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NORDSTERN FESTIVAL 2012

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Ort: Hamburg – Freilichtbühne Stadtpark

Datum: 14.07.2012

Zum zweiten Mal wurde an diesem Wochenende in Hamburg das Nordstern Festival gefeiert – die erste Hälfte allerdings ohne mich, denn dem Indoor-Auftakt in der Markthalle mit DIVE, NACHTMAHR, HAUJOBB, [:SITD:] , BLIND PASSENGER, THE JUGGERNAUTS, EISENFUNK, LIGHTS OF EUPHORIA, MONOLITH, [X]-RX, NEUROTIC MASS MOVEMENT und MOON 74 konnte ich aus terminlichen Gründen nicht beiwohnen und auch die Fahrt von Osnabrück nach Hamburg gestaltete sich aufgrund diverser Staus am Samstagmittag sehr schwierig, so dass ich auch zum Start an der Freilichtbühne nur mit Ach und Krach vor Ort war.

THE EXPLODING BOY

Pünktlich um 15.00 Uhr stand jedoch der erste Act THE EXPLODING BOY auf der Stage und ebenso pünktlich öffneten sich auch die Himmelsschleusen und schickten zur Begrüßung einen ordentlichen Regenguss auf das noch überschaubare Auditorium nieder. Die vier Schweden hatten dann auch das Pech, dass sie ihre gesamte 30-minütige Show mehr oder weniger im Regen absolvieren mussten, nicht eben der beste Einstand, aber dem 2006 gegründeten Quartett, das sich nach einem CURE-Song benannt hat, konnte man keinen Vorwurf machen; die synthetische Mucke mit deutlich vernehmbarer Langaxt-Unterstützung war sehr eingängig und handwerklich sauber dargeboten. Mit „Desperados“ von ihrem zweiten Longplayer „Afterglow“, der 2009 veröffentlicht wurde, legten die Stockholmer dann auch einen flotten Abschluss hin und sogar der Wettergott hatte ein Einsehen mit der schwarzen Gemeinde und verzichtete auf weitere Niederschläge.

SOLITARY EXPERIMENTS

Aus Berlin waren SOLITARY EXPERMENTS an die Alster gereist, wo sich der Vierer um die beiden Bandgründer Michael Thielemann (Tasten und Knöpfe) und Dennis Schober (Gesang) neben dem zweiten Keyboarder Steve Graeber und Live-Stehdrummer Frank Glaßl noch um einen Herrn am Sechssaiter vermehrt hatte. Selbiger entsprach in seinem schlicht schwarzen Outfit nicht ganz dem Band-Dresscode, der rote Hemden sowie schwarze Krawatten und Hosen vorsah, passte ansonsten jedoch bestens zur Kapelle, die mit ihrem Future-Pop insbesondere am Anfang stark nach VNV NATION klang. Beim knackigen „Homesick“ ging Kollege Schober auf Tuchfühlung mit den langsam mehr werdenden Fans und drosch beim Klassiker „Pale Candle Light“ (immerhin hat die Combo auch schon 18 Jahre auf dem Buckel) auf eine Trommel ein. Beim flotten „Immortal“ wurden die Dienste des Gast-Gitarristen nicht benötigt, der war jedoch bei dem neuen Stück, das im Anschluss als Entschädigung für den Regen (der zwischenzeitlich bereits aufgehört hatte) wieder mit von der Partie und sorgte auch bei „Point of View (Deeper)“ mit dafür, dass die Nummer mit viel Druck ins Bein ging. Beim knackigen Finale, welches mit „Rise And Fall“ begangen wurde, blieb die SE-Stammmannschaft erneut unter sich und erntete für ihren 40-minütigen Auftritt freundlichen Applaus und Zugaberufe, die wiederum von Schlagzeuger Frank mit seinen Drumsticks belohnt wurden, die im hohen Bogen ins Auditorium flogen.

NORTHERN LITE

Eigentlich sind die Umbaupausen bei Elektro-Kapellen regelmäßig recht kurz gehalten; dass es bei NORTHERN LITE dennoch eine halbe Stunde dauerte, bis wieder Live-Musik über die schön gelegene Freilichtbühne schallte, lag weniger am emsigen Personal als vielmehr an dem Umstand, dass die Erfurter einfach noch nicht da waren. Vielleicht musste der Dreier bei seiner Anreise Richtung Stadtpark auch wie ich durch das Nadelöhr Elbtunnel, auf jeden Fall sahen die Herrschaften nicht so aus, als hätten sie sich noch die Zeit genommen, sich in ein genretypisches Bühnen-Outfit zu werfen. Aber wie sagte Band-Mitbegründer und Sänger Andreas Kubat so schön? Als Profi kann man auch nachts mit nem Knüppel geweckt werden und legt sofort 100%ig los. In diesem Sinne starteten NORTHERN LITE, die 2007 ihr Bundesland Thüringen beim Bundesvision Song Contest vertreten haben und einen respektablen sechsten Platz holen konnten, mit ihrem Opener „We Are“ ohne lange Vorrede und präsentierten sich druckvoll-unterkühlt, ein Eindruck, der auch in den kommenden 35 Minuten erhalten blieb. Der Elektro-Pop-Sound gefiel sogar Petrus, der einige Sonnenstrahlen gen Nordstern schickte und auch im Publikum hatten sich prominente Gäste eingefunden, um Songs wie dem krachenden „Reach The Sun“ oder dem bassbetonten „What You Want“ zu lauschen. Die Rede ist von Ronan Harris (VNV NATION), der sich gemeinsam mit seiner Herzdame unters Volk mischte und nach einigen Minuten von allen Seiten bestürmt wurde. Es wurden Fotos gemacht, Autogramme geschrieben und so mancher Plausch geführt – nachdem man sich denn sicher war, dass der Mann mit dem Schnäuzer im Vierziger-Jahre-Outfit tatsächlich Mr. Harris war. Ronan hatte sich mit seinem blauen Nadelstreifenanzug, Krawatte, Einstecktuch und Hut aber auch wirklich schick gemacht, was seine weibliche Begleitung jedoch noch zu toppen wusste. Sehr stylisch und authentisch war sie mit einem ebenfalls blauen Kostüm angetan und hatte bei der Frisur und dem Make-up genau die Optik der Vierziger getroffen. Ob die beiden von der Show auf der Bühne überhaupt viel mitbekommen haben, weiß ich nicht, auf jeden Fall wurden sie nicht müde, für die zahlreichen Fotowünsche zu posen und hatten stets ein offenes Ohr für ihre Fans. Derweil machte das Trio auf der Stage mit dem anfänglichen Atari-Sound von „Girl With A Gun“ weiter Tempo, bevor „My Pain“ zunächst einen ruhigen Gitarreneinstieg bescherte, ehe es auch hier wieder in die Vollen ging und das abschließende „Go With The Flow“ noch einmal zum Tanzen einlud. Wer zu spät kommt, wird bekanntlich vom Leben bestraft und so mussten die 1997 aus der Taufe gehobenen NORTHERN LITE auf zehn Minuten Spielzeit verzichten, weshalb auch die Festivalgemeinde etwas weniger Musik auf die Ohren bekam, aber es folgten ja noch drei Bands, die reichlich Mucke im Gepäck hatten.

Setlist NORTHERN LITE
We Are
Black Day
Reach The Sun
What You Want
Girl With A Gun
My Pain
Go With The Flow

MESH

Ebenfalls altgediente Recken im Synthie-Pop-Geschäft sind MESH aus Bristol/ Great Britain. Zwar sieht Sänger und Gitarrist Mark Hockings mit der von ihm favorisierten Mütze und den dreiviertellangen Hosen eher aus wie ein Hip-Hopper, aber bereits die ersten Töne des Starters „Only Better“ ließen keinen Zweifel daran, dass in den kommenden 55 Minuten zu synthetischen Klängen ausgelassen getanzt werden durfte. Die Zuschauer wussten die Darbietung zu schätzen und klatschten sogleich gut mit – überhaupt füllte sich das Konzertrund zusehends, woran die wärmenden Sonnenstrahlen nicht unschuldig gewesen sein dürften. Tja, in diesem Sommer ist man ja schon dankbar, wenn die Temperaturen Mitte Juli zumindest annähernd Richtung 20 °C klettern und es trocken bleibt. Der Vierer von der Insel tat ein Übriges, um die Stimmung auf Vordermann zu bringen, wofür Keyboarder Richard Silverthorn beim druckvollen „If We Stay Here“ erstmals sein Tasteninstrument gegen den Sechssaiter tauschte. Zur Gitarre griff beim folgenden „Leave You Nothing“, das mit viel Beifall bedacht wurde, auch Fronter Mark, während Richard wieder hinter seinem Keyboard Stellung bezog. Am zweiten Synthesizer agierte währenddessen der Kollege Neil Taylor und auch einen Schlagzeuger hatten die Briten mitgebracht, der sich hinter der Schießbude von PROJECT PITCHFORK häuslich eingerichtet hatte. Cool ging’s nicht nur bei „People Like Me“ zur Sache; MESH wussten uneingeschränkt zu begeistern und so war es kein Wunder, dass nicht nur „Everything I Made“ direkt ins Bein ging oder die zwingenden Beats von „Little Missile“ für Bewegung sorgten. Seit 21 Jahren zählt das Trio zu den Aushängeschildern der Szene und entsprechend gab man nicht nur mit „Crash“ noch einmal Gas, sondern hatte dank „Friends Like These“ auch noch eine Zugabe in petto, für die Mr. Hockings ein letztes Mal die steinerne Bühne verließ und stattdessen auf der Gras bewachsenen Fläche Richtung Publikum unterwegs war. Am Ende überließ er allerdings der Instrumentalfraktion das Feld und verschwand schon mal Backstage, während der Rest erneut alles gab. Wer sich jetzt noch nicht warm getanzt hatte, war eindeutig auf der falschen Veranstaltung. Im kommenden Jahr wollen MESH übrigens mit einem neuen Album erneut die deutschen Bühnen entern!

Setlist MESH
Only Better
Trust You
If We Stay Here
Leave You Nothing
How Long
People Like Me
Everything I Made
Little Missile
Crash

Friends Like These

PROJECT PITCHFORK

Ein Heimspiel hatten derweil PROJECT PITCHFOK, die in Hamburg zuhause und seit 23 Jahren aktiv sind, allerdings noch nie auf der Parkbühne gespielt haben. Und das, wo Sänger Peter Spilles doch nur 300 Meter von der Location entfernt aufgewachsen ist. Manchmal braucht es halt seine Zeit und so ließ der Herr auch seinen Mitstreitern den Vortritt, die sich (wie es sich für PROJECT PITCHFORK gehört) die Gesichter weiß getüncht hatten. Erstmals war am zweiten Drumkit Christian „Léo“ Leonhardt zugange, der ansonsten die Felle bei OOMPH! bearbeitet, dafür hatten die Eletro-Waver auf die Verwendung einer Gitarre verzichtet. Stattdessen sorgte ein Keyboard für die passenden Töne, die visuelle Unterstützung in den diversen Displays im Hintergrund fanden, welche in verschiedenen Farben erstrahlten oder auch schon mal den Namen der Band kundtaten. Die legte nach einem Intro mit „Continuum“ eher ruhig los, um dann mit „Timekiller“ einen echten Kracher folgen zu lassen. Etwas verhaltener und düsterer kam „Lament“ daher und mit „Conjure“ zeigten die Herren ihre böse Seite, bevor „Run For Cover“ temporeich nachlegte. Es war ein schöner Ritt durch die PP-Diskografie, der mit dem rhythmusbetonten „Alpha Omega“ beispielsweise bis in die Neunziger zurück reichte. Mit viel Schmackes schloss sich „Endless Infinity“ an und auch „K.N.K.A.“ ließ es nicht am nötigen Druck mangeln. „The Dividing Line“ bot da eine kurze Gelegenheit zum Durchatmen, ehe „Beholder“ einmal mehr zum Tanze lud. Herrn Spilles (der neben der weißen Farbe für die „Kriegsbemalung“ auch in den blauen Farbtopf gegriffen hatte) entledigte sich zu Beginn es krachenden „Existence v4.1“ seiner Jacke, bevor mit einem der ersten Songs aus dem Hause PROJECT PITCHFORK die 65-minütige Show endete: auf dem Programm stand „Fire And Ice“, mit dessen recht harten Klängen sich die Altvorderen schließlich vom Nordsten-Publikum verabschiedeten.

Setlist PROJECT PITCHFORK
Intro
Continuum
Timekiller
Lament
Conjure
Run For Cover
Alpha Omega
Endless Infinitiy
K.N.K.A.
The Dividing Line
Beholder
Existence v4.1l
Fire And Ice

APOPTYGMA BERZERK

Das schwarz-weiße Backdrop kündigte sie bereits an: die Headliner des zweiten Nordsterns hießen APOPTYGMA BERZERK und wer Stephan Groth und Konsorten mal wieder in Deutschland live sehen wollte, hatte in Hamburg eine von nur zwei Gelegenheiten in 2012, denn außer beim Kölner Amphi am kommenden Wochenende machen sich die Norweger im Moment ziemlich rar. Nichts desto trotz hatten APOP natürlich wieder einen bunten Strauß ihrer Oldschool Klassiker dabei, die samt und sonders abgefeiert wurden. Nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, der beim Intro die Stage umwaberte, zeigte sich „Love Never Dies“ entsprechend knackig und tanzbar, bevor es mit „Non-Stop Violence“ in die Vollen ging und auch „Eclipse“ sehr bewegungsfreudig um Gehör bat. Zum coolen „Shadows“ lag die Stage passender Weise erneut im Nebel, ehe ein Grummeln und einzelne Songfetzen einen wahren Evergreen der Band ankündigten: „Kathy’s Song (Come Lie Next To Me)“ stand auf der Setlist und wurde auch ohne Drummer Thomas Jakobsen und Gitarrist Brandon Smith nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Am Ende gesellten sich die beiden auch wieder zu Stephan und seinem Keyboarder, ehe es mit „In This Together“ Schlag auf Schlag ging. Der Track wurde lauthals von der begeisterten Festivalgemeinde mitgesungen und traf auf zwei weitere Songs vom 2005er „You And Me Against The World“: den coolen Stomper „You Keep Me From Breaking Apart“ und das THE-HOUSE-OF-LOVE-Cover „Shine On“, die beide für viel Zuspruch sorgten. Knackige Bässe begleiteten derweil „Deep Red“, bevor sich Herr Groth zum treibenden „Unicorn“ in die Nähe seiner Fans wagte, die mit „Starsign“ umgehend den nächsten Hammer auf die Ohren bekamen. Das reguläre Set beendete schließlich das wunderbare „Until The End of The World“, mit dem Band und Zuschauer noch einmal steil gingen, um im Anschluss kurz durchzuschnaufen, ehe es mit dem JOY-DIVISION-Cover „Love Will Tear Us Apart“ einen wohlklingenden Nachschlag gab und es mit „Bitch“ vom erstmals 1993 erschienenen „Soli Deo Gloria“ noch ein wirklich altes, aber immer noch hörenswertes Schätzchen auf die Mütze gab.

Setlist APOPTYGMA BERZERK
Intro
Love Never Dies
Non-Stop Violence
Eclipse
Shadow
Kathy’s Song (Come Lie Next To Me)
In This Together
You Keep Me From Breaking Apart
Shine On (THE HOUSE OF LOVE-Cover)
Deep Red
Unicorn
Starsign
Until The End of The World

Love Will Tear Us Apart (JOY DIVISION-Cover)

Bitch

Auf diese Weise endete dann um kurz vor 22.00 Uhr zumindest im Stadtpark das zweite Nordstern Festival. Wer wollte, konnte jedoch noch in die Markthalle weiterziehen, wo die große Aftershow Party zelebriert werden sollte. Mich zog es stattdessen wieder auf die Autobahn, die auch am Sonntag noch für Stunden meine temporäre Heimat war, denn GISBERT ZU KNYPHAUSEN hatte zum „Heimspiel“ auf das elterliche Weingut im Rheingau geladen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Den schwarzen Seelen unter den Terrorverlag-Lesern sei vielmehr gesagt, dass für 2013 ist bereits die dritte Auflage des Nordsterns angekündigt wurde. Termine und Bandbestätigungen liegen noch keine vor, aber der heutige elektrolastige Samstag wusste zweifelsfrei zu überzeugen und so dürfte sich dieses kleine, feine Festival im hohen Norden allmählich als feste Größe im schwarzen Open-Air-Kalender etablieren. Sogar das Hamburger Schietwetter hat sich in letzter Konsequenz ja sogar noch recht versöhnlich gezeigt.

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