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RAMMSTEIN – DEATHSTARS

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Ort: Paris - Palais Omnisports de Paris-Bercy

Datum: 07.03.2012

Reise, Reise

Besondere Konzerte erfordern besondere Reisen. In diesem Falle hatte uns der 2te Teil der RAMMSTEIN Best of-Tour „Made in Germany 1995-2011“ ins malerische Paris entführt, die Stadt der Liebe und des trübsinnigen Wetters. Zumindest an diesem Mittwoch lag ein Grauschleier über der Stadt, immer wieder kombiniert mit einzelnen Regenschauern. Doch was konnte uns das noch anhaben, nachdem wir bereits bei der „zügigen“ Anfahrt am Montag von einem Verkehrschaos heimgesucht worden waren, das uns nahe der Stadt Lille zu über 6 Stunden Zwangsaufenthalt zwang? Die Vorfreude blieb natürlich ungebrochen, den Königen der „Neuen Deutschen Härte“ mit all ihren Hits und Gimmicks zu lauschen, von denen man im Weltnetz schon gelesen hatte, die man aber einfach selbst erleben muss. Und wie würden wohl die Einheimischen miit ihren teutonischen Nachbarn interagieren? Gegen 18 Uhr trafen wir am Palais Omnisports de Paris-Bercy (kurz: POPB) ein, eine Konzert- und Sportstätte mit insgesamt allein 17.000 Sitzplätzen, die schon einigen Weltmeisterschafen ein Zuhause war. Mit uns noch viele weitere Fans, davon eine nicht unbeträchtliche Menge Zugereiste aus unserer Heimat, zum Teil gut am Verhalten zu erkennen. Auffällig: Im Gegensatz zu bundesdeutschen RAMMSTEIN-Veranstaltungen waren hier noch überwiegend Genre-Anhänger vor Ort, gut erkennbar an Kleidung und Attitüde, SLAYER-, MAIDEN- oder MAYHEM-Shirts inklusive. Unabhängig davon musste sich jeder in die endlosen Schlangen einreihen, und nachdem wir unsere personalisierten „Papier“-Tickets in „echte“ umgetauscht und die Sicherheits-Checks hinter uns gebracht hatten, konnten wir endlich in das Riesenrund eintreten. Nächste Überraschung/ Enttäuschung: Es gab keine Garderobe, so war also für die nächsten Stunden „Jacken-Halten“ angesagt – sehr nervig das Ganze. Wir postierten uns nahe der Mittelbühne, hatten wir doch von einigen interessanten Bonbons an dieser Stelle gehört, doch dazu später mehr. Zunächst mal war der Support an der Reihe, der mit den DEATHSTARS namhaft besetzt war, COMBICHRIST, 2009 in gleicher Funktion tätig, wären mir zwar noch lieber gewesen, doch auch die schwedischen Glam Electro „Metaller“ sind ja aller Ehren wert.

Die bezogen dann auch pünktlich um 20 Uhr die RIESIGE Bühne, auf der ihre 2 Backdrops geradezu verloren wirkten. Doch der Fünfer, der ja 2011 eine eigene Best of unters Volk geworfen hatte („The Greatest Hits on Earth“) verstand es von Anfang an, die Massen ordentlich zu unterhalten. Ohne grosse Umschweife ging es mit der 2006er Single „Blitzkrieg“ los, Sänger „Whiplasher Bernadotte“ natürlich wieder im altbekannten Manson-Stil. Die Songs hatten Druck und passten mit ihren Stakkato-Riffs gut zum Hauptact. Auch die aggressiven Gesangsparts dürften an diesem Abend auf fruchtbaren Boden gefallen sein, währenddessen die Clean-Vocals in meinen Ohren nicht besonders überzeugten. Dennoch erntete man für die immerhin 9 Songs (etwas) mehr als Höfflichkeits-Applaus, was für einen RAMMSTEIN-Support durchaus respektabel ist. Nett auch die niedlichen kleinen Pyroeffekte, die aus ein paar Rauchwolken bestanden und im Nachhinein eher lustig wirkten. Nach 40 Minuten war dann mit „Death Dies Hard“, einer weiteren Auskopplung aus dem Jahre 2009, Schluss mit den Todessternen, in deren Reihen ja auch Emil Nödtveidt musiziert, dessen Bruder Jon von DISSECTION zu eher zweifelhaftem Ruhm gelangt war in seinem viel zu kurzen Leben. Doch das alles interessierte nur sehr am Rande, denn die Anwesenden waren nun mehr als heiß auf den Hauptact, der eine denkwürdige Show abliefern sollte…

Setlist DEATHSTARS
Blitzkrieg
Semi-Automatic
Mark of the Gun
Chertograd
Metal
Tongues
Blood Stains Blondes
Night Electric Night
Death Dies Hard

Wie bereits erwähnt befanden wir uns direkt neben der Mittelbühne, denn es war gegen Ende der Tour natürlich kein Geheimnis mehr, dass die Herren Musiker eben dort als Erstes aufschlagen würden. Problematisch daran natürlich nur, dass erst einmal eine Gasse aufgebaut werden musste, die bis zur Tribüne reichte und natürlich für ordentlich Unruhe und Schubsereien im Publikum sorgte. Doch als es gegen 21 Uhr dunkel und eine Art Brückenkonstruktion unter industriellem Lärm nach unten gesenkt wurde, war dies alles natürlich vergessen – unzählige Augen blickten nun gespannt zur einen Seite der Tribüne, wo dann schlussendlich auch die Kombattanden sich einen Weg durch die Menge bahnten, diverse Fahnen inklusive. Nach einer kurzen „sakralen“ Aufstellung gelangten Till Lindemann und Co. dann über ihren metallischen Weg an den Arbeitsplatz und ließen sprichwörtlich die „Sonne“ aufgehen. Die Reaktionen des Publikums ließen nicht lange auf sich warten, ganz im Gegenteil! Wo in Deutschland doch eher brav die Rübe bewegt wird, pogten um uns herum plötzlich unzählige Gestalten, es wurde gesprungen und gefeiert, als ob wir auf einem Metalcore-Gig gelandet wären. Bei den flotten „Asche zu Asche“/ „Feuer frei! nahm das Ganze fast ein wenig beängstigende Aumaße an, zumindest für eher zarbesaitete Naturen. Sogar einzelne Diver wurden über unseren Köpfen gesichtet, doch danach beruhigte sich das Ganze wieder ein wenig, mit „Mutter“ folgte dann ja auch ein eher „gebremster“ Track. Der 6er auf der Bühne wirkte sehr spielfreudig, und das übrigens schon am 2ten Tag in Folge, denn auch am Dienstag war ein (natürlich) ausverkaufter Gig in derselben Halle angesetzt. Keyboarder Flake war auf seinem Laufband des öfteren in Bewegung, dazu sorgten eine mega-opulente Lichtshow und natürlich immer wieder Pyroeffekte für optische Schauwerte vom feinsten. Genauso, wie man es bei den Deutschen ja auch erwarten kann. Passend zur Tracklist der aktuellen Greatest Hits-Compilation gab es einen Gassenhauer nach dem nächsten, auch viele ältere Songs von den ersten beiden Alben verschönerten den Abend. Dazu einige bereits bekannte „Gimmicks“, wie etwa der Kochtopf bei „Mein Teil“, in dem mal wieder der arme Flake Platz nehmen musste. Der absolute Höhepunkt (insbesondere für uns) sollte aber noch bevor stehen, schon während der Brecht-Hommage „Haifisch“ deutete sich Aussergewöhnliches an, nämlich der erneute Wechsel hin zur Mitte des Konzertsaals, wo man bereits einige Instrumente aufgebaut hatte. Passend zum nun folgenden „Bück dich“ führte Drummer Christoph Schneider seine Bandgenossen als strenge Domina (mit Kleid und Perücke) wie räudige Hunde auf den Knien über die Stahlkonstruktion, mehr als deutlich an Pasolinis „120 Tage von Sodom“ angelehnt. Und die Kollegen spielten munter mit, keine Anzeichen von Routine, da wurde frech aufbegehrt und Till versuchte gar, das vor ihm laufende „Tier“ zu besteigen, was aber mit ein paar Peitschenhieben gerade noch verhindert wurde. Das Ganze war der Auftakt zu einem dreiteiligen Block in der Setlist, gleichsam auch das Ende des Hauptteils. So nah war zumindest ich den Protagonisten noch nie, fast greifbar vor unseren Augen wurde dort „Mann gegen Mann“ gekämpft, so greifbar, dass man anatomische Einblicke bekam, die man gar nicht unbedingt gebraucht hätte. Von Angesicht zu Angesicht war der Spass zu erkennen, den insbesondere die beiden Gitarristen ausstrahlten, aber auch die totale Identifizierung von Herrn Lindemann mit seinen Songs, die er richtiggehend lebt. Selten wurden wohl so viele Handy-Videos zur gleichen Zeit erstellt (dementsprechend auch die Qualität unserer Fotos, die nur ein wenig die Stimmung wiedergeben sollen). Zumindest bis Till uns sein Fake-Sperma um die Ohren rotzte, schmeckte übrigens irgendwie minzig, falls dies Jemanden interessieren sollte. Mit dem fast balladesk angehauchten „Ohne Dich“ war dann aber zunächst mal Schluss mit NDH und alle Seiten bekamen die Möglichkeit ein wenig zu verschnaufen, auch die Herren der Schöpfung, die mit ihren nackten Oberkörpern auf sich aufmerksam gemacht hatten. Warum ziehen sich eigentlich immer die aus, die sich am wenigsten zeigen sollten?

Noch bevor ich diesen Gedanken einigermaßen sinnvoll zu Ende bringen konnte, standen RAMMSTEIN bereits wieder auf der „Hauptbühne“, um mit dem ersten Teil der Zugabe die Betriebstemperatur endgültig zum Kochen zu bringen. „Mein Herz brennt“ überall auf der Welt und „Amerika“ dürfte zumindest beim Gros der Franzosen auch eher ein Feindbild sein, denn vor Paris steht ja bekanntlich Micky Maus, die aber heute Abend draußen bleiben musste. Letztendlich wollten die Hauptstädter natürlich „im Beifall untergehen“, den Gefallen taten ihnen Einheimische wie „Étrangers“ sehr gerne, die sich mittlerweile längst musikalisch verbrüdert hatten. Was doch ein hartes Konzert so alles für die Völkerverständigung leisten kann. Im 2ten Verlängerungsblock wurde es dann mit „Engel“ auch mal ein wenig romantisch für die Damen, doch des Fronters Pussy-Schaum zum gleichnamigen Titel versaute die andächtige Stimmung doch glatt wieder auf „uncharmante“ Art. Till bedankte sich artig bei den Massen und schickte gar noch ein „Paris, ihr seid unglaublich“ in Landessprache hinterher, so dass der gemeine Fan das Ende der Veranstaltung annehmen musste. Doch RAMMSTEIN setzten tatsächlich noch einen oben drauf: „Frühling in Paris“ mit der EDITH PIAF-Reminiszenz „Je ne regrette rien“ führte zu einem der gewaltigsten Chöre, derer zumindest meiner Einer je Teil werden durfte. Gänsehaut pur und der perfekte Abschluss unter einem Abend, der mir zwar kaputte Füsse aber auch eines der aufregendsten Konzerterlebnisse seit langer Zeit bescherrt hatte. Respekt RAMMSTEIN, kein Poltiker könnte ein besserer Botschafter seines Landes sein…

Setlist RAMMSTEIN
Sonne
Wollt Ihr das Bett in Flammen sehen
Keine Lust
Sehnsucht
Asche zu Asche
Feuer Frei!
Mutter
Mein Teil
Du riechst so gut
Links 2-3-4
Du Hast
Haifisch
Bück Dich
Mann Gegen Mann
Ohne Dich

Mein Herz Brennt
Amerika
Ich Will

Engel
Pussy

Frühling In Paris

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