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OLLI SCHULZ (POPSALON 3.0)

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Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 14.04.2012

In Osnabrück fand an diesem Wochenende zum dritten Mal der Popsalon im Glanz & Gloria, der Kleinen Freiheit und in der Lagerhalle statt, da passte es doch ganz hervorragend, dass OLLI SCHULZ auch ganz zufällig mit seiner neuen Platte „SOS – Save Olli Schulz“ auf Tour war. Sein zweites Soloalbum (nach drei Longplayern mit dem HUND MARIE im Schlepptau) präsentiert der blonde Wahl-Berliner dieser Tage im Alleingang, weil er es ganz einfach Leid ist, noch irgendwelche Hobbymusiker durchzuziehen, die ihm nur auf der Tasche liegen. Verständlich, warum den ganzen Zirkus veranstalten, wenn man die Hütte (bzw. Lagerhalle) auch allein voll bekommt? Manchmal reichen eben ein Mikro, eine Akustikgitarre und ein Laptop, um den Abend erfolgreich zu gestalten.

Der Klapprechner wurde nicht nur benötigt, um auf der Leinwand im Hintergrund Fotos zu zeigen, nein, der Auftritt begann mit einem Video, das, musikalisch untermalt von PETER MAFFAYs „Roadie“, den guten Olli bei der Arbeit als Roadie zeigte. Angetan mit wirklich abenteuerlichen Klamotten wuchtete er das Bühnenequipment durch die Gegend – ein Job den Herr Schulz in jungen Jahren tatsächlich ausgeübt hat. Wollen wir hoffen, dass die Arbeitskleidung nicht ganz so mies war, auf jeden Fall war mit dem Filmchen schon mal die gute Stimmung im Saal gesichert und weil die bewegten Bilder natürlich auch erklärungsbedürftig waren, geriet Olli ein wenig ins Plaudern. Ein Umstand, der bei seinen Gigs unbedingt gewollt ist und durchaus abendfüllend sein kann, weshalb es gar nicht so verkehrt war, dass etwa die Hälfte der Location bestuhlt war. Bevor es den ersten Song „Schrecklich schöne Welt“ von der besagten Langrille (#32 in den Album-Charts) auf die Mütze gab, erzählte der Mann an der Wanderklampfe also erst einmal von seiner Begegnung mit RAMMSTEIN-Fronter Till Lindemann und seiner Angst, irgendwann mal von RAMMSTEIN-Fans was auf die Fresse zu bekommen, weil die den Schulz’schen Humor nicht verstehen, weshalb er auch zu 80 % Witze über sich selbst macht. Nicht nehmen ließ er sich allerdings die Anekdote über seinen türkischen Zahnarzt, der die Feinheiten der deutschen Sprache offensichtlich nicht so raus hat und die Betäubungsspritze regelmäßig mit dem Satz „Ich spritze jetzt in den Mund“ ankündigt. Natürlich hatte der Entertainer noch jede Menge Stories auf Lager. Etwa von seinem alten Schufreund Martin Luser, der eine Koreanerin geheiratet hat und jetzt Martin Luser-Kim heißt oder die Begebenheit mit dem Falafel-Dürüm, auf den ein Schweißtropfen des Imbissverkäufers fiel: essen oder nicht essen war da die Frage. Antworten gab’s viele, aber auch Musik – gern auch über die Liebe wie zum Beispiel „Irgendwas fehlt“, mit dem der 37-jährige seiner ersten, unerfüllten Liebe gedachte oder „Wenn es gut ist“, das einfach nur den Glauben an die Liebe hoch hält. Dann gab es da noch die besondere Spezies der „Spielerfrau“ und wahnwitzige Insider-Infos aus dem Musik-Biz. Was passiert nachts in einem Hotel, das voll ist mit Musikern, die beim Rheinkultur auftreten? Kollege Schulz weiß es und lässt seine Fans an diesem Herrschaftswissen großzügig teilhaben. Was bei mir ja immer wieder die Frage aufwirft, wann es diese ganzen Erlebnisse endlich in Buchform zu kaufen geben wird. Angekündigt war ein solches Projekt schon lange, aber irgendwie lässt es immer noch auf sich warten. Schade eigentlich… Nicht lange warten mussten die Osnabrücker hingegen auf den „Vorführeffekt“, auf den der Klassiker „Bettmensch“ vom „Beigen Album“ aus 2005 folgte. Auf dem brandneuen ÄRZTE-Silberling „Auch“ gibt es übrigens einen Track namens „Bettmagnet“ und wenn die Hauptstädter da mal nicht geklaut haben! Neben einer wunderbaren Tour-Geschichte aus Oldenburg, hatte der Meister der kurzweiligen Unterhaltung auch noch eine Ode ans Auto fahren und gleichzeitiges Musik hören in petto: „Unten mit dem King“ stammte vom 2003er Debüt „Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich dir die Beine“ und groovte ordentlich, bevor zu „H.D.F.K.K.“ endlich auch mitgeklatscht wurde. Selbiges wollte das Auditorium auch bei der ersten Zugabe „Die Ankunft der Marsianer“ tun, wurde jedoch gleich vom Künstler zurückgepfiffen, der sich bei der countryesken Nummer auf seinen eigenen Takt konzentrieren musste und von Akklamationen aus dem Tritt gebracht worden wäre. Also hörten die Anwesenden wieder aufmerksam zu und störten den Vortrag des Alleinunterhalters auch sonst nicht weiter, sieht man mal von ein paar wenigen Damen und Herren ab, die sich vom Harndrang geplagt zwischenzeitlich durch die Reihen zwängten. Angemotzt werden musste beim Popsalon jedoch niemand beispielsweise wg. penetranten Mitfilmens, lauten Redens oder gar üblen Rumgegröle. Sonst verlässt Schulz auch schon mal seinen Arbeitsplatz und schmeißt Ex-Mitbewohner, die zu viel Bier intus haben und durch unqualifizierte Zwischenrufe nerven, eigenhändig raus – auch auf die Gefahr hin, arrogant zu wirken. Ich kann ihn verstehen, frage ich mich doch oft genug, warum man sich bei einem Konzert ganz nach vorn stellt, um dann die ganze Zeit zu quatschen. Bis zum Zugabenblock war es aber noch ein bisschen hin und so gab’s noch einen „Mystery-Thriller über Liebe und Sehnsucht“ („Ich dachte, du bist es“), wahre Worte („So lange einsam“), eine Verbeugung vor der Kunst des Songwritings („Phosphormann“) und Erkenntnisse über skurrile Seniorentage („Sauna in Langwitz“). In Nullkommanichts waren 90 Minuten vergangen und die Anwesenden wussten nicht nur, dass die neuen Songs sich live und akustisch bestens machen, sondern auch, dass Klaas Heufer-Umlauf Ollis Nachbar in Kreuzberg ist und der seinen Job als Erotikexperte bei Neo Paradise aus einer Bierlaune heraus bekommen hat. Apropos Kreuzberg: Dort ist jemand allem Anschein nach nicht so glücklich darüber, dass in seinem Viertel so viele ökologisch orientierte Zugezogene leben. Als Beweis hatte Schulz ein Foto mitgebracht, das einen Flyer zeigte, mit dem die gesamte Straße geradezu gepflastert war – man beachte unsere Fotogalerie.

Nach so vielen amüsanten Sequenzen und ausgelassener Spaßmucke wurde es auf der Zielgeraden mit „Bloß Freunde“ und „Koks & Nutten“ etwas ruhiger und nachdenklicher, ehe OLLI SCHULZ den Abend nach 105 Minuten endgültig beendete und seine Fans in den noch jungen Samstagabend entließ. Dass Osnabrück ihm durchaus gewogen ist, sollte er nicht erst heute gemerkt haben. Irgendwann vor grauer Vorzeit hatte er mal als Support der DONOTS im Rosenhof gespielt und fand dort nicht so viel Anklang, ansonsten weiß man ihn als Musiker und Geschichtenerzähler schon länger an der Hase zu schätzen, was die gut besuchte Lagerhalle und der verdiente Applaus zu unterstreichen wussten. Lieber Olli, mir hat es auch wieder ganz hervorragend gefallen. Das nächste Mal freue ich mich wieder auf Dich und Deine Band und schreib nach der Tour endlich das Buch fertig!

Setlist
Schrecklich schöne Welt
Irgendwas fehlt
Spielerfrau
Wenn es gut ist
Vorführeffekt
Bettmensch
Unten mit dem King
H.D.F.K.K.
Ich dachte, du bist es
So lange einsam
Phosphormann
Sauna in Langwitz

Die Ankunft der Marsianer
Bloß Freunde
Koks & Nutten

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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