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RIDERS ON THE STORM (FEAT. MEMBERS OF THE DOORS & THE CULT)

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Ort: Dortmund - Westfalenhalle

Datum: 15.04.2006

The Scream of the Butterfly

Jim Morrison ist schon lange tot, und die Zeiten haben sich geändert, dennoch sind die Zeichen und Spuren, die dieser musizierende Poet, dieser Minnesänger innerer Räume, dieser moderne Barde der psychedelischen Epoche hinterlassen hat, nicht zu übersehen. Den Beweis haben am Ostersamstag in der Dortmunder Westfalenhalle die sogenannten RIDERS ON THE STORM erbracht. Die ROTS sind Organist Ray Manzarek und Gitarrist Robby Krieger, zwei von vier Gründungsmitgliedern der DOORS, sowie Ian Astbury, der ehemalige Frontman von THE CULT.

“Ladies and Gentleman! From Los Angeles, California, THE RIDERS ON THE STORM!” Die gleiche Ankündigung wie vor mehr als 30 Jahren, nur diesmal unter einem anderen Namen. Dies störte aber wohl kaum einen der Zuschauer, die an diesem Samstag in die leider nicht ausverkaufte Dortmunder Westfalenhalle gepilgert waren, um in Erinnerungen zu schwelgen oder sich einen kleinen Lebenstraum zu erfüllen, nämlich (noch) einmal die DOORS zu sehen – oder wenigstens deren Lieder zu hören. Und es sollte keiner enttäuscht werden, als um 20.25 Uhr die Band die Bühne betritt.

Das Publikum bekommt einen Sänger geboten, der sich stimmlich und optisch mehr als würdig erweist, den 1971 verstorbenen Frontmann Jim Morrison zu ersetzen. Astbury sieht aus, als ob der Jim auf dem Cover der 1995 erschienenen „An American Prayer“-CD lebendig geworden ist. Die halblangen dunkelbraunen gelockten Haare umspielen das bärtige Gesicht, und die Stimme ist kaum vom Original zu unterscheiden. Lasziv und fast schüchtern dafür aber mit einer unglaublichen Akustik bekommen wir den ersten Song „Roadhouse Blues“ geboten. Astburys Stimme erschallt durch die Halle, das Publikum ist sofort begeistert und feiert auch den nächsten Song „Break on Through“ mit der Band. Die Herren auf der Bühne danken dies mit den Worten „It’s good to be here in Dortmund!“ und stimmen das nächste Lied „Love me two times“ an. Auf diesen Song folgt „When the Music’s Over“, und bei der Präsentation dieses Songs können die Zuschauer den Schrei des Schmetterlings wirklich hören. Die Bässe lassen die Halle beben und Astbury verstärkt den Inhalt des Songs, indem er immer wieder die geballte Faust Richtung Hallendecke streckt. „We want the world/ And we want it/ Now!“ wird nicht nur von dem CULT-Frontmann gesungen, auch Krieger und Manzarek schließen sich nach und nach dieser Forderung an.

Der bärtige Sänger hält sich unterdessen bei den Instrumental Passagen immer wieder dezent im Hintergrund auf, als ob er Manzarek und Krieger ganz klar in den Vordergrund stellen will. Organist Manzarek ist auch derjenige, der den Kontakt zum Publikum sucht und während des Konzertes pflegt. Er ist derjenige, der die Band vorstellt, der die Lieder ansagt. So erfahren wir an dieser Stelle, dass das nächste Lied von Berthold Brecht geschrieben wurde, und bei der Präsentation vom „Alabama Song“ tanzt Ian Astbury auf der Bühne wie einst sein Vorbild. Nach „Backdoor Man“ folgt „Five to One“ – Astbury schüttelt die lockige Mähne, sein Fuß stampft den Takt mit. Das Konzert hat seinen psychedelischen Höhepunkt erreicht, an dem leider in diesem Augenblick nicht alle im Publikum teilnehmen. Die beiden Mädels Anfang 20 rechts von mir kippen sich mittlerweile wohl schon das vierte Bier rein und sind damit beschäftigt, ihren Freunden per Handy mitzuteilen, wie geil es gerade auf dem Konzert ist. Andere nutzen ihr Handy lieber, um damit Fotos zumachen, Fotos, auf denen man nach dem Konzert eh nichts erkennen kann. Die beiden Herren links neben mir diskutieren derweil, ob Astbury Morrison ersetzen kann oder nicht. Einigen können sie sich aber nicht. Die Band auf der Bühne bleibt von den Vorgängen zum Glück aber unberührt.

Zu Beginn des nächsten Songs steht Krieger alleine auf der Bühne und stimmt mit einem langen Gitarrensolo „Spanish Caravan“ an. Die Darbietung von „Moonlight Drive“ fesselt das Publikum, und sicherlich werden vor allem die jüngeren Zuschauer nun an den Doors-Film von Oliver Stone denken müssen, in welchem Jim Morrsion à la Val Kilmer am Strand von Vanice sitzt und diesen Song das erste Mal singt… Bei „Wild child“ klatscht das Publikum begeistert mit, zumindest das im Innenraum der Westfalenhalle, die Gäste auf der Tribüne halten sich sehr zurück, was auch leider bis zum Ende des Konzertes so bleiben soll. Vielleicht liegt dies daran, dass der Canabisgeruch ausschließlich im Innenraum zu riechen ist? Auf „Touch me“ folgt „L.A. Woman“ – Astbury oder Mr. Mojo Risin’ at his best. Dieser Song sollte auch schon das Ende des offiziellen Teils sein, denn die Band verlässt nach mehr als eineinhalb Stunden die Bühne, um nach nicht allzu langer Zeit, den Wunsch des Publikums zu erfüllen und die erste von zwei Zugaben zu spielen. Die Ankündigung dieses Liedes übernimmt das Tonband, von dem Regen und Gewittergeräusche zu hören sind: Die RIDERS ON THE STORM spielen ihr Lied. Selbstverständlich darf aber der größte Hit der DOORS an diesem Abend nicht fehlen. „Light my fire“ bildet die zweite Zugabe und wird von Manzarek auf deutsch angezählt. Bei der langen Instrumentalphase dieses Songs verlässt Astbury die Bühne und Krieger und Manzarek spielen sich in Ekstase. Manzarek spielt auf seiner Orgel sogar mit Händen und Füßen. Zum großen Finale ist Sänger Astbury aber selbstverständlich wieder da. Die CULT-Fans, wohl überwiegend weiblicher Art, danken es mit lauten Ian-Ian-Rufen. Mit einer erneuten Bandvorstellung endet ein besonderes und großartiges Konzert der ganz besonderen Art um 22.20 Uhr. Ein Konzert, dass uns den alten Zeiten näher gebracht hat und sie uns nicht vergessen lässt…

Jim Morrison ist nicht tot. Sein Geist lebt weiter, in seiner Musik und in seinen Versen, die aufleuchten und funkeln, eine Mischung aus Licht und Finsternis, diamantenhell und ewig. „Cancel my subscription to the resurrection”, sang er. Haut nicht hin, Jim. Das ist nicht das Ende. Dies haben uns die RIDERS ON THE STORM bewiesen. Sie haben einen Sänger gefunden, der ein sehr würdiger Ersatz für einen Unersetzbaren ist, optisch und stimmlich. Nun muss nur noch das Publikum lernen, die „wichtigen“ Augenblicke eines Konzertes zu genießen und einfach einmal ehrfürchtig den alten Liedern zu lauschen um deren Botschaften aufzunehmen, sonst schließen sich die Pforten der Wahrnehmung vielleicht doch bald für immer…

Setlist (ohne Gewähr)
Roadhouse Blues
Break on through
Love Me Two Times
When the Music´s Over
Alabama Song
Backdoor Man
Five to One
Spanish Caravan
Dawn’s Highway
Wild child
Touch Me
L.A. Woman

Riders on the Storm
Light my fire

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