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OLLI SCHULZ

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Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 11.12.2012

Dass der bestuhlte große Ringlokschuppen mit ca. 700 Zuschauern ziemlich gut besucht war, dürfte auch daran gelegen haben, dass der Hauptprotagonist dieses Abends neben seiner Tätigkeit als schwadronierender Singer-/Songwriter seit einiger Zeit noch einen TV-Nebenjob hat. Die Rede ist natürlich von OLLI SCHULZ, der bei NeoParadise gemeinsame Sache mit Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt macht. Die Buddy-Aktionen der drei Herren sind immer ein großer Spaß, Marc Oliver Schulz als versoffener Schriftsteller Charles Schulzkowski oder als Dienstleister in der Rubrik „Erotik aus Deutschland“ jederzeit gern gesehen. Keine Frage, dass diese Medienpräsenz, die zudem noch von Radiomoderationen ergänzt wird, sich mittlerweile auch in der Beliebtheit seiner Live-Gigs niederschlägt. Und das im Übrigen völlig zu recht, denn OLLI SCHULZ ist einfach seit Jahren ein begnadeter Entertainer, der auch sein Bielefelder Publikum wieder auf das Vorzüglichste zu unterhalten wusste.

Ganz allein war der Hamburger mit Wahlheimat Berlin heuer allerdings nicht nach Dr-Oetker-City gekommen; auch wenn er nach dem grandiosen Einspiel-Video zu PETER MAFFAYs „Roadie“ (mit OLLI SCHULZ in der Titelrolle) zunächst allein auf der Bühne stand. Als Bühnenarbeiter hat Olli ebenfalls schon gearbeitet, doch das ist eine andere Geschichte, die in der Leineweberstadt an diesem verschneiten Dienstag kein Thema war. Bevor sein „Trommeläffchen“ Ben Lauber aus Köln (der auch bei den Solo-Platten des bald 39-jährigen hinter der Schießbude saß) mit ins Spiel kam, wurde vielmehr mit der akustischen Wanderklampfe musiziert, allerlei abstruses Bildmaterial an die Leinwand geworfen und aus dem unendlichen Schulzschen Nähkästchen geplaudert. Keine Frage, dass nur jemand wie OLLI SCHULZ in der Schule neben einem Martin Luser gesessen hat, der nach seiner Verheiratung jetzt Luser-Kim heißt oder sich auf einem Festival derart betrinkt, dass er am Ende glaubt, selbst schon gespielt zu haben, obwohl der eigene Auftritt noch bevor steht. Schon Ollis Oma wusste, dass ihr Enkel quatschen kann und prophezeite, dass man sein Mundwerk im Falle des Ablebens wohl extra tot schlagen müsse. Ob Olli damals schon gesungen hat, vermag ich nicht zu sagen. Seit seiner ersten Platte „Brichst Du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine“, die er 2003 mit dem HUND MARIE (aka Max Schröder von TOMTE) raus gebracht hat, macht er auf jeden Fall mit wachsendem Erfolg Musik und natürlich war von diesem ersten Silberling auch Mucke zu hören. So gab der Mann an den Fellen seinen Einstand mit „Unten mit dem King“ – nach Ollis Dafürhalten ein perfekter Track zum Auto fahren, bei dem er allerdings einen kleinen Texthänger hatte. Das war allerdings nicht weiter schlimm, denn sein alter ego Peter Maffay konnte aushelfen. Der kleine Mann aus Rumänien hat es Herrn Schulz ja durchaus angetan, aber auch das Deutschrock-Medley, das bei „Song ohne Grund“ für Begeisterung und tosenden Applaus sorgte oder seine Songideen für MIA. zeugten davon, dass der Mann sich seine Gedanken über das deutsche Liedgut macht. Wer hätte jedoch gedacht, dass dieser Meister der pointierten Rede auch handgreiflich werden kann? So geschehen bei der Kurt-Krömer-Gala, bei der Olli gemeinsam mit BELA B. auftreten sollte und wo die beiden ein paar Reibereien mit einem Neuköllner „Eingeborenen“ hatte, der sich in der Folge einen rechten Haken aus dem Hause Schulz abholen konnte. Selbstredend wurden auch Lieder des jüngsten Albums „SOS – Save Olli Schulz“, das im März des Jahres in die Plattenläden kam, zu Gehör gebracht. Auch wenn es (zumindest wenn man den spontanen Umfrageergebnissen im Ringlokschuppen glauben darf) keine Frischverliebten in Bielefeld gibt, wurde beispielsweise mit „Wenn es gut ist“ über die Liebe gesungen, ehe mit dem ruhigen „Koks & Nutten“ das Musik-Biz kritisch beleuchtet wurde. Flott schloss sich der „Phospormann“ an, bevor Kollege Schulz mal wieder so richtig ins Halsen geriet und sich über Facebook, Youtube, die Richter & Rächer der Indie-Szene etc. aufregte. Seinen musikalischen Ausfluss erfuhr diese Blutdrucksteigerung schließlich im rotzigen „H.D.F.K.K“ – eine Abkürzung, die für „Halt die Fresse krieg ein Kind“ steht und natürlich mit einer entsprechenden Anekdote versehen war. Mal ganz abgesehen von wilden Verschwörungstheorien, die sich um Schlümpfe, Dönerfleisch, die Twin-Towers und eine alte Fickgeschichte zwischen Busch und Merkel rankten, mit denen das reguläre Set um 21.50 Uhr nach 110 Minuten endete.

„Die Welt hat Geburtstag“ ließ uns OLLI SCHULZ wenig später im Alleingang wissen, nachdem er die Akkorde in den Griff bekommen hatte und bevor gemeinsam mit Mietdrummer Ben „So lange einsam“ auf dem Programm stand, für das allerdings zunächst die Ersatzgitarre gestimmt werden musste, weil beim ersten Instrument eine Saite gerissen war. Fast kam bei „Merry Christmas“ sogar so etwas wie besinnliche Weihnachtsstimmung auf, die allerdings mit dem countryesken „Die Ankunft der Marsianer“ gleich wieder flöten ging. Der Klassiker vom zweiten Longplayer „Das Beige Album“ aus 2005 wurde noch einmal richtig abgefeiert, um schließlich beim Playback darüber zu sinnieren, was sein wird „Wenn die Sonne wieder scheint“.

Und schon waren 140 Minuten wie im Fluge vergangen. Wenn Olli anfängt zu philosophieren, zu schimpfen und aus seinem schier unerschöpflichen Erfahrungsschatz zu berichten, wird’s einfach nicht langweilig. Das eigene Gitarrenspiel um eine Rhythmusfraktion zu ergänzen, war ein kluger Schachzug und so durften die Ostwestfalen einen absolut ausgewogenen Abend zwischen gesprochenem und gesungenem Wort erleben. Dass Schulz dabei manche oft gehörte Story wie die vom „Rumänen“ ganz bewusst nicht mehr erzählt, ist nicht verkehrt, schließlich hat OLLI SCHULZ ja auch genug andere Dinge zu vermelden. Darf ich an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass ich immer noch auf das schon lange versprochene Buch warte? Ich freu’ mich schon jetzt auf die Lesereise mit Musik…

Setlist
Intro Roadie (PETER MAFFAY)
Vorführeffekt
Irgendwas fehlt
Bettmensch
Totes-Kätzchen-Song
Saunaaufguss in Langwitz
Ich tröste Gott
Schrecklich schöne Welt
Unten mit dem King
Wenn die Music nicht so laut wär’
Spielerfrau
Song ohne Grund
Wenn es gut ist
Koks & Nutten
Phosphormann
H.D.F.K.K.

Die Welt hat Geburtstag
So lange einsam
Merry Christmas
Die Ankunft der Marsianer

Wenn die Sonne wieder scheint

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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