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PARADISE LOST – SWALLOW THE SUN

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Ort: Bochum – Matrix

Datum: 12.05.2012

Am 20. April ist das 13. Studioalbum der „Goth“ Metaller von PARADISE LOST erschienen und wie es sich gehört, touren Sänger Nick Holmes, die Gitarristen Gregor Mackintosh und Aaron Aedy, Schlagzeuger Adrian Erlandsson sowie Bassist Steven Edmondson mit dem Silberling gleich einmal durch ganz Europa. Am Abend des DFB-Pokalspiels (das der BVB Dortmund übrigens mit einem klaren 5:2 gegen die Bayern für sich entscheiden konnte) waren die Straßen des Ruhrgebietes wie leer gefegt und trotzdem hatte ich das Gefühl, zu spät in der Matrix angekommen zu sein, weil sich bereits SWALLOW THE SUN aus Finnland anschickten, die Bühne zu entern. Eigentlich hätte zunächst norwegischer Black Metal von VREID auf dem Programm stehen sollen, doch der entfiel aus mir unbekannten Gründen ersatzlos.

Stattdessen eröffneten die Melodic-Death/ Doom Metaller um Sänger Mikko Kotamäki den Abend pünktlich um 20 Uhr mit dem Titeltrack ihres im Februar veröffentlichten fünften Longplayers „Emerald Forest And The Blackbird“. Der Mann am Mikro ließ zunächst einen Moment auf sich warten und startete dann mit cleanem Gesang, der sich im Laufe des Vortrages noch in heftiges Growlen verwandeln sollte. Die Kollegen an den Instrumenten blieben hier und auch beim folgenden „This Cut Is The Deepest“ in Sachen Tempo noch ein wenig verhalten, drückten ansonsten aber schon ordentlich auf die Tube und ließen die Köpfe nicken, bevor es mit „Hate, Lead The Way“ in die Vollen ging. Die Schuppenschüttler-Fraktion kam voll auf ihre Kosten und Herr Kotamäki schrie sich förmlich die Lunge aus dem Hals. „Hold This Hoe“ ließ es in doomigen Gefilden zunächst etwas ruhiger angehen, ehe Mönchsgesänge „Cathredral Walls“ einleiteten. Es folgte weiblicher Gesang vom Band und finnische Melancholie, die sich am Ende wieder in amtlichem Growlen entlud. Auch „New Moon“ (namensgebender Song der 2009er VÖ) besann sich auf skandinavische Schwermut und böse anmutende Gesangslinien, die schließlich auch das finale „Swallow (Horror Pt. I)“ bestimmten. SWALLOW THE SUN zogen noch einmal alle Register und konnten damit ihr Publikum durchaus für sich gewinnen. So endeten die ersten 45 Minuten Live-Mucke mit freundlichem Applaus und der ungeduldigen Erwartung des Hauptacts.

Setlist SWALLOW THE SUN
Emerald Forest And The Blackbird
This Cut Is The Deepest
Hate, Lead The Way
Hold This Woe
Cathedral Walls
New Moon
Swallow (Horror Pt. I)

Auf den musste sich die gut gefüllte Matrix noch 35 Minuten gedulden, schließlich musste die Stage noch für die Jungs aus Halifax/ West Yorkshire präpariert werden, wozu auch mehrere Ventilatoren gehörten, die nicht nur der Erfrischung der Band dienten, sondern auch Gregor Mackintosh lange Mähne in Wallung brachten. Beim Kollegen Aaron Aedy am zweiten Sechssaiter war hingegen nicht wirklich viel Frisur in Unordnung zu bringen und auch bei Steve Edmondson sowie Nick Holmes ist die Langhaaroptik längst Vergangenheit – ein Umstand, dem Holmes anscheinend nach eigenem Bekunden ein wenig wehmütig nachhängt, ich für meinen Teil stehe eher auf den aktuellen Look, aber das nur am Rande, schließlich ging es ja um die Musik und die konnte sich allemal hören lassen! Nach dem „Desolate“-Intro startete die komplett schwarz gekleidete Truppe mit „Widow“ von der 2007er „Icon“ standesgemäß durch und auch „Honesty In Death“ vom brandaktuellen Silberling ließ sich keineswegs lumpen. Erster Höhepunkt der Setlist war jedoch zweifellos die Hymne „Erased“, die 2002 mit der Langrille„Symbol of Life“ in die Läden kam. Die Nummer wurde selbstredend nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, bevor „Forever Failure“ für einen kurzen Moment Gelegenheit zum Luft holen gab. Mit dem Stück (inkl. Charles-Manson-Sample) vom 1995er „Draconian Times“ ging’s schon ziemlich weit zurück in die inzwischen 24 Jahre umfassende Bandgeschichte und auch das krachende „Soul Courageous“ hat bereits 15 Jahre auf dem Buckel, seit der Veröffentlichung auf „One Second“ jedoch nicht an Spannung verloren. Druckvoll schloss sich mit „In This We Dwell“ nicht minder hörenswertes neues Material an, während donnernde Langäxte und angedeutetes Glockengeläut „Praise Lamented Shade“ vom 2007er „Requiem“ ankündigte. Die Instrumentalfraktion nahm hier für einen Moment Gas weg – trotzdem rockte der Song natürlich auf das Feinste. Außerdem ging es mit speziell für alle Über-35-jährigen dank „Pity The Sadness“ mitsamt Ohoho-Gesängen des Auditoriums umgehend im Highspeed-Modus weiter. Nahtlos schloss sich das bassbetonte „As I Die“ an, bevor „Symbol of Life“ einen weiteren Höhepunkt der Show lieferte. Nick Holmes hatte es hier zwar nicht ganz leicht, gegen die dominanten Krachlatten anzusingen, aber um die manchmal etwas limitierten Sangesleistungen des Briten weiß man halt und was zählt, ist das Gesamtpaket, das wahrlich keine Wünsche offen ließ, sieht man mal von der Spielzeit ab. Mit dem knackigen Titelsong „Tragic Idol“, das zum kollektiven Hände klatschen animierte, war das reguläre Set schon fast am Ende, es fehlte nur noch „The Enemy“, mit dem es PARADISE LOST noch einmal amtlich krachen ließen, bevor sie um 22.15 Uhr ziemlich sang- und klanglos die Bühne räumten und sich auch ein bisschen länger im Off aufhielten, bis die „PARADISE LOST“-Rufe sie überzeugt hatten, in die Verlängerung zu gehen.

Die wurde mit dem Klassiker „One Second“ eröffnet, der natürlich jedes geschundene Metallerherz höher schlagen ließ und erneut Bewegung in die Matrix brachte. Der Midtempo-Stomper „Fear of Impending Hell“ gefiel mit feinem Gitarrengefrickel, um dann an „Faith Divides Us – Death Unites Us“ abzugeben. Das Lied trägt den Namen der 2009 erschienenen zwölften LP und bot intensive Slow Motion, die langsam Fahrt aufnahm. Für das grandiose Finale hatten sich die Herren ihr wunderbares „Say Just Words“ aufgespart, bei dem auf und vor der Stage noch einmal alles gegeben wurde. Ein kurzer Abschiedsgruß folgte und schon waren die fünf Mannen um 22.35 Uhr hinter der Bühne verschwunden. Blieb nur noch ein Outro und die Erkenntnis, dass auch an den Mitgliedern von PARADISE LOST die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen ist. Anders sieht es mit ihrer Mucke aus. Der Mix aus alten und neuen Stücken ergänzte sich perfekt und von Abnutzungserscheinungen kann bei dieser Kapelle, die im Metal-Bereich so einiges auf den Kopf gestellt hat, wahrlich keine Rede sein. Ein paar Tracks von meiner persönlichen Besten-Liste hätte ich gern noch gehört, aber man kann bekanntlich nicht alles haben. Ein gelungener Gig war’s allemal!

Setlist PARADISE LOST
Desolate (Intro)
Widow
Honesty In Death
Erased
Forever Failure
Soul Courageous
In This We Dwell
Praise Lamented Shade
Pity The Sadness
As I Die
Symbol of Life
Tragic Idol
The Enemy

One Second
Fear of Impending Hell
Faith Divides Us – Death Unites Us
Say Just Words

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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