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PROJECT PITCHFORK – STAHLMANN – DEVIANT UK

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Ort: Herford - X

Datum: 28.01.2012

Ein Samstag-Abend in OWL – arschkalt und Spass dabei. Endlich mal wieder ein bedeutender Electro Act in einer Gegend, die einem sonst eher wie eine gothische Diaspora vorkommt. Und damit nicht genug: Der PROJECT PITCHFORK-Gig sollte nur der Auftakt sein in eine Woche voller elektronischer Urgesteine, VNV NATION in Bielefeld und DAF/ TYSKE LUDDER in Osnabrück sollten folgen. Doch zunächst einmal ging es mal wieder ins X und das zu recht früher Zeit, schliesslich musste man auf die nachfolgende Disco-Veranstaltung Rücksicht nehmen. Fast ein wenig überraschend war der Laden kurz nach 19 Uhr anständig gefüllt, als der Opener namens DEVIANT UK bereits auf den Bühnenbrettern stand und sämtlichen Vorurteilen gegenüber der aktuellen schwarzen Szene Nahrung verlieh.

Hinter dem Projekt steht – bei dem Namen wenig überraschend – der Brite Jay Smith, dem sowohl ein großer Stolz auf sein Heimatland als auch ein Ego von der Größe eines Planeten nachgesagt wird. Darf man durchaus so stehen lassen bei der leicht arroganten Performance des wohlbeleibten Herren. Begleitet wurde der geschminkte Glatzkopf nur von einer drallen „Keyboarderin“, deren grösste Vorzüge offensichtlich waren, es bebte förmlich an der hoch-gepushten Balkon-Front. Oder war das doch Sonja Kraushofer? Aber wir gleiten ins Boshafte ab. Während also härtere Cyber Elektro „Industrial“-Klänge vom Band kamen, mühte sich Jay ab, für etwas Stimmung zu sorgen, was in Teilen auch gelang. Leider kann ich keine Songtitel nennen, die beiden Alben sind mir nicht geläufig und die Hörproben aus dem Netz waren ohne das visuelle Kopfkino zwar gefällig, aber für echten Wiedererkennungswert sorgten sie nicht. Somit ein gut halbstündiger Auftritt aus dem Setzbaukasten der „modernen“ Cyber-Grufti-Knicklichtfraktion.

Szenenwechsel: Nach soviel Electro-Gestampfe nun mit Neuer Deutscher Härte vom Schlage RAMMSTEINs oder EISBRECHERs erstmal etwas Handfestes! Das Vorprogramm der Pitchies bot für die Stahlmänner (mal abgesehen von Festival-Auftritten zum Beispiel auf dem Blackfield) nach einer Support-Tour für eben jene EISBRECHER bereits die zweite Gelegenheit, sich einem größeren Publikum zu präsentieren und aktuell auch ihr brandneues Album „Quecksilber“ vorzustellen. Trotz des Austauschs der Rhythmusfraktion kann man darauf die Kombi aus Düsterstahl mit Gothic- und Elektronik-Elementen sowie melodiös-markantem Gesang weiter ausbauen. Natürlich ist das Material teilweise ein bisschen sehr plakativ und an die Großen des Genres angelehnt, aber unterhaltsam ist es allemal, wobei mir persönlich besonders die getragenen, hymnischen Songs wie „Am Grunde“ gefallen, welches erfreulicherweise auch an diesem Abend zum Besten gegeben wurde. Die beiden Neugänge spielten durchweg, als ginge es um ihr Leben und auch der sympathische Sänger Martin war ständig in Bewegung. Natürlich durfte das Markenzeichen der Formation, die Silber eingefärbten Gesichter und Haare der Jungs, nicht fehlen, die im Übrigen ganz gut zu den in Stanniol verpackten Bäumen passten, die unter der Decke des X rankten. Zumindest einige Stücke waren auch größeren Teilen des Publikums offenbar bestens bekannt, allen voran „Hass mich…lieb mich“ (die Debütsingle) sowie die aktuelle Auskopplung „Tanzmaschine“, die es bislang schon bis auf Platz 4 der Deutschen Alternative Charts gebracht hat. Aber ich bin mir sicher, dass sich STAHLMANN mit ihrer kraftvollen, wenn auch leider viel zu kurzen Show in Herford und Umgebung einige neue Freunde erspielt haben und so den Bekanntheitsgrad weiter steigern können. Wünschenswert wäre es in jedem Fall, dass man sich als feste Größe im Hartstahl-Segment etabliert.

Setlist STAHLMANN
Willkommen
Spring Nicht
Stahlmann
Am Grunde
Hass mich…lieb mich
Stahlwittchen
Tanzmaschine

Um ca. 20 45 Uhr war es dann soweit, und einer der einflussreichsten deutschen Electo Acts ever betrat die heiligen Hallen zu Herford, geschminkt und in typischer Montur. Neben den beiden Keyboardern Scheuber (mit wilder Haarpracht) und Jansen (ganz ohne diese) natürlich Aushängeschild Peter Spilles, der einen dynamisch-jugendlichen Eindruck hinterließ. Nach deutlich über 20 Jahren in der Szene auch keine Selbstverständlichkeit. Dazu als Live-Unterstützung Drummer-Urgestein Achim Färber, der für die nötige percussive Power sorgte und ein ums andere Mal auch mit Tribal-angehauchten Schlagzeug-Figuren überzeugen konnte. Im Hintergrund hatte man eine Reihe Moodlights angebracht, die immer wieder für interessante Lichtspektakel sorgten, auch ein Laser kam zum Einsatz, doch stand im Vordergrund die Musik der Pitchies, welche die gut 600 Anwesenden nun auch fast vollständig vor die Bühne locken konnten. Das aktuelle Album „Quantum Mechanics“ war mit Platz 12 in den Charts so erfolgreich wie lange nicht mehr, nach einer kleinen Durststrecke haben sich die Hamburger Elektroniker mit ihren letzten 2 Scheiben wieder ganz nach vorne spielen können. Dementsprechend enthielt die Setlist auch je 3 Titel von „Continuum Ride“ und eben „QM“, doch auch älteres Materiel kam nicht zu knapp. Schon an Position 2 beispielsweise das allseits bekannte „Timekiller“, den Namen Steve Naghavi werde ich hier einfach mal nicht erwähnen. Kommunikativ hielt sich Spilles zurück, ausser einem Lob für die beiden Support Acts beschränkte er sich auf Gesang und Animation, beides sehr überzeugend ausgeführt. Hier war eine richtige Live-BAND am Start, die richtig SPIELEN kann und Songs auch mal interpretiert. Das an die Adresse der vielen Retorten-Elektroniker. Mit dem gleichnamigen Titeltrack der 92er „Lam-’bras“-Veröffentlichung oder dem 94er Song „Carrion“ hatte man beispielsweise ganz tief in der Bandhistorie gegraben, was der Homogenität des Auftritts keineswegs schadete, ganz im Gegenteil. Vielmehr wurde deutlich, wie abwechslungsreich und teils auch unkonventionell PROJECT PITCHFORK arrangieren. Neben flotteren Stompern eben auch getragen-hypnotische Stücke, die von ihrer Athmosphäre leben. Dementsprechend blieb die Stimmung in den dunklen Zuschauerreihen konstant gut, bis zum Ende des regulären Betriebs mit „Existence“. Als sich der 4er-Zugabenblock schliesslich dem Ende zuneigte, war dieser bereits die Begrüssung für die ersten Alternative-Kiddies, die fortan das X beherrschen sollten.

Ein abwechslungsreicher Abend mit einem überzeugenden Hauptact, einem motivierten und einem trashigen Support (die Rollenverteilung dürfte klar sein), der bewies, dass auch in Ostwestfalen Electro-Konzerte zu überzeugenden Veranstaltungen werden können!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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