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OPEN FLAIR FESTIVAL 2005 – TAG 1

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Ort: Eschwege

Datum: 12.08.2005

M’era Luna oder Open Flair? Bei der diesjährigen Festivalplanung wurde schnell deutlich, dass an diesem August-Wochenende ein Kompromiss geschlossen werden musste. Und so machte sich eine Dreier-Abordnung des Terrorverlags auf ins nordhessische Eschwege, zwischen Kassel, Göttingen und Eisenach gelegen. Zwar sind wir ansonsten eher den schwärzeren Musikstilen zugetan, aber wie heißt es so schön „Etwas Abwechslung braucht der Mensch“, und da sich das diesjährige Line Up wirklich sehen lassen konnte, überließen wir Hildesheim den Kollegen. Leider war der Wetterbericht nicht auf unserer Seite, doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und so verließen wir Freitag Nachmittag das regnerische Ostwestfalen. Nur um festzustellen, dass es Richtung Osten noch regnerischer war! Teilweise Sintflutartige Schauer in den Kasseler Bergen ließen das Allerschlimmste befürchten, zudem kamen wir aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens nur im Schneckentempo voran. Die Planung schien bereits zum Auftakt ins Leere zu greifen: Eigentlich hatten wir JULI als ersten interessanten Act ausgemacht und die Anfangszeit von 19 Uhr als völlig unproblematisch angesehen, aber wir hatten eben die Rechnung ohne die Naturgewalten gemacht. Zwar erreichten wir die kleine Kreisstadt um kurz vor 7, doch auch vor Ort sollte es nicht völlig problemlos abgehen. Unsere Gästezimmer im malerischen Nachbarort zwischen Hund und Katz erwiesen sich zwar als architektonische Perlen, aber dafür war der Weg zum Festivalgelände bis fast zum allerletzten Meter nicht vernünftig ausgeschildert. Es gibt auch Menschen, die heuer zum ersten Mal am Start sind, liebe Organisatoren.

Nun gut, die ersten Campingplätze wurden gesichtet, und man konnte relativ problemlos noch einen Parkplatz ergattern. Auf dem Wege zum Haupteingang begannen die Gießener um Sängerin Eva bereits mit ihrer Darbietung, aufgrund der enormen Lautstärke hatten wir also wenigstens akustisch was davon. Dazu muss man sagen, dass das Areal sich praktisch mitten in der Innenstadt, am Rande der Werra befindet, die Einheimischen konnten sich demnach auf eine Gratisbeschallung freuen. Und nicht nur das: Ist Eschwege sonst eher ein verschlafenes Städtchen, befindet sich die Gastronomie wenigstens einmal im Jahr im siebten Himmel, sieht man von den krakeelenden Besoffenen mal ab. Dann der nächste Schock: Eine Riesenschlange vor dem Haupteingang an der Mangelgasse, und dann fing es auch wieder stärker an zu regnen, während es sich zwischenzeitlich beruhigt hatte. Derweil wir als Presseleute uns an den Wartenden vorbeischleichen konnten, musste unsere Mitreisende eine gute Stunde ausharren, nur um zu erfahren, dass keine Regenschirme aufs Gelände durften. Schon eine recht merkwürdige Aktion, wird die Sammlung dann demnächst bei Ebay versteigert? Ansonsten konnte das Gelände durchaus überzeugen, neben einer stattlichen Anzahl an Fress- und Saufständen wurden auch Informationsstände von Umweltverbänden gesichtet, die große Stage trug ja auch den Namen „Sounds for Nature“. Auf eine vernünftige Umweltpolitik bzw. Müllentsorgung wurde ebenso Wert gelegt, was durchaus nachahmenswert ist, ob man allerdings die Zelte der Jusos bzw. der Jungen Union gebraucht hätte? Wobei – So völlig unpolitisch blieb es auch bei den Künstlern nicht, derer wir uns nun im Detail widmen wollen.

JULI musizierten immer noch munter vor sich hin, die gute Frau Briegel dabei im bauchfreien Outfit und mit ordentlichen Entertainment-Qualitäten. Für viele der erste wirkliche Höhepunkt des Festivals, und die Menge vor der riesigen Mainstage ging auch bestens mit. Immer wieder kam es zu ausgedehnten „Singspielen“ mit dem Publikum, natürlich besonders bei den Hits „Perfekte Welle“ (passend zum Wetter) und „Geile Zeit“. Aber auch die anderen Songs des Debüts „Es ist Juli“ wurden allesamt gut aufgenommen. Dann war bereits wieder Schluss mit dem JULI im August, im Backstage-Bereich waren später die Autogramme der jungen Sängerin sehr gefragt.

Danach ging es auf der gegenüberliegenden Freibühne weiter, die ein wenig abgeschirmt hinter Bäumen lag und größentechnisch ein paar Dimensionen kleiner war. Dafür kam hier vielleicht noch etwas mehr Feeling auf bei den ebenfalls sehr namhaften Acts. Den Anfang für uns machten die Braunschweiger SUCH A SURGE, die mit ihrem aktuellen Output „Alpha“ (erschienen bei Nuclear Blast) deutlich an Härte zugelegt haben. Die ersten beiden Stücke rockten dementsprechend ordentlich los, was zu netten Pogoeinlagen im Moshpit führte. Aber natürlich wurden auch die älteren Scheiben in der Setlist bedacht, schließlich ist man schon viele Jahre im Geschäft. „Alles muss raus“, „Silver Surger“ oder das grandiose „Jetzt ist gut“ führten zu einer insgesamt sehr energievollen Performance, begünstigt natürlich auch durch das Stage Acting der beiden Sänger. Kollege Michel Begeame blieb anscheinend über Nacht, er wuselte auch anderntags noch durch das Gelände. Positiv sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass es durch die sich abwechselnden Bühnen kaum Wartezeiten gab, und dass auch die kleineren Acts ausreichend Spielzeit bekamen, fast alle hatten 1 Stunde Spielraum für ihre Performance.

Mit selbiger wollte nun das FARIN URLAUB RACING TEAM gegenüber beginnen, natürlich der GROSSE Headliner des Freitags. Entsprechende Bandshirts ließen keinen Zweifel an den Vorlieben des teilweise noch sehr jungen Publikums. Überhaupt hatte das Open Flair einen gewissen Volksfest-Charakter: Viele (vor allem Einheimische) schienen nicht unbedingt wegen der Musik vor Ort zu sein. Vielmehr ging es um die Begegnung, um die Gastronomie (der Gerstensaft floss in Strömen) und um das Gesehenwerden. So wirkten einige auch während der Darbietungen der wichtigsten Acts völlig desinteressiert bzw. hatten kaum eine Ahnung, wer sich da gerade auf der Bühne präsentiert. Entsprechende Fragen bestätigten dies („Sag mal, wer spielt heute eigentlich?“ – „Sind EXILIA wichtig?“ etc). Interessant auch der überraschend hohe Kinderanteil, für die Kleinen gab es aber auch reichlich Programm in Form von Kleinkunst oder Zauberern. Doch zurück zu unserem „kleinen“ Farin. Leider erlaubte es der Mann den Internetmedien nicht, Fotos aus dem Graben zu schießen, schade, dass es hier eine Zweiklassengesellschaft zu geben scheint, aber musikalisch war natürlich alles im grünen Bereich.

Zusammen mit seiner weiblichen Backing Band, den beiden Sängerinnen im Cop Outfit links und einer Bläserfraktion rechts rockte der „Arzt“ ordentlich das Haus und gab dabei einige launige Ansagen von sich. Teilweise sind die „gottgleichen“ Spielchen mit dem Publikum natürlich auch einstudiert, aber Geschichten über einen aktuellen SOCIAL DISTORTION-Gig (Farin über Mike Ness: „Wie cool der Mann seine Plektren wegschmeißt“) waren dann doch recht unterhaltsam. Sogar ein paar Kommentare über JULI („Jetzt weiß ich, wie man Ansagen macht“) oder SUCH A SURGE („Wie, deren Song ist älter als meiner?“) konnte sich der Blondschopf nicht verkneifen. Zur Setlist sei gesagt, dass natürlich ein Querschnitt der beiden Alben geboten wurde, mit den Highlights „Porzellan“ und „OK“. Ein eher unbekannter Song („Petze“, B-Seite der OK-Single) überraschte die weniger eingefleischten Anwesenden, während die Abwesenheit von Stücken der Stammband kaum überraschend war. Macht wirklich Spaß, dieser Pop Punk mit Ska Einschlag und den witzig ironischen Texten.

Ich persönlich freute mich aber noch mehr auf den Headliner der Freibühne, der dann gegen 23 Uhr die Starterlaubnis erhielt. Die Berliner MIA. sind nach den Erfolgen mit ihrem aktuellen Album nun wirklich keine Unbekannten mehr, und so füllte sich der Platz doch recht ordentlich, wenngleich ich noch etwas mehr Zuspruch erwartet hätte. Die Band fühlte sich an dem Abend vorab irgendwie nicht wirklich wohl, ob es an Miezes heiserer Stimme lag, kann niemand mit Sicherheit sagen. Jedenfalls wurden die Fotographen nach dem Opener „Komm mein Mädchen“ mal eben völlig überraschend aus dem Bühnengraben geholt, die Hauptstädter hatten anscheinend nicht so viel Lust auf Photobeweise. Leider tröpfelte es nun auch wieder etwas sequentieller, aber es war noch zum Aushalten. Bei Miezes Outfit waren möglicherweise einige anderer Meinung… Besonders Leute, welche noch keinen livehaftigen Kontakt hatten, dürften sicherlich etwas irritiert gewesen sein über das pastellartige Etwas, was sich die eigenwillige Fronterin da übergezogen hatte. Orthopädische Strümpfe, Tüll, eine Turnhose, ein Schlabberkleidchen? Man muss es gesehen haben, um es zu glauben. Dazu ihre männliche Begleitmannschaft fast ein wenig uniformiert ebenfalls alle in Pastellfarben. Für mich jedenfalls sehr unterhaltsam, ebenso wie die Musik, wobei auch Tracks des Vorgängeralbums „Hieb & Stichfest“ zum Zuge kamen, wie etwa „Machtspiele (Tanz drauf)“. Vor dem umweltfreundlichen „Ökostrom“ gab es sogar einen politischen Kommentar: „Wer für den Umweltschutz ist, darf Angela Merkel“ nicht wählen, Ergebnis: Tosender Applaus. Im Mittelteil hing die Show leicht, die Musikanten jammten ein wenig vor sich her, und ich erwartete Miezes Wiedergeburt in einer weiteren Fashionsünde. Aber weitgefehlt! Sie hatte sich nur eine schräge Kopfbedeckung aufgesetzt. Dafür wurde dann natürlich „Hungriges Herz“ frenetisch bejubelt, viele schienen auch nur diesen Song zu kennen und ihn dann ausgiebigst mitzuträllern. Mein Liebling „Was es ist“ wurde leider wieder in einer völlig merkwürdigen Version dargeboten, fast ohne den Originaltext und mit Bläsereinlagen. Das machen MIA. wohl immer so, ich finde es aber trotzdem schade, egal für wie kontrovers manch einer das Stück halten mag. Das lebensbejahende „Sonne“ beschloss dann den Auftritt, leider ohne Zugabe und nach subjektiv viel zu kurzer Spielzeit, trotzdem ein schöner Abschluss des ersten Tages. Jetzt war erst mal ausruhen angesagt… und die Hoffnung auf besseres Wetter!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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