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RELOAD 2007

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Ort: Twistringen - Alte Ziegelei

Datum: 29.06.2007 - 30.06.2007

Freitag

Das RELOAD in Twistringen bei Bremen ist noch recht klein und unbekannt, geht es doch seit 2006 erst in die zweite Runde. Dennoch oder gerade deswegen beschlossen die Veranstalter in diesem Jahr nicht zu kleckern, sondern zu klotzen und warteten mit großen Namen auf, die eine bemerkenswerte Show versprachen. So waren zum Beispiel mit CHIMAIRA aus Ohio, STATIC-X, UNEARTH und LAMB OF GOD internationale Meister ihres Faches in die Provinz gelockt worden, aber auch deutsche Top-Acts wie CALIBAN und die H-BLOCKX ließen viel erwarten.

Bei der Ankunft auf dem Gelände wurde schnell klar, dass das RELOAD wohl vorerst noch ein Geheimtipp geblieben war: Die Zuschauerzahlen sollten offenbar relativ bescheiden bleiben, wobei nicht ganz klar war, ob einfach nicht genügend Werbung betrieben worden oder ganz schlicht das bescheidene Festivalwetter in diesem Jahr ausschlaggebend war. Es regnete bereits zu Beginn und zu allem Überfluss wurde bekannt, dass STATIC-X ihre gesamte Europatournee wegen eines Problems mit dem Tourbus abgesagt hatten. Schon bald merkte man, dass die Lücke im Programm aber auch einen Vorteil hatte. Die Umbauzeit für die Bands war mit durchgängig 15 Minuten sehr knapp bemessen worden und so summierten sich nach und nach die Verzögerungen, so dass es ohne den Ausfall wohl extrem spät geworden wäre.

Eröffnen durften das Festival die lokale Band R.Y.O.T. aus Sulingen, die schwerlich gegen die nachfolgenden Hochkaräter ankommen konnten, aber trotz des Nieselregens schon ein dankbares Publikum vorfanden. So kam denn schon langsam Stimmung auf und nach einem soliden Auftritt mit dem inzwischen wohl obligatorischen Verweis auf eine Myspace-Seite hatte die Combo den Regen vertrieben und den Grundstein gelegt.

Als nächstes betraten 4LYN aus Hamburg die Bühne und legten die Meßlatte mit einem charmanten Auftritt sofort gewaltig hoch. Wie zu erwarten, waren viele junge Fans aus der Umgebung zu dem Auftritt gepilgert und Sänger Ron sorgte mit seinen hamburgerischen Ansagen sofort für einen großen Unterhaltungswert. So fragte er sich, wieso denn wohl so viele Fans nach „Schlayer“ riefen und betonte, dass sie wohl die einzige Band wären, die am heutigen Tage keinen Death Metal spielen wüden (womit er nebenbei Unrecht hatte). Er beschloss, den mit 45 min kürzesten Auftritt in Deutschland zu nutzen und mit Hilfe von neuen Songs hatten 4LYN in kurzer Zeit eine mitsingende Menschenmenge vor sich und ein Basecap segelte freundlich gen Himmel. Die Zeit verging wie im Flug und am Ende wehte der leckere Geruch von gebrannten Mandeln über dem Platz, den einer der Stände verströmte. Ron roch dieses sofort und bekam prompt eine Portion spendiert.

Nun sollte es international werden. Mit UNEARTH kamen die ersten US-Amerikaner zum Zug, die locker als Headliner hätten auftreten können. Mit gewaltigen Riffs und hammerharten Sounds waren sie die absoluten Gewinner des Tages und stahlen in meinen Augen ihren Nachfolgern musikalisch gewaltig die Show. Es wurden die ersten Circle Pits gebildet und zu Songs wie „Black Hearts Now Reign“ und „Zombie Autopilot“ ging es richtig zur Sache. Einzig, dass es noch hell war, verdarb etwas die Atmosphäre.

CHIMAIRA fanden dann ein richtig gut angewärmtes Publikum vor. Mit ein paar Fetzen deutsch wie „Dankeschön!“ oder „1, 2, 3, 4“ wurden Fremdsprachenkenntnisse bewiesen. Der englische Wortschatz schien fast weniger ausgeprägt, wurde doch in einem Satz fast 20mal das Wort „fuck“ verwendet. Nun ja, so sind sie halt, die Amerikaner… Ein besonderes Schmankerl in der Setlist war das selten gespielte „Pray For Us“ und ein ausgiebiges Schlagzeugsolo.

Als es anschließend langsam dunkel wurde, nutzte das Wetter die Umbaupause, um alle Zuschauer mit einem gewaltigen Schauer zu beglücken. Wie durch ein Wunder wurde es aber in dem Moment, als CALIBAN mit den Vorbereitungen fertig waren, wieder schlagartig trocken. Dieses ermöglichte sofort wieder die Bildung von gewaltigen Moshzirkeln, da auch hier offenbar jede Menge Fans mitgereist waren, um Lieder von der neunen Platte „The Awakening“ zu hören, wie beispielsweise „I Will Never Let You Down“ und „Nowhere To Run, No Place To Hide“.

Tatsächlich schien beim Headliner LAMB OF GOD die Zahl der Zuschauer wieder etwas gesunken zu sein, aber der Stimmung tat das dennoch keinen Abbruch. Die echten Fans waren dort und forderten mit „LAMB OF GOD“-Rufen ihre Lieblinge. Die Band schien so auch trotz der relativ kleinen Anzahl Zuschauer recht zufrieden und freute sich über die „true metal people“, die sich trotz der widrigen Bedingungen eingefunden hatten und so begeistert bei der Sache waren. Frontmann Randy Blythe forderte sofort gezielt einzelne Leute auf, beim Headbanging einzustimmen und wenn ihm die Menge zu leise war, ließ er die „Pussies“ dies wissen. Auf diese Art wurden alle bis zum Ende des Abends bei Laune gehalten, was auch deswegen gut funktionierte, weil sich auch diese Gruppe sichtlich ins Zeug legte.

Samstag

Der Samstag war zum Glück um einiges sonniger als der Vortag und mittags wurde es zwischendurch sogar richtig warm. Nachdem ACCESSARY und LAST ONE DYING schon aufgetreten waren, trudelte ich auf dem Gelände ein, um mir BUTTERFLY COMA anzusehen. Unerwarteter Stargast der Band war MARC TERENZI, der sich zwar nicht beim Auftritt auf die Bühne stellte, aber schon beim Soundcheck einigen Gesprächsstoff mit dem Keyboarder Benny hatte, der vor Kurzem auch auf der Tour von KRYPTERIA als Musiker eingesprungen war. Da niemand mit dem Mann von Sarah Connor gerechnet hatte, konnte dieser auch mit großer Sonnenbrille und zurückhaltend gekleidetem Bodyguard über das gesamte Festivalgelände spazieren und das ein oder andere Bierchen kippen, ohne von Fans erkannt zu werden.

Auch BUTTERFLY COMA selbst bekam anfangs nicht besonders viel Aufmerksamkeit, was auch daran liegen mochte, dass sie das Publikum ständig als „Bremer“ ansprachen. So wirkte es dann auch etwas albern, als zum Bilden einer Circlepit aufgerufen wurde – mit maximal 15 Teilnehmern wird das nicht so viel… Obwohl sich nach und nach mehr Leute vor die Bühne begaben, da der Metal-Hardcore-Mix ganz gut ankam, konnte man schon ahnen, dass es die Bands an diesem Tag schwerer haben sollten. Die größeren Namen hatten schließlich schon am Vortag ihr Stelldichein gegeben und nach einer Nacht im feuchten Zelt und nicht weniger feuchten Getränken ist es bekanntlich immer noch etwas schwerer, die Massen zu bewegen.

MAINTAIN aus Hamburg taten sich dabei ebenfalls recht schwer. Ihre Musik war zwar hart, aber ließ doch etwas die Kreativität vermissen.

Das Eis brachen dann erst PSYCHODAISY, was etwas erstaunlich war, da deren Beatmusik gar nicht so zu den anderen Acts passen wollte und die Jungs optisch im Vergleich zu den Übrigen natürlich bieder wirkten. Aber wie es oft so ist: Manchmal wirkt eine musikalische Abwechslung Wunder und da die Songs mit Retro-Charme im Gegensatz zur Optik so gar nicht langweilig waren, sah man bald ein paar junge Damen in der Sonne mittanzen. Auch viele der älteren Besucher freuten sich sichtlich und wippten gemütlich mit. Ich vermute, man hat sich auf einem Festival noch nie so über ein HOWARD CARPENDALE-Cover gefreut und tatsächlich waren die PSYCHODAISYs die erste Band, die nachmittags für eine Zugabe zurückgerufen wurde.

PRESIDENT EVIL nahmen anschließend die Gelegenheit wahr und hängten sich ebenfalls gewaltig rein. Leider musste ich zu dieser Zeit eine Pause einlegen und verpasste einen großen Teil des Auftritts.

Anschließend war es nach den Jungspunden wieder Zeit für eine routinierte Combo. POVERTY’S NO CRIME waren angekündigt und gingen es sehr gelassen an. So wurde schon beim Soundcheck eine Weile nach dem Bassisten gerufen, da er sich lieber noch ein Weilchen mit den Fotografen vor der Bühne unterhielt. Die im Jahr 1991 gegründete Band hatte einige extrem treue Fans mitgebracht und spielte ihre progressive Musik mit zu erwartender Zuverlässigkeit. Leider wollte der Funke nicht wie bei den PSYCHODAISYs überspringen und man merkte vielen im Publikum an, dass ihnen die Musik zu behäbig war und sie auf etwas mitreißenderes warteten, was ihnen dann anschließend mit FEAR MY THOUGHTS auch geliefert wurde.

Frontmann Mathias powerte sich richtig aus und bald sah man auch wieder „wandernde Leute“, die mitgingen. Endlich war wieder Headbanging angesagt! Dass sich Mathias fleißig für Werder Bremen als neuen deutschen Meister stark machte, half dabei natürlich. Es wurden einige Songs vom neuen Album „Vulcanus“ zum Besten gegeben und wie bei 4LYN wurde auch hier bereut, dass die Auftrittszeit sehr kurz gewesen sei und die Band schnell weiterziehen müsse, da sie im Anschluss noch nach Leipzig weiterreisen musste.

Bevor es mit den H-BLOCKX zum Höhepunkt des Abends kam, durften noch FIRE IN THE ATTIC ran. Die sympathischen Bonner sammelten sofort Pluspunkte, indem sie die Leute schunkeln ließen und auf diese Art für ein „Jamaika in Twistringen“ sorgten. Die Jungs waren begeistert und sich sicher, dass auf ihrem vorigen Konzert in München weit weniger Stimmung geherrscht habe. Tourfreudig wie FIRE IN THE ATTIC sind, kann man sich darauf verlassen, dass sie so was auch richtig einschätzen. Es wurde jedenfalls fleißig mit dem Mikro gewirbelt und bis zu den H-BLOCKX wurde die Zeit nicht lang.

Der Headliner konnte sich – wie zu erwarten -des größten Zuspruchs sicher sein. Schließlich sind die Münsteraner schon seit 17 Jahren erfolgreich aktiv und fast jedem würde spontan der eine oder andere gute Song der H-BLOCKX einfallen, selbst, wenn er kein spezieller Fan ist. So stimmte auch bei „Celebrate Youth“ sofort jeder ein, passt das Motto doch perfekt zu jedem Festival. Nach 3 1/2 Jahren im Studio wurden stolz Songs vom neuen Album vorgestellt, welches am 24.8. in die Läden kommt. „Countdown To Insanity“ ließ zumindest Gutes erahnen. Natürlich durften auch ältere Stücke wie „Leave Me Alone“, „Little Girl“ und der Titelsong von „Bang Boom Bang“ nicht fehlen… auf diesen Film musste doch noch einmal konkret hingewiesen werden. „Rising High“ und „Burning Ring Of Fire“ taten ein Übriges, um die Menge „anzufeuern“.

Alles in allem werden die laut anderen Presseberichten ca. 1500 Besucher des Reload mit der Vorstellung in diesem Jahr also hochzufrieden gewesen sein. Laut Veranstalter ist wegen des etwas geringen Besucheraufkommens jedoch noch fraglich, ob das Festival in dieser Art weiterbestehen kann. Möglicherweise sollen künftig auch ältere Zuhörer auf ihre Kosten kommen, um mehr Leute anzusprechen. Man kann nur hoffen, dass das Engagement der Leute hinter den Kulissen sich auszahlen wird, da es eine respektable Leistung war, ein derartiges Line Up auf die Beine zu stellen und man positive Mund-zu-Mund-Propaganda der Besucher erwarten darf.

Copyright Fotos: Nicolai Meyer

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