuckte immer schön in der Weltgeschichte herum und natürlich wurde auch das sehr begeistert aufgenommen – was meiner Meinung nach doch eher eklig ist. Aber den Fans gefiel es. Zwischendurch stahl Gitarrist Sir Christus Jonne die Show und entschuldigte sich dann immer mal wieder mit einem kleinen Küsschen dafür. Zu „Naive“ stellte der Sänger seine Mitstreiter vor und jeder einzelne wurde sehr euphorisch von den Fans begrüßt. Bei der Textzeile „I see grass is green“ machte Jonne eine entsprechend eindeutige Bewegung, und das erklärte dann natürlich auch sehr eindrucksvoll das Hanfblatt im Hintergrund. Beim Song „Moment of our Love“ steckte der Fronter wie immer sein Mikro vorn in die Hose, Sir Christus kletterte auf eine der Boxen, Jonne stellte sich davor, Sir Christus schmiegte sich mit seiner pinken Gitarre eng an ihn – Glamrock pur. Ich muss hier glaube nicht extra erwähnen, wie gut solche Showelemente ankamen. Mich wunderte nur, dass es diesmal keinen Kuss gab, aber diesen Part hatte ja auch schon die Supportband übernommen. Kurz vor „My My / Hey Hey“ zog Sir Christus sein Hemd aus und zum Vorschein kam: Eine Art S/M-Geschirr aus dem Sex-Shop. Bei diesem Anblick dachte ich nur „Gebt dem Jungen doch endlich mal etwas Ordentliches zu essen“, denn er ist schon sehr sehr sehr dünn. Aber die ganze Band ist ja im Allgemeinen nicht wirklich mit wohlgenährten Personen besetzt, trotzdem aber natürlich sehr anschau- und anhörbar. Während Jonne später „Planet of the Sun“ präsentierte, erwürgte er sich fast mit seinen vielen Ketten, die er um den Hals trug – weniger ist manchmal halt doch etwas mehr. Irgendwann hat jedoch auch einmal das schönste Konzert ein Ende und so verließen NEGATIVE gegen 23.15 Uhr die Bühne.

Allerdings kehrten sie kurz darauf wieder zurück, denn ihre treuen Fans forderten natürlich eine Zugabe und die sollten sie auch bekommen. Jonne hatte sich mittlerweile umgezogen und trug jetzt über seinem Playboy-Shirt eine hellblaue Jeans-Weste mit Fell, wo auf der Rückseite eine Art Totenkopf mit Zylinder und dem Schriftzug NGT mit weißer, fluoreszierender Farbe aufgemalt war. Und auch Bassist Antti hatte sein vorher getragenes Kopftuch gegen eine Deutschland-Kappe ausgetauscht. Nach den beiden Zugaben „Until you are mine“ und „Heroine“, wo die Truppe noch einmal alles gab, verbeugten sie sich einige Male vor ihren Fans und verließen gegen 23.30 Uhr geschafft die Bühne. Damit lagen 2.5 Stunden Glamrock hinter uns und alle verließen glücklich die Location. Die musikalische Entwicklung und Bühnenpräsentation der Finnen ist deutlich besser geworden als noch vor einigen Jahren und ich denke, dass ich auch in Zukunft mit dabei sein werde. Der Sound war im allgemeinen sehr kraftvoll, und auch die Stimme des Fronters war aggressiver als sonst und auch viel rauer als bei früheren Auftritten. Erwähnenswert ist auch noch, dass die Band Rosen an die Fans verteilte, außerdem spielte Antti erstmal eine Runde Evil Jared Hasselhoff (BLOODHOUND GANG), soll heißen, er wischte sich den Schweiß mit seinem Handtuch ab, rieb es zwischen seinen Beinen und warf es anschließend in die Menge. Ich spare mir jetzt jeglichen Kommentar dazu, man kann sich, glaube ich, sehr gut vorstellen was dann abging.

Setlist JANN WILDE & ROSE AVENUE
Boys out of New York
A fine day for revolution
Every Hearbeat
“No name” (einfach ein Song ohne Namen)
Oh oh!
Mr. Wilde
Nothing but the Sky
Lover Lover Lover
Song for those who
Suicide Radio
Everybody’s trying to be my baby

Setlist NEGATIVE
Intro
Glory of the shame
In my Heaven
Bleeding
Reflectins
Sinner’s Night / Misty Morning
Naive
Moment of our Love
A Song for the Brokenhearted
My My/ Hey Hey (Out of blue)
One last Shot
Planet of the Sun
L.A. Feeding
Frozen
Embracing Past

Until
Heroine

Copyright Fotos: Grit Rümmler

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