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PREDOMINANCE – INADE – SCHLOSS TEGAL

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Ort: Leipzig WGT UT Connewitz

Datum: 15.05.2005

Kaum waren wir den harten Elektroklängen im Werk II entronnen, erreichten wir auch schon das UT Connewitz ein paar Häuser weiter, in dem einige Künstler der Loki Foundation ihre Sicht synthetischer Musik präsentieren wollten. Zu unserer Bestürzung gab es auch hier eine längere Schlange vor dem Einlass, die wir aber mit gutem Zureden und unseren Presseausweisen umgehen konnten. In dem ehemaligen Kino bot sich ein interessantes Bild: Während ca. 350 Glückliche einen Sitzplatz hatten, drängelten sich vorne und an den Seiten weitere Schaulustige, während oben auf der Bühne SCHLOSS TEGAL in den letzten Zügen lag. Wer oder was ist eigentlich SCHLOSS TEGAL? Mittlerweile ein Ein-Mann-Projekt bestehend aus dem Ausnahmekünstler Richard Schneider, der seit Beginn der 80er in der Klangerzeugung tätig ist. Der Amerikaner besitzt die Synaesthetics Studios in Prag, wo er an unzähligen Projekten bastelt. Erst vor kurzem nahm er an dem Soundtrack zum Computerspiel Unreal II teil. Hier und jetzt stand er hinter diversen technischen Geräten und vor einer Leinwand mit Projektionen. Leider konnten wir nur noch ein paar Minuten den düsteren elektronischen Wellen folgen und uns so keinen umfassenden Eindruck verschaffen. Die Zuschauer applaudierten jedenfalls begeistert.

In der Pause hatte man Zeit, den Kuppelbau näher zu betrachten, der eindeutig schon bessere Tage gesehen hat, aber mit dem leichten Abrissflair perfekt zum musikalischen Programm passte. Vorne am Bühnenrand präsentierte derweil die Loki Foundation ihre Produkte, die anscheinend auch guten Absatz fanden. Dann aber wurde die Ware abgedeckt, denn bei den nachfolgenden INADE handelt es sich um die Labelchefs selbst. Diese sind ebenfalls schon einige Jährchen im Geschäft und haben gerade mit der 4 CD/ LP-Box „Colliding Dimensions“ eine Werkschau der Jahre 1995 bis 2002 herausgebracht. An diesem Abend spielten sie einen einzigen langen Track, der sicherlich zum Teil aus vorangegangen Veröffentlichungen neuzusammengesetzt worden war, plus etwas Improvisation wie uns schien. Dazu wurden auf der Leinwand Bilder von Wassertropfen, geometrischen Figuren etc. präsentiert, welche die Reise ins „Kognitive Unterbewusstsein“ fokussieren sollten. Einige der Zuschauer machten dann auch die Augen zu, um sich ihren ganz eigenen Phantasien hinzugeben. Dark Ambient, etwas im Stile der CMI-Truppe RAISON D´ÊTRE, aber auch wieder anders. Zu Beginn wurde einmal ein Bass genutzt, später dann auch ein Didgeridoo, kleine Besonderheiten im tiefen Fluss der Töne. Auch trat ein Musiker hin und wieder ans Mikro, um irgendwelche Sprachfetzen zu murmeln. Schwer zu beschreibende Musik, das muss man im Grunde selbst erfahren/ deuten. Gegen Ende gab es Bilder von tanzenden Naturvölkern zu sehen, und auch die Musik wurde etwas strukturierter, beschwörender. Nach gut 50 Minuten musste man dann wieder auf die Erde zurückkehren…

Aber es stand ja noch ein besonderer Gig der eigentlich aufgelösten Formation PREDOMINANCE an, wobei es sich da „nur“ um einen einzelnen Herren handelt. Gerd Zaunig war von 1994 bis 2003 aktiv und kann dabei u.a. auf die beiden CDs „Nocturnal Gates of Incidence“ sowie die „Hindenburg“ zurückblicken. Nachdem es zunächst so schien, als ob er die musikalische Leitlinie der Vorgänger aufnehmen wolle, wurde dann doch recht schnell ein anderes Konzept ersichtlich. PREDOMINANCE arbeitet songorientiert und zumindest teilweise mit richtigem Gesang. So bestückt der Künstler seine düsteren Klanggemälde mit einem interessanten, monoton-kalten Sprechgesang, der bei dem Track „Luftschiffe“ sogar ins Melodische gleitet. Dazu im Hintergrund übrigens sehr passende Aufnahmen des Luftschiffes Hindenburg, von der Jungfernfahrt und natürlich auch der folgenden Katastrophe. Die darauffolgenden 2 Kompositionen blieben dann gesanglos und eher klassischen Ambientstrukturen verpflichtet, bevor es mit „Four Symbols“ (so vermute ich) noch einen richtigen kleinen „Hit“ auf die Ohren gab. Dieses Mal kam zum Gesang noch ein trip hoppiger Beat hinzu, welcher dem Stück sogar ein gewisses Tanzflächenpotenzial zugestehen ließ. Mit Sicherheit die poppigsten Klänge im Hause Connewitz an diesem Tag. Nach der vergleichsweise kurzen Darbietung verabschiedete sich der Künstler mit einer kleinen Rede, in der er sich bei der Loki Foundation bedankte und den Anwesenden viel Glück für die Zukunft wünschte. Ich kann nur entgegnen, dass ich Glück hatte, bei dieser außerordentlichen Performance dabei gewesen zu sein!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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