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NICK CAVE & THE BAD SEEDS – SHILPA RAY

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Ort: Hamburg - Alsterdorfer Sporthalle

Datum: 10.11.2013

Die Dunkelheit bricht zu dieser Jahreszeit früh herein. Melancholie und Depression machen sich breit. Die Temperaturen fallen. Passender könnten die Umstände nicht sein, um den Herr der verschrobenen Düsternis und Poesie live zu erleben. Über 4500 Besucher haben sich am Sonntag auf den Weg gemacht, um NICK CAVE & THE BAD SEEDS in der Alsterdorfer Sporthalle zu erleben. Bereits beim Auftritt von SHILPA RAY, die ohne ihre HAPPY HOOKERS auftrat, war die Halle gut besucht. Während sie die Halle mit ihrem schwermütigen Gesang klanglich zum Leben erweckte, füllten sich die Ränge und das Parkett in der ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle. Musikalisch war SHILAP RAY der perfekt gewählte Support für diesen Abend. In ihrem schwarzen Pulli, ständig Luft in ihr Harmonium pumpend, stand sie alleine auf der mächtigen Bühne, entlockte dem Publikum Applaus/ Aufmerksamkeit und stimmte es auf den Auftritt von NICK CAVE ein.

Nachdem die Leere der Bühne durch den Instrumentenpark der BAD SEEDS ersetzt worden war, betrat die Band selbige. Unverändert, im schwarzen Anzug mit schwarzem Haar wie Ebenholz präsentierte sich NICK CAVE, als ob die Zeit ihn und sein exzessives Leben konserviert hätte. Mal hauchte, mal flüsterte er Songteile, wobei er dicht über den ersten Reihe gebeugt die Hände der Fans hielt, um im nächsten Moment seine Stimme laut zu erheben und mit dem Song fortzufahren. Im Anschluss warf er das Mikro zu Boden, um von Null auf Hundert mit dem Tanzen zu beginnen, wobei er mit der Hüfte zuckende Bewegungen vollführte, mit den Armen rudert, um dann unvermittelt mittendrin aufzuhören und gelassen zum Handtuch zu schlendern oder einen Schluck aus dem Kaffeebecher zu nehmen. Gleich beim zweiten Stück „Jubilee Street“ erlebt man Herrn CAVE am Piano. Warren Ellis, ein wahrer Multiinstrumentalist, sah man bei dem ersten Song „We No Who UR“ an der Querflöte und im Laufe des Abends erlebte man ihn als Teufelsgeiger in Ekstase. Musikalisch war die Setlist gut abgestimmt, so wechselten sich mitreißende Song mit ruhigen wie „Mermaids“ ab – alte und neue Titel reihten sich nahtlos aneinander. Das vorwiegend ältere Publikum ließ sich bei „West Country Girl“ zum Taktklatschen mitreißen und bei „God Is In The House“ sang man den Refrain mit. Gejubelt wurde bereits, als die ersten Takte von „ The Mercy Seat“ erklangen.

Für die ersten Reihen glich der Abend einem Privatkonzert, wendete sich Cave diesen doch immer wieder zu. Es war kaum auszumachen, ob die Fans seine Hand hielten und nicht wieder frei gaben oder ob er es war, der klammerte. Es wirkte, als ob er den Kontakt und die Interaktion für sich brauchte. Den kultisch verehrten Künstler sah man an diesem Abend hauptsächlich eingetaucht in einer Traube von Armen und die körperliche Nähe zum Publikum suchend. Dafür mied er großzügig den Kontakt zu den Fotografen. Auch ließ er sich zu Wortgeplänkel mit den ersten Reihen hinreißen, was hier und da für Lacher bei denjenigen sorgte, die es akustisch verstanden. In ruhigen Momenten, wie bei „Higgs Boson Blues“ versuchten Fans aus den hintersten Reihen mit „anzüglichen“ Zurufen seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Die unaufdringliche Bühnenlichtstimmung unterstützte gelungen die Songs. Passend zu der Unwetterstimmung bei „Tupelo“ wurden Akzente von weißem Licht auf der sonst schwarze Bühne gesetzt. Zu „Red Right Hand“ wurde der Arbeitsplatz dementsprechend in Rot getaucht und bei „Push The Sky Away“, dem letzten Song vor dem Zugabenset, war Blau die vorherrschende Farbe, was das Publikum zur Ruhe kommen ließ. Die Zugabe „ Jack The Ripper“ widmete Nick einer seiner Exfrauen, um welche es sich handelte, ist ihm entfallen… Etliche neue Songs vom Namensgeber der „Push The Sky Away“-Tour, aber auch Wünsche des Publikum wurden an diesem Abend gespielt. So kündigte NICK CAVE den letzten Song „Give Us A Kiss“ an, um dann aufgrund von Nikotinmangel einzuknicken, dem Wunsch des Publikums folge zu leisten und „Deanna“ zum Besten zu geben.

Es war grandios, eine Band zu erleben, die es mit ihrem Auftritt verstand, der Sporthalle Clubatmosphäre einzuhauchen. Die über all die Jahre ihre Fans konserviert und mit jedem neuen Werk zu begeistern weiß. Die ihre schroffe Verschrobenheit so kunstvoll zelebriert…

Setlist NICK CAVE & THE BAD SEEDS
We No Who UR
Jubilee Street
Do You Love Me
Tupelo
Red Right Hand
Mermaids
From Her To Eternity
West Country Girl
God Is In the House
Watching Alice
Into My Arms
Higgs Boson Blues
The Mercy Seat
Stagger Lee
Push The Sky Away

We Real Cool
Papa Won’t Leave You, Henry
Jack The Ripper
Deanna
Give Us A Kiss

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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