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PARADISE LOST – PALLBEARER – SINISTRO

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Ort: Herford - Club X

Datum: 28.09.2017

Da die Gothic Metal-Pioniere PARADISE LOST dieses Jahr ihre Release-Show zum neuen Album leider in Stuttgart und nicht in Bielefeld (wie zum “The Plague Within”-Album) spielten, war es um so erfreulicher, dass sie recht zu Beginn der Tour zu ihrem neuen Meilenstein “Medusa” immerhin wieder in den Club X nach Herford kamen und neben ihrer neuen Platte auch noch zwei interessante Support-Bands mitbrachten.

So hat sich der Headliner sowohl für SINISTRO als auch für PALLBEARER entschieden, da man diese Bands bereits zuvor live erleben konnte und man durchaus angetan von ihrer Mucke war. Den Einstieg markierten die Portugiesen SINISTRO, die allerdings einen undankbaren Start hatten. So musste der Einlass aufgrund technischer Schwierigkeiten verschoben werden und kaum waren die Türen geöffnet, musste das Quartett auch schon loslegen. Da SINISTRO dazu noch einen Stil zocken, der nicht unbedingt eingängig und sofort zugänglich ist, taten sich die ersten Anwesenden doch sichtlich schwer, sich auf die Band zu konzentrieren. Trotzdem gaben die Südeuropäer ihr bestes und zockten ihre doomigen Prog-Walzen druckvoll und tight! Hauptaugenmerk lag dabei natürlich auf Sängerin Patricia Andrade, die sowohl durch ihre sphärischen, eindringlichen und fast jazz-lastig zu nennenden Vocals bestach, als auch durch ihren Ausdrucks-Tanz am Mikro-Ständer, was so wirkte, als würde die Frontfrau durch einen imaginären Puppenspieler wie eine Marionette gelenkt werden. Spielerisch eindrucksvoll, ist der Sound von SINISTRO aber doch eher ein Stil, der zuhause über Kopfhörer besser wirkt, als an diesem Abend kurz nach Einlass. Das wurde der Band sicher nicht gerecht.

Schon im Vorfeld waren durchaus positive Meinungen zu PALLBEARER zu hören gewesen. So durfte man gespannt sein, ob die Band diesen Lorbeeren auch gerecht werden konnte. Und schnell wurde klar, dass die Amis spielerisch zu den ganz interessanten Bands gehören. Mit langen, vielseitigen Songs, irgendwo zwischen Doom und Prog angesiedelt, spielte sich das Quartett schnell in einen Flow, in dem sich die eindringlichen Vocals nicht als dominanter Part einfanden, sondern als gleichwertiges Instrument. So schafften es PALLBEARER trotz ihres Sounds, der ebenfalls auch eher gut daheim über Kopfhörer wirkt und nicht unbedingt zum Live abgehen einlädt, ihre Performance fesselnd und kurzweilig zu gestalten, was in diesem Genre-Bereich nicht unbedingt einfach ist. Dazu führte das natürliche, unaufgeregte und dennoch sehr konzentrierte Auftreten der Musiker, dass die Band ihrem Ruf gerecht wurde und schnell so einige Anwesende vor die Bühne locken konnte, auch wenn man einigen sicherlich nicht bekannt gewesen ist.

Der britische Headliner legte dann gleich mit der Single “Blood & Chaos” vom neuen Machtwerk “Medusa” los. Dieses Album ist seit vielen Jahren sicherlich das heavieste, das die Band gebracht hat, auch wenn die Ausrichtung nach den Vorgänger-Platten nicht überraschend kam. Seit einigen Jahren überrascht allerdings Frontmann Nick Holmes, der nach langen Jahren ohne Growls nicht nur bei PARADISE LOST wieder extremer singt, sondern dies mittlerweile auch bei den schwedischen Death Metallern BLOODBATH performt. Der Wechsel mit den bekannten cleanen Vocals klappt auf Platte wunderbar und auch live ist dies deutlich besser geworden, wenn auch nicht so intensiv wie auf selbiger. So merkte man während der gesamten Show, dass dem Sänger der Stil-Wechsel z.B. bei Songs wie “The Longest Winter”, “Medusa” oder “No Hope in Sight” nicht einfach fiel und auch Songs mit „rein“ cleanem Gesang, wie “One Second”, “Tragic Idol” oder “The Last Time”, nicht ganz sauber rüberkamen. Davon ab beeindruckte die Band natürlich wieder mit einem satten Sound und der übergenialen Performance von Lead-Gitarrist Greg Mackintosh, sowie der tighten Performance vom erst 23Jahre alten Drummer Waltteri Väyrynen, der ja ebenfalls in Mackintoshs Death Metal-Sideband VALLENFYRE zockt! Dazu rockte Gitarrist Aaron Aedy natürlich wieder mit voller Inbrunst, wie man es von ihm kennt. Der Rhythmus-Gitarrist feiert einfach jeden Song, egal ob alt oder neu! Generell scheint der Chemie in der Band zu stimmen, so sah man die Musiker untereinander hier und da kleine Gesten und auch mal Schmunzler austauschen, was bei den sonst gerne ernsten Briten schon was heisst.

Bei der Setlist haben sich PARADISE LOST für diese Tour einiges an Songs draufgepackt, damit man für jede Show mehrere Lieder austauschen kann. So fehlten heute z.B. die sonst immer gespielten “As I die” oder auch “Say Just Words”, wofür u.a. die Klassiker “Remembrance”, “Eternal” und “Ember’s Fire” mal wieder an den Start gebracht wurden.
So boten die britischen Düster-Ikonen eine Show, die zwar sicherlich nicht perfekt war, aber dennoch sofort Bock mehr gemacht hat, da die Songs auch mit kleineren Makel ihre Wirkung nicht verfehlen und live mitreißen wie eh und je – vielleicht sogar MEHR denn je!

Setlist PARADISE LOST
Blood & Chaos
Remembrance
From the Gallows
One Second
Tragic Idol
Medusa
No Hope in Sight
Shadowkings
Eternal
Forever Failure
Faith Divides Us, Death Unites Us
Eternity of Lies
The Longest Winter

Fearless Sky
Ember’s Fire
The Last Time

Copyright Fotos: Michael Werneke

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