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PARADISE LOST – EYES OF EDEN

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Ort: Köln - Live Music Hall

Datum: 29.09.2007

Die „Erfinder” des Gothic Metals gaben sich an diesem äußerst regnerischen Samstag Abend die Ehre und besuchten die Domstadt am Rhein. Anlass war das elfte Studioalbum „In Requiem“, welches im Mai veröffentlicht wurde und nun auf großer Nordamerika- und Europatour vorgestellt wird.

Bereits um 18.30 Uhr starteten NEUROSONIC aus Kanada, die Songs ihres Debüts „Drama Queen“ im Gepäck hatten. Leider zu früh für uns, zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns noch auf der Autobahn und hätten höchstens der wirklich hörenswerten Konserve lauschen können. Bleibt nur zu hoffen, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt noch mal Gelegenheit bekommen, uns ein Bild der Live-Qualitäten von Mastermind und Multiinstrumentalist Jason Darr und seinen Mannen zu machen und dass die Jungs ob der frühen Stunde nicht vor leeren Rängen spielen mussten.

Als wir gegen 19.20 Uhr an der Live Music Hall ankamen, war dort jedoch schon gut was los und auch die zweite Combo befand sich bereits in den Startlöchern. EYES OF EDEN debütierten ebenfalls in diesem Jahr, ihr Longplayer „Faith“ ist im August erschienen, Produzentenlegende Waldemar Sorychta (SAMAEL, TIAMAT, LACUNA COIL) hatte aber schon im Jahr 2004 mit Gas Lipstick von HIM Songs eingespielt. Seit dem vergangenen Jahr ist nun Franziska Huth als Sängerin mit dabei, nachdem dieser Posten eigentlich für Sandra Schleret (inzwischen bei ELIS) gedacht war, woraus krankheitsbedingt jedoch nichts wurde. Weil zwei Leute allein auf der Bühne in Sachen Goth Rock nicht wirklich viel reißen können, hatten sich in Köln außerdem noch Alla Fedynitch (Ex Live Bass PAIN) am Bass und Tom Diener (TOMMORROW’S EVE, THE EXPERIENCE) am Schlagzeug eingefunden. Los ging’s mit melodiösem Gothic mit typischem weiblichen Gesang, der sich irgendwo zwischen Christina Scabbia (LACUNA COIL) und XANDRIA-Frontelfe Lisa bewegte. So ganz konnte Franziska nicht verbergen, dass sie erst noch Bühnenerfahrung sammeln muss. Die Interaktion mit dem Publikum wirkte hier und da noch etwas hölzern, auch dürfte sie etwas mehr Präsenz zeigen, gute 1000 PARADISE LOST-Fans mögen vielleicht auch etwas einschüchternd wirken. Dabei waren die durchaus wohlgesonnen und spendeten den Stücken der Dortmunder freundlichen Applaus. Den etwas ruhigeren Titel „Pictures“ hatte die blonde Fronterin Jessica Diener gewidmet und mit dem letzten Stück „Mother’s Revenge“ gab es auch noch einen Song zu hören, der nicht auf der Platte vertreten ist. Ansonsten handwerklich gut gemachter Goth Rock mit einem Hang zu Drama und Mystik.

Setlist EYES OF EDEN
Winter Night
When Gods Fall
Star
Pictures
Dancing Fire
Daylight
From Heaven Sent
Mother’s Revenge

Eine halbe Stunde später, bereits um 20.25 Uhr, war dann schon die Zeit für die Hauptakteure des Abends gekommen. Der anschließende Discobetrieb machte wohl diesen frühen Zeitplan notwendig, immerhin waren wir so auch wieder früh zuhause. Aber fangen wir doch erst einmal vorne an: Während im Hintergrund ein riesiges Backdrop keinen Zweifel daran ließ, mit welcher Combo wir es heute zu tun hatten und wie das Cover der aktuellen CD aussieht, nahm Drummer Jeff Singer nur mit einer kurzen Hose bekleidet an seinem Arbeitsplatz Stellung, bevor auch die Saitenfraktion bestehend aus Greg Mackintosh und Aaron Aedy an den Gitarren und Steve Edmondson am Bass ebenfalls die Bühne enterte. Fehlte nur noch Nick Holmes, der wie seine Kollegen ganz in schwarz gekleidet mit „The Enemy“ vom besagten elften Studiosilberling startete. Es folgte ein Querschnitt durch die letzten 16 Jahre musikalischen Schaffens, allein das erste Album „Lost Paradise“ aus dem Jahr 1990 blieb (erwartungsgemäß) unberücksichtigt. Kein Wunder, denn mit ihren Death Metal-Anfängen haben die Briten inzwischen weniger zu tun (obwohl man nach der Einkehr bei Century Media durchaus wieder auf Härte setzt). Stattdessen ging’s mit „Gothic“ weiter. Dem Titelsong der 1991er-VÖ, die einem ganzen Genre seinen Namen geben sollte. Während Nick sich gesanglich eher zurückhielt, kam vom Band eine Frauenstimme und im Publikum flogen bereits die Matten der überwiegend männlichen Fans unterschiedlichen Alters. Aber auch die Stücke der neuen Scheibe wurden gebührend gefeiert und gingen gut zur Sache, wie das folgende „Ash & Debris“, „Praise Lamented Shade“, „Requiem“ oder das sehr gelungene „Unreachable“, bei dem Aaron auf der rechten Seite zum wiederholten Male zum Handtuch griff, um sich und seine Langaxt vom Schweiß zu befreien, bewiesen. Zu meinen Favoriten zählten das melodiöse „No Celebration“ (2002 auf „Symbol of Life“ erschienen) und das sich anschließende „So Much Is Lost“, welches 1999 auf der „Host“ vertreten war. Mit „Pity The Sadness“ und „As I Die” wurden nochmals die ruppigen PL-Anfangsjahre beschworen. Dem Auditorium war’s recht, bei der Ankündigung von „As I Die“ ging sogar ein begeisterter Aufschrei durch die Menge. Laut Frontmann Nick Holmes war man bereits zum neunten oder zehnten Mal in der Live Music Hall, vermutlich werden sie das eingängige „Grey“ von der letzten, selbstbetitelten Langrille dann auch schon in dem alten Fabrikgemäuer zum Besten gegeben haben. „One Second“ vom gleichnamigen 1997er-Werk kündigte nach genau einer Stunde bereits den letzten Song an, der absolut mitreißend war, aber unmöglich das Ende der Show besiegeln konnte, auch wenn es mit den letzten Tönen hell wurde auf der Stage und PARADISE LOST die Bühne verließen. Lautes Klatschen und vehemente Zugaberufe lockten das Quintett auch wieder zurück und mit „Never For The Damned“ wurde der Nachschlag mit heftigem Geknüppel eingeläutet, dem das wunderbaren „Erased“ folgte. Blieben noch „Over The Madness“, das mit einem langen Instrumentalteil aufwartete, bei dem die Bühne überwiegend im Dunkeln lag, während in den vorangegangenen knapp 90 Minuten überwiegend blaues und rotes Licht dominiert hatte. Den Abschluss bildete „Say Just Words“, bei dem noch mal richtig angefeiert wurde.

Ein wenig länger hätten Nick Holmes & Co. ruhig spielen dürfen, zwar floss der Schweiß ob der subtropischen Temperaturen in der Konzertstätte in Strömen, aber für ein paar weitere Songs hätte die Kondition der Anwesenden schon noch gereicht. Ansonsten ein feines Potpourri der PARADISE LOST-Diskografie, natürlich mit Schwerpunkt auf der „In Requiem“, die zu Recht als eine der besten Scheiben der Fünf gilt.

Setlist PARADISE LOST
The Enemy
Gothic
Ash & Debris
No Celebration
So Much Is Lost
Pity The Sadness
Praise Lamented Shade
Enchantment
Requiem
Grey
Unreachable
As I Die
One Second

Never For The Damned
Erased
Over The Madness
Say Just Words

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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