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PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB – SASU

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Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 02.04.2011

Vor gerade einmal einem halben Jahr waren PHILLIP BOA und sein VOODOOCLUB mit der Supportband SASU zu Gast in Münster. Damals stand ein Best of auf dem Programm, das die Zeit bis zum nächsten Studioalbum verkürzen sollte, ehe selbiges im kommenden Sommer das Licht der Plattenläden erblicken wird. Und jetzt treibt sich Ernst Ulrich Figgen schon wieder auf den Bühnen der Republik rum. Anlass ist das Re-Release der beiden BOA-Meilensteine „Helios“ aus 1991 und „Boaphenia“ (1993 erschienen) und mit diesem Material gedachte der Herr auch den Abend zu bestreiten. So stand es auf den Eintrittskarten und so beschied er es auch ein paar Fans, die lautstark nach „Kill Your Ideals“ verlangten. Aber das ist von der „Copperfield“ und stand deshalb an diesem lauschigen Frühlingssamstag nicht zur Debatte.

Bevor es für die zahlreichen Ü30er, welche die besagten Longplayer wahrscheinlich schon in den ursprünglichen Erscheinungsjahren ihr Eigen nannten, eine Reise in die Vergangenheit gab, durften SASU aus Frankfurt Songs ihres Debüts „Efficiency Is The Anti-Love“ zum Besten geben. Die Ostwestfalen waren wie üblich sehr zurückhaltend, spendeten jedoch durchaus freundlichen Applaus, aber irgendwie schien Sänger Tyrone ein wenig enttäuscht von den Reaktionen des Auditoriums zu sein. Dabei hatte der Alternative/ Postpunk/ Shoegazing-Sound durchaus seinen Reiz, insbesondere, wenn der Fronter wie bei „Icy Cannonball“ selbst zur Gitarre griff. Der Herr wirkte allerdings bisweilen ein wenig wie die Provinz-Ausgabe eines Möchtegern-Brian-Molko und schmollte möglicherweise, weil man ihm und seiner Band bestehend aus RoB, Pat Lenard und Norb van Boyken nicht die gewünschte Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Auf jeden Fall ging der Vierer nach einer halben Stunde ohne Abschiedsgruß von der Stage. Vielleicht hätte man SASU sagen müssen, dass die Bielefelder immer ein bisschen Zeit brauchen, um aufzutauen.

Setlist SASU
Hold On
Icy Cannonball
Dropped
Hall Cathedral
Ivory T
Weight of Craving
The Only Eye

Die war 20 Minuten später gekommen, als nach den Klängen von „Bela Lugosi’S Dead“ zunächst der VOODOOCLUB die Bühne enterte und schließlich auch PHILLIP BOA und Pia Lund erschienen. Zu kühlem, blauem Licht startete die Truppe mit „Utopia“ von der „Boaphenia“-Langrille, die es seinerzeit bis auf Platz 15 der deutschen Charts brachte. Mit „Life After Being A Zombie” war es an der Zeit für ein Stück vom zweiten Album des Abends und die ersten Tänzchen im Publikum. Die Texte seiner immerhin 18 bzw. sogar 20 Jahre alten Lieder schienen nicht mehr 100%ig zu sitzen, zumindest hatte der Wahl-Malteser ein Pult mit den entsprechenden Lyrics dabei, aber ob der Ordner wie sonst auf dem Boden liegt oder gut sichtbar auf einem Pult, spielt nun wirklich keine Rolle. Pia schien derartige Gedächtnisstützen nicht zu benötigen und bot wie üblich einen netten Anblick, auch wenn die Dame nur ein einziges Mal lächelte. Sogar BOAs Anmerkung auf die Frage eines Anwesenden, ob die beiden denn wieder ein Paar seien, änderte nichts an ihrer Mimik. Immerhin verneinte er zwar, ließ aber nicht unerwähnt, dass er als Erster zur Stelle wäre, wenn es ihr nicht gut ginge oder ihr etwas zustieße. Aber zurück zur Musik, die gelegentlich auf Frau Lund verzichten musste. Beispielsweise beim ruhigen „Pretty Bay“ verschwand die zierliche Blondine im Off, um jedoch beim treibenden „30 Men On A Dead Man’s Grave“ gleich wieder mit ihrem glockenhellen Gesang von der Partie zu sein, während ihr Ex seine typischen Tanzbewegungen vollführte, die manchmal doch ein wenig an Schüttellähmung erinnern. Für „Puppet On A Strang“ überließ er Pia das Mikro komplett und begab sich stattdessen an die Percussions von Keyboarder Toett, ehe „Pfirsicheisen“ ohne Oliver Klemm (Gitarre) und Maik T. aka The Leach (Bass) auskam. Stattdessen gab’s dramatischen Gesang von Pia Lund, bevor „The Laughing Moon“ ein wenig Brecht- und Weill-Flair zauberte, für den wieder die gesamte Mannschaft verantwortlich war. Beim druckvollen „Sirens From Hell“ griff auch der Chef zum Sechssaiter und rockte was das Zeug hielt. Blitzschnellen, typischen BOA-Sound gab’s auch mit „The Undersea World of Jacques Cousteau And His Friends”, um schließlich mit „Hyperactive Cracker” einen Kracher der umfangreichen Diskografie rauszuhauen. Keine Frage, dass es jetzt auch für die zahlreichen OWLer kein Halten mehr gab, die mit „Bohemian Life“ gleich im Tanzmodus bleiben konnten. Die vertrackten Melodien von „Fiesta“ ließen es etwas gemächlicher angehen, doch „Beat Me Up!“ machte wieder Tempo, was auch für das lauthals mitgesungene „Johnny The Liar“ und „Euphoria“ galt. Mit dieser äußerst tanzbaren Nummer kam Bewegung ins Forum und verabschiedeten sich PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB für einen kurzen Moment von den Fans.

Wenn diese mitgezählt hatten, wussten sie, dass noch nicht alle angekündigten ersten elf Songs der beiden Re-Releases gespielt worden waren und tatsächlich durften sie sich noch auf einen 25-minütigen Nachschlag freuen, der mit dem „Boaphenia“-Bonustrack „Mary Rose“ startete und nur von Oliver Klemm an der Akustikgitarre, dem Keyboarder Toett und PHILLIP BOA selbst bestritten wurde. Für „Love On Sale“ kehrten auch die restlichen Mitstreiter zurück und es gab mit „Love On Sale“ und „Get Terminated“ zwei weitere Klassiker auf die Mütze, die entsprechend abgefeiert wurden, während das Indie-Urgestein Figgen seinen irren Blick schweifen ließ und einen Schluck aus seiner Weinflasche nahm, die er später ans Publikum verschenkte. Das musste ihn allerdings mit den vertrauten „Arschloch“-Rufen zunächst wieder auf die Stage zurücklocken, wo mit „Encore Screamer“ ein weiterer unbekannten Song und natürlich die Hymne „And Then She Kissed Her“ zu Gehör gebracht wurden. Auf diese Weise endete der Gig nach 100 Minuten um 23.30 Uhr und man muss Herrn BOA schon lassen, dass er konsequent ist. Wie schon bei den 2006er Re-Releases „Copperfield“, „Hair“ und „Hispanola“ wurde ausschließlich „Helios“- und „Boaphenia“-Material gespielt, was der Stimmung aber keinesfalls geschadet hat. Es war einmal mehr ein schöner Trip in die Jugend und bestimmt hatten viele der Anwesenden genau wie ich jede Menge Erinnerungen, die beim Hören der Lieder wieder vor das geistige Auge traten. Jetzt muss nur die versprochene neue Konservenkost schnell kommen und dann darf PHILLIP BOA gern wieder auf Tour gehen…

Setlist PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB
Utopia
Life After Being A Zombie
Wonderless
Pretty Bay
30 Men On A Dead Man’s Grave
Puppets On A Strang
Pfirsicheisen
The Laughing Moon
Sirens From Hell
Galerie der Fälschungen
The Undersea World of Jacques Cousteau And His Friends
Hyperactive Cracker
Bohemian Life
Fiesta
Beat Me Up!
Johnny The Liar
Euphoria

Mary Rose
Love On Sale
Get Terminated!

Encore Screamer
And Then She Kissed Her

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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