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OLLI SCHULZ

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Ort: Münster – Skaters Palace

Datum: 28.03.2015

Was haben der 27.03.2014 und der 28.03.2015 gemeinsam? An beiden Tagen hatte ich das Vergnügen eines OLLI-SCHULZ-Konzertes. Im vergangenen Jahr war’s an einem Donnerstag mit etwa 500 Gleichgesinnten in der sehr gut besuchten Gütersloher Weberei, am heutigen Samstag trafen sich rund dreimal so viele Fans im ausverkauften Skaters Palace in Münster. Zwischenzeitlich ist zudem Ollis Platte „Feelings aus der Asche“ erschienen, die einen beachtlichen vierten Platz in den Album-Charts erreichen konnte und auch die Medienpräsenz (Circus HalliGalli, Schulz in the Box) dürfte für den einen oder anderen zusätzlichen Gast an diesem Abend gesorgt haben. Zwar werden etliche Besucher die Konzertvenue ähnlich wie OLLI SCHULZ nur so mittel gefunden haben, denn die Sichtverhältnisse sind im Skaters Palace bei ausverkauftem Haus wahrlich bescheiden. Wer zudem dachte, es gäbe vielleicht auch so was wie den „Rangel-Song“ auf die Ohren, wurde ziemlich schnell eines Besseren belehrt. Die Zuschauerin, die Herrn Schulz einen Zwanziger gegeben hatte, damit dieses Circus-HalliGalli-Nebenprodukt gespielt würde, erhielt stattdessen nämlich noch einen zusätzlichen Schein zurück, damit eben dieses Stück nicht auf der Setlist landen musste. Das TV-Ding macht der Wahl-Berliner ganz offensichtlich, um sein seinem Konto ein beruhigendes Polster zu bescheren (was auch absolut legitim ist), sein Herz gehört aber der Musik und den Live-Gigs, auf denen er nicht nur singt, sondern auch über Gott und die Welt schwadroniert und wenn es sein muss, auch man den Anwesenden die Leviten liest.

Passend zum Auftakt des Konzertes hieß der erste Track „So muss es beginnen“ – um kurz nach 21.00 Uhr ein feiner Einstand, bei dem sogar Konfetti-Kanonen zum Einsatz kamen. Großes Besteck also bei Olli, der entsprechend dieser Tage auch mit großem Orchester unterwegs ist. Insbesondere der Mann am Bass zog dabei die Aufmerksamkeit des Auditoriums auf sich: wie bereits im vergangenen Jahr ist nämlich der großartige GISBERT ZU KNYPHAUSEN am Stahlsaiter aktiv, aber auch die anderen Positionen waren ausgezeichnet besetzt. Ebenfalls bekannte Gesichter an den Tasten (Arne Augustin), an der Gitarre (Dennis Becker) und den Drums (Ben „Benson“ Lauber). Neu war die Besetzung der zweiten Gitarre, die der Truppe zudem weibliche Unterstützung bescherte. Hier agiert jetzt die Australierin Kat Frankie, die im Übrigen auch mit einer tollen Stimme gesegnet ist, wie sie im Weiteren noch unter Beweis stellte. Mit zwei Gitarristen beschenkt, hielt sich Kollege Schulz am Sechssaiter zunächst etwas zurück und griff erst bei „Ich dachte du bist es“ zur Akustikklampfe, um der halbwahren Geschichte von einer vermeintlichen Koks-Dealerin, die Ollis Herz geklaut hat, den passenden, dezent schwermütigen Style zu geben. In ähnlicher Weise startete „Mann am Meer“ vom aktuellen Silberling, baute jedoch mit Bildern von Möwen an der grauen See im Hintergrund immer mehr Druck auf, bevor die Leinwand ein Beispiel lieferte, wie man Schinken-Spargel-Röllchen besser nicht auf dem Teller drapiert – es sei denn, man möchte, dass das Ganze nach Omas Füßen ausschaut. Gratis gab’s noch den Getränke-Tipp, sich besser an Wodka als an Jägermeister zu halten, bevor das beschwingte „Wenn es gut ist“ vom 2012er „SOS – Save Olli Schulz“ mit Begeisterung aufgenommen wurde. Dass sich der Hauptprotagonist hier zum dritten Mal auf der laufenden Tour verspielt hat, trübte die gute Stimmung in keiner Weise, anders sah es da schon mit den Schreihälsen im Publikum aus, die Olli sichtlich auf den Sack gingen. Ihre Energie konnten diese jedoch wenig später in die „Ole, Ole“-Gesänge zu „Spielerfrau“ stecken. An dieser Stelle schwebten auch drei riesige Luftballons über der Menge, die Schulz im Nachgang allerdings ein bisschen albern fand und deshalb den Auftrag erteilte, die Dinger kaputt zu machen. So wurde das grandiose „Als Musik noch richtig groß war“ auch von keinerlei Flugobjekten gestört, das einzige, was bisweilen nervte, war die Laberei im Auditorium. Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, warum man Kohle für ein Ticket ausgibt, wenn man dann so wenig Interesse für die Künstler auf der Bühne aufbringt. Mit zunehmender Spielzeit wurde dieses Phänomen noch ausgeprägter, vielleicht reicht die Konzentrationsfähigkeit des durchschnittlichen Konzertbesuchers auch nicht mehr über zwei Stunden. Dabei hatte Olli bei „Saunaaufguss in Langwitz“ noch die Aufmerksamkeit seines Auditoriums gelobt, musste sich später aber noch mit einem „Kenn’ ich schon!“-Zwischenruf auseinander setzen. Klar wiederholt sich auch bei OLLI SCHULZ mal was, das macht aber nichts, denn auch wenn beispielsweise der „Todeslisten“-Witz nicht mehr brandneu ist, versteht der 41-jährige ihn immer wieder charmant zu erzählen. Der größte Teil der Zuschauerschaft im „kleinen elitären Drecksnest Münster“ (O-Ton Olli) dürfte sich sowieso exzellent unterhalten gefühlt haben, selbst wenn die Leute insgesamt ein bisschen lahm waren. Zwar wurden die Sauna-Singspielchen artig mitgemacht, aber ich habe schon euphorische Publikumsgesänge erlebt. Inzwischen agierte der Singer-Songwriter im Übrigen allein auf der Stage und schenkte seinen Fans mit „Human of The Week“ einen Klassiker vom „Beigen Album“ aus 2005. Eigentlich wollte er mit diesem Song ja den englischsprachigen Markt knacken, wie er uns wissen ließ, daraus wurde aber nix und ob im anderssprachigen Ausland Ollis grandiosen Geschichten kapiert würden, wage ich zudem zu bezweifeln. So bleiben uns Stories wie die vom kleinen traurigen Bären (inklusive passendem Bildmaterial) vorbehalten, bevor die Crew wieder auf der Bildfläche erschien. Bei „Schrecklich schöne Welt“ durfte natürlich die LOUIS-ARMSTRONG-Parodie nicht fehlen, so wie immer wieder kleine Song-Medleys eingestreut wurden. Da gab’s dann auch durchaus mal ein paar Takte „Dschingis Khan“ oder einen kleinen U2-Abriss, wenn nicht gar die Lieder angespielt wurden, die eigentlich für REINHARD MEY und WESTERNHAGEN gedacht waren. „Was macht man bloß mit diesem Jungen“ erinnerte in diesem Sinne an BRUCE SPRINGSTEEN, denn hier holte sich Olli wie der Boss ein Mädel auf die Bühne und tanzte mit dem Girl zu der groovenden Swing-Nummer. „Old Dirty Man“ zeigte sich da von einer ruhigeren, sehr eindringlichen Seite, ehe „Dann schlägt Dein Herz“ flotte Beats und einen weiteren fantastischen Evergreen servierte. „So lange einsam“ vom 2009er „Es brennt so schön“ enthielt ebenso viel Drive wie Wahrheit. „Die Ankunft der Marsianer“ erwartete die Crowd mit knackigen Country-Elementen. Ebenfalls ein Lied aus alten Tagen, das man sich immer wieder mit dem größten Vergnügen anhören kann. Damit besiegelten OLLI SCHULZ und seine Band allerdings um 22.45 Uhr auch viel zu schnell das Ende des regulären Sets, doch natürlich hatte der Showmann noch einen Nachschlag in petto.

Den servierte er zunächst allein mit Drummer Benson, dem er übrigens die Optik eines Auftragskillers unterstellte. Ehe der Mann an den Fellen sich jedoch um seinen potenziellen Zweitjob kümmerte, sorgte er für den passenden Rhythmus zu „H.D.F.K.K.“. Für diejenigen, die nicht wissen, was hinter dieser Abkürzung steckt: „Halt die Fresse krieg ein Kind“! Damit die Münsteraner auch mit einem geeigneten Partytrack in die noch junge Samstagnacht geschickt wurden, folgte noch die musikalische Frage nach dem gewünschten Cocktail, bei dem die Menge noch mal ihre Mitmach-Qualitäten unter Beweis stellen konnte. Der „Phosphormann“ war hingegen mehr zum Zuhören gedacht, wohingegen„Wenn die Music nicht so laut wär“ vom 2006er „Warten auf den Bumerang“ durchaus das Zeug zum Mitsingen hatte. An dieser Stelle hatte sich auch die komplette Band wieder eingefunden und gemeinsam bereitete man den Westfalen mit „Wenn die Sonne wieder scheint“ einen beschwingten Abschied.

Auf die Sonne mussten die Anwesenden tatsächlich verzichten, stattdessen regnete es ziemlich beständig, aber wer wird danach fragen, ob er beim Einlass nass geworden ist, wenn er mehr als zwei Stunden bestens unterhalten wurde? An OLLI SCHULZ und seinen Mitstreitern lag es jedenfalls nicht, wenn jemand den Skaters Palace ohne ein Lächeln auf dem Gesicht verlassen hatte. Okay, die Location war nicht ideal, aber alles andere passte ganz hervorragend. Danke für den schönen Abend, wir sehen und hören uns hoffentlich bald wieder!

Setlist
So muss es beginnen
Phase
Passt schon!
Boogieman
Ich dachte du bist es
Mann Im Regen
Wenn es gut ist
Spielerfrau
Als Musik noch richtig groß war
Olli solo:
Vorführeffekt
Saunaaufguss in Lankwitz
Human of The Week
Der kleine Bär
Wieder mit Band:
Schrecklich schöne Welt
Was macht man bloß mit diesem Jungen?
Old Dirty Man
Dann schlägt Dein Herz
So lange einsam
Die Ankunft der Marsianer

H.D.F.K.K.
Welchen Cocktail wollt Ihr trinken?
Phosphormann
Wenn die Music nicht so laut wär
Wenn die Sonne wieder scheint

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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