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OLIVER KALKOFE

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Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 21.01.2009

Was muss OLIVER KALKOFE durch den Kopf geschossen sein, als er im Fernsehen die Schmährede des Literaturpapstes Reich Ranicki anlässlich des deutschen Fernsehpreises sah? Kämpft der KALKMAN nicht schon seit 15 Jahren gegen das immer schlechter werdende Fernsehprogramm an? Jetzt war der Aufschrei groß, nur weil der ältere Herr live und bei einer großen Veranstaltung die schonungslose Wahrheit gesagt hat. Und, ist die Botschaft überhaupt bei den Intendanten der Sender angekommen? Wohl nicht, sonst wäre der “Rächer der Fernsehzuschauer” nicht wieder mit seinem Programm “Kalkofes Mattscheibe” durch die Republik unterwegs.

Der Abend begann wie im Mai 2007, als wir den gebürtigen Niedersachsen das erste Mal live erlebten: Punkt 20.30 Uhr erschienen Fotos vom Kindesalter bis hin zur Jugend und Stationen seines Schaffens auf einer Leinwand im Hintergrund. Und auch an diesem Abend erschien der Hauptakteur per Segway auf der Bühne, am Allerwertesten eine sogenannte “Rektal-Rakete”. Das Programm begann er mit einem Stand-Up-Comedy-Geplänkel, diesmal zur Wirtschaftkrise. Der Funke sprang noch nicht ganz über, die ca. 850 anwesenden Ostwestfalen hatten aber größtenteils dennoch ihren Spaß. Kalkofes Stärken liegen in der satirischen Parodie, die ihn zur Kultfigur, zum Antihelden des deutschen Fernsehens gemacht hat. Und dieser Stärke besann er sich dann auch relativ schnell, denn deshalb waren die Leute ja in den Ringlokschuppen gekommen und hatten für einige Euros ein Ticket erstanden.

Zunächst ein kleines Mitbringsel aus seiner Wahlheimat Berlin: einen Kalender – bei dem ich mir nicht sicher war, ob er nicht doch gefaked war – der einige männliche Freikörper-Kultur-Anhänger vor der tristen Kulisse Berlin-Marzahns zeigte und über den Kalkofe natürlich Spott und Hohn ausschüttete. Dann folgten, im Laufe der Darbietung immer mal wieder eingestreut, Clips aus seiner Show “Kalkofes Mattscheibe”. Klassiker, die man als geneigter Kalkofe-Kenner fast schon mitsprechen kann, die aber auch beim x-ten mal Schauen immer noch Muskelkater vom Lachen verursachten: Ulrich Klose macht sich fast in die Hose (oder hat er es tatsächlich getan?) beim Bericht aus Rom kurz vorm Tod Papst Johannes Paul II, die Vorstellung eines neuen Trabant-Typs aus dem DDR-Fernsehen der 70er Jahre, die 9Live-Flipchart Verarsche und und und. Immer wieder gut. Aber das könnten wir uns auch auf dem Sofa zu Hause anschauen. So wurde auch viel Neues geboten: Vor allem Uri Geller und seine “Ufo”-Show aus dem letzten Jahr wurde ordentlich aus Korn genommen, im Saal blieb kein Auge mehr trocken. Gut, dass man seine Zeit nicht mit dem Schauen von diesem Müll verplempert hat, man müsste eigentlich im Vorfeld vor so einen hirnrissigen Scheiß warnen. Im Laufe des Abends wird uns auch so manches vor Augen geführt, wovor uns der Ausknopf im letzten Jahr noch so bewahrt hat. Und kurz vor der Pause schlüpfte KALKOFE in eine Rolle aus alten “Frühstyxradio”-Zeiten, mit der er schon fast verwachsen ist: ONKEL HOTTE rotzte mal wieder so richtig auf die Bühne und erzählte Geschichten von seiner Familie und Tante Vettel. Diese war, im Gegensatz zum Programm vor ca. 2 Jahren, recht kurz, aber Hotte servierte uns noch einen musikalischen Leckerbissen vom nervigen Kuschelsong (siehe youtube)…

Nach einer zwanzigminütigen Pause nahm der Grimme-Preisträger die lokale Presse auseinander: Die neueste Ausgabe der Neuen Westfälischen musste dran glauben, tagesaktuell also. Auch interaktiv gab es verbal auf die Fresse: Die unsägliche Doku Soap “Gräfin gesucht” wurde live kommentiert. Auch dieser Unsinn ging zum Glück in der Glotze an mir vorbei. Zum Schluss dann noch einmal die Mattscheibe Einspieler und bei Vincent Raven blitzte es im Saal und Simsalabim erschien der Herr auf der Bühne, natürlich mit seinem Kackvogel Corax. Jetzt war das Publikum gefordert, zumindest die erste Reihe. Die sollte einen berühmten Deutschen auf die Karteikarte schreiben. In einem versiegelten Umschlag, den er uns vorher zeigte und einer Dame, die er aus dem Publikum auf die Bühne geholt hatte, zur Verwahrung übergab, war die Antwort notiert. Jetzt wurde es spannend: Er zog eine Karteikarte und wer stand drauf: URI GELLER. Ja, so doof sind die Bielefelder, hat er nicht gesagt einen Deutschen? Jetzt ist der Mentalist gefragt: Was ist im Umschlag? Die Spannung stieg und er zog ein Babyfoto raus. Der junge Uri ha,ha was haben wir gelacht, das könnte ja jeder sein. Nein, auf der Rückseite war doch tatsächlich der richtige Namen geschrieben. Wie hatte er das gemacht?

Leider ging auch dieser launige Abend einmal zu Ende und was nahmen wir mit nach Hause? Kalkofes Slogan “Fernsehen macht doof” ist aktueller denn je und das Schlimme daran ist, es wird sich so schnell leider nichts daran ändern. Da kann auch ein Barack Obama nicht viel ausrichten. Leider.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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