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PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB – THE BABY UNIVERSAL

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Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 13.10.2007

Eine der Speerspitzen des deutschen Indie-Rocks gab sich die Ehre, zum zweiten Mal in nur zwölf Monaten den Osnabrücker Rosenhof zu besuchen. Im Gepäck natürlich das brandneue Album „Faking to blend in“, welches im Sommer erschienen ist, mehr als 20 Jahre Bühnenerfahrung, einen Ordner mit Liedtexten und eine Schreibmaschine. Aber immer der Reihe nach, schließlich gab es auch noch einen absolut hörenswerten Support, der in der Hasestadt nach sechs Gigs seinen Abschied von Herrn BOA und dessen VOODOOCLUB nehmen musste.

Zuvor rockten THE BABY UNIVERSAL aus Halle/ Saale das ehemalige Kino am Rosenplatz noch mal vom Feinsten, auch wenn die Osnabrücker sich mal wieder zu Beginn sehr reserviert zeigten. Überpünktlich um 19.55 Uhr legte der Fünfer mit „Mother“ einen amtlichen Opener hin, der im wahrsten Sinne des Wortes den Boden vibrieren ließ. Neben den Herren an Bass, Gitarre, Drums und Percussion, sorgte besonders der doch sehr magere Aktivist am Mikro für ordentliches Rock ’n’ Roll-Feeling. Den nackten Oberkörper notdürftig in eine offene Jeansjacke verpackt und mit einer knallengen Jeans bekleidet, schien er direkt aus den Seventies in die Gegenwart katapultiert worden zu sein. Auch musikalisch sind in dieser Dekade durchaus Anleihen genommen worden, wie auch „Black Spider“ bewies. THE BABY UNIVERSAL nennen ihre Musik „Rock ’N’ Roll Glam Noir“ und das traf es auch ganz gut. Für den T-REX-Glam-Faktor war zweifelsohne der wildgelockte Fronter zuständig, daneben sorgte der Rest der Mannschaft aber nicht weniger engagiert für den richtigen Drive. Zu „Dead of Night“ begab sich der Meister des gesungenen Wortes und der exstatischen Bewegungen ans E-Piano und bescherte einen soften Einstieg, bevor es wieder richtig zur Sache ging. Das Liebeslied „Dancing Witches“ war einem Zuschauer gewidmet, welcher der Aufforderung, näher zutreten und zu rocken nachgekommen war. Der Song gab sich etwas ruhiger, aber nicht weniger druckvoll als seine Vorgänger. Bassbetont uns sehr rhythmisch ging’s mit „Monkey Dance“ weiter, dann nahm der Frontmann, bei dem ich zwischendurch immer ein wenig Angst hatte, dass er vielleicht etwas zu nah am Bühnenrand stehen und runterfallen könnte, wieder am E-Piano Platz und brachte „Strangers“ zum Besten, dessen stakkatomäßiger Sound Erinnerungen an die DOORS beschwor. Richtung CHRIS ISAACK & THE BAD SEEDS tendierte das melodiöse „Boys And Girls” – eine sehr schöne Nummer mit einer fantastischen Gitarreneinlage! Nach 40 Minuten beendete „Dig My Life Away“ auf groovende Art und Weise den Gig der Hallenser. Erneut wurde ein Ausflug in die Siebziger unternommen, mit den Instrumenten gefrickelt und vom Sänger eine Faust voll Stille über dem Drummer ausgeschüttet, der daraufhin ein wahres Rock-Gewitter auslöste. Ein hervorragender Start in den Abend, der übrigens auch direkt im Anschluss mit stellvertretend vier Tracks auf CD gebannt wurde und alsbald am Merchstand erworben werden konnte. Was fehlte, war das Debütalbum, an dem wird nämlich noch gearbeitet, nach diesem Auftritt im Rosenhof rechne ich aber mit einer sehr energiegeladenen Platte, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Setlist THE BABY UNIVERSAL
Mother
Black Spider
Dead of Night
Dancing Witches
Monkey Dance
Strangers
Boys And Girls
Dig My Life Away

Eine halbe Stunde später wurde es dunkel im ehemaligen Lichtspielhaus. Allerdings wurde kein Film gezeigt, sondern die Ankunft von Altmeister PHILLIP BOA alias Ernst Ulrich Figgen stand bevor. Der Herr scheint dem hellen Licht eher abgeneigt zu sein, auf einer Monitorbox stand zudem extra in großen Lettern der Hinweis, dass fotografieren nur ohne Blitz gestattet sei und auch seine Kleidung hatte der gebürtige Dortmunder mit Wahlheimat auf Malta genauso wie sein VOODOOCLUB in einem freundlichen Schwarz gewählt. Musikalisch startete man mit „Girl is a Runner“ von der neuen Scheibe. Offensichtlich war das Publikum bereits vertraut mit dieser VÖ, es wurde schon rege mitgesungen und getanzt und auch bis vor den Bühnenrand hatte man sich inzwischen vorgetraut. Gut 500 Zuschauer, die problemlos auch zu einer Ü30-Party hätten gehen können, dürften es gewesen sein, welche die Konzertstätte passabel füllten und mit „I Dedicate My Soul To You“ als nächstes einen Song vom zweiten Werk „Aristocracie“ aus 1986 zu hören bekamen. Zu dieser Nummer griff Herr BOA auch selbst in die Saiten, beim folgenden Stück über die Unmöglichkeit ewiger Liebe, das gleichzeitig den Titel der neuen CD stellt, konzentrierte er sich allerdings wieder allein auf den Gesang. Wie es schien, saßen auch nicht alle Lyrics 100%ig, auf jeden Fall lag zu seinen Füßen ein dicker Ordner mit viel Text und Phillips Augen wanderten häufig Richtung Bühnenboden. Textunsicherheiten waren aber nicht festzustellen und so ging’s mit dem 2000er „So What!“ sehr tanzbar weiter, bevor mit „Emma“ ruhigere Töne angeschlagen wurden. Nach dieser kurzen Verschnaufpause lud „This is Michael“ erneut zum Tanzen ein, während der Vorsteher des VOODOOCLUBs sich im Luftgitarrenspiel versuchte. Bisweilen schienen die Bewegungsabläufe bei Herrn Figgen überhaupt ein wenig strange. So auch bei „You Are A Parasite But I Love You“, bei dem die Kopf- und Armbewegungen doch ein wenig seltsam wirkten. Zu „Atlantic Claire“ vom 1994er „God“ überließ BOA seiner Ex-Frau Pia Lund die Stage und Gitarrist David Rebel rückte in die erste Reihe auf bis der Chef zum atmosphärisch sehr dichten „Queen Day“ wieder zurückkehrte. Eines meiner Highlights war „Love On Sale“ mit einer grandiosen Percussion-Einlage von Moses Pellberg an den Drums und Toett an den Percussions (und gleichzeitig für die Keys zuständig). Zu guter Letzt griff auch Phillip zu den Drumsticks und hämmerte auf Toetts Becken ein – eine perfekte Überleitung zum relativ harten „Albert Is A Headbanger“ vom legendären 1989er Album „Hair“, welches seinerzeit den internationalen Durchbruch brachte. Bei den Fans kam der Song natürlich hervorragend an und wurde heftig abgefeiert, während Pia sich eine Auszeit nahm. Bei „In Today’s Partie“ war sie auch wieder mit im Boot und die Zuschauer hatten Gelegenheit, sich bei dem eher getragenen Stück etwas zu sammeln, ging es doch mit „Annie Flies The Love Bomber“ im Anschluss sehr schnell zur Sache. Die Anwesenden wollten es aber auch gar nicht anders, wie der langanhaltende Applaus verriet. „Sleep A Lifetime“ gab sich hingegen sehr getragen, wurde jedoch umgehend vom flotten „Drinking And Belonging To The Sea“ abgelöst. Ein absolutes Schmankerl war auch „Fine Art In Silver“, ebenfalls der „Hair“ entnommen und ohne Pia, dafür aber mit viel Percussion und gänzlich ohne Licht. Ein fettes Finale bescherte „The Night Before The Last was Saturday“, bei dem BOA noch mal gesenkten Hauptes in seinem nicht wirklich gut sitzendem Anzug über die Bühne tigerte. Irgendwie hat der Mann ja leicht autistische Züge, aber was soll’s, die Musik, die er macht, ist einfach genial. Das fanden auch die Osnabrücker, die dringend nach einer Zugabe verlangten. Da wollte auch PHILLIP BOA nicht so sein und versprach eine Verlängerung mit drei Sogs, die der Band gut gefallen und drei weiteren Titeln, die das Publikum besonders mag. Den Anfang machte dann die aktuelle Singleauskopplung „On Tuesday I’m Not As Young“, die für einen gewissen Lars gespielte unplugged-Version von „Rome In Rain“, welche ohne Bassist Maik T. und Toett auskam, dafür aber lauthals vom Auditorium mitgesungen wurde und der 21 Jahre alte Evergreen „Diana“, bei dem Pia Lund zeigen durfte, welche Höhen ihre eh zuckersüße Stimme erreichen kann. Beim folgenden „Container Love“ – der BOA-Hymne schlechthin – war die Stimmung auf ihrem Höhepunkt, trotzdem (oder gerade deshalb) war an ein Ende noch nicht zu denken. Also kehrte die Mannschaft noch mal ohne ihr Mastermind zurück und Pia sang „And Then She Kissed Her“ von der 1991er „Helios“. Mit einer Flasche Wein bewaffnet, kehrte auch Herr Boa auf die Stage zurück und klimperte auf der besagten, sehr alt wirkenden mechanischen Schreibmaschine herum, die in Front des Drumkits auf dem Boden stand. Damit war dann die Funktion dieses Bühnen-Accessoires auch geklärt. Fehlte nur noch eine kurze Bandvorstellung (das einzige Mal, dass es hell war auf der Stage) und der unwiderruflich letzte Song „Kill Your Idols“. Inzwischen auch schon 19 Jahre alt, ist der Titel für PHILLIP BOA angesichts der aktuellen Überlegungen Richtung Überwachungsstaat immer noch hochaktuell und sorgte noch mal für Full Speed, umstürzende Trommeln, und Gitarren, die von ihrem Spieler (BOA) auf den Verstärker gedroschen wurden.

Letztlich blieb aber alles heil und nach gut 100 Minuten endete ein wunderbarer Streifzug durch die BOA-Diskografie. Dabei zeigte sich, dass die neuen Stücke hervorragend die alten Klassiker ergänzen und sich PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB absolut auf der Höhe der Zeit befinden.

Setlist PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB
Girl Is A Runner
I Dedicate My Soul To You
Faking To Blend In
So What!
Emma
This Is Michael
You Are A Parasite But I Love You
Atlantic Claire
Queen Day
Love On Sale
Albert Is A Headbanger
In Today’s Parties
Annie Flies The The Love Bomber
Sleep A Lifetime
Drinking And Belonging To The Sea
Fine Art In Silver
The Night Before The Last Was Saturday Night

On Tuesdays I’m Not As Young
Rome In The Rain
Diana
Container Love

And Then She Kissed Her
Kill Your Ideals

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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