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RAY WILSON & THE BERLIN SYMPHONY ENSEMBLE

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Ort: Gütersloh - Stadthalle

Datum: 08.04.2011

Die Vorbereitungen dauerten so lange wie eine Schwangerschaft und am heutigen Abend nun wollten wir Zeuge der Geburtsstunde einer neuen Kulturreihe in Gütersloh werden: Ulrich Bongartz präsentierte unter der Flagge seiner jüngst gegründeten Agentur „Concerteam“ die erste „Gütersloh Music Night“. Für den Einstand gewinnen konnte er RAY WILSON. Der gebürtige Schotte ist einigen als Sänger der Bands STILTSKIN und CUT bekannt, in den letzten Jahren veröffentlichte er auch Alben als Solokünstler und war von 1997 bis 1999 Sänger von GENESIS. Das Oeuvre dieser Superband sollte also Thema des Abends sein, dazu hatte sich Ray neben einer Band, (Bruder Steve Wilson und Ali Ferguson an der Gitarre, Lawrie MacMillan am Bass und Ashley MacMillan an den Drums, sowie STILTSKIN-Kumpel Irvin Duguid an Piano und Keys) auch das Berlin Symphony Ensemble mit an Bord geholt, so dass die Veranstaltung unter dem Titel „Genesis Klassik“ firmierte.

Doch ehe es losging, trat gegen 20.30 Uhr Ulrich Bongartz vors Mikrofon, um einige Worte an das zahlreich erschienene Publikum zu richten. Er dankte allen ehrenamtlichen Helfern, den Medienvertretern, allen Förderern dieses Projekts und der Stadt Gütersloh für ihre Unterstützung. Die „Gütersloh Music Night“, so Bongartz weiter, solle die heimische Kulturlandschaft um einen weiteren Programmpunkt erweitern, dabei verschiedene Publikumsinteressen und Spielstätten berücksichtigen. Der Lohn des Künstlers sei der Applaus, der Lohn des Veranstalters die Resonanz. Mit dem Ergebnis (ca. 800 Leute im damit gut gefüllten Innenraum + 150 Zuschauer auf der bestuhlten Tribüne) konnte Herr Bongartz sehr zufrieden sein, verfolgt die Musikreihe auch noch einen wohltätigen Zweck, denn die erwirtschafteten Überschüsse sollen in örtliche Sozialprojekte fließen.

Nun hieß es Bühne frei für Ray Wilson und seine Mitmusiker, die mit „Turn it on again“ vom 1980er Album „Duke“ in den Abend starteten. Der Sound kam im angenehm druckvollen Bereich aus den Boxen und die sonst eher zurückhaltenden Ostwestfalen tauten sofort auf, als es mit dem lässigen „That’s all“ weiterging. Dass Ray Wilson einen Querschnitt durch die gesamte Diskographie von GENESIS präsentieren und sich dabei nicht nur auf die eher radiotauglichen Hits beschränken wollte, wurde gleich mit „ The carpet crowlers“ deutlich, für das Ray sich zu seinem Kollegen am Piano bewegte. Der Song aus 1974 ist eine Perle im GENESIS-Repertoire aus der Gabriel-Ära, doch etwas sperrig, jedoch von Ray brillant vorgetragen und zu Recht vom Publikum frenetisch beklatscht. Es ging kontrastreich weiter mit Trommel und Trillerpfeife und „Congo“, der Single aus dem einzigen G-Album, bei dem Ray am Mikro stand, und nun sollte auch das weibliche Streicherquartett seinen größeren Einsatz haben. Ob PHIL COLLINS wohl mal in Rente geht? Nein, Ray glaubt es nicht und griff zur Akustikgitarre, um seinen Song „Another day in paradise“ zu intonieren. Das Auditorium dankte es ihm mit einem lautstark gesungenen Refrain. Mit „Constantly remind“ folgte nun ein Song aus dem STILTSKIN-Kosmos, der sich jedoch gut ins Set integrierte. Als nächstes wurde GENESIS-Saitenzupfer MIKE RUTHERFORD bedacht, aus dessen Feder „Another cup of coffee“ stammt, das Mike üblicherweise mit seiner Band MIKE & THE MECHANICS spielt. Aber auch in der Version von Ray dank perfektem Harmoniegesang von den Herrschaften an seiner Seite ein Ohrenschmaus. Mit dem Hit „Jesus he knows me“ vom 1991er Erfolgsalbum „We can’t dance“ kam dann ordentlich Bewegung ins Publikum. Das Album erreichte damals in etlichen Europäischen Ländern Platz 1 und dürfte in ungefähr jedem zweiten Ü40-Haushalt vorhanden sein. Etwas unbekannter dagegen „Calling all stations“, dem Titeltrack des Albums mit Ray. Die Musiker verließen anschließend die Bühne und Ray intonierte vor der Pause mit seiner Akustik-Gitarre eine quasi „Unplugged“-Version von „In the air tonight“, leider ohne den berühmten Drum-Einsatz, aber trotzdem vom Publikum stürmisch gefeiert.

Nun hatten die mehrheitlich aus der Ü40-Fraktion stammenden Zuhörer Zeit, um bei kühlen Getränken zu schauen, wer denn noch so alles da war, ehe nach einer halbe Stunde die Klänge von „Invisible touch“ und an Rays Seite zwei Streicherinnen im schwarzen Pailletten-Outfit das Publikum wieder in den großen Saal der Stadthalle zurück zog. Es folgte ein Klassiker aus dem 1983er Album „Genesis“, nämlich „Mama“ und Ray stellte unter Beweis, dass er mindestens so fies lachen kann wie seinerzeit Phil Collins. Noch weiter zurück führte „Ripples“ vom siebten Studioalbum „A trick of the tail“ und als Reminiszenz an alte Prog-Rock-Zeiten schwelgte das Streicherquartett in einem minutenlangen Outro. Bei „No son of mine“ waren dann einmal mehr die Mitsingqualitäten des Publikums gefragt und Ray, der sich mit Ansagen sehr zurück hielt, war sichtlich zufrieden. Es ging noch einmal zurück in die Prog-Rock-Ära mit „The lamb lies down on Broadway“ aus dem gleichnamigen Konzeptalbum von 1974, dem letzten in der Urbesetzung mit PETER GABRIEL. Vier Jahre später konstatierten GENESIS „And then there were three“ und es reichten die ersten Takte, um einen weiteren Klassiker aus diesem Album zu erkennen: „Follow you, follow me“, das heute noch zahlreiche Radio-Stationen auf ihren Playlists haben. Mit dem nun folgenden Titel „Change“ verwies Ray Wilson auf seine Karriere als Solokünstler und trotzdem sicher nicht der breiten Masse bekannt, wurde der Titel wohlwollend vom Publikum goutiert. Ray griff nun wieder zur Akustikgitarre, um einen weiteren Titel vom Album „Calling all stations“ „Not about us“ zu Gehör zu bringen, ehe „Land of confusion“ das Finale einläutete. Die Halle tobte und da hielt es weder den Veranstalter, noch unsere Frau Bürgermeisterin länger auf den Sitzen. Der Kessel blieb weiter am Kochen mit „I can’t dance“, mit dem das Set ein fulminantes Ende fand. Doch vom stürmischen Applaus angetrieben, ließ sich die Band nicht lange bitten, mit „Solsbury Hill“, dem ersten großen Hit von PETER GABRIEL als Solokünstler nach seinem Ausstieg bei GENESIS, ging es in die Runde der Zugaben. Einer meiner Alltime-Favorite-Songs, von daher Daumen hoch – nicht nur von mir. Zugabe die Zweite war „Inside“, dem wohl größten Hit von STILTSKIN und der dürfte dem einen oder anderen Senioren in der Runde den Staub aus den Ohren gepustet haben. Ja, der Mann könnte noch ganz anders, wenn man ihn von der Leine lässt. Doch obwohl sich die Band längst zu einer letzten Verbeugung am Bühnenrand eingefunden hatte, wollten die Gütersloher Ray Wilson noch nicht gehen lassen, der nun mit den Worten „Crazy people“ dem Publikum ein Lied aus eigener Feder „Lemon yellow sun“ mit auf den Nachhauseweg gab.

Handwerklich perfekt hatten Ray Wilson und seine Mitmusiker für diesen Abend alle musikalischen Koordinaten fein austariert: Es gab GENESIS-Klassiker aus verschiedenen Schaffensperioden, Hits einzelner Bandmitglieder und Kollaborationen mit Ray selbst und alles in allem eine gute Mixtur aus Abgehnummern und Balladen. Die Musiker dürften somit angesichts der Publikumsreaktionen zufrieden gewesen sein, Veranstalter und musikbegeisterte Ostwestfalen voller Vorfreude der nächsten „Gütersloh Music Night“ entgegensehen.

Setlist
Turn it on again (Genesis)
That’s all (Genesis)
The carpet crawlers (Genesis)
Congo (Genesis)
Another day in paradise (Phil Collins)
Constantly remind (Stiltskin)
Another cup of coffee (Mike & the mechanics)
Jesus he knows me (Genesis)
Calling all stations (Genesis)
In the air tonight (Genesis)

Invisible touch (Genesis)
Mama (Genesis)
Ripples (Genesis)
No son of mine (Genesis)
The lamb lies down on Broadway (Genesis)
Follow you, follow me (Genesis)
Change (Ray Wilson)
Not about us (Genesis)
Land of confusion (Genesis)
I can’t dance (Genesis)

Solsbury Hill (Peter Gabriel)
Inside (Stiltskin)

Lemon yellow sun (Ray Wilson)

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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