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NEUROTIC DEATHFEST 2012

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Ort: Tilburg - 013

Datum: 02.03.2012 - 04.03.2012

Wenn es ein Festival in Europa gibt, dass Death Metal- oder Fans extremer Klänge im Generellen die Freudentränen in die Augen treibt, dann ist es sicherlich das Neurotic Deathfest. Drei Tage lang Brutalo-Beschallung vom Feinsten auf drei Bühnen in einer der besten Hallen der Niederlande, was will man mehr? Das 013 in Tilburg ist eine tolle Konzert-Location, die einem mit der polsterartigen Fassade dekoriert mit echten CDs schnell ins Auge sticht. Dazu liegt sie verkehrsgünstig – der Bahnhof ist wenige hundert Meter entfernt, ein Parkhaus befindet sich direkt neben dem Gebäude (Tagespreis 14,50€ und damit noch verhältnismäßig günstig) – und verfügt über eine große Haupthalle, die nicht nur einen großen Balkon zu bieten hat, sondern auch treppenartig ansteigt, so dass man von überall freie Sicht auf die Bühne hat. Die zweite, kleinere Stage hat ebenfalls einen Balkon und der kleinste Saal schließlich bietet eher unbekannteren Bands Platz. Durch die unterschiedliche Größe der Räume musste keine Band vor einem leeren Saal spielen. Neben den zahllosen Restaurants in der näheren Umgebung wurde im 013 selbst auch Essen angeboten, was allerdings preislich teilweise übertrieben war – Festival eben (essbar war´s, aber ob´s das Geld wert war, sei dahin gestellt). Bei den Getränken sollte man die Preispolitik ebenfalls überdenken, denn ein kleines Becherchen Bier (zwei Schluck und leer) für 2,30 (= eine Münze) und Wasser unverschämterweise zum gleichen Preis (aber immerhin in kleinen Flaschen) sind nicht gerade etwas, was die Besucher zu Freudensprüngen veranlasst. Das Getränk-/ EssensmarkenSystem hingegen funktioniert bestens und ohne langes Anstehen, da über alle Etagen des Gebäudes mehrere Automaten verteilt sind, an denen man sein Geld gegen Münzen eintauschen kann. Über mehrere Etagen verteilt war auch das große Merch-Angebot, das sich sehen lassen konnte und zwischen den einzelnen Bands zum kleinen Einkaufsbummel einlud. Alles in allem also die perfekte Umgebung für einen dreitägigen Extreme Metal-Marathon, der so einige Leckerbissen zu bieten hatte. Viele der hier auftretenden Bands waren in verschiedenen Packages auf Tour, so dass der eine oder andere sicherlich zwei (oder mehr) Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte und sich mehrere Touren auf einmal ansehen konnte.

Freitag, 2.3.2012

Der Freitag begann gegen 17 Uhr, doch leider verpasste ich aufgrund leicht verspäteter Anreise die ersten beiden Bands BENIGHTED und SUFFERING QUOTA. Was haben BENIGHTED eigentlich angestellt, dass sie auf so ziemlich jedem Festival, bei dem ich sie bisher gesehen habe, so verdammt früh ranmüssen? Pünktlich zu CEREBRAL BORE erreichte ich dann aber das 013 und die knüppelten gleich ordentlich drauflos. Was diese Band wohl von allen anderen Bands des Festivals abhob, war die Tatsache, dass hier eine Frau am Mikro war. Und die keifte oder trällerte nicht etwa schön daher, wie es sonst bei female-fronted Acts häufig der Fall ist, sie grunzte, was das Zeug hielt und brüllte damit sicherlich den ein oder anderen männlichen Kollegen mit Songs mit klangvollen Namen á la „Entombed In Butchered Bodies“, an die Wand

Rüber ging´s zur kleineren Bühne, um ein paar Takte von BLASPHEMER zu erhaschen, bevor es wieder Zeit war, zur Hauptbühne zurückzukehren. Die Italiener machten ihre Sache ganz ordentlich und präsentierten Material von ihrem bislang einzigen Full Length Album „On The Inexistence of God“ – bereits jetzt sah man, dass es wohl bei den bekannteren Bands im kleinen Saal „kuschelig“ voll werden würde. Die Running Order war so ausgelegt, dass es möglich war, die Bands der beiden größeren Bühnen überschneidungsfrei zu sehen, lediglich samstags und sonntags mussten die Besucher für die dritte und kleinste Bühne einige Überschneidungen hinnehmen.

Die Schweden von VOMITORY, die mittlerweile auch schon gut 20 Jahre auf dem Buckel haben, enterten als nächste die Hauptbühne. Sie waren extra aus dem hohen Norden für diesen Gig eingeflogen worden. Schade nur, dass hier alles mitspielte, nur nicht der Sound, denn es dauerte ein wenig, bis dieser wirklich „schwedisch“ war. Nachdem dieses Problem gelöst waren, ballerten Stücke wie „Terrorize, Brutalize, Sodomize“, „Carnage Rages On „ und „Chaos Fury“ ganz ordentlich und die Menge verlangte am Ende nach mehr. Ein voller Erfolg also!

Nachdem GOROD aus Frankreich die kleine Bühne fest mit Brutal Death im Griff hatten, der Saal, wie noch so einige Male an diesem Wochenende aus allen Nähten platzte und man allenfalls noch aus dem Foyer zuhören konnte, liefen unterdessen auf der Hauptbühne die Umbauarbeiten für ein Heimspiel.

An der Reihe waren nun ASPHYX und dass diese hier Heimrecht hatten, erkannte man sofort, denn der Saal war nun mehr als locker flockig gefüllt. Locker flockig rumpelten die Niederländer denn auch durch ihr Set und allenthalben waren zu Songs wie „MS Bismarck“ und „Wasteland of Terror“ fliegenden Haare zu sehen. Die Meute war nun scheinbar so richtig auf Betriebstemperatur und die Band hatte in Anbetracht der steilgehenden Menge ein breites Grinsen im Gesicht. Ein erstes Highlight am noch jungen Festival Wochenende.

Es war Zeit für die Combo mit dem längsten Namen, der weder aufs Backdrop passte, noch wirklich von irgendwem ausgesprochen wurde: SUBLIME CADAVERIC DECOMPOSITION, auch SCD genannt. Wie bereits zu erahnen waren, war die kleine Bühne nun fest in Goregrind Hand und vor der Bühne ging´s ordentlich ruppig zur Sache – als Fotograf tat man gut daran, sich nach ein paar Schnappschüssen in die hinteren Reihen zu kriechen. So ganz überzeugte dieses ziemlich chaotisch wirkende Liveprogramm nicht, so dass ich mich lieber ins Foyer zurückkämpfte, um mal einen Blick auf die Merchstände zu werfen.

Besser werden würde es mit NAPALM DEATH, da war ich mir sicher, denn eine schlechte Show hatte man von dieser Truppe eigentlich noch nicht gesehen. Nun war es also bereits Zeit für den Headliner des ersten Abends und die Halle war nun pickepacke voll. 30 Jahre NAPALM DEATH, 30 Jahre Grind und man ist nach wie vor kein bisschen leise. Die erste Hälfte des Sets war gespickt mir neueren Stücken vom „Utilitarian“-Album, auf die die Menge noch vergleichsweise verhalten reagierte. Sänger Barney schrubbte wie gewohnt einen Kilometer nach dem anderen und wetzte wie von der Tarantel gestochen vom einen zum anderen Ende der Bühne. „Nazi Punks Fuck Off“ und „Human Garbage“ trafen den Nerv und zu fast allen Songs gab´s Ansagen vom Fronter. Ein Song wurde angekündigt mit: „this is a song about thinking too much that keeps people from living happil… .this is „Analysis Paralysis“. Eine schlechte Setlist mit Füllern können NAPALM DEATH nach einer so langen Bandgeschichte eh nicht mehr haben und natürlich durfte ein Klassiker wie „You Suffer“ auch nicht fehlen. Nach „Instinct of Survival“ war dann Schicht im Schacht und die Meute sichtlich platt.

Nun, so ganz zu Ende war der Abend dann noch nicht, denn war noch immer nicht genug hatte, tat gut daran, sich auf der kleinen Bühne SONNE ADAM anzuschauen. Die Israelis konnten im letzten Jahr mit ihrem Debütalbum „Transformation“ die Kritiker überzeugen und wie könnte man nun den Tag wohl besser beschließen, als mit einer Portion Old School Death mit fettem doomigem Einschlag? Mit im Gepäck hatten sie auch ihre beiden EPs „Armed with Hammers“ und „The Sun Is Dead“. Der kleine Saal war bis zum Ende ordentlich gefüllt und die Truppe war scheinbar so ins Material versunken, dass keinem wirklich auffiel, dass hier mal eben 10 Minuten länger gespielt wurde. Zwar sah man neben der Bühne den Stagemanager ein wenig nervös auf und abgehen, er ließ die Band jedoch zu Ende spielen. Alles in allem war dieses Set nach einem Tag voller Geknüppel und Geblaste wirklich eine gelungene Abwechslung. Eines der Highlights!

Setlist SONNE ADAM
Intro of Apocalypse
Apocalypse
The Sun Is Dead
Take Me Back
Transformation
Armed With Hammers
Shine
Outro of Shine
We Who Worship
I Sing His Words

Samstag, 3.3.2012

Bei der Planung des NEUROTIC DEATHFESTs hatte man wohl ein Herz für Langschläfer, denn vor 15 Uhr ging es am zweiten Tag nicht los. Hier waren nun die Aussies von PSYCROPTIC als erste an der Reihe und die durften vor einem noch eher dürftig gefüllten Hauptraum ran, der sich dann im Verlauf des Sets allerdings zügig füllte. Kein schlechter Einstieg, denn die Truppe prügelte tight durchs Set.

LENG TCH´E waren im Anschluss auf der kleinen Bühne an der Reihe und offenbar bestens aufgelegt. Ich hatte die Band wohl seit geraumer Weile nicht mehr auf dem Radar und war erstaunt, sie nun mit neuem Sänger zu sehen. Der machte seinen Job wirklich ordentlich und reichte zwischendurch das Mikro auch mal ans Publikum weiter, offenbar waren LENG TCH´E mit einem dicken Schwung Fans angereist. Gemessen an dem, was dann teilweise zu hören war, schienen auch dort ein paar gute Sänger zu sein. Kurzweiliger und ziemlich unterhaltsamer Gig der belgischen Grindcore Fraktion.

Setlist LENG TCH´E
Trauma/ Scourge
A.Men
Tainted Righteousness
Silence Is Better Than
Submissive Manifesto
Totalitarian
Violence Does Even Justice
Obession Defined
The Fist Of The Leng Tch´e
Don´t Touch My Spandex
Glamour Girl Concubine

ACHERON waren exklusiv aus den USA für diese Show eingeflogen worden, um hier ihrem Blackened Death Metal zu frönen, oder wie sie es selbst ausdrückten. „We are here to bring you Terror, Satan and Black Death Metal“. Die Bühne war dekoriert mit Flaggen gegen alle möglichen Religionen und dazu zelebrierten ACHERON ihren satanisch angehauchten Metal. So wirklich hat mich diese Band weder live noch auf CD aus den Socken gehauen, aber dennoch ging der Mix ganz ordentlich ins Ohr und bot ein wenig Abwechslung. Ähnlich erging es wohl auch den meisten Zuschauern. Es war mäßig gefüllt, aber die Köpfe nickten eifrig.

CENTURIAN ersetzen HOUR OF PENANCE, die aufgrund ihres erkrankten Drummers quasi last minute absagen mussten und rockten die kleine Bühne.

ORIGIN, denen nun die Hauptbühne gehörte, waren ebenfalls mit neuem Sänger unterwegs: Jason Keyser (ex-SKINLESS). Irgendwie hatte ich die Truppe ein wenig anders in Erinnerung, weniger „unterhaltsam“ – zumindest was das Stageacting anging. Aber der neue Fronter war wirklich eine Rampensau und brachte die Menge in Fahrt. Ehe es hier Jemandem Angst und Bange wird, die technische Musik hat darunter jedenfalls nicht gelitten, die musikalische Darbietung war ordentlich wie eh und je. Ein Geburtstagsständchen für den PSYCROPTIC Drummer gab´s obendrauf und einen Gastauftritt von CEREBRAL BORE, die einen Tag zuvor schon gespielt hatten. Eine ordentliche Show, die obendrein ziemlich unterhaltsam war.

Noch mehr technisches Massaker gefällig? Dann bitte direkt weiter nach Nebenan, wo nun BENEATH THE MASSACRE die Technical Death Metal Fans in Empfang nahmen. Die Jungs aus Kanada haben bereits einige Male beim NDF gespielt und wurden von der Menge heiß erwartet. Der kleine Saal platzte aus allen Nähten und ich für meinen Teil war froh, mich mit der Kamera auf eine Box gerettet zu haben. (Lichttechnisch gab es allerdings nicht viel zu reißen – wie leider so oft während des Festivals, so dass auch hier die Foto Ausbeute eher gering ist). Das war für die Truppe der letzte Tag der Tour, aber sie lieferten eine gewohnt ordentliche Performance ab und im Pit flogen Haare und Mosher. Nix zu meckern!

MORGOTH warteten im Anschluss mit Todesblei made in Germany auf und hatten nicht nur geniales Licht, sondern machten auch recht schnell deutlich, dass es eine sehr gute Idee war, dass man sich anno 2010 zu einer Reunion entschlossen hatte. Der Death Metal-Landschaft würde sonst wirklich eine tolle Live Band fehlen. Sänger Marc Grewe legte sich sowohl stimmlich, als auch optisch wieder ins Zeug und war mit grün-dämonisch leuchtenden Kontaktlinsen unterwegs. Musikalisch schienen sie den Nerv einer großen Menge von Besuchern zu treffen.

Danach war ein kurzer Abstecher zur kleinen Bühne angesagt, wohl aber eher aus Neugier, denn hier sollte nun eine One-Man-Band auftreten: PUTRID PILE. Entsprechend zügig ging auch der Umbau für Shaun LaCanne aus den USA von Statten. Mikro, Gitarre, fertig – den Rest erledigt der Drumcomputer. Brutal Death Metal als One-Man-Band. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders aufregend. Nach zwei, drei Songs hat´s dann gereicht.

CARNIFEX auf der kleinen Bühne hörte ich dieses Mal nur von außen und mit ihrem Deathcore tanzten sie hier auf diesem Festival schon ein wenig aus der Reihe. Dennoch war der kleine Saal auch hier ordentlich gefüllt.

Die GORGUTS waren sicherlich eine der exklusivsten Bands des Festivals. Sie waren extra fürs NDF aus ihrer Heimat Kanada eingeflogen worden. Für nicht wenige der hier anwesenden Kollegen waren die Nordamerikaner sicherlich ein starker Einfluss. „From Wisdom To Hate“ läutete den Gig ein und die Halle füllte sich zusehends. Dieses Stück war auch gleichzeitig der Titeltrack ihres letzten Albums – von „ihrem neuesten“ Album zu sprechen wäre hier fast schon seltsam, denn „From Wisdom To Hate“ ist immerhin schon 10 Jahre alt. Also wenn es da nicht langsam mal an der Zeit für ein neues Werk ist? Dargeboten wurde Material aus allen 4 Alben, u.a. „The Erosion of Sanity“ und „Nostalgia“. Dafür, dass man die Herren nicht wirklich oft live zu Gesicht bekommt, haben sie hier eine wirklich ordentliche Show abgeliefert und begeisterten die Menge.

COLDWORKER waren als nächste an der Reihe und die Schweden schickten sich nun an ihren Death Metal in die Meute zu ballern. Los ging´s mit „Violent Society“, gefolgt von „The Interloper“ und „The Contaminated Void“. Leider musste ich recht schnell feststellen, dass die Jungs auf CD ganz gut sind, es live aber nicht so richtig zünden will. Der Auftritt war nicht schlecht, man legte sich ordentlich ins Zeug, aber der entscheidende Funke sprang nicht ganz über. Schade drum, denn am Material selbst kann´s nicht liegen.

Setlist COLDWORKER
Violent Society
The Interloper
The Contaminated Void
Flesh World
I Am The Doorway
A New Era
The Reprobate
Vacuum Fields
D.E.A.D.
Monochrome Existence
Citizens Of The Cylopean Maze
The Glass Envelope

Der Bass hängt tiiiiief, statt Pommesgabeln fuchtelt die Mehrheit des Publikums zu den Blastbeats mit der Hand in der Luft herum und tut es damit dem Sänger gleich – ganz klar, hier sind jetzt SUFFOCATION an der Reihe. Sympathisch wie eh und je und schön brutal holzen die Amis durch ihr Set mit Krachern á la „Abomination Reborn“ und „Effigy of the Forgotten“. Sänger Frank Mullen ist heute Abend besonders gut aufgelegt und plappert zwischen den Songs munter drauf los. Obendrauf gibt’s auch Oldschool Schmankerln wie „Katatonia“, der erste Song, den sie je geschrieben haben. „Reborn“ und „Suspended“ schlagen in die gleiche Kerbe und lassen die Menge nicht zur Ruhe kommen. Nebenbei wird dann noch ein neues „Geschäftskonzept“ an den Mann gebracht. Welches wie folgt erzählt wird „There are three ways to leave this world: 1) you die and your relatives put you in some wooden box and maybe after a few years they did you up and see how you´re doing. 2) You get cremated and your relatives are gonna spread your ashes everywhere, sounds like fun! Or 3) and that´s what I´m gonna start tonight and probably start demanding money: I´m gonna chop you into little pieces and throw you into the audience“. Geschäftstüchtig ist er der Gute und einige Lacher hat er für diese und andere Stories auch geerntet. Summasummarum also wieder einmal ein erfolgreicher und äußerst unterhaltsamer SUFFOCATION-Gig, der dem eines Headliners würdig war. Brutal geht der zweite Tag zu Ende zu den Klängen von ABYSMAL TORMENT, die nun nach allen Regeln der Kunst die zweite Bühne zerlegen, schleppe ich mich aus dem 013, genug Todesblei für heute, morgen ist schließlich auch noch ein Tag… und was für einer!

Sonntag, 4.3.2012

Erwähnte ich bereits, dass der heutige Tag brutal werden würde? Und damit war keineswegs nur die Musik gemeint. Wer einen Blick aufs Line-Up des dritten und letzten Tages warf, erkannt recht schnell, dass dieser Tag eigentlich keine Verschnaufpausen bot. Ein Highlight reihte sich an das nächste. Wohl dem, der vorher ordentlich gefuttert hatte. Das hatten wir zum Glück – selbst beim Essen blieb es Metal – im Programmheft war ein BEHEMOTH-Burger angepriesen worden, der auf jeden Fall getestet werden musste. Und da es den nur wenige hundert Meter von der Halle entfernt gab, wurde er noch vor Beginn des Festivals getestet und für gut befunden!

Nun denn, Punkt drei Uhr ging es auch heute wieder los, CATTLE DECAPITATION warteten auf der Hauptbühne und nahmen die Death Metal Hungrigen in Empfang. Die Halle füllte sich langsam aber sicher und das Publikum kam, wenn auch von den beiden letzten Tagen ein wenig mitgenommen, auf Betriebstemperatur.

„Germany´s Next Death Metal“, die Sidedrops kündigen es bereits an, nun waren DEBAUCHERY an der Reihe. Blutüberströmt kam die Truppe heute als Trio mit Bassistin auf die Bühne und sogleich ging die Menge steil. Hier schienen ziemlich viele auf den rockigen Death Metal aus Deutschland gewartet zu haben. Wieder einmal zeigte hier eine Band, dass man DM spielen und dennoch völlig anders klingen kann als eine Genre-Band zuvor. Einer Dame in der ersten Reihe gefiel das offenbar so gut, dass sie sich irgendwann ihres Oberteils entledigte und dann erst mal für eine Weile die gesamte Aufmerksamkeit der Herren neben und hinter sich hatte.

ABORTED spielten wie auch einige andere Bands hier den letzten Gig einer langen Tour, aber das ließen sie sich nicht anmerken und prügelten sich wütend durchs Set. Im Gepäck hatten die Belgier auch ihr neues Album „Global Flatline“. Gedankt wurde ihnen das in Form von eifrig rotierenden Circlepits, zu denen Fronter Sven de Caluwe die Menge gar nicht groß auffordern musste. „The Saw And The Carnage Done“ beendete den Gig und es war schon wieder an der Zeit die Bühnen zu wechseln. So langsam, nach mehr als zwei Tagen Treppe auf, Treppe ab, raus aus dem einen Raum, reingedrängelt in den nächsten ging das doch ein wenig auf die Kondition.

NEXUS INFERIS auf der kleineren Bühne konnten mich dann nicht wirklich lange dort halten. Optisch zwar interessant, musikalisch dafür nicht so sehr, war stattdessen erst mal Essenfassen angesagt, der Tag war noch verdammt lang und es warteten noch so einige Bands darauf entdeckt zu werden. Der vegetarische Wrap sah im Übrigen noch am besten aus, gemessen an dem was dort sonst serviert wurde. Und nach dem Death Metal-Burger am Mittag, konnten die Burger in der Halle nur verlieren.

DECAPITATED waren im Anschluss an der Reihe, um die Anwesen mit polnischem Death Metal so richtig einzuheizen. Wäre da nicht ein Soundproblem gewesen, hätte das auch locker hingehauen, denn an der Songauswahl kann es nicht gelegen haben. In der zweiten Hälfte stimmt endlich der Sound und druckvoll ging das Set zu Ende. DECAPITATED sind live eigentlich immer eine sichere Bank, aber heute fehlte einfach etwas. Wirklich schade drum, denn ins Zeug haben sie sich allemal gelegt und im Publikum ging´s trotz allem ordentlich ab. War hier vielleicht ein wenig tourmüdig Schuld daran? Man weiß es nicht.

FLESHGOD APOCALYPSE waren auf die kleine Bühne „verbannt“ worden und passten gerade so auf die Bühne. Der Keyboard Player stand in der linken Ecke, direkt neben dem Schlagzeuger, so dass davor gerade noch Platz für die beiden Gitarristen und Sänger war, allzu viel Bewegungsfreiheit war da leider nicht, aber die Truppe ließ sich davon nicht abhalten. Im Vorfeld war ich doch sehr darauf gespannt, wie die ganzen orchestralen Arrangements, die cleanen Vocals und Co, einfach das Gesamtpaket live rüberkommen würde. Wäre hier nicht auch ein wenig der Wurm im Sound gewesen, hätte das eine richtig fette Sache werden können! Bühnenpräsenz ist da und auch die cleanen Vocals passen live, doch irgendwie wirkte alles etwas breiig, die Orchester Arrangements waren zu sehr in den Hintergrund gedrängt und während manch eine Band definitiv zu laut war, hätte man hier lieber noch wenig Schmackes dazugeben können. Dennoch ein guter Gig und wenn man die Jungs erst mal auf eine größere Bühne mit ordentlich abgemischtem Sound lässt, klappt´s auch!

Zurück im großen Saal standen nun MISERY INDEX auf den Brettern. Die Amis sind häufig beim NDF zu Gast und konnten auch dieses Mal gleich mit dem ersten Song „Sleeping Giants“ das Publikum aus der Reserve locken. Ich hatte die Jungs schon eine Weile nicht mehr gesehen und war erstaunt, nicht Jason Netherton in der Mitte zu sehen, sondern Gitarrist Mark Kloeppel, der auch weite Teile der Vocals übernahm. Jason scheint in letzter Zeit wirklich ein wenig schwach auf der Brust zu sein, denn was man zu hören bekam, war nichts, was man aus alten Zeiten kannte. Die Setlist konzentrierte sich im Wesentlichen auf das letzte Album „Heirs To Theirs“ und so einige Kracher fehlten leider. Schade drum. Der Stimmung im Publikum schien das aber keinen Abbruch zu tun und gegen Ende der Show wurde Mark, der an diesem Tag seinen 30. feierte und auf einer nun recht vollen Bühne von seinen Tourkumpels abgefeierte wurde, inklusive fliegender Torte. Der Rausschmeißer im Anschluss war „Traitors“ und irgendwie blieb trotz des Geburtstags-Spaß ein leicht fahler Beigeschmack.

Die SUICIDAL ANGELS zerlegten im Anschluss die kleine Bühne mit wesentlich mehr Energie und in überzeugenderer Manier mit einer ordentlich Portion Thrash Metal. Die Griechen hätte man wohl wirklich besser auf die größere Bühne gepackt, denn der kleine Saal platzte recht schnell aus allen Nähten und man konnte, wenn man zu spät kam, allenfalls von draußen im Merchbereich noch zuhören.

Thrashig und routiniert ging es dann mit LEGION OF THE DAMNED weiter, die hier, wie bereits ASPHYX ein Heimspiel hatten. Man möge es mir verzeihen, aber irgendwie werden LOTD live so langsam langweilig. Aber das sollte nicht falsch verstanden werden, denn ihre Songs funktionieren nach wie vor wie am Schnürchen, egal ob „Bleed For Me“, „Legion of the Damned“ oder „Malevolent Rapture“, diese Brecher zwingen einen beinah schon, die Matte kreisen zu lassen. Die Band ist routiniert und läuft wie ein Uhrwerk auf der Bühne. Aber genau das ist eben die Crux! Wer sie noch nie gesehen hat, wird hin und weg sein – das jedoch dürfte aufgrund der jahrelangen Omnipräsenz schwerlich möglich sein. Insgesamt also (eigentlich) ein gewohnt guter Gig, an dem man eigentlich nichts aussetzen kann, aber dennoch, ein wenig frischer Wind wäre gut!

Ab zu BLOOD RED THRONE dachte ich mir dann, die ich ewig nicht mehr live gesehen hatte. Die Norweger waren mit neuem Basser und Sänger angetreten und besonders letzterer hinterließ einen recht schlechten Eindruck, so dass ich nach 3 oder 4 Liedern mehr oder weniger die Flucht antrat. Musikalisch ist bei BRT nach wie vor nichts auszusetzen und ihr Todesblei ballert ordentlich. Die Neubesetzung am Mikro war aber dermaßen prollig unterwegs und war obendrein stimmlich nicht besonders überzeugend, so dass da die Freude über den Gig doch recht schnell getrübt wurde.

BEHEMOTH waren heiß erwartet worden und man blickte allenthalben in erwartungsvolle Gesichter, als die aufwändige Bühnendeko mit mehreren Backdrops und Co aufgebaut wurde. Bereits während des Umbaus war die Halle schon voller als während des Gigs so mancher Band. Wie so manch andere Band, so beendeten auch BEHEMOTH eine lange Tour an diesem Abend. 22 Gigs der Full of Hate-Tour hatten die Polen erfolgreich hinter sich gebracht und so etwas fordert häufig seinen Tribut. Fronter Nergal, wie ich später erfahren sollte, war an diesem Abend wohl gesundheitlich etwas angeschlagen (Fieber), ließ sich dies aber kaum anmerken und so zog die Black/ Death Truppe auch diesen Gig furios durch. Kracher wie „Ov Fire And Void“, „Demigod“, „Slaves Shall Serve“ und das fulminante „Chant for Ezkaton“ wurde regelrecht zelebriert. Die Outfits, das riesige wechselnde Backdrop, es passte einfach alles perfekt zusammen und die Osteuropäer zeigten auch hier wieder einmal, dass man nach der „Auszeit“ von Fronter Nergal wieder voll und ganz, wenn nicht gar besser als zuvor wieder da ist. Definitiv eines der Highlights!

Danach war erst mal eine Pause von Nöten und INTERNAL BLEEDING auf der kleinen Bühne wurden ausgelassen. Sie waren erst zum zweiten Mal in Europa zu Gast und ausgehend von dem, was ich im Foyer vernahm, zerlegten sie die Bühne nach allen Regeln der Kunst. Berichten zu Folge war hier zwar nicht so viel los, wie vielleicht noch zuvor, die Band soll jedoch auf ganzer Länge überzeugt haben!

Zeit für den Headliner des dritten Tages und damit Zeit für die Tourkollegen von BEHEMOTH: CANNIBAL CORPSE. Auch sie hatten eine lange Full of Hate-Reise hinter sich, mobilisierten aber auch nochmal alle Kräfte. Los ging´s mit „Evisceration Plague“ und das Publikum headbangte sogleich brav mit. Auch die Zuschauer schienen nochmal alle ihre letzten Reserven hervorzukramen, was Einigen nach dem drei-tägigen Knüppel Marathon gar nicht mehr so leicht zu fallen schien. Auch der Sound schien nun seine „Kräfte“ zusammenzuraffen und war nun endlich so, wie er die ganze Zeit hätte sein sollen: schön druckvoll und sauber. CANNIBAL CORPSE machten keine Gefangenen und ballerten brutal drauf los und „Fucked With A Knife“ und Co verfehlten ihre Wirkung nicht. Für ein Festivals dieses Formats sind die Amis wirklich der perfekte Abschluss und ließen sicherlich auch den letzten Nackenwirbel brechen.

Auch wenn auf der kleinen Bühne noch eine letzte Band drangewesen wäre – PROSTITUTE DISFIGUREMENT – strich ich die Segel. Ein langes brutales Wochenende ging zu Ende, eine Menge guter Bands, inklusive einiger Überraschungen. Das Neurotic Deathfest hatte damit wieder einmal unter Beweis gestellt, dass es zu Recht „Europe‘s Premiere Indoor Festival“ ist, nicht nur für den Extrem Metal-Sektor.

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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