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PETER SCHILLING & BAND

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Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 26.11.2016

Helden meiner Jugend – das nächste Kapitel… In den frühen 80ern saß der präpubertierende Autor dieser Zeilen mit gebanntem Blick vor der Mattscheibe, um bei Hecks Hitparade dem Phänomen der Neuen Deutschen Welle zu folgen. Einer der erfolgreichsten Protagonisten damals: PETER SCHILLING, der mit „Major Tom“ bekanntermaßen einen Riesenhit landete. Zwar später unerreicht, aber beileibe nicht sein Einziger! So nannte ich dann auch sein Debüt-Album „Fehler im System“ mein Eigen – auf Kassette, wem das noch was sagt… Nach einigen schwierigen Jahren, einem Burnout, diversen „Männer-Wellness-Ratgebern“ in Buchform aber auch immer wieder kleineren musikalischen Ausrufezeichen erfreute mich die Ankündigung einer Tour des mittlerweile 60-Jährigen. Die Zeit vergeht und ist auch vor dem Verfasser dieser Zeilen nicht stehen geblieben… Also auf ins benachbarte Osnabrück, den Magen vor Ort gut gefüllt und hinein in den Rosenhof, der bei unserer Ankunft…

… eher so semi-gut gefüllt war, um es mal galant auszudrücken. Und wieso waren eigentlich – neben ein paar „Gothics“ so viele hyperaktive Kleinkinder vor Ort? Dieses Rätsel sollte später noch gelüftet werden. Zunächst mal enterten Peter (mit Sonnenbrille und Käppi) plus Begleitmannschaft (Uwe Metzler/ Gitarre, Andreas Recktenwald/ Keys, Benno Richter/ Bass und Richy Denis/ Drums) die Bühne, um nach einen kurzen Intro mit einem Titel seiner aktuellen Scheibe „DNA“ loszulegen. Diese stammt aus dem Jahre 2014 und wurde mit immerhin 5 Titeln bedacht, die allesamt gut hörbar sind. Ordentlicher Deutsch Pop Rock mit recht gelungenen Texten, der sich vor der nationalen Konkurrenz beileibe nicht verstecken muss, aber wohl doch ein wenig unter dem Zeitgeist fliegt. Genau wie anscheinend auch der gute Peter selbst, der über den gesamten Gig sehr sympathisch und beizeiten auch selbstironisch rüberkam. Während Epigonen von damals wie HUBERT KAH und JOACHIM WITT heutzutage eher einen verquast-schrägen Eindruck hinterlassen (Letztgenannter hat dazu in der schwarzen Szene besten Nährboden gefunden), ist Herr Schilling bodenständig geblieben, vielleicht liegt es an seiner schwäbischen Herkunft. Schnell reiste er in seiner Diskographie ganz an den Anfang und präsentierte mit „… dann trügt der Schein“ den Opener des eingangs erwähnten Erstlings. Der Titeltrack folgte. Die anwesenden Zuschauer feuerten die gut aufspielende/ engagierte Band nach Kräften an, wobei erwartungsgemäß natürlich die absoluten Klassiker herbeigesehnt wurden. Wie etwa „Die Wüste lebt“, ein Song, den ich schon damals besser fand als den etwas ausgenudelten „Major“. Hierzu begab sich Peter auch an ein Effektgerät, um den „Oldie“ ein wenig aufzupeppen. „Hitze der Nacht“ leitete er mit den bemerkenswerten Worten ein: „ Das war mein letzter Auftritt in der Hitparade. Damals war man froh, dass es vorbei war. Heute sehnt man sich direkt wieder danach.“ Damit sprach er wohl so manchem Zuschauer aus dem Herzen…

Nun wurde auch endlich die Anwesenheit der vielen Kids erklärt. PETER SCHILLING unterstützt seit vielen Jahren den deutschen Kinderschutzbund, nicht zuletzt auch wegen seiner eigenen schweren Kindheit, die man in Auszügen bei Wikipedia nachlesen kann. In Zusammenarbeit mit der „Musik & Kunstschule Osnabrück“ (so meine ich es wenigstens verstanden zu haben) hatte er das Lied „Sonne, Mond und Sterne“ mit der lebhaften Schar von Kids einstudiert, die nun auf die Bühne kamen und so engagiert wie aufgeregt mitträllerten. Einige stolze Eltern natürlich im Schlepptau. Ein besonders aufgeweckter Jungspund namens Alex legte sogar einen sehr respektablen Breakdance hin. Herr Schilling war sichtlich begeistert und man nahm es ihm ab, dass das hier kein hohles Statement war. Im Anschluss spielte man zusammen noch etwa die Hälfte von „Kevin“, ein Song, den Peter dem Kinderschutzbund geschenkt hatte und der dann auch lyrisch eher düster ausfiel. Leider wurde es nach dem Abgang der Kinder plus Erziehungsberechtigten nicht wirklich voller im Rosenhof, doch auf der Bühne gab man sich weiter keine Blöße. „Terra Titanic“ war natürlich ein weiteres Highlight des angeblichen „One Hit Wonder“ (O-Ton P.S.), danach wurde erstmal die Band vorgestellt, die sich dann durch ausgedehnte und technisch sehr feine Bass/ Schlagzeug-Soli vorstellen durfte. Top Musiker, die sich der Wahl-Münchener da an Bord geholt hat. Nach dem aktuellen Titeltrack „DNA“ ging es dann auch schon in die Zielgerade des Abends, es folgt ein weiteres nettes „Schmankerl“. Nur mit Akustikgitarre bewaffnet gab es gleich 4 Cover-Versionen berühmter Klassiker auf die Ohren, mal kürzer mal länger angespielt. Besonders interessant das gerade durch DISTURBED wieder aus der Mottenkiste geholte „Sound of Silence“, das Peter gemeinsam mit einem langmähnigen „Bournout-Leidensgenossen“ interpretierte, der mit guter Stimme beeindruckte. Und dann natürlich das „Unvermeidliche“… der gute „Major Tom“ hielt Einzug in den Rosenhof und die müden Knochen kamen allerorten in Bewegung. Plötzlich wähnte man sich zurück in den seligen 80ern und versuchte den Moment so lange wie möglich festzuhalten. Leider letztendlich unmöglich…

Doch bevor hier irgendwer weinerlich oder gar pathetisch wird: Es folgte noch eine Zugabe, nachdem die Band wirklich nur wenige Sekunden die Bühne verwaist hatte. Zum Abschluss gab es noch einmal „Terra Titanic“ in einer Art halb-akustischen Version zu hören, bevor gegen 22 Uhr der Club für eine Bravo Hits-Party neu präpariert wurde. PETER SCHILLING hatte an diesem Abend vieles richtig gemacht. Die Setlist ein guter Mix aus Alt und Neu, eine engagierte Performance, die keinesfalls Patina angesetzt hatte und ein paar nette Überraschungen. Ich hoffe, dass dies beim nächsten Mal deutlich mehr Zuschauer honorieren und es nicht wieder ewig dauert, bis man den mit seinem Privat-PKW angereisten Künstler wieder live bewundern darf. Während dieser sich noch am Merch als Star zum Anfassen gab, machten wir uns wieder auf nach Ostwestfalen in die Gegenwart…

Setlist
Intro
Wenn Sie Es So Wollen
…dann trügt der Schein
Fehler Im System
Die Wüste Lebt
Echos
Hitze der Nacht
Sonne, Mond und Sterne (mit Kinderchor)
Kevin (mit Kinderchor) (angespielt)
Ich Vermisse Dich
Ozean
Terra Titanic
Bass-Solo (Benno Richter)
Drum-Solo (Richy Denis)
The Different Story
DNA
American Pie/ Mrs Robinson/ Sound Of Silence/ Heroes (Cover)
So Ist Die Welt
Major Tom (Völlig losgelöst)

Terra Titanic (halb-akustisch)

Copyright Fotos: Karsten Thurau

1 Kommentar

  1. Kerstin sagt:

    Schöner Bericht! Tolle Bilder :) Hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen in Osnabrück – und dann sicher bei vollem Hause!

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