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THE PICTUREBOOKS – THE LORANES

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Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 21.10.2015

Heimspiel in Gütersloh! Fynn Claus Grabke und Philipp Mirtschink beehrten mal wieder die alte Heimat und mischten bei dieser Gelegenheit und in ihrer Eigenschaft als THE PICTUREBOOKS die Weberei auf. Gut möglich, dass die beiden schon ziemlich lange nicht mehr in Ostwestfalen waren, denn zumindest gefühlt haben die Jungs in den letzten Monaten und Jahren so ziemlich jeden Club in Europa und Amiland gerockt, der Strom und eine Bühne für die beiden hatte. Aktuell tourt das Alternative-Blues-Rock-Duo durch deutsche Lande und gab sich die Ehre eines Hometown-Gigs.

Natürlich waren Fynn und Phil nicht allein nach Gütersloh gekommen, sondern hatten die Label-Kollegen von THE LORANES mit dabei, die am vergangenen Freitag erst ihr Debüt „Trust“ bei Noisolution veröffentlicht hatten. Als ich um kurz nach 20.00 Uhr endlich die Konzertvenue erreichte (die Parkplatzsituation deutete bereits im Vorfeld ein volles Haus an), spielten Mammut (Bass), Elias (Vocals & Gitarre) und Pat (Drums) bereits und sorgten mit ihrem kantigen Blues-Rock für nickende Köpfe und wippende Füße. Da durfte natürlich auch die knackige Single „Lonely Girl“ nicht fehlen, während das Set vom ruppigen Highspeeder „She Ain’t You“ beendet werden sollte. Aber siehe da: Der Dreier, der sich erst im vergangenen Jahr gefunden hat, bekam eine Nachspielzeit und reichte mit dem grummelnden „Suicide Leaders“ und dem temporeichen „Bore Me To Death“ alles andere als langweiligen Ohrenschmaus nach. Wer sich übrigens gefragt hat, woher ihm der Typ am Bass so gekannt vorkam: Philipp „Mammut“ Lippitz war bis 2013 bei KADAVAR am Stahlsaiter aktiv, ein Greenhorn ist der Mann also ganz gewiss nicht mehr und auch seine beiden Mitstreiter zeigten sich sehr spielfreudig und bühnentauglich. Es gelang Elias sogar, die OWLer für die ungeplanten Zugaben etwas näher an die Bühne zu locken – wie üblich hielt man natürlich wieder einen großzügigen Sicherheitsabstand, der erst bei den PICTUREBOOKS endgültig in den Wind geschrieben wurde.

Zusätzlich kam Herr Mirtschink den Leuten mit seinem Drumkit regelmäßig näher, was schlicht daran lag, dass der Mann wie ein Berserker auf seine Trommeln einschlug. Da war es unvermeidlich, dass sich der gesamte Teppich langsam nach vorn bewegte und die einzelnen Schlagzeug-Aufbauten immer mal wieder in Position gebracht werden mussten. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass die aktuelle Tour fast hätte abgesagt werden müssen, weil er einen Motorradunfall hatte, bei dem auch die Schulter in Mitleidenschaft gezogen wurde, hat man eine ungefähre Vorstellung davon, was der Mann geleistet hat. Trotzdem ging der wackere Trommler ab der ersten Sekunde in die Vollen und auch Fynn ließ sich am tiefer gestimmten Sechssaiter und am Mikro nicht lang bitten. Der Sound ging durch Mark und Bein und zog die zahlreichen Fans umgehend in seinen Bann. Keine Frage, die Energie, die da von zwei Personen auf die Stage gebracht wurde, war gewaltig und übertrug sich innerhalb kürzester Zeit auch auf das begeisterte Auditorium. Da brauchte es dann keine großartige Show und schon gar keine Spielereien wie beispielsweise Hi-Hats. Die hätten vermutlich auch gar nicht genügend Schmackes für den brachialen PICTUREBOOKS-Style, der sich lieber mit einem Schellenkranz neben der massiven Fellbearbeitung begnügte. Oder es wurde zwischendurch schlicht die Glocke geschlagen, um der Percussion den nötigen Nachdruck zu verleihen. Ganz ausnahmsweise konnte es auch mal eine Idee ruhiger zugehen, etwa bei „The Rabbit And The Wolf“ vom dritten Album „Imaginary Horse“, das im vergangenen Oktober erschienen ist, während „Your Kisses Burn Like Fire“ vom selben Silberling auf der Zielgeraden abermals gewaltig Alarm machte.

Damit wollten sich die PICTUREBOOKS auch schon von ihren Fans verabschieden, doch der frenetische Applaus und laute Zugaberufe beorderten die Herrschaften ins Rampenlicht zurück und so gab’s mit „Lucky Star“ noch ein mir nicht näher bekanntes Cover zu hören, das jedoch abermals für beste Laune sorgte. Wie sagte Grabke so schön? THE PICTUREBOOKS haben sich für den Marathon und nicht für den Sprint entschieden. Keine große PR, stattdessen Mund-zu-Mund-Propaganda und ganz viel Bock auf Musik und jedes Publikum. Egal ob vor 5, 50 oder 500 Leuten. Ganz so viele waren es in der Weberei an diesem Abend zwar noch nicht, aber der Wunsch und Plan, dass jeder Besucher beim nächsten Mal noch jemanden mitbringen möge, scheint zu Recht aufzugehen. Vor auf den Tag genau fünf Jahren habe ich die PICTUREBOOKS schon mal live erleben dürfen. Damals noch zu viert und nicht minder ungestüm im deutlich leereren Bastard Club. In der Zwischenzeit haben sich Fynn und Phil nicht nur „gesund geschrumpft“, sondern zweifellos auch einen ganz großen Schritt nach vorn gemacht, ohne dabei etwas von ihrer Kraft, Entschlossenheit und Liebe zur Musik zu verlieren. Ein großartiges und nachwirkendes Konzert, das dem Schlagzeuger ganz offensichtlich einiges abverlangt hat. Auch dafür meine Hochachtung!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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