Terrorverlag > Blog > DEATHSTARS, DELIGHT, DRACUL, LACRIMOSA, NITZER EBB, SOKO FRIEDHOF > NITZER EBB – LACRIMOSA – DEATHSTARS – DRACUL – SOKO FRIEDHOF – DELIGHT

Konzert Filter

NITZER EBB – LACRIMOSA – DEATHSTARS – DRACUL – SOKO FRIEDHOF – DELIGHT

060602-Nitzer-Ebb-0.jpg

Ort: Leipzig WGT agra-Halle

Datum: 02.06.2006

Da uns am ersten Tag in der agra-Halle gleich mehrere Highlights erwarten sollten, fanden wir uns nach einer Runde durch das heidnische Dorf und über den Zeltplatz zeitig dort ein. Nach einem etwas verspäteten Einlass (18.50 Uhr statt 18.00 Uhr) stand als erstes die eher unbekannte Band DELIGHT aus Polen auf dem Programm, die ihre Alben teilweise nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Polnisch herausbringen. Immerhin begann das Konzert kurz nach Einlass, so dass die Wartezeit dieselbe blieb – und DELIGHT legten sogleich mit einigen tanzbaren Songs los. Die Truppe, die letztes Jahr den Preis für die beste vertragslose Gothic-Band bekam (und aus genau diesem Grund dieses Jahr beim WGT wieder dabei war) hatte eine halbe Stunde Zeit, um ihre Songs zu präsentieren (demnächst sind sie laut Aussage des Moderators wohl bei Roadrunner Records). Sängerin PAULINA konnte mit ihrer Stimme vor allem bei einem ruhigeren Song überzeugen, allerdings müssen die sechs Musiker an der Show noch ein wenig feilen – da war nicht so viel los. Der Keyboarder verausgabte sich zwar, allerdings hatten sie auch den undankbaren Part des Openers – die agra-Halle war noch eher leer.

Das änderte sich allerdings in der kurzen Umbauphase zu SOKO FRIEDHOF schlagartig. Kein Wunder, ist es doch der erste Live-Auftritt des Nebenprojekts der UNTOTEN überhaupt gewesen. Vielleicht ist „Umbau“ auch eher übertrieben – nennen wir es Musikinstrumente von der Bühne räumen, denn SOKO FRIEDHOF kommen mit viel elektronischem Gerät und einer E-Gitarre aus. Und einer Show, die es in sich hat – auch wenn sie alles andere als aufwändig ist. Wir haben eine Sängerin, die einer Tanzveranstaltung entsprungen sein könnte, einer hübschen Lady, die eher auf die etwas härtere Musik zu stehen scheint, eine Gothic-Lady an der Gitarre und – da fehlt doch noch jemand? Mit „Lucifer’s decline“ ging es los, und D.Line und die Mädels präsentierten 10 sehr tanzbare Stücke. Beim dritten Song – „Jesus sagt“ – betritt eine alles andere als unschuldige Nonne die Bühne und kniet nieder, um einen Titel später heftig mitzutanzen. Natürlich gibt es auch die beiden häufig gespielten Clubhits „Blutsauger“ und „Blutrünstiges Mädchen“, bei denen SOKO FRIEDHOF zeigen, dass ihnen die energiegeladenen, elektronischen Sachen zumindest live mehr liegen als die wenigen Balladen wie „Die Liebe kann schreien“ – denen es aber auch nicht an überspringenden Funken fehlte. Wer es verpasst hat, sollte also hoffen, dass SOKO FRIEDHOF sich demnächst mal auf Tour begeben…

So angeheizt erwartete das Auditorium, das weiter stetig anwuchs, gleich ein weiteres Nebenprojekt und einen wirklich „heißen“ Auftritt von Mozart und Lutz sowie – wie zu erwarten – den hübschen Ladys um sie herum. Nach dem Erscheinen des vierten Albums der Elektro-Band soll dies der einzige Auftritt in diesem Jahr sein – wer allerdings eine sexuell geladene Show im Stil von UMBRA ET IMAGO erwartete, wurde wohl enttäuscht. Mit DRACUL setzt Mozart eher auf sein bisher weniger bekanntes Talent des Spiels mit dem Feuer – sowohl des Feuerspuckens als auch des Feuerspiels mit schwingbaren Kugeln oder einem Aufsatz für die Hand. Doch zunächst betrat er die Bühne durch einen flammenden Torbogen, an dem er seinen Dreizack entzündete und leuchtete im Borg-Stil das Publikum mit einem roten Laseraufsatz fürs Auge an. Das restliche Bühnenbild war dem Stil der Musik angepasst: Ein Laser sorgte für dreidimensionale Lichtspiele über den Köpfen der Musiker. Selbstironisch war Mozart schon ein wenig, als er nach „So lange her“ anmerkte: „Wir können auch Liebeslieder, das habt ihr gesehen… für die bösen, bösen Menschen, die immer in unser Gästebuch schreiben, wir könnten nicht singen, tut man das mal.“ Aber auch hier waren die tanzbaren Songs wie „Like an animal“, „Emotion“ oder „Blood and pain“ die Stärke von DRACUL – ebenso wie der häufige Instrumentenwechsel und das Stehen zu den kleinen Pannen, die auf der Bühne nun mal passieren können. Nach leider nur 7 Stücken aber einer grandiosen Show verabschiedeten sich DRACUL schon wieder. Natürlich war das nicht das letzte, was man von Mozart auf dem WGT zu sehen bekam – es standen noch mehrere Autogrammstunden, zwei DVD-Präsentationen von „Imago Picta“ und natürlich die Fetisch-Performance an.

Es folgte nach einem weiteren schnellen Instrumentenwechsel auf der Bühne eine mir bisher unbekannte Band – die DEATHSTARS aus Schweden, die auch von einheimischen Fans schon beim Betreten der Bühne laut bejubelt wurden (selbige Fans zelteten bei uns in der Nähe und waren sowieso verdammt gut drauf – das merkte man bei dem Konzert um so mehr). Doch nicht nur sie, auch die anderen Anwesenden ließen sich von der Mischung aus MARILYN MANSON-Outfit und Musik à la Mix aus SISTERS OF MERCY und RAMMSTEIN mitreißen. Mit Hits wie „Blitzkrieg boom“ rockten die DEATHSTARS gut 55 Minuten, und lieferten eine wirklich packende Show, bei der nicht nur Sänger Whiplasher mit seiner Federboa um den Hals und seinem Tanzstil die Bühne zum Schwingen brachte, auch die anderen Jungs waren mindestens ebenso schrill (und verdammt gut geschminkt, das muss man ihnen lassen!).

Fast noch im Zeitplan – mit lediglich einer Viertelstunde Verspätung – fand schließlich eine andere Musikrichtung ihren Platz in der agra-Halle und wurde mit Spannung erwartet. Mit LACRIMOSA und „Ich bin der brennende Komet“ begannen genau 90 Minuten epische, traurige, aber auch ergreifend emotionale Konzertzeit. Tilo Wolff, der es im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die ruhigere Klänge anschlagen, immer wieder schafft, seiner Show Nachdruck und Schwung zu verleihen, wie ein Virtuose oder Dirigent zu wirken und in anderen Sphären zu schweben, hielt die gesamte agra-Halle die komplette Spielzeit in seinem Bann. Auch die schnelleren Titel wie „The last millenium“ – ein bisher unveröffentlichter und vor dem WGT erst einmal aufgeführter Song – durften nicht fehlen. Tilo Wolff bewies allerdings besonderen Einfallsreichtum: Als bei „The party is over“, dem Track, bei dem er ein Trompetensolo spielt, etwas mit dem Mikrofon nicht stimmte, ließ er sich davon nicht irritieren. Während ein Bühnentechniker hektisch versuchte, das Mikrofon am Ständer zu reparieren, wartete er nicht länger ab, sondern… nahm die Trompete, die mit einem Mikrofon an seinem Rücken verbunden war, drehte sie um und sang kurzerhand die letzten Zeilen des Songs hinein. Es tönte etwas blechern, aber es funktionierte! Das sorgte natürlich für Begeisterungsstürme beim Publikum, der Applaus wollte nicht enden – und LACRIMOSA mussten zweimal zurück auf die Bühne, um als Zugaben „Der Morgen danach“, „Ich verlasse heut’ dein Herz“, und danach „Copycat“ sowie „Stolzes Herz“ zu spielen. Danach musste leider Schluss sein, auch wenn die Fans mit den Rufen nach Mehr nicht aufhörten.

Ladies & Gentleman! We proudly present: NITZER EBB. Seitdem im vergangenen Jahr offiziell bestätigt wurde, dass es eine Reunion von Douglas McCarthy und Bon Harris zu geben würde, sind die Fans ausser Rand und Band. Man hätte es kaum für möglich gehalten. Und nun, in Leipzig, sollte es geschehen. NITZER EBB live auf der Agra-Bühne. Für einen kurzen Moment war das Outfit von Douglas im “Fixmer/McCarthy”-Style etwas befremdend, hatten doch viele gehofft, ihn in kurzer Hose, Shirt und Doc Martens, also im “old-nep-style”, zu sehen. Musikalisch wurde aber sofort klar, dass es nur eine andere Hülle war. Drin brodelte pures NEP-Blut! Trotzdem liess sich noch ein weiterer Unterschied zu früher feststellen: Eine Frau auf der Bühne! Aber die machte es richtig gut und bearbeitete die Felle wie ein Tier! Dazu eine explosionsgeladene Stage-Show von Bon und Douglas wie in alten Zeiten. Es rockte unglaublich und die Fans rasteten total aus. Weitere Shows stehen bisher in Österreich, England, Schweden, Spanien, Belgien, Russland, Japan, Australien und USA auf dem Programm. In Deutschland werden NITZER EBB auf dem M’era Luna noch openair auftreten. Angeblich wird es jedoch zum Leidwesen der Fans kein neues Material geben. Naja, das Drängen der Anhängerschaft hat ja schon zur Reunion geführt. Wer weiss, vielleicht lassen Bon und Douglas sich ja doch noch überreden…

Copyright Fotos: Steve Urbanczyk

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Mehr zu DEATHSTARS auf terrorverlag.com

Mehr zu DELIGHT auf terrorverlag.com

Mehr zu DRACUL auf terrorverlag.com

Mehr zu LACRIMOSA auf terrorverlag.com

Mehr zu NITZER EBB auf terrorverlag.com

Mehr zu SOKO FRIEDHOF auf terrorverlag.com