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OLLI SCHULZ UND DER HUND MARIE

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Ort: Bielefeld - Kamp

Datum: 19.11.2006

Sonntag Abend, eine eher mäßige Woche lag hinter und OLLI SCHULZ UND DER HUND MARIE vor mir. Die neue Scheibe „Warten auf den Bumerang“ ist seit Freitag draußen und der schräge Olli genauso lang auf Tour. Bereits zum dritten Mal war der Neu-Berliner im Kamp zu Gast. Das Kulturkombinat war gut gefüllt, Herrchen und Hund haben offensichtlich Eindruck bei den Bielefeldern hinterlassen. Wer seine abgedrehte Show gesehen hat, wird entweder verwundert mit dem Kopf schütteln oder den begnadeten Entertainer lieben. Doch Olli war keineswegs allein unterwegs. Neben dem Hund Marie, hinter dem sich niemand anderes verbarg als TOMTE Keyboarder und Gitarrist Max Schröder, griff noch Dennis Becker (ebenfalls von TOMTE ausgeliehen) in die Basssaiten und Andre Frahm (THE DANCE INC.) bearbeitete die Felle.

Bevor die Live-Performance starten sollte, erwartete das bunt gemischte Publikum jedoch noch ein Video-Einspieler mit Ollis bisher geheimgehaltenen Bruder Rüdiger „Ricky“ Schulz, der auch im Musik-Biz tätig ist, allerdings mehr im Schlagerfach. Auch Olli selbst war zu sehen. Fasziniert betrachtete er – wie jeden Abend vor seiner Show- wie BRUCE SPRINGSTEEN sich einen weiblichen Fan auf die Bühne holt und man gemeinsam tanzt. Das möchte Herr Schulz auch, ist aber Abend für Abend zu schüchtern und die Band, die dieses Procedere schon kennt, genervt. Also verspricht Olli, die SPRINGSTEEN-DVD im Publikum zu verschenken, was er, kaum auf der Bühne angekommen, auch wirklich tut. Netter Einstand, der bereits für erste Schmunzler sorgte. Dann wurde aber erst einmal Musik gemacht. Den Anfang machte „Das letzte Königskind“ vom Erstling „Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich dir die Beine“, gefolgt von „In jede Richtung“ aus der aktuellen VÖ und einem meiner Favoriten „Dann schlägt dein Herz“ vom „Beigen Album“. Die Jungs spielen soliden Indie-Gitarren-Rock ohne jede Weinerlichkeit oder Pathos. Einfach Gute-Laune-Musik für einen schönen Wochenendausklang. Das Besondere an einem OLLI SCHULZ-Konzert sind die Geschichten, die Labertasche Olli zwischen den Liedern erzählt. Da wird die musikalische Abrechnung mit der Ex (Spooky Girlfriend) zum erotischen Mystery Thriller und „Wenn die Music nicht so laut wär’“ zum Bubblegum Pop-Rock-Song. Kaum vorstellbar, dass ein Journalist, der zum Interview bei ihm zuhause war, schrieb: “Zu Besuch bei einem maulfaulen Musiker“. Das muss zweifellos an den Fragen gelegen haben, die möglicherweise so einfallslos waren, dass sie Olli sprachlos machten. Im Kamp hatte er eine Menge zu erzählen und die Fans hingen an seinen Lippen. Daneben gab es noch gewagte Tanzeinlagen (gleich zwei Spagate beim swingenden „Was macht man bloß mit diesem Jungen“) und durchaus auch melancholische Momente wie bei „Unsichtbarer Vogel“, zu dem der Hund Marie an die Keys wechselte. Nach „Jetzt gerade bist Du gut“ verließ die Band die Bühne und Olli erzählte von seinen gesungenen Statements beim Berliner Sender „Radio Fritz“, für den er jede Woche einen kurzen Song zu einem aktuellen popkulturellen Problem schreibt. Auf diese Weise sind bereits 40 Stücke entstanden, von denen „Der Vorführeffekt“ zum Vortrag kommen sollte. Im Anschluss begeisterte das kleine Häschen (Olli Schulz über Olli Schulz) als neuer Texter für RAMMSTEIN und sang seinen „Song ohne Grund“ in einer neuen Deutsch-Rock-Version. Wenn der feine Herr seine Musikerkollegen durch den Kakao zog, führte das unweigerlich zu erheblichen Zwerchfellkontraktionen, wie gut, wenn mit „Armer Vater“, das allen Vätern, die abgehauen sind, gewidmet ist, wieder ein wenig Ruhe einkehrte. Dann kam auch der Rest der Kapelle zurück und gemeinsam ging’s weiter mit der Singleauskopplung „Rückspiegel“ und der Hoffnung auf ein GARY MOORE-Cover, outete sich Olli doch als großer Fan des wirklich grandiosen „Wild Frontier“-Albums. Sogar eine Fransenlederjacke, wie der gute Gary sie auf dem Plattencover trägt, nannte er Ende der Achtziger sein eigen. Die Verehrung ging gar so weit, dass ein Friseur beauftragt wurde, ihm zur gleichen Frisur zu verhelfen, was allerdings ziemlich scheiße aussah. Das erhoffte Cover gab es leider nicht, dafür eine weitere herzerfrischende Geschichte aus der Schulz’schen Jugend in Hamburg-Stellingen. Dort gab es nämlich ein Kino, das bekannt war für seine langen Splatterfilm-Nächte (das Alabama) und eben dieses Kino suchte auch Olli auf, um einem Reigen von zehn bluttriefenden Movies beizuwohnen. Zwar konnte er sich mit dem Genre nicht so recht anfreunden, aber ob seines Losglückes eine ein Meter hohe Freddy-Kruger-Plastik-Figur sein eigen nennen, um die ihn die übrigen Kinobesucher zutiefst beneideten. Die Heimfahrt im Nachtbus durch HH-Stellingen gestaltete sich wohl ein wenig schwierig, wozu sein „Hass ist nicht genug“-T-Shirt (einer Punkformation) in Kombination mit Freddy im Arm wohl nicht unwesentlich beitrug.

Nach diesem Ausflug in die cineastische Welt war auch im Saal die Zeit für eine neuerliche Videosequenz gekommen. Nachdem wir den abgehalfterten Altrocker Bill Schulz kennen lernen durften, erschienen auf der Stage Olli und Max mit Strumpfmasken, verfolgt von zwei Skeletten. Woraufhin Schulz und Schröder zu „Keiner hier bewegt sich (wir fallen)“ die Flucht durch die Katakomben antraten, die das Publikum auf der Leinwand verfolgen konnte. Beim gemeinsamen Tischkickern fand die wilde Verfolgungsjagd ein Ende und die Herrschaften kamen in ebenso wilden Kostümierungen zurück auf die Bühne, um zu erklären, dass sie Deutschland seien. Damit endete das reguläre Set, womit sich Bielefeld natürlich unmöglich zufrieden geben konnte und so feierte man gemeinsam noch „Die Ankunft der Marsianer“ und sang den „Song durch die Nacht“, zu dem Sterne auf der Leinwand erschienen und noch einmal alle möglichen Deutsch-Rocker wie REVOLVERHELD, HERBERT GRÖNEMEYER, JULI, SILBERMOND, RAMMSTEIN, KLAUS LAGE, HEINZ RUOLF KUNZE, MARIUS MÜLLER-WESTERNHAGEN und BAP ihr Fett weg bekamen. Erneut gab es eine kurze Umzugspause und es erschien Metal-Olli, der mit Totenkopf-Maske und pinkfarbener Langhaarperücke den bösen Metaller samt entsprechendem Posing und Geshoute gab. Ganz große Show! Obwohl OLLI SCHULZ UND DER HUND MARIE nun schon seit mehr als zwei Stunden für allerbeste Unterhaltung sorgten, konnten die aufgekratzten Zuschauer einfach nicht genug bekommen. Also kam Olli ein weiteres Mal zu einer allerletzten Zugabe, die sich das Publikum per Akklamation wünschen durfte. Zur Wahl standen „Affenbär“ und “Mixtape“, das es dann auch inklusive einer sehr eigenwilligen deutschen Version des EAGLE EYE CHERRY-Hits „Save Tonight“ geworden ist.

Damit schloss endgültig ein äußerst unterhaltsamer und kurzweiliger Abend voll guter Musik und witziger Anekdoten. Ohne Übertreibung war das mein persönliches Highlight der Woche und die zufriedenen Gesichter der übrigen Besucher deuteten auf ähnliche Empfindungen hin.

Setlist
Das letzte Königskind
In jede Richtung
Dann schlägt Dein Herz
Spooky Girlfriend
Wenn die Music nicht so laut wär’
Wenn das Leben Dich beißt
Was macht man bloß mit diesem Jungen
Unsichtbarer Vogel
Jetzt gerade bist Du gut
Der Vorführeffekt
Song ohne Grund
Human of The Week
Armer Vater
Rückspiegel
Der Moment
Medizin
Unten mit dem King
Keiner hier bewegt sich (wir fallen)
„Deutschland“

Die Ankunft der Marsianer
Song durch die Nacht

Metal-Part

Nimm mein Mixtape, Babe

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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