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PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB – EVI VINE

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Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 06.12.2013

06. Dezember? Was fällt uns zu diesem Datum ein? Klar, Nikolaus! Der kam möglicherweise bei einigen Familien in diesem Jahr etwas früher, weil Mama und Papa um 20.00 Uhr in Bielefeld sein wollten. Um dort was zu tun? Das Thema Fußball schied schon mal aus, denn die Arminia versägte ihr Heimspiel gegen Dresden bereits ab 18.30 Uhr, was allerdings angesichts diverser Fußball-Chaoten auch rund um das Forum zu gewissen Verkehrsstörungen und einem gehörigen Polizeiaufgebot führte. Die Konzertstätte an der Meller Straße meldete an diesem Freitagabend zusätzlich volles Haus, denn Indie-Legende PHILLIP BOA hatte sich mit seinem VOODOOCLUB angesagt und versprach, 25 Singles zu Gehör zu bringen.

Als ich es endlich ins Forum geschafft hatte, spielte der Support EVI VINE aus London bereits sein letztes Stück „Porcelain“ und präsentierte auf diese Weise getragenen Dream Pop, in dessen Mittelpunkt Miss Evi am Mikro stand. Bisweilen griff die Dame offensichtlich auch zum Sechssaiter, während sie von zwei Herren an Tasten und Gitarren begleitet wurde. Der kleine akustische Ausschnitt, den ich noch erhaschen konnte, klang vielversprechend und dem freundlichen Applaus folgend, den das Auditorium spendete, waren auch die übrigen Songs durchaus hörenswert. Behalten wir die Briten also auf dem Radar und wenden und dem Hauptact des Abends zu.

Setlist EVI VINE (ohne Gewähr)
For The Dreamers
Inside Her
Colours of The Night
This Is How I’m Feeling
Porcelain

Denn natürlich wartete die das Publikum überwiegende Ü30/Ü40-Fraktion auf einen Helden ihrer Jugend, der da mit bürgerlichem Namen Ernst Ulrich Figgen heißt, aber als PHILLIP BOA deutlich bekannter ist. Wie bereits erwähnt, standen die vier aktuellen Konzerte in Stuttgart, Frankfurt, Bielefeld und Dresden-Bischofswerda unter dem Motto „25 Singles Shows – PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB spielen 25 bekannte Songs aus ihrem Gesamtwerk“. Die zahlreichen Fans im ausverkauften Forum durften sich also auf ein wahres Hit-Feuerwerk und eine Reise durch drei Jahrzehnte Indie-Mucke freuen. Als sich gegen 21.00 Uhr Dunkelheit über die Bühne senkte, erklang jedoch zunächst einmal mit„Bela Lugosi’s Dead“ von BAUHAUS einen fremden Klassiker, zu dem der VOODOOCLUB nach und nach Aufstellung nahm, bis am Ende auch die blonde Pia Lund und Herr Boa ihre Plätze gefunden hatten und mit dem aktuellen „Loyalty“ vom gleichnamigen Album aus 2012 (mit Platz 13 die beste Chartplatzierung der Bandgeschichte) flott gestartet werden konnte. Mit „I Dedicate My Soul To You” schloss sich ein früher Song an, ehe dank „Ostrich” die erste Single überhaupt auf dem Plan stand. „Rome In The Rain“ vom 2000er „My Private War“ ließ es schließlich für einen Moment etwas ruhiger angehen, bevor „Fine Art in Silver“ (1989 auf „Hair“ erschienen) Pia in eine kurze Pause schickte und das begeisterte Publikum zum Tanzen brachte. Druckvoll folgte „Atlantic Claire“ (1994 – „God“), diesmal ohne Phillip, der stattdessen den Gesangspart seiner Ex überließ, aber für das lange nicht mehr gespielte „Andy W.“ vom 1988er „Copperfield“-Longplayer mitsamt seiner Gitarre wieder am Start war. Gemeinsam mit Maik T. am Bass und Oliver Klemm an der Leadgitarre legten die Langäxte knackig vor und bekamen von den Drums (Moses Pellberg) und der Percussion (Toett – außerdem für die Tasten verantwortlich) ordentlich Unterstützung. Dank „Want“ ging es mit frischem Material weiter, doch es war die „Hispanola“-Hymne „This Is Michal“ aus 1990, welche die Leute wenig später zum Hüpfen brachte. „Hyperactive Cracker“ vom Glanzstück „Boaphenia“ aus 1993 war da eindeutig der passende Nachschlag, der extrem treibend gebührend abgefeiert wurde. Für das emotionsgeladene „Deep In Velvet“ mit seinen wunderbaren Schrammelgitarren wurde die Stage in grünes Licht getaucht und das Tempo ein wenig gedrosselt, ehe es mit „Til The Day We Are Both Forgotten“ mit Schmackes im Midtempo weitergehen konnte. Nach eigenem Bekunden ist „Love on Sale“ so etwas wie die Fortsetzung von „Container Love“ mit vierjähriger Verzögerung. Aufs Tanzen wartete heuer allerdings niemand lange und so wurde auch dieser Evergreen zu einem wahren Fest, das außerdem einen verhinderten Stagediver auf den Plan rief, der allerdings nicht so recht auf Gegenliebe bei den Anwesenden traf und darauf verzichten musste, auf Händen getragen zu werden. Möglicherweise war ein besonders euphorischer Fan auch Schuld daran, dass die Bielefelder Zuschauerschaft keine 25, sondern nur 24 Songs genießen konnten. Nachdem das straighte „So What“ verklungen war, gab Boa sein Mikro nämlich an einen Herrn am Bühnenrand ab, der ihn mit Lob überschüttete, indem er Phillips Siegeschancen bei „The Voice of Germany“ in Zweifel stellte. Nun denn, wohl nicht nur für PHILLIP BOA eine strange Vorstellung, bei einer Casting-Show mitzumachen; auf jeden Fall kommentierte er diese Idee mit „Dann müsste man mir aber auch erst mein Hirn amputieren.“ und schritt zum nächsten Song, der da auf den Namen „Diana“ hörte, obwohl die Setlist eigentlich zunächst „Lord Have Mercy With The 1-eyed“ vorsah. „Diana“ kam jedoch mit einem Schrammel-Krach-Finale vom Feinsten daher und reizte den Bandleader zu einem „Das hat euch wohl gefallen?“. Jap, hat es, ebenso wie das knackige „Annie Flies The Love Bomber“ und „When The Wall of Voodoo Breaks“ mit dem es am Ende des regulären Sets noch mal ab durch die Mitte ging und das mit einem fetten Instrumentalpart überzeugte.

Die erste Zugabe ließ nicht lang auf sich warten und war das leicht verquere „Emma“, bevor „Albert Is A Headbanger“ amtlich auf den Putz haute. Die Gitarrenriffs haben DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER im Übrigen wohl für ihr „Tötet Onkel Dittmeyer“ geklaut. Immerhin hat es in der Besetzung der beiden Kapellen in der Vergangenheit ja auch durchaus Überschneidungen gegeben, war Drummer Moses Pellberg aka Deko Pellmann doch früher auch ein “Schulkind” und kehrt zu den Weihnachtskonzerten gern wieder in die alte Osnabrücker Heimat und auf die Bühne zu Heaven, Dr. Ignatz Ignaz und den Brüdern Charlie und Jo Granada heim. Zurück ins Forum, wo die Fans zu Recht steil gingen und sich im Weiteren über das hochenergetische „I Don’t Need Your Summer“ freuten. So ihn Fahrt gekommen, ging auch „Bells of Sweetness“ nicht vom Gas und dass „Container Love“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde, dürfte sich von selbst verstehen. Die Fans bewiesen a cappella ihre Textsicherheit und Phillip drosch energisch auf Toetts Drums ein – wer jetzt noch still stand, war zweifellos am falschen Ort. Nach einem weiteren kleinen Break holte das Stakkatoklatschen des Publikums die Truppe erneut auf die Bühne zurück. Diesmal allerdings ohne den Bandleader, denn „And Then She Kissed Her“ wird traditionell von Frau Lund allein performt. Belohnt wurde die blonde 52-jährige mit lauten „Pia!“-Rufen, ehe das cool-groovende „Kill Your Ideals“ den Gig nach 105 Minuten fantastisch beendete. Keine Frage, PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB wissen noch immer wie es geht und die Songs sind einfach zeitlos schön. Schade, dass Pia die Combo zum Jahresende wieder verlassen möchte und aktuell quasi auf kleiner Abschiedtour ist. Das Zusammenspiel der beiden Stimmen war immer etwas Besonderes und ohne Zweifel wird sie fehlen. Alles Gute!

Setlist PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB
Loyalty
I Dedicate My Soul To You
Ostrich
Rome In The Rain
Fine Art In Silver
Atlantic Claire
Andy W.
Want
This Is Michael
Hyperactive Cracker
Deep In Velvet
Love On Sale
So What
Diana
Annie Flies The Love Bomber
When The Wall of Voodoo Breaks

Emma
Albert Is A Headbanger
I Don’t Need Your Summer
Bells of Sweetness
Container Love

And Then She Kissed Her
Kill Your Ideals

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

1 Kommentar

  1. Gidorah sagt:

    Ich hab in ja schon oft live erleben dürfen, aber Diana war, glaube ich, noch nie dabei !?

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